Plug In Baby: Muse in der Lanxess-Arena

Gestern Abend gegen 21:30 Uhr hatte ich mal kurz den Gedanken daran verschwendet, wie lange die Kölner Lanxess-Arena diesen unglaublich bombastischen Sound von Muse noch aushalten wird und ob es nicht bald einfach Zeit ist, dass sich die Arena mal meldet und sagt: “So, Schluss jetzt. Ihr zerstört mit eurer lauten, dynamischen und von eleganten Riffs nur so durchsetzten Musik meine Grundmauern. Dafür bin ich nicht gemacht.” Hätte mich nicht gewundert, denn was Muse gestern Abend in Köln abgeliefert haben, war ein Feuerwerk an Musik, Optik und Bühnenshow, das es im Rockgeschäft nur selten zu bewundern gibt.

Vor über fünf Jahren habe ich zum ersten Mal Muse gehört, damals im Frankreich-Urlaub, als ich Musik mit einem netten Mädchen getauscht habe. Jeder hat mal so erzählt, was er gerne hört und dann haben wir mit Hilfe von MP3-Playern einige Stücke, die der andere noch nicht hatte ausgetauscht. Von einem Lied war ich beim ersten Mal gleich begeistert: Plug in Baby von Muse. Kannte ich damals überhaupt nicht. Sie sagte, es wären Muse. Als ich wieder zuhause in Deutschland war, gleich mal nachgeschaut, wer das ist und seitdem immer mehr von Muse begeistert gewesen. Spätestens als ich vor einem Jahr Bilder von der Eröffnung des neuen Wembley-Stadions sah, wo Muse das erste Konzert gaben, stand dann schnell der Entschluss fest, Muse auch einmal live zu sehen. Da passte der Termin in diesem November in Köln wie die Faust aufs Auge. Auch wenn Muse in der deutschen Radiolandschaft immer noch nicht ihren Platz eingenommen haben, den sie eigentlich verdient haben – was einerseits vielleicht auch ganz gut ist, weil sie so nicht völlig zerspielt werden, andererseits wäre es aber nicht schlecht, so eine großartige Band auch einem größeren Publikum einmal näher zu bringen. Wie dem auch sei, gestern Abend also Muse in der Lanxess Arena.

Darf ich kurz einen Einschub machen: Ich finde die Lanxess-Arena immer noch die tollste Stätte Konzerte untem Dach zu absolvieren. Und vom Service – Getränke wie Essen – hebt sich die Gastronomie auch positiv von anderen Spielstätten ab, was man allerdings auch ein wenig am Preis merkt. Positiv noch anzumerken: Die Getränkehalter an jedem Platz. Finde ich eine großartige Investition. Also: Lanxess Arena setzte zumindest schon einmal vom Umfeld mehr als positive Maßstäbe.

Und dann ging es los: Die drei großen LED-Türme auf der Bühne, die während des ganzen Konzerts immer wieder flexibel hoch- und runtergefahren wurden und tolle Videos zeigten, ließen die Hüllen fallen. Mit den beiden Tracks vom neuen Album, Urprising und Resistance hatten man die Arena gleich auf seiner Seite. Zwei neue Songs gleich zu Beginn, dann blieb im Folgenden viel Zeit für die älteren Stücke. Und die wurden auch gespielt, in guter Kombination zwischen ruhigeren Abschnitten und den mächtigen Gitarren und der Wucht des Schlagzeuges. Nach Undisclosed Desires im letzten Drittel des Konzerts folgte dann aus meiner Sicht der vorerst schönste Teil. Nach Starlight folgten dann Plug In Baby und Time Is Running Out, meine zwei Lieblingslieder von Muse. Und dann hielt es zumindest in unserem Block auch keinen mehr auf den Sitzen. Irgendwann verabschiedeten sich dann die Drei von der Bühne mit einem simplen Winken, die Arena stand und applaudierte – und Muse kamen mit drei Zugaben zurück. Mit dem ersten Teil der Exogenesis Symphony, von denen ich gerne alle drei Stücke gehört hätte. Und zum Schluss ließ man es dann noch einmal richtig krachen: Stockholm Syndrome und Knights of Cydonia. Spätestens jetzt hätte es mich nicht gewundert, wenn das Dach der Arena weggeflogen wäre.

Nach 100 Minuten war das Konzert vorbei. Ein kurzer Dank an das sehr gute Publikum und ein “See You next year” und dann waren Muse verschwunden. Wenn man dieser Band überhaupt etwas vorwerfen kann, dann die eher geringe Interaktion mit dem Publikum. Aber das ist ein Bonus, den derzeit sowieso nur wenige Bands richtig gut erfüllen. Und ich brauche das auch nicht unbedingt. Genauso fand ich die Länge der Show auch absolut angemessen. Lieber 100 Minuten richtig gut, als 20 Minuten noch dranhängen – und bei der Zugabe geht die Luft aus. Und die Stimme von Sänger Matt Bellamy ist ja auch nicht ewig belastbar. Bei der Intensität frage ich mich sowieso, wie die Stimme eine ganze Tour durchhalten soll.

Die Band aus dem Südwesten Englands hat in ihrer Bühnenperformance, von Sound und Optik sicherlich Maßstäbe gesetzt. Das war schon ein großartiges Spektakel und spätestens seit gestern Abend weiß ich, dass Muse zu Recht als eine der besten Live-Bands dieser Zeit gelten. Es war für alles gesorgt: Laser und zum Schluss sogar ein kleines Feuwerwerk. Und trotz des großen Erfolgs und der vielen Auszeichnungen wirken Muse stets geerdet. Denn sie hätten ja auch die ganze Zeit auf ihren großen Türmen spielen können. Muse lassen dann doch lieber perfekt gespielte Songs für sich sprechen. Plug in Baby, es war großartig.

Wer sich einmal überzeugen möchte, der schaue bitte hier.

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Autor: medispolis
Datum: Dienstag, 17. November 2009 17:32
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2 Kommentare

  1. 1

    Bin auch jetzt noch ganz hin und weg.

    Als ich – viel zu spät – mitbekommen habe, dass Muse in Köln spielt, hab ich über Ebay zu erstaunlich niedrigem Kurs so eben noch zwei Karten in Top-Lage (Block 204, 1. Reihe) ersteigert. Danach meinen Sohn davon überzeugt, das es eine prima Idee sei, den Abend bei angenehmer Musik in gastlicher Atmosphäre zu verbringen.

    Und was für eine prima Idee das war!

    Ganz vorne fast direkt an der Bühne war zwar schon super, aber falls ich nochmal in diesem Leben diese Band sehen darf, dann nur noch auf Stehplatz mitten im Pulk. Gesessen hab ich eh nicht, das ließ mein Puls schon bei Uprising absolut nicht zu. Ich verstehe nicht, wie es viele andere geschafft haben, einfach so auf ihren Sitzen hocken zu bleiben.

    Das beste an Liveshow, was ich je erleben durfte. Ich wär heute morgen am liebsten direkt nach Paris aufgebrochen, dann nach Zürich, dann München…ach weh, ich muss ja arbeiten.

    Zur Musik sag ich nichts, die dürfte jeder hier kennen. Nur so viel: Sie hat mich für diesen Abend um 20 Jahre jünger gemacht. Mindestens.

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  2. 2

    Muse – The Resistance – Konzert in Köln…

    Wow, ich bin einfach nur begeistert
    Gestern war ich in der Kölner Lanxess Arena und habe mir dort die Muse – The Resistance Tour live angeguckt. Für 45 Euro eine wahrhaft lohnende Investition, schließlich ist die gebotene Show so etwas von B…

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