Das Bahn-Wort zum Donnerstag
Donnerstag, 7. Januar 2010 13:33
Die Deutsche Bahn AG steht mal wieder von allen Seiten kräftig unter Beschuss. Erst die großen Verspätungen und zahlreichen Ausfälle aufgrund des Winterwetters und jetzt ist seit Tagen wegen zwei Güterzugunfällen mit erheblichen Einschränkungen und Verspätungen auf der Verbindung Ruhrgebiet-Hannover-Berlin zu rechnen.
Auch ich war von der Sperrung der Strecke in Westfalen am Dienstag auf meiner Rückreise von Hannover nach Düsseldorf betroffen. Am Ende war ich über zwei Stunden später an meinem Ziel. Ich habe überhaupt nichts dagegen und finde es auch überhaupt nicht schlimm, wenn die Bahn aufgrund der extremen Witterung mit Kälte und Schnee nicht pünktlich fahren kann. Und dass dann wegen der hohen Taktdichte und der vielen Züge im Streckennetz einiges aus dem Ruder läuft, finde ich völlig okay. Das ist eben höhere Gewalt bei der sensiblen Technik. Und da habe ich dann auch vollstes Verständnis, wenn man nur schwer die Fahrgäste darüber informieren kann, wie die Reise weitergeht.
Was ich aber überhaupt nicht nachvollziehen kann, was mich seit Tagen immer noch verärgert und wo die Bahn bei mir immer mehr Kredit und Glaubwürdigkeit verspielt, ist der schlichte Servicegedanken und das Umgehen mit dem Kunden, was scheinbar hinter wirtschaftlichen Gewinnprognosen immer weiter zurückgedrängt wird. Wenn ein vollbesetzter Regionalexpress mit fünf Doppelstockwagen aufgrund einer Streckensperrung seine Fahrt nicht fortsetzen kann und ein Ersatzverkehr mit Bussen notwendig ist, dann kann ich da nicht nur zwei kleine Linienbusse für über 300 Fahrgäste hinstellen. Das begreife ich einfach nicht. Und wohlgemerkt bestand die Streckensperrung bereits seit über 10 Stunden. Man hätte also genