Premier League 2009/2010: Have Yourself A Merry Little Christmas

Während halb Fußballeuropa in die Weihnachtsferien respektive Winterpause geht, rollt auf der Insel traditionell der Ball. Bis zum Jahreswechsel stehen zwei komplette Spieltage, verteilt über fünf Tage, an. Das erste Wochenende im neuen Jahr ist wie immer dem FA-Cup vorbehalten. In den ersten Januarwoche werden dann zwei Nachholspiele der Premier League ausgetragen, zudem gibt es die Halbfinals im Carling Cup. Volles Programm also für Fans, Trainer, Spieler und Vereinsumfeld. Die Spieltage um Weihnachten und den Jahreswechsel haben immer ihre ganz besondere Eigendynamik, zwei Spiele an drei Tagen. Da kann man viel gewinnen – aber eben auch viel verlieren. Innerhalb von 48 Stunden kann sich alles zum Besseren wenden – oder die Krise verschärft sich. Klassisches Beispiel in diesem Jahr könnte der FC Liverpool werden, eigentlich hatte ich auch Manchester City bis vor ein paar Tagen noch auf meiner Liste, aber da haben sich die Begleitumstände ja geändert. Dazu weiter unten noch ein paar Ausführungen mehr.

Schauen wir vor den Spieltagen 19 und 20 also einmal auf die aktuelle Situation in der Premier League. Ganz vorne weg marschiert immer noch der FC Chelsea, derzeit mit 41 Punkten vier Zähler vor Manchester United und zwei weitere vor dem FC Arsenal. Die Gunners tragen am 06. Januar aber noch ihr Nachholspiel gegen die Bolton Wanderers aus. Betrachtet man die erste Hälfte der Saison, steht Chelsea absolut zur Recht da oben. Mal abgesehen von einigen kleineren Schwächephasen, erinnert sei an die Auswärtsniederlage in Wigan oder die defensiven Schwächen der letzten Spiele – hat man vielleicht nicht den schönsten, aber den konstantesten Fußball gespielt. Vor allem das Mittelfeld, welches der neue Trainer Ancelotti bei weitem nun nicht revolutioniert, sondern eher ein wenig seiner Spielphilosophie angepasst hat, brachte die nötigen Impulse und Vorlagen für die Stürmer, von denen insbesondere Drogba eine richtig gute Saison spielt. Wenn Chelsea jetzt noch die defensiven Mätzchen wieder einigermaßen in den Griff bekommt, bleiben sie mein Top-Favorit auf die Meisterschaft, auch weil Manchester United mich diese Saison eher selten überzeugt hat. Natürlich gab es auch die Glanzlichter mit schönem Fußball, bei mir in Erinnerung sind aber vor allem die holprigen, engen Spiele, die dann zwar auch gewonnen wurden, aber nicht besonders attraktiv zum Anschauen waren. Und was auch nicht vergessen werden darf: Man Utd hat gegen direkte Konkurrenten wie Aston Villa, Chelsea (und Liverpool) verloren, und gegen Arsenal gab es einen äußerst glücklichen Sieg. Stichwort FC Arsenal, womit wir bei Platz drei wären. Die Gunners spielen eine äußerst gute Saison, verglichen mit den Erwartungen, die vor der Saison geäußert wurden. Und insbesondere das Verletzungspech hat die Ambitionen wieder ein wenig zurückgeworfen. Van Persie wird wohl die gesamte Saison ausfallen, und auch Rosicky, Nasri und fast die halbe Abwehr spielt selten mal ein paar Spiele hintereinander. Das macht es für Arsene Wenger sicherlich nicht einfacher, seine Philosophie zu verteidigen. Gespannt darf man darauf sein, wen Wenger im Januar aus dem Transfermarkthut zaubert. Denn das ein Stürmer kommen wird, ist notwendiger denn je. Und das weiß sicherlich auch Wenger, wenngleich er es nicht öffentlich kommunizieren will. Wenn wir von den drei Topteams diese Saison sprechen, würde ich dazu auch noch Aston Villa zählen wollen, die mit 35 Punkten auf dem vierten Rang stehen – ähnlich gut wie letzte Saison, wo dann in der zweiten Hälfte der Spielzeit ein wenig die Luft ausging. Villa spielt fast schon minimalistisch, erst 29 Tore hat das Team von Martin O’Neill erzielt, stellt aber mit nur 14 Gegentreffern auch die beste Abwehr der Liga. Wo Villas Reise diese Saison hingeht, wird man vielleicht schon über die Weihnachtsfeiertage erfahren. Auswärts beim FC Arsenal, daheim gegen den FC Liverpool. So stellt man sich die Zeit nach Weihnachten doch vor.

