Premier League 2009/2010 News in Kürze (VII): Kebab-Laden am St. James’s Park

Normalerweise wird in der Premier League vorwiegend Fußball gespielt. Normalerweise, denn in der Liga, in der Fußball seit 15 Jahren ein globales Wirtschaftsprodukt ist, kommt man an Finanz- und Wirtschaftsthemen nicht vorbei. Und nicht genug: Auch über sportliche Veränderungen in der Premier League wird nächste Woche wohl leidenschaftlich und intensiv diskutiert. Und zu allem Überfluss zeigt das Beispiel Newcastle United, dass Tradition in Zeiten von Geldmangel nur noch eine nebensächtliche Rolle spielt.

Ein eigentlich schon beerdigtes Thema ist wieder auf die Agenda gekommen. Der Chairman der Bolton Wanderers, Phil Gartside, hat erneut den Vorschlag auf die Tagesordnung gebracht, die Premier League unter Einbeziehung der beiden schottischen Größen Celtic Glasgow und Glasgow Rangers in zwei Ligen aufzuteilen. Plus Ergänzung von Mannschaften aus der Championship. Vorstellbar sei, so Gartside, zwei Ligen mit je 18 Teams. Würde bedeuten, dass höchstens 14 Mannschaften aus der Football League mit einbezogen werden müssten. Oder anders formuliert: Premier League mit 36 Mannschaften. Wie das geschen soll, weiß aber noch keiner. Und dass die Premier League, gerade die Top Four, dem zustimmen würden, liegt außerhalb jeglicher Vorstellungskraft.

Gartside bringt zum zweiten Mal diese Idee auf die Agenda, bereits vor einem Jahr wurde sein Vorschlag aber zurückgewiesen. Jetzt soll am kommenden Donnerstag auf dem Treffen der Premier League Klubs über dieses Thema zumindest einmal diskutiert werden. Also, wenn überhaupt, ein kleiner Zwischenerfolg für die Bolton Wanderers. Was sich Gartside von dieser Vision verspricht, hat er in einem Interview mit dem Guardian deutlich gemacht. Ihm geht es vor allem darum, dass die kleinen Klubs im Vergleich zu den Top Four zu wenig vom jetzigen System profitieren und in einem permanenten Zustand der Angst leben, um bloß nicht in die Championship abzusteigen und damit finanziell kräftige Einbußen zu erleben. “Die gleichen Klubs, die von der Premier League finanziell profitieren, bekommen zusätzlich noch einmal enorme Einnahmen aus der Champions League. Da können die kleinen Klubs sportlich wie finanziell nicht mithalten. Gleichzeitig steigen die Einkommen in der Premier League sehr viel stärker als in der Championship. Aufgrund dieser aufklaffenden Lücke erhöht sich der Druck gerade auf die kleinen Vereine den Abstieg zu verhindern. Diese Polarisierung im Klubgefüge des englischen Fußballs wird für die Premier League eines der wichtigsten strategischen Themen in den nächsten Jahren.”

Phil Gartside verfolgt die Auflebung seiner Gedanken natürlich nicht ohne Selbstzweck. Eine Woche vor dem Meeting der Premier League Klubs ist das Thema wieder auf der Diskussion bei Teams und Fans. Gerade die klare Ansprache der finanziellen Differenzen innerhalb der Premier League haben eine Vorgeschichte, nämlich die Veröffentlichtung der Geschäftszahlen der Wanderers für den Zeitraum bis zum 30. Juni 2009. Die Schulden des Vereins stiegen auf 64 Millionen Euro. Die Dachgesellschaft der Bolton Wanderers, Burnden Leisure, zahlte immerhin 41 Millionen Pfund für Gehälter – und das bei einem Durchschnittsverein in der Premier League. Der Besiter des Vereins, Edwin Davies, gehört eher zu den weniger Wohlhabenden. Auch das erschwert die Situation bei Klub aus dem Nordwesten Englands. Die Firma von Davies leihte den Wanderers immerhin 23 Millionen Pfund, zu einem jährlichen Zinssatz von 10 Prozent. Als Dankeschön für diese spendable Geste zahlte Bolton auch schon mal knapp 2 Millionen Pfund zurück an Davies.

Die Reaktionen auf den Vorschlag von Phil Gartside waren zurückhaltend. Von Arsenal, Chelsea, Liverpool und Manchester United hörte man gar nichts. Everton Trainer David Moyes begrüßte immerhin den schon seit Jahren kursierenden Vorschlag, Celtic und die Rangers in die Premier League einzubinden. Als Schotte verständlich, aber auch Moyes geht es dann vor allem um wirtschaftliche Aspekte. Mehr Geld aus TV-Einnahmen, größere mediale Beachtung, wenn die schottischen Schwergewichte gegen die Big Four spielen. Es ist immer nur die große Sucht nach Geld in der Premier League. Zur Erweiterung der Premier League auch von Moyes wenig Konkretes. Aus Wigan gab es hingegen eine klare Ablehung an die Aufnahme der beiden schottischen Teams, dafür würde man es begrüßen, über eine Erweiterung der Premier League zumindest mal zu reden.

