Nah- und Fernverkehrserlebnisse
Die letzten Tage mit dem teils rasanten Wintereinbrüchen waren für die Menschen, welche auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, sicherlich kein schöner Abschnitt in der ohnehin schon stressigen Vorweihnachtszeit. Auch ich durfte es erleben, wie es ist Opfer von Schnee, Eis und Kälte zu werden – wie so viele andere auch.
Sonntagabend bin ich mit dem IC von Bremen nach Düsseldorf gefahren. Insgesamt meine derzeitige Heimat mit gut 45 Minuten Verspätung erreicht, wovon allein 25 Minuten Halten auf offener Strecke zwischen Essen und Duisburg eingerechnet sind. Das viel größere Problem bestand dann im Nachhauseweg vom Düsseldorfer Hbf, weil Bahnen nur noch sehr unregelmäßig oder gar nicht fuhren. Gleiches Schauspiel dann auch am Montag, wo ich fast zwei Stunden zur Uni gebraucht habe, weil diverse Bahnen gar nicht fuhren – und wenn, dann nur sehr unregelmäßig und nicht bis zum eigentlichen Endpunkt. Dafür klappte die Nachhausefahrt von der Uni am Montagabend zumindest einigermaßen problemlos, um dann dafür gestern Nachmittag wieder fast eine Stunde länger von Düsseldorf nach Hannover zu brauchen, weil Züge ausgefielen sind und damit Anschlüsse verpasst wurden. Irgendwann verliert man dann die Lust und die Haltung, alles ein wenig locker und entspannt zu sehen.
Nun bin ich weit davon entfernt zu sagen, dass bei solchen Witterungsverhältnissen alles perfekt laufen muss und man sich doch eigentlich viel früher auf den Wintereinbruch hätte einstellen müssen. Als ich Sonntagabend in Düsseldorf ankam, war ich sowas von perplex, weil ich solche Schneemassen in einer deutschen Großstadt selten gesehen habe. Dass dann nicht mehr alles nach Plan läuft, dürfte klar sein – und findet bei mir auch Verständnis. Was ich allerdings gar nicht begreifen kann, ist die mangelnde Bereitschaft, die Bevölkerung und damit die Kunden über den aktuellen Betriebsablauf zu informieren. Da gibt es in Zeiten der Internetdienste und zusätzlich über Radio und TV so viele Möglichkeiten, die aber einfach nicht wahrgenommen werden. Und überhaupt war die Informationslage an den Tagen eher dürftig.
Ein paar konkrete Beispiele: Zumindest für den Sonntag muss ich die Deutsche Bahn wirklich loben, die uns wirklich sobald es verkündbare Informationen gab, informiert hat. Man hat uns auch alles erklärt, warum wir jetzt warten – aufgrund von Weichenstörungen ist nur eingleisiger Fahrbetrieb möglich – und hat bereits in Dortmund darüber informiert, dass es im Laufe der Fahrt zu massiven Verspätungen kommen kann. Das klappte wunderbar, von daher richtet sich mein Ärger auch eher gegen die Düsseldorfer Rheinbahn. Ehrlich gesagt weiß ich noch nicht mal, ob die wissen, was gute und brauchbare Informationen sind. Als ich Sonntagabend in Düsseldorf ankam, lief über den Abfahrtszeitenbildschirm der Hinweis, dass es aufgrund der extremen Witterung auf allen Linien zu Verspätungen kommen kann. Ach, guck an, hätte ich jetzt nicht gedacht. Nach 30 Minuten war aber noch immer keine Bahn da. Dann muss die Rheinbahn meiner Meinung nach ganz einfach mal den Arsch in der Hose haben und sagen, dass bestimmte Stadtbahnlinien nicht mehr fahren. Und man nicht erst eine halbe Stunde in der Kälte steht, sondern sich andersweitig um Ersatz kümmert, zum Beispiel durch Fahrt mit der S-Bahn und eines etwas längeren Fußweges oder alternativ Taxi. Aber hinzuschreiben, dass es zu Verspätungen kommen kann – und man dann Ewigkeiten auf Bus und Bahn wartet, ist ungefähr so, als würde man sagen, man solle bei Dauerregen doch bitte eine regenfeste Jacke anziehen und nicht im T-Shirt durch die Stadt laufen.
