Langlauf am Rhein – der schmale Grat zwischen Event und Klimaschutz

Die ZEIT beschreitet heute einen bisher einmaligen Weg und widmet fast die Hälfte ihrer gesamten Ausgabe dem Kampf gegen den Klimawandel. Am Montag beginnt für 10 Tage die Klimakonferenz in Kopenhagen. Seit Jahren diskutieren die Regierungschefs dieser Welt über fast nichts anderes mehr als die Begrenzung der Erderwärmung. Wir alle scheinen dazu aufgefordert zu sein, aktiver und verantwortungsbewusster mit unseren natürlichen Ressourcen umzugehen. Blöd nur, dass sich die Staatschefs bis heute nicht auf einen mehrheitsfähigen umgesetzten Kompromiss geeinigt haben. Einer muss anfangen und vorweg gehen – so denkt aber bis jetzt keiner.

Immerhin scheint sich – um etwas Positives von den Diskussionen der letzten Jahre abzuleiten – ein neues Bewusstsein abgeleitet haben, dass mehr auf den Klimaschutz geachtet werden muss. Jeder muss das tun – am besten gleich vor der Haustür. Und Düsseldorf, die Stadt, in der ich seit zwei Monaten lebe und die mir so wunderbar gefällt, leistet dieses Wochenende einen ganz besonderen Beitrag zum Klimaschutz.

Dort, wo es vergangenen Monat noch fast 20 Grad waren und dieser Tage immerhin etwas knapp über 10 Grad, liegt am Wochenende Schnee – für den Weltcup der Langläufer am Rheinufer. Ich weiß gar nicht, ob es ein sinnlosere Aktion als die Durchführung einer Wintersportart auf 39 Meter über Normal Null gibt. Ich gebe zu, dass ich vor zwei Jahren auch ganz interessiert am Fernseher den Weltcup verfolgt habe, fand die Veranstaltung in Düsseldorf als etwas Außergewöhnliches, als ein kleines Event, das man ganz wunderbar mit der Kulisse des Rheins und der Stadt im Hintergrund anschauen konnte.

Vielleicht war vor zwei Jahren mein Gespür für Klimaschutz noch nicht so ausgeprägt wie in diesem Jahr. Aber ich halte die Veranstaltung mittlerweile für völligen Schwachsinn. Um mich richtig zu verstehen: Nicht die Sportart an sich, und ich wünsche vor allen den deutschen Sportlern und Trainerteam viel mehr Aufmerksamkeit für ihre in den letzten Jahren großartige Arbeit. Aber dieses Langlauf-Wochenende am Rhein, mittlerweile sowieso nur noch ein einziger Event-Charakter – muss in Zeiten der Diskussion über Klimawandel nun wirklich nicht mehr sein. Über 100 LKW-Fahrten (!) braucht es um rund 3000 Kubikmeter Kuntschnee (!!) an den Rhein zu bringen. Manchmal wünschte ich mir, das fließe alles gleich in den Rhein. Der Schnee kommt übrigens aus der Skihalle in Neuss (sic!).

350.000 Besucher werden erwartet, mehr Event-Charakter geht nicht. Und mehr als die Hälfte der Zuschauer wird wahrscheinlich Langlauf noch nie im TV gesehen haben oder sehen wollen. Aber Hauptsache im Schweizer Dorf gibt es dann den Alkohol. Die FH Düsseldorf hat nach einer Studie herausgefunden, dass Dreiviertel der Zuschauer aus Düsseldorf oder der nahen Region kommt. So what also? Kein großer Anziehungspunkt überregional. Keinem würde es weh tun, wenn der Weltcup nicht mehr stattfinden würde. Außer vielleicht den Sportlern, die das Licht der Aufmerksamkeit nicht mehr bekommen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Und wenn dafür die einzige Lösung solche Veranstaltungen wie am Wochenende sind, darf man den Wintersport in Deutschland dann auch bitte gerne zur Grabe tragen. Und ich kann beim besten Willen auch nicht erkennen, dass der Langlaufsport in Deutschland von diesen zwei Tagen nachhaltig und dauerhaft profitieren würde. Es ist eine Veranstaltung, die lediglich dem Event-Charakter einiger in unserer Gesellschaft gerecht wird. Scheinbar kann man darauf aber nicht verzichten.

Ich muss mir noch überlegen, ob ich am Sonntag mal bei der Veranstaltung vorbeischaue. Eigentlich würde ich es aus Unterstützung und Verbundenheit für die deutschen Sportler gerne tun, aber ich komme mit dem Umfeld einfach nicht klar. Und was mich darüberhinaus noch ein bisschen ärgert. Dadurch, dass Anfang Dezember der Langlauf-Weltcup am Rheinufer stattfindet, wird bereits zwei Wochen vorher mit dem Aufbau begonnen. Die wunderschöne Rheinprommenade ist praktisch von den Weihnachtsmärkten und der weihnachtlichen Stimmung in der Altstadt komplett ausgeschlossen. Stattdessen tümmeln sich die Menschen irgendwo zwischen Jan-Wellem-Platz und Rathaus. Aber wie schön und gemütlich wäre es denn von den Atmosphäre, wenn auch die Rheinprommenade im weihnachtlichen Glanz erstrahlt und ein paar Glühweinstände bereit halten würde? Stattdessen ist sie seit zwei Wochen mit irgendwelchen Absperrgittern und Metallzäunen geschmückt.