Sagen wir es mal so: Im Moment sehe ich die Wahrscheinlichkeit, dass Celtic und die Rangers irgendwann mal in England spielen, ein wenig höher, als dass der englische Fußball in seiner Ligastruktur so revolutionär umgestaltet wird, wie von Phil Gartside angedacht.

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Eine ganz wesentliche Änderung vor allem für die Fußballfans in England gibt es ab nächstem Monat. Ab dann müssen die Vereine der Premier League offen für alle legen, wieviel Geld sie an Spielervermittler bezahlt haben, sowohl der Verein als auch der Spieler selbst. In den unteren Ligen ab der Championship ist diese Regel bereits in Kraft. Die FA erwünscht sich dadurch mehr Transparenz. Mehr dazu beim Digger Matt Scott vom Guardian.

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Auch beim FC Arsenal wird derzeit mehr über Finanzen als über die sportliche Situation gesprochen. Was Trainer Arsene Wenger auch wenig gelegen kommt. Man merkte ihm auf der Pressekonferenz am Mittwoch nach dem Champions League Spiel gegen Alkmaar und am Donnerstag vor dem heutigen Spiel in Wolverhampton an, dass er erstens sich nicht perfekt mit der Thematik auskennt und lieber nur über Sport sprechen wird. Aber das sehen die Journalisten naturgemäß anders. Es geht um die Anteile am FC Arsenal, die zwar unter der Führung einer Dachgesellschaft organisiert sind, es gibt aber zahlreiche Einzelaktionäre, darunter der amerikanische Milliardär Stan Kroenke, der seine Anteile jetzt auf 29,9 Prozent an der Arsenal Holding Company erhöht hat. Sollte er seine Anteile weiter vergrößern wollen, muss er ein formales Übernahmeangebot machen. Und das reizt natürlich die Journalisten. Wird Arsenal der nächste Klub sein, der von einem reichen Amerikaner übernommen wird? To be continued. Wahrscheinlich.

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Positive Nachrichten hingegen beim FC Chelsea, also im Westen der englischen Hauptstadt. Die Blues dürfen in der Januar-Transferperiode doch wieder auf dem Transfermarkt aktiv sein, nachdem das durch die FIFA durchgesetzte Transferverbot – ursprünglich gültig bis Januar 2011 – zunächst wieder vom internationalen Sportgerichtshof aufgehoben wird, bis voraussichtlich im Frühjahr über den Fall endgültig entschieden wird. Eigentlich doch eine Traumnachricht für den Trainer Carlo Ancelotti. Doch der sagte gestern auf der PK, dass man nicht unbedingt viel auf dem Transfermarkt machen wird. Also keine Hamsterkäufe. Momentan besteht dafür auch wenig Grund. Interessant wird dann zu sehen sein, wie Chelsea die Abgänge von Drogba und Essien im Winter zum Afrika-Cup verkraften wird. Vielleicht steuert man dagegen. Vor zehn Tagen hieß es übrigens, dass Chelsea noch bereit sei 18 Millionen Pfund für Marek Hamsik vom SC Neapel zu verpflichten.

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Und wie sehr mittlerweile das Thema Sport auch negativ auf der Insel mit dem Thema Finanzen und Geld verbunden ist, erfreut dieser Tage die Fans vom Zweitligisten Newcastle United. Ein Verein, der auch in finanzielle Schwierigkeiten steckt, den Besitzer Mike Ashley eigentlich verkaufen wollte, das Angebot dann aber vom Markt nahm. Neuester Versuch von Ashley Geld in die Kasse zu bringen. Er möchte die Namensrechte am Stadion – dem historischen St. James’s Park verkaufen. Bis zum Sommer nächsten Jahres soll das höchste Angebot dann eventuell den Zuschlag bekommen. Als sei dieser Versuch für die traditionsbewussten Fans der Magpies nicht schon Übel genug, hat Mike Ashley die Fans noch weiter verärgert. Auf einer großen digitalen Werbefläche, die jetzt am St. James’s Park prangert, läuft stets die aktuelle Werbebotschaft des Bieters, der zurzeit den höchsten Betrag geboten hat. Und dafür musste der Namensschriftzug St. James’s Park weichen. Für die Fans von Newcastle eine Katastrophe. Colin Whittle von der Newcastle United Supports Trust äußert seinen Ärger im Interview bei Times Online. In den ersten 24 Stunden nach Installation der Werbefläche haben immerhin schon 12 lokale Kleintaxiunternehmen und ein Kebab-Laden geworben. Es geht aufwärts in Newcastle.

Autor: medispolis
Datum: Samstag, 7. November 2009 16:37
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