Beiträge vom 20. November 2009

Premier League 2009/2010 Preview #13 – Under Pressure

Freitag, 20. November 2009 21:05

Wir schreiben den 13. Spieltag in der Premier League Saison 2009/2010. Und auch wenn damit gerade einmal ein Drittel der Saison bisher absolviert ist und die Ansetzungen vom Wochenende nicht unbedingt auf den ersten Blick das große Drama und die klanghaften Überschriften bieten, so ist es doch definitiv ein Spieltag, der für einige Teams extrem richtungsweisend sein kann.

FC Liverpool – Manchester City

Live auf Sky Sport 1, Samstag 13:40 Uhr, Kommentar: Oliver Faßnacht

Und der Spieltag eröffnet mit einem Spiel, in dem oben genannter Satz auf beide Teams zutrifft. Liverpool und Manchester City sind die beiden Mannschaften, die derzeit wo am weitesten von ihren Erwartungen entfernt sind. Das Duell Siebter gegen Sechster ist bezogen auf den Abstand zum Tabellenführer Chelsea fast schon ein Mittelfeldduell. City zuletzt mit fünf Remis in Folge, Liverpool schaffte gegen Birmingham ebenfalls nur ein Unentschieden. Eigentlich müssen beide Teams hier gewinnen, entsprechend ungemütlich kann es für den Verlierer werden. Liverpool mit den Rückkehrern Gerrard, Johnson und Agger, dafür muss Torres weiter verzichten. Liverpool könnte dann in einem 4-3-3 spielen mit Kuyt, Ngog und Benayoun als Stürmer. Das Startdebüt von Alberto Aquilani kommt wohl doch noch zu früh. Auch bei City gibt es ein paar Fragezeichen. Barry und Bellamy kehren nach Verletzung wieder zurück, Einsatz ist wahrscheinlich. Am Samstagmittag kann Mark Hughes dann endlich mal zeigen, ob er großen Worten in Bezug auf die Sprengung der Big Four auch Taten lassen folgen kann.

FC Sunderland – FC Arsenal

Für mich ist das die attraktivste Begegnung am Wochenende. Und für Arsenal seit langer Zeit mal wieder eine echte Bewährungsprobe. Sollten die Gunners trotz der Verletztenmisere bei den heimstarken Black Cats gewinnen können, setze ich sie endgültig auf meine Liste der Titelfavoriten. Um mit den Worten von Arsene Wenger zu sprechen: Es sei eine weitere Chance für seine junge Mannschaft sich zu beweisen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Arsenal mit zuletzt fünf Siegen in sechs Spielen. Auch wenn man insbesondere gegen Wolverhampton nicht immer sehr sattelhaft war, war Arsenal in den letzten Wochen mehr als überzeugend. Jetzt steckt man in der schwierigen Situation mit zahlreichen Verletzten. Van Persie fällt mehrere Wochen aus, Rosicky, Walcott sind noch nicht wieder fit, Kieran Gibbs kehrt dafür schneller zurück als zunächst befürchtet. Arsenal damit mit einer Spitze in persona Eduardo, flankiert im offensiven Mittelfeld von Arshavin und Eboue, Fabregas und Aaron Ramsey übernehmen die eher defensiven Aufgaben.

Hull City – West Ham United

Richtungsweisendes Spiel also für den FC Arsenal, genau so wie für einen weiteren Klub aus der englischen Hauptstadt. Die Hammers könnten mit einem Remis Hull City in der Tabelle überholen und die Abstiegsplätze verlassen. Auch die Tigers sind wahrlich nicht auf Rosen gebettet, neben den sportlichen Schwierigkeiten kamen zuletzt eben auch interne Aufregungen. Der Chairman des Klubs hat gewechselt, Adam Pearson hat jetzt das Zepter in die Hand. Mal sehen, ob das 2:1 gegen Stoke von vor zwei Wochen befreiend für Hull City wirken kann. Und ganz plötzlich ist ein möglicher Rausschmiss von Phil Brown auch kein Thema mehr. “Phil ist sich der schwierigen Situation bewusst, natürlich ist das nicht bequem für jemanden, der so unter Druck steht. Aber ich glaube, er arbeitet sehr gut unter Druck. Er hat gut geantwortet auf die Schwierigkeiten der letzten Tage.”

FC Chelsea – Wolverhampton Wanderers

Live auf Sky Sport 1, Samstag 15:55 Uhr, Kommentar: Sven Schröter

Fast schon würde ich sagen, dass auch für Sky die nächsten Wochen richtungsweisen sein könnten. Sind sie wohl auch, und mal wieder ein Karmapunkt weniger nach München von meiner Seite. Da zeigt man am Samstagnachmittag die von der Ansetzung nur völlig mittelmäßige Partie. Man kann auf den Tabellenführer gerne auch mal verzichten. Der erste gegen den neuntzehnten der Tabelle. Auch wenn Frank Lampard bis zu sechs Wochen ausfallen wird. In der Form, in der Chelsea derzeit steckt, dürfte Wolverhampton nur eine kleine Hürde sein um die Tabellenführung zu verteidigen.

FC Burnley – Aston Villa

So richtig schlau wird man aus Aston Villa diese Saison auch noch nicht. Nach einem Dritte steht der fünfte Platz mit 21 Punkten zu Buche. Das sind Zahlen, die Man City und Liverpool gerne hätten, trotzdem ist auch Villa extrem unkonstant in dieser Saison. Zuletzt gab es aus drei Spielen nur vier Punkte, gegen Gegner wie West Ham und Everton. Das 5:1 gegen Bolton war ein Schritt in die richtige Richtung, den es jetzt zu bestätigen gilt. Nachdem Burnley jetzt auswärts gezeigt hat, dass mit ihnen zu rechnen ist, wird das kein leichter Gang, zumal Burnley eines der heimstärksten Teams der Liga ist. An vierter Stelle nur hinter Chelsea, Arsenal und Man Utd.

Birmingham City – FC Fulham

Es gibt ja so Spiele, aus denen Teams im Tabellenkeller unglaublich viel Selbstbewusstsein ziehen. Birminghams 2:2 beim FC Liverpool könnte so eine Begegnung sein, zumal der Ausgleichstreffer für die Reds einer klaren Schwalbe von Ngog folgte. Aber jetzt geht es ans Vergolden des Punktgewinnes – und das geht nur mit einem Sieg gegen Fulham. Die Cottagers derweil könnten mit jedem ergatterten Punkt sich im Mittelfeld der Tabelle festsetzen und entspanntere Weihnachten haben als in den vergangenen Jahren.

Manchester United – FC Everton

Live auf Sky Sport 1, Samstag 18:25 Uhr, Kommentar: Andreas Renner

Sagen wir es mal so: Ich warte ja immer noch einmal auf einen völlig überzeugenden Sieg der Red Devils, ein Spiel, wo mich das Team einmal komplett aus dem Sessel reißt und ich das Spiel noch nachhaltig in Erinnerung behalte. Aber diese Saison bisher Fehlanzeige. Die Ergebnisse seit Oktober: 2:2, 2:1, 0:2, 2:0, 0:1. Zwar durchaus erfolgreich, aber schön und überzeugend ist das nicht. Fast schon Ergebnisfußball à la Jose Mourinho. Nächste Bühne für meine innere Befriedigung in Bezug auf die Spielweise von Manchester United gibt es am Samstagabend gegen Everton. Vidic wird bei den Red Devils zurückkehren, dafür muss Rio Ferdinand weiter pausieren. Everton – im grauen Niemandsland der Tabelle – darf noch ein Fragezeichen hinter den Einsatz von Louis Saha machen.

Tottenham Hotspur – Wigan Athletic

Mit einem Sieg gegen Wigan könnten sich die Spurs in der Spitzengruppe der Premier League festsetzen, Wigan braucht jeden Punkt um nicht zu nah an die Abstiegsplätze zu rutschen. Tottenham wieder mit dem Dreier-Sturm Defoe, Keane und Crouch. Luka Modric wird übrigens im Dezember wieder fit sein. Massiver Zugewinn für die Spurs.

Bolton Wanderers – Blackburn Rovers

Live auf Sky Sport 1, Sonntag 14:25 Uhr, Kommentar: Markus Gaupp

Und um einen Premier League Spieltag perfekt zu machen, darf natürlich auch ein Derby nicht fehlen, diesmal wieder eins von etwas höherer Bilanz, verbindert doch die Fangruppen der Wanderers und Rovers schon seit Jahren eine nicht ganz unbedeutende Rivalität. Eine gute halbe Stunde mit dem Auto nach Süden geht es auf der A666 für die Fans der Rovers am Sonntagmittag. Die Polizei hat rund um das Lancashire-Derby schon mal wieder die Alarmpläne rausgeholt. Beide Teams diese Saison mit riesigen Schwächen in der Defensive. Das wird also garantiert nicht 0:0 ausgehen. Bei den Wanderers gab es keine guten Nachrichten unter der Woche, Tamir Cohen kurierte seine alte Verletzung nicht komplett aus und steht jetzt schon wieder nicht zur Verfügung. Johan Elmander könnte deshalb neben Kevin Davies stürmen. Mit einem Sieg würde Bolton den Rivalen in der Tabelle überholen. Unter ganz besonderer Beobachtung steht das Spiel sicherlich auch bei Portsmouth-Keeper David James. Der hatte im September zu Protokoll gegeben: “Diese Saison würde ich es hassen Bolton gegen Blackburn mir anzuschauen, das würde eines der hässlichsten Spiele im Fußball für eine sehr lange Zeit geben.”

Stoke City – FC Portsmouth

Live auf Sky Sport 1, Sonntag 16:55 Uhr, Kommentar: Toni Tomic

Ganz schwierige Aufgabe auch für den FC Portsmouth, den Tabellenletzten der Premier League. An einem wohl verregneten und stürmischen Herbsttag bei den heimstarken Potters antreten ist wahrlich keine einfache Angelegenheit. Aber so ganz allmählich erklimmt Pompey die Leiter, die aus dem Abstiegskeller führt. Wenn auch sehr langsam und Rückfälle nicht ausgeschlossen, wie zuletzt beim 3:1 in Blackburn. Insbesondere die Auswärtsleistungen ließen bisher komplett zu wünschen übrig.

Thema: Premier League | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Wenn Studenten europaweit Credit-Points sammeln sollen

Freitag, 20. November 2009 12:40

90 Credit-Points während des Studiums in Siegen, 30 Kreditpunkte während des Auslandssemesters in Sarragossa, Anrechnung von 10 Credit-Points für das Praktikum in London und vielleicht noch einmal 10 Credit-Points im Wahlpflichtbereich durch Sprachkurse, optional dann noch am besten vor Ort in Frankreich. Kann man sich dann sicherlich auch irgendwie anrechnen lassen.

So oder so haben sich die Macher des Bologna-Prozesses den europäischen Studienraum vorgestellt, europaweit lernen und studieren. Eine Illusion, für viele protestierende Studenten in diesen Tagen und Wochen eine kleine Utopie. Man kann sich über viele Dinge im deutschen Bildungssystem aufregen, vor allem in der Universitäts- und Hochschullandschaft. Zu volle Seminare, überfüllte Hörsäle und vielleicht auch Studiengebühren. Aus meiner Sicht ist der größte Fehler, den die deutsche Bildungspolitik bei der Umsetzung von Bologna gemacht hat, die gefühlte Begrenzung des Bachelor-Studiums auf sechs Semester und des Master-Studiums auf vier Semester. Denn vom eigentlichen Beschluss der Kultusministerkonferenz heißt es, dass ein Bachelor-Studium mindestens sechs Semester dauern muss, und höchstens acht Halbjahre. Vielleicht hätte man das viel besser kommunizieren sollen und acht Semester zum Regelfall und nicht zur Ausnahme machen sollen. Gleichzeitig würde ich mir eine flexiblere Regelung bei den Masterstudiengängen wünschen.

Und da hat man zumindest einen Fehler oder einen Irrtum begangen, der so schnell nicht wieder verändert werden kann. Mittlerweile ist der Konkurrenzdruck unter den Universitäten so immens groß, dass ich keine Möglichkeit sehe, dass eine Universität sich traut den Bachelor auf acht Semester auszuweiten. Sollte das zum Beispiel die Uni Düsseldorf tun, würden sich etliche Studenten für Duisburg, Bochum oder Dortmund entscheiden, wenn man dort noch in sechs Semestern zum ersten Studienabschluss kommt. Die überfüllten Lehrpläne in den Bachelor- und Masterstudiengängen sind aus meiner Sicht das Hauptproblem. Man kann nicht mehr nach links oder rechts schauen, sein Wissen vertiefen, Praktika in den Semesterferien absolvieren oder für ein Semester ins Ausland gehen ohne gleich ein siebtes Semester anhängen zu müssen. Geschweige denn während des Studiums zu arbeiten, was nicht zu unterschätzen ist, einmal von der persönlichen Entwicklung, aber auch von finanzieller Seite.

Ich bin ein Freund von Studiengebühren, solange sie überwiegend direkt in die Qualität der Lehre fließen und die Universitäten in einem transparenten Prozess genau darlegen, für welche Posten die Gebühren verwendet werden. Gleichwohl sehe ich aber auch die Tatsache, dass sich viele Studenten aus eher sozial schwachen Familien die 700 Euro inklusive Verwaltungsgebühren nicht leisten können. Ein flexiblerer Lehrplan ausgedehnt auf acht Semestern würde die Gelegenheit während des Studiums Geld zu verdienen wesentlich erhöhen. Damit sind dann vielleicht auch die Studiengebühren eher zu händeln.

Viele sprechen ja schon davon, dass sich in Deutschland eine neue Protestkultur entwickelt hat. Soweit würde ich noch gar nicht gehen. Aber ich finde es großartig, dass in Politik, Medien und Gesellschaft als Folge der Proteste über die Sorgen und Belange der Studentinnen und Studenten diskutiert werden. Erfolg hat das leider nur, wenn sich die Politik zu grundlegenden Veränderungen bekennt und diese dann auch zur Umsetzung vorschreibt. Ansonsten – so bitter es klingen mag – war die ganze Aktion viel Lärm und nichts.

Noch einmal zurück zum europäischen Bildungsraum. Von der Idee eigentlich ein wunderbares System, in Europa zu studieren, Praktika und Jobs zu absolvieren und sich das alles im Heimatland anrechen zu lassen. Nur scheitert gerade in Deutschland die Verwirklichung dieser Idee vor allem an der Umsetzung von Bologna. Ich wäre zum Beispiel sehr gerne in meinem Masterstudiengang hier in Düsseldorf für ein Semester nach Reading oder Nottingham gegangen (um zu studieren, nicht um täglich BBC und Sky Sports News zu schauen!), aber ich bekomme ein Auslandssemster einfach aufgrund von Pflichtveranstaltungen nicht in die Regelstudienzeit, zumal es auf der Insel auch noch Trimester gibt und sich das fürchterlich mit unseren Semestern überschneidet. Hat sich was von einheitlichem europäischen Bildungsraum! Und nur um auf die Insel für ein Semester zu gehen gleich das Studium um ein ganzes Jahr zu verlängern, sehe ich dann auch nicht ein.

Über viele Kleinigkeiten wird sich dieser Tage unter den Studierenden beschwert, was vernünftig und auch richtig ist. Doch werden die vielfältigen Probleme des Studiums dadurch gelöst, wenn der Bafög-Satz steigt oder ein, zwei Lehrende mehr eingestellt werden? Vielleicht ein wenig. Aber der Gedanke des Studiums sich selbstständig zu bilden, sein Wissen zu vertiefen und dies möglichst auch noch aus unterschiedlichen Perspektiven wird dadurch nicht verbessert. Und das dann alles mit privaten Aktiväten, Praktika und Nebenjobs zu verbinden bleibt weiterhin für viele scheinbar eine Mamutaufgabe. Von daher muss die Entschlackung der Lehrpläne und ein flexibleres Studieren mit der Ausweitung der Regelstudienzeit des Bachelor auf acht Semester dringend umgesetzt werden. Das wird sicherlich nicht einfach, aber es löst nebenbei hoffentlich gleich noch einige Problembereiche mit. Und nur weil der Bafög-Satz um ein paar Euro steigt und es mehr Stipendien gibt, ändert sich für den Großteil und die Rahmenbedingungen des Studierens doch eher wenig. Der große Wurf ist das bisher nicht. Europäischer Bildungsraum sollte auch heißen auf die Nachbarländer zu schauen, sich auszutauschen und zu prüfen, was man insgesamt besser und anders machen muss aufgrund bestimmter nationaler Erfahrungen. Doch momentan scheint jede Nation ihre Bildungssuppe noch selbst zu kochen. Viel Spaß beim Auslöffeln.

Thema: Politik National | Kommentare (1) | Autor: medispolis