Auch wenn der Schnee nicht gekühlt werden muss, auch wenn es von Neuss nach Düsseldorf nur 20 Kilometer LKW-Fahrt sind, und fast alle Besucher mit der U-Bahn anreisen (hey, welche Stadt kann schon behaupten, dass man mit der U-Bahn zum Wintersport fährt) und der Energieverbrauch vielleicht gar nicht so viel höher liegt als bei anderen Großveranstaltungen (wobei das nur die PR der Stadt Düsseldorf sagt), ich habe irgendwie Bedenken und Probleme damit, dass eine solche Veranstaltung durchgeführt wird. Natürlich ist es für Düsseldorf eine wunderbare Gelegenheit Werbung zu machen, aber wie war das gleich nochmal: Einer muss anfangen und vorweg gehen.

Der neue “Spielmacher” ist da: Ausgabe Dezember 2009

Drei Monate nach dem letzten Magazin haben wir jetzt wieder unseren regelmäßigen Veröffentlichungsrhythmus eingehalten und veröffentlichen wieder mit Freude und Vergnügen den Spielmacher, Ausgabe Dezember 2009.

Jens/Catenaccio hat sich wieder vorbildlich um das Layout gekümmert und einen Beitrag zum Saisonfinale in der Major League Soccer beigesteuert. Max/Abenteuer Fussball beschäftigt sich mit dem Verbot von Bengalos im österreichischen Fußball, sein Blogpartner Moritz berichtet von seiner Reise zum Cravan Cottage, der Spielstätte des FC Fulham in der Premier League. Miro/north stand blickt auf die katastrophale Lage bei Hertha BSC Berlin und meine Wenigkeit hat ein Porträt von Ledley King, Kapitän der Tottenham Hotspur, beigesteuert. Warum gerade Ledley King, erfahrt ihr spätestens im Bericht.

Das Magazin gibt es hier zum Download: Ausgabe Dezember 2009 (pdf-Format, 7,98 MB)

Wir sind wie immer offen für Fragen, Anregungen, Kritik und Hinweisen. Einfach uns über die Kontaktadressen in den jeweiligen Blogs kontaktieren oder einen Kommentar unter die jeweiligen Blogbeiträge schreiben.

Ich wünsche wie immer eine spannende Lektüre. Alles weitere hinter der Idee des “Spielmacher” und das Archiv findet sich hier.

Die nächste Ausgabe wird Anfang März erscheinen. Wir sind bereits dabei die Ausgabe zu planen, mal sehen, welche Inhalte am Ende des Findungsprozesses erscheinen werden.

Steuergeschenke für die Bundesländer 2000 vs. 2009

Ich habe heute Abend einmal wieder Heute-Journal im ZDF geschaut, was bei mir ungefähr höchstens 10 Mal im Jahr passiert. Aber zumindest vorhin habe ich es nicht bereut, weil ich mich doch herrlich über eine Aussage vom SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel freuen konnte.

Gabriel sagte, die Koalition aus CDU/CSU und FDP verteilt jetzt Steuergeschenke, um die Länder zu locken, damit die dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz im Bundesrat zustimmen. Mehrere Bundesländer haben ja bereits aufgrund der Steuerminderneinnahmen für die Länder ihre Ablehnung signalisiert. Und Gabriel hat jetzt in aller Schärfe kritisiert, dass jetzt hinter vorgehaltener Hand die Länder anderweitig entlastet werden oder Zuschüsse bekommen. Das könne doch gar nicht sein, dass der Bund jetzt den Ländern die Zustimmung abkauft. Das würde doch nur die Schulden erhöhen.

Sachlich zwar richtig, aber vielleicht erinnert sich die SPD mal zehn Jahre zurück. Große Steuerreform von Gerhard Schröder und Hans Eichel, Abstimmung im Bundesrat im Sommer 2000. Mehrere SPD-Regierungen stimmen nur zu, weil der Bund den Ländern Finanzhilfen signalisieren. Klassisches Beispiel das Bundesland Bremen. Schröder sichert Bremen für die Zustimmung zur Reform und als Entschädigung für Mindereinnahmen 500 Millionen Euro zu.

Und was hat Bremen letzlich bekommen? 100 Millionen Euro. Und das auch nur, weil Bremen hartnäckig war. Am liebsten hätte Schröder gar nichts gegeben. Also, lieber Herr Gabriel, auch in der Politik sollte man sich an die Vergangenheit erinnern. Und wenn Union und FDP dann immerhin die Entschädigungen auch zahlen, dann ist das finanzpolitisch weniger richtig, aber immerhin ehrlich. Denn Versprechen sollten gehalten werden. Scheinbar erinnert sich Sigmar Gabriel nicht mehr an das Jahr 2000.