Premier League 2009/2010 #13, FC Liverpool – Manchester City 2:2

Das Samstagmittagsspiel am 13. Spieltag in der Premier League war eine ganz wichtige Begegnung für beide Teams. Sowohl der FC Liverpool als auch Manchester City sind wohl die beiden Teams, die am weitesten von den eigenen Erwartungen und den Hoffnungen der Fans entfernt sind.  Schaut man mal auf die letzten Ergebnisse beider Teams kann einem ein wenig Angst und Bange werden. Liverpool 2:2 gegen Birmingham, 1:3 in Fulham, 0:1 in Sunderland oder 0:2 beim FC Chelsea. Manchester City mit zuletzt fünf Remis, gegen Teams wie Burnley, Fulham, Birmingham oder Wigan. Das ist soweit von den Erwartungen und Worten des Trainers entfernt, dass ein Ausflug in die Wüste fast schon mal wieder nötig wäre für Mark Hughes.

Und wenn schon nicht die Ergebnisse stimmen, macht man sich vereinintern noch ein paar Streitigkeiten mehr. Liverpool Trainer Rafael Benitez hat mal schnell kundgetan, dass er Liverpool sofort verlassen werde, sollten sich die Besitzer Hicks und Gillett entscheiden, Fernando Torres zu verkaufen. Dass überhaupt eine solche Überlegung von Benitez jetzt wieder angezettelt wird, zeigt entweder wie klamm die Kassen an der Anfield Road sind oder wie verzweifelt der Spanier um Einfluss bei den Transferaktivitäten ringt. Dabei sollte doch eigentlich geklärt sein, dass Benitez volle Kontrolle über die Transferaktivitäten hat. Und bei Mark Hughes sind es immer noch die größenwahnsinnigen Worte über das Brechen der Phalanx der Top Four – um dann mit schlechten Spielen und ungenügenden Ergebnissen sich jedes Mal ein Eigentor zu schießen.

Liverpool holte nur ein Sieg in den letzten neun Spielen wettbewerbsübergreifend. Und nächste Woche beginnt dann auch The Great Escape in der Champions League. Das sind ganz entscheidene Tage für Liverpool und Benitez. Wie so oft in den letzten Monaten. Es könnte ein Spiel sein, das zeigt, welches Team diese Saison reif ist für die Top Four und welches nicht. Und beide Mannschaften haben den Anspruch dies zu sein.

Liverpool begann mit der erwarteten Aufstellung. Kapitän Steven Gerrard konnte von Beginn an auflaufen, dafür hat es Rechtsverteidiger Glen Johnson nicht rechtzeitig geschafft fit zu werden. Riera, Benayoun und Neuzugang Alberto Aquilani waren alle auf der Bank, entsprechend durfte Ngog wieder stürmen, flankiert von Babel auf links und Kuyt auf rechts. Gerrard sollte mit Tempo aus dem Mittelfeld in die Spitze stoßen. Bei den Gästen aus Manchester waren Tevez und Roque Santa Cruz auf der Bank, Robinho glänzte derweil nur durch Anwesenheit mit feiner Vereinskrawatte auf den Tribünen der Anfield Road. City im klassischen 4-4-2, mit Bellamy und Adebayor als Spitzen. Ireland im linken Mittelfeld, Wright-Philipps kam über rechts. Gareth Barry ist rechtzeitig startbereit geworden und übernahm den defensiven Part im Mittelfeld neben dem Ex-Hamburger Nigel De Jong.

Zur Mittagszeit war bereits das Flutlicht an. Stürmisches und regnerisches Wetter an der Anfield Road, auch wenn Liverpool nicht direkt von den Unwetterfronten im Nordwesten Englands getroffen wurde. Aber zur Mittagszeit war bereits das Flutlicht an. Wobei das zur eigentlichen Lage bei den Reds sicherlich gut gepasst hätte. Trotz aller Widrigkeiten eine exzellten Stimmung in Liverpool, wie sollte es auch anders sein. Liverpool ging mit dem Gefühl eines Sieges gegen City’s Stadtrivalen in diese Partie, hatte Anstoß in der ersten Hälfte und spielte ganz in rot von links nach rechts, City wie immer in hellblau.

Liverpool war versucht gleich von Beginn an die Anspannung abzulegen, Gerrard versuchte sofort die Leitung seines Teams zu übernehmen, man ging agressiv in die Zweikämpfe. Und die Reds bereits nach fünf Minuten mit der riesen Chance zum 1:0. Nach einem zweifelhaften Foul von Barry an Kuyt bringt Gerrard mit viel Schnitt einen Freistoß vors Tor, Skrtel mit dem Kopfball und Given hält sensationell. Bei der Hereingabe stoßen in der Mitte Agger und Toure mit den  Köpfen zusammen. Agger hat Blut im Gesicht, wirkt leicht mitgenommen und wird länger behandelt. Für ihn ging es nicht weiter, ganz im Gegenteil, er muss mit der Trage vom Platz getragen werden. Weitere schlechte Nachrichten für Rafael Benitez. Es ist die Seuche momentan in Liverpool. Kyrgiakos kam nach 10 Minuten für den verletzen Dänen in die Partie. Liverpool spielte einige Minuten nur zu zehnt, in der Phase hatte City die erste Chance. Kopfball von Barry in die Mitte, Reina ist rechtzeitig draußen und kann den Ball noch ablenken, sodass Adebayor nicht einköpfen kann. Und fast der nächste Schock für Liverpool nach knapp einer Viertelstunde. De Jong geht mit gestreckten Beinen in Babel rein, der Niederländer wird komplett abgeräumt und bekommt noch nicht mal einen Freistoß zu gesprochen. Referee Phil Dowd steht zwei Meter daneben. Babel konnte erstmal weitermachen. Für ein paar Minuten. Benayoun kam für Babel.

Durch die ganzen Unterbrechungen und Verletzungspausen war der Rhythmus aus diesem Spiel völlig raus, der Anfangsdruck von Liverpool in den ersten Minuten völlig dahin. Gefährliche Torchancen stellten einen Seltenheitswert dar, außer in der 28. Minute, als Gerrard einen Abpraller der City-Abwehr knapp über das Tor schoss. Es blieben Einzelaktionen, City war dran in der 36. Minute. Ireland lässt für Wright-Philipps durch, der schießt aber am Tor vorbei. Liverpool optisch ein wenig überlegen, aber große Highlights bot das Spiel bis dahin nicht. Als Bonus für die leicht genervten Fans gab es sechs Minuten Nachspielzeit in der ersten Hälfte. Aber es blieb dabei: Viel Stückwerk, wenig Durchschlagskraft. Bis jetzt konnte kein Team wirklich Werbung für eine Position unter den Top Four machen. Aber weiß, wie Liverpool in dieses Spiel gekommen wäre, wenn man nicht nach 18 Minuten schon zwei Mal wechseln musste. 0:0 zur Halbzeit. Ernüchternd.

Kolo Toure, der in den ersten 45 Minuten einige fürchterliche Aussetzer hatte, blieb in der Kabine. Nedum Onuoha, 23 Jahre alt, in Nigeria geboren und in England aufgewachsen, ersetzte ihn. Zumindest für die Spannung in der zweiten Hälfte war zumindest vom Ergebnis gesorgt. Ein Remis würde beiden Teams überhaupt nicht helfen. Die Frage war aber eben auch, wie bereit Liverpool war großes Risiko zu gehen und nicht möglicherweise in Rückstand zu geraten. In der 50. Minute dann vielleicht der Erlöser für den FC Liverpool. Freistoß von links durch Gerrard, in der Mitte Martin Skrtel schneller als Adebayor am Ball und drückte zum 1:0 über die Linie. Keine Chance für Shag Given, der irischen Nummer Eins im Tor bei Man City. Die Reds wirkten mit der Führung im Rücken sicherer, man stand defensiv sicher, verpasste es aber nach vorne genauer und konsequenter zu spielen. City blieb wie fast schon die gesamte erste Halbzeit im ersten Drittel der zweiten Hälfte harmlos. Eigentlich wäre es die Phase gewesen zu zeigen, wie ein Spitzenteam mit Rückstand umgehen kann. Und wäre City dieses Spitzenteam, dann hätten sie die uneingespielte Mannschaft aus Liverpool in der ersten Halbzeit schon viel mehr beschäftigt. Mark Hughes reagierte auf die lethargische Leistung seines Teams und brachte in der 61. Minute Carlos Tevez für Gareth Barry. Als Liverpool ein paar Minuten lang den Fuß vom Pedal nahm und sich nur noch hinten reinstellte, hatte Manchester City Platz zum Kombinieren. Viel kam dabei aber nicht herum. Dann musste es ein Standard sein, in der 70. Minute kam Emmanuel Adebayor völlig frei zum Kopfball nach einer Ecke von Bellamy. City mit dem verdienten 1:1, und god only knows, warum Liverpool ab der 60. Minute plötzlich komplett den Spielbetrieb einstellte.

Und plötzlich drehte dieses Spiel innerhalb von einer Minute völlig auf und ließ die eher langweiligen 75 Minuten vergessen. Erst schoss Stephen Ireland in der 76. Minute das 2:1, doch statt Sicherheit und Kontrolle bei den Citizens stellte man sich dilettantisch in der Abwehr an. Und Liverpool kam 74 Sekunden später wieder ins Spiel zurück. Yossi Benayoun erzielte das 2:2 unter freundlicher Mithilfe vom eingewechselten Nedum Onuhoa. Und plötzlich war es ein offenes Spiel, das sich alle Zuschauer erhofft hatten. Fabio Aurelio kam für Yossi Benayoun, ein Wechsel, den sicherlich viele Liverpool-Fans wieder hinterfragen werden. Die Schlussphase blieb spannend, aber nicht gerade hochklassig. Insbesondere bei Steven Gerrard merkte man den Kräfteverschleiß. Ein Fernando Torres wäre jetzt hilfreich gewesen. Vier Minuten Nachspielzeit waren angezeigt.

Am Ende blieb es trotz Dauerdrucks von Liverpool beim 2:2, ein Remis, das beiden Teams überhaupt nicht hilft. City mit dem sechsten Remis in Folge. Man tritt auf der Stelle. Chelsea könnte mit einem Sieg gegen Wolverhampton jetzt auf 12 Punkte gegenüber Liverpool wegziehen. Und auch wenn es in der zweiten Halbzeit mal ein paar spektakuläre Minuten gab – insbesondere das 2:1 und 2:2 – so waren diese 90 Minuten samt 10 Minuten Nachspielzeit von wenig Klasse geprägt. Liverpool hatte viel Pech, City nicht die Klasse es zu nutzen. Beide Teams mit keinem erstklassigen Bewerbungsschreiben auf einen Platz unter den Top Four. Der Zug scheint langsam endgültig abzufahren. Braucht es eine Spiegelung der Gemütslage und der Realität beider Mannschaften, dann kann man diese 90 Minuten als Gradmesser nehmen. Durchschnittlich. Mehr nicht. Herr Hughes, übernehmen Sie!

Autor: medispolis
Datum: Samstag, 21. November 2009 15:45
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