Um die internationalen Plätze kämpfen derzeit fünf Teams. Tottenham Hotspur, Manchester City, Birmingham City, der FC Liverpool und der FC Fulham. Einige dieser Teams hatte man da erwartet, andere Teams spielen deutlich über ihren Erwartungen, Liverpool musste seine Ambitionen klar nach hinten stellen. Dass ich die Arbeit von Roy Hodgson beim FC Fulham als großartig bezeichnen würde, hatte ich ja schon mal erwähnt. Gleiches gilt aber auch für Alex McLeish bei Birmingham City. Einziger Unterschied im Vergleich zu den Cottagers: Das Frischgeld sitzt beim Besitzer der Blues, Carsen Yeung, deutlich lockerer. 40 Millionen Pfund darf man in der Januar-Transferperiode ausgeben. Jetzt steht man auf Platz 7, vier Punkte hinter Platz 5, und weiß gar nicht, ob man das Geld überhaupt ausgeben soll. Das soll die Leistung des Teams aber keineswegs schmälern, zumal im Oktober noch Abstiegskampf in Birmingham angesagt war. Kommen wir damit kurz zu den Problemfällen der Liga, Man City und der FC Liverpool. Dass ich kein großer Freund der Außendarstellung von Mark Hughes war, dürfte dem Stammleser klar geworden sein. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, nach sieben Remis in Serie gegen Teams wie Burnley, Fulham oder Hull, noch zu sagen, dass man im Plan sei. Damit setzte Hughes die eigenen Erwartungen auf ein Niveau, dass man um einen vorderen Mittelfeldplatz mitspiele. Und ohne da jetzt viel hineininterpretieren zu wollen, aber das 0:3 bei den Spurs und diese abgrundtief schlechte Leistung des Teams waren dann wohl doch die Reißleine für die Besitzer aus dem Mittleren Osten. Die Scheichs hatten den Mut Hughes vor die Tür zu setzen, bei Liverpool wird das ganz offensichtlich so schnell nicht passieren. Ich habe ehrlich gesagt kein Kriterium, das einen Rauswurf von Benitez auslösen würde. Spekulativ könnten es zwei Niederlagen in den nächsten beiden Spielen sein und man irgendwann mal erkennt, dass man es nicht mehr schafft unter die Top Four zu kommen. Denn sollte das nicht gelingen und die möglichen Verkaufsszenarien der US-Besitzer sich nicht erfüllen, sieht es pechschwarz für die Reds aus.

Und dann beginnt eigentlich auch schon die Abstiegszone der Premier League, in der sich neun Teams befinden. Den FC Sunderland und Stoke City würde ich da vorerst nochmal herauszählen, weil beide Mannschaften diese Saison schon mehrfach gezeigt haben, dass sie mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Gegen beide Teams spricht vor allem die Formkurve, die steil nach unten zeigt. Die Black Cats haben nur einen Punkt aus den letzten fünf Spielen geholt, Stoke mit nur sechs Punkten aus den letzten sechs Spielen. Da wird interessant sein, wie man die Form über die Feiertage mitträgt. Stoke spielt am Boxing Day übrigens gegen Manchester City.

Burnley will am liebsten nur noch zu Hause spielen, Everton hofft endlich mal eine Woche ohne neue Verletzte zu absolvieren und bei Hull City braucht es mal wohl wieder so Schlüsselerlebnisse wie das Retten einer suizidgefährdeten Frau, wie vor ein paar Monaten. Die Stammspieler der Wolverhampton Wanderers haben übrigens die besten Feiertagen von allen Akteuren in der Premier League. Die Wolves spielen in Liverpool und daheim gegen Manchester City. Wäre Mick McCarthy konsequent, würde er seine Stammelf am 26. in Liverpool schonen und dann alles für das Spiel gegen Man City zu geben. Die Scheichs stellen daraufhin ihr Engagement in der Premier League ein, weil es erneut eine peinliche Schlappe gab. Genug der Gedankenspielerei, aber McCarthy müsste eigentlich so handeln, gerade bei der Dichte der Spiele. Und hätte es nicht einen solchen medialen Aufschrei über das Schonen von elf Spielern bei Man Utd gegeben, hätte er es vielleicht auch in ähnlicher Weise am Boxing Day gemacht.

Alles eng auf den Abstiegsplätzen. Das Schlusslicht Portsmouth und den Tabellenzwölften Wolverhampton trennen nur fünf Punkte. Und wenn es gut läuft, kann man einen solchen Rückstand innerhalb von drei Tagen schon wieder aufholen. Oder eben verlieren. Und deshalb haben Spieltag 19 und 20 mal wieder eine kleine Schlüsselrolle für die Premier League Saison. Mehr zu den einzelnen Partien, die in den nächsten Tagen anstehen, dann spätestens am ersten Weihnachtsfeiertag mehr.

Nah- und Fernverkehrserlebnisse

Die letzten Tage mit dem teils rasanten Wintereinbrüchen waren für die Menschen, welche auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, sicherlich kein schöner Abschnitt in der ohnehin schon stressigen Vorweihnachtszeit. Auch ich durfte es erleben, wie es ist Opfer von Schnee, Eis und Kälte zu werden – wie so viele andere auch.

Sonntagabend bin ich mit dem IC von Bremen nach Düsseldorf gefahren. Insgesamt meine derzeitige Heimat mit gut 45 Minuten Verspätung erreicht, wovon allein 25 Minuten Halten auf offener Strecke zwischen Essen und Duisburg eingerechnet sind. Das viel größere Problem bestand dann im Nachhauseweg vom Düsseldorfer Hbf, weil Bahnen nur noch sehr unregelmäßig oder gar nicht fuhren. Gleiches Schauspiel dann auch am Montag, wo ich fast zwei Stunden zur Uni gebraucht habe, weil diverse Bahnen gar nicht fuhren – und wenn, dann nur sehr unregelmäßig und nicht bis zum eigentlichen Endpunkt. Dafür klappte die Nachhausefahrt von der Uni am Montagabend zumindest einigermaßen problemlos, um dann dafür gestern Nachmittag wieder fast eine Stunde länger von Düsseldorf nach Hannover zu brauchen, weil Züge ausgefielen sind und damit Anschlüsse verpasst wurden. Irgendwann verliert man dann die Lust und die Haltung, alles ein wenig locker und entspannt zu sehen.

Nun bin ich weit davon entfernt zu sagen, dass bei solchen Witterungsverhältnissen alles perfekt laufen muss und man sich doch eigentlich viel früher auf den Wintereinbruch hätte einstellen müssen. Als ich Sonntagabend in Düsseldorf ankam, war ich sowas von perplex, weil ich solche Schneemassen in einer deutschen Großstadt selten gesehen habe. Dass dann nicht mehr alles nach Plan läuft, dürfte klar sein – und findet bei mir auch Verständnis. Was ich allerdings gar nicht begreifen kann, ist die mangelnde Bereitschaft, die Bevölkerung und damit die Kunden über den aktuellen Betriebsablauf zu informieren. Da gibt es in Zeiten der Internetdienste und zusätzlich über Radio und TV so viele Möglichkeiten, die aber einfach nicht wahrgenommen werden. Und überhaupt war die Informationslage an den Tagen eher dürftig.

Ein paar konkrete Beispiele: Zumindest für den Sonntag muss ich die Deutsche Bahn wirklich loben, die uns wirklich sobald es verkündbare Informationen gab, informiert hat. Man hat uns auch alles erklärt, warum wir jetzt warten – aufgrund von Weichenstörungen ist nur eingleisiger Fahrbetrieb möglich – und hat bereits in Dortmund darüber informiert, dass es im Laufe der Fahrt zu massiven Verspätungen kommen kann. Das klappte wunderbar, von daher richtet sich mein Ärger auch eher gegen die Düsseldorfer Rheinbahn. Ehrlich gesagt weiß ich noch nicht mal, ob die wissen, was gute und brauchbare Informationen sind. Als ich Sonntagabend in Düsseldorf ankam, lief über den Abfahrtszeitenbildschirm der Hinweis, dass es aufgrund der extremen Witterung auf allen Linien zu Verspätungen kommen kann. Ach, guck an, hätte ich jetzt nicht gedacht. Nach 30 Minuten war aber noch immer keine Bahn da. Dann muss die Rheinbahn meiner Meinung nach ganz einfach mal den Arsch in der Hose haben und sagen, dass bestimmte Stadtbahnlinien nicht mehr fahren. Und man nicht erst eine halbe Stunde in der Kälte steht, sondern sich andersweitig um Ersatz kümmert, zum Beispiel durch Fahrt mit der S-Bahn und eines etwas längeren Fußweges oder alternativ Taxi. Aber hinzuschreiben, dass es zu Verspätungen kommen kann – und man dann Ewigkeiten auf Bus und Bahn wartet, ist ungefähr so, als würde man sagen, man solle bei Dauerregen doch bitte eine regenfeste Jacke anziehen und nicht im T-Shirt durch die Stadt laufen.

Ärger über die Rheinbahn bei mir auch am Montagvormittag. Um mich zu informieren, wie ich aus Pempelfort zu Uni komme, schaue ich auf die Internetseite der Rheinbahn und lese diesen grandios präzisen, völlig überwältigenden Satz, dass es aufgrund der extremen Witterung auf allen Linien zu Verspätungen kommt, lediglich für einige U-Bahn Linien standen konkrete Hinweise, dass einzelne Streckenabschnitte nicht bedient werden. Also früh genug zur Haltestelle gegangen, als dann aber nach 30 Minuten weder die 706 noch die 707 vorbeischauten, zu Fuß in die Stadt gegangen. Auf dem Weg immerhin festgestellt, dass die 701 fährt, allerdings nur alle 20 Minuten und mit verkürzten Wagen. Zudem konnte ich sehr schnell feststellen, dass die 715 relativ regelmäßig fährt und die Bahnen durch die Altstadt nur bis Graf-Adolf-Platz fuhren und nicht weiter über Kirchplatz bis nach Bilk. Und dann frage ich mich doch ganz ehrlich, warum das nicht so und nur so auch detailliert im Netz als Info zu finden ist. Warum nicht? Wieso nicht der Hinweis, dass die 706 und 707 nur sehr unregelmäßig fährt und es empfohlen wird, andere Alternativen für die Fahrt Richtung Uni zu suchen? Zum Beispiel mit der 701, auf der ein Fahrplan im Takt von 20 Minuten versucht wird aufrechtzuerhalten. Aber nur hinzuschreiben, dass es zu Verzögerungen kommt, ist faul, dreist und alles andere als kundenfreundlich.

Und warum man nicht auch mal die Gelegenheit nutzt, im Radio über die aktuelle Verkehrslage zu informieren, weiß ich bis heute nicht. Das Lokalradio Antenne Düsseldorf würde sich da ja sicherlich anbieten. Ich will ja gar nicht so weit gehen und fordern, dass aktuelle Verkehrsmeldungen der Rheinbahn getwittert werden, aber eine detaillierte Übersicht im Internet darf ich ja wohl als Kunde erwarten. Man sollte es seinen Fahrgästen so leicht wie möglich machen. Und eigentlich finde ich es selbstverständlich bei Schneehöhen von 20 Zentimetern nachts die Hauptlinien zumindest einigermaßen frei zu räumen und Weichen und Verkehrskreuzungen nicht erst um 11:00 Uhr mit Salz zu bestreuen. Hoffentlich lernt man für den nächsten Wintereinbruch.

Und die Deutsche Bahn sollte mal überlegen, dass bei schlechtem Wetter und Ferienbeginn mehr Leute fahren als sonst ehe schon üblich und es damit sicherlich im Berufsverkehr zu noch überfüllteren Zügen kommt. Aber ein Zusatzzug grenzt da ja schon fast an ein Weltwunder.