Ärger über die Rheinbahn bei mir auch am Montagvormittag. Um mich zu informieren, wie ich aus Pempelfort zu Uni komme, schaue ich auf die Internetseite der Rheinbahn und lese diesen grandios präzisen, völlig überwältigenden Satz, dass es aufgrund der extremen Witterung auf allen Linien zu Verspätungen kommt, lediglich für einige U-Bahn Linien standen konkrete Hinweise, dass einzelne Streckenabschnitte nicht bedient werden. Also früh genug zur Haltestelle gegangen, als dann aber nach 30 Minuten weder die 706 noch die 707 vorbeischauten, zu Fuß in die Stadt gegangen. Auf dem Weg immerhin festgestellt, dass die 701 fährt, allerdings nur alle 20 Minuten und mit verkürzten Wagen. Zudem konnte ich sehr schnell feststellen, dass die 715 relativ regelmäßig fährt und die Bahnen durch die Altstadt nur bis Graf-Adolf-Platz fuhren und nicht weiter über Kirchplatz bis nach Bilk. Und dann frage ich mich doch ganz ehrlich, warum das nicht so und nur so auch detailliert im Netz als Info zu finden ist. Warum nicht? Wieso nicht der Hinweis, dass die 706 und 707 nur sehr unregelmäßig fährt und es empfohlen wird, andere Alternativen für die Fahrt Richtung Uni zu suchen? Zum Beispiel mit der 701, auf der ein Fahrplan im Takt von 20 Minuten versucht wird aufrechtzuerhalten. Aber nur hinzuschreiben, dass es zu Verzögerungen kommt, ist faul, dreist und alles andere als kundenfreundlich.
Und warum man nicht auch mal die Gelegenheit nutzt, im Radio über die aktuelle Verkehrslage zu informieren, weiß ich bis heute nicht. Das Lokalradio Antenne Düsseldorf würde sich da ja sicherlich anbieten. Ich will ja gar nicht so weit gehen und fordern, dass aktuelle Verkehrsmeldungen der Rheinbahn getwittert werden, aber eine detaillierte Übersicht im Internet darf ich ja wohl als Kunde erwarten. Man sollte es seinen Fahrgästen so leicht wie möglich machen. Und eigentlich finde ich es selbstverständlich bei Schneehöhen von 20 Zentimetern nachts die Hauptlinien zumindest einigermaßen frei zu räumen und Weichen und Verkehrskreuzungen nicht erst um 11:00 Uhr mit Salz zu bestreuen. Hoffentlich lernt man für den nächsten Wintereinbruch.
Und die Deutsche Bahn sollte mal überlegen, dass bei schlechtem Wetter und Ferienbeginn mehr Leute fahren als sonst ehe schon üblich und es damit sicherlich im Berufsverkehr zu noch überfüllteren Zügen kommt. Aber ein Zusatzzug grenzt da ja schon fast an ein Weltwunder.


Mittwoch, 23. Dezember 2009 12:33
Ach ja, Düsseldorf und der Wintereinbruch. War letztes Jahr schon genauso, als es nach Silvester mal schneite. Das blieb dann einfach zwei Wochen auf der Straße liegen, ein Umstand den ich so auch noch nie gesehen habe, zumindest nicht auf Straßen, auf denen der öffentliche Nahverkehr unterwegs sein soll. Mit dem Salz streuen kriegen sie das eigentlich nach meinen Eindrücken sehr gut hin, aber wenn Schnee fällt herrscht hier ein Chaos, das so einer reichen Stadt eigentlich unwürdig ist. Hat aber wahrscheinlich auch damit zu tun, dass es hier sehr selten schneit.
Zur Rheinbahn sei noch kurz angemerkt, dass deren Internetauftritt eh eine Schande ist, und dass man sich etwa über reine Verbindungen bspw. zwischen Düsseldorf und Duisburg in manchen Fällen besser und präziser etwa bei den Kölner Verkehrsbetrieben informieren kann, wobei die ja eigentlich nicht mal das selbe Gebiet bedienen. Auch scheint die letzte Fahrplanumstellung im Internet noch nicht eingepflegt zu sein, wie ich gestern in dreiFällen feststellen musste. Drei Kreuze, wenn ich endlich wieder auf mein Fahrrad steigen kann, wobei man es damit in Düsseldorf ja auch alles andere als komfortabel hat, aber das Problem scheint bei der Stadt erkannt und erste Änderungen sind wohl auf den Weg gebracht.
Mittwoch, 23. Dezember 2009 14:36
Mittlerweile scheint sich das Thema ja bis ins Rathaus durchgeschlagen zu haben. Danach ist wohl ein Großteil der Bevölkerung mit den Räumdiensten unzufrieden.
Wie gesagt, es kann halt nicht sein, dass Hauptverkehrsstraßen einen Tag nach dem Wintereinbruch noch nicht geräumt sind. Und somit auch viele Straßenbahnlinien. Und die Ausrede, dass es in D’dorf selten schneit, ist natürlich richtig, verschleiert aber das Problem. Denn man hätte ja vielleicht ja auch schon mal Sonntagabend räumen können, was zumindest mir nicht aufgefallen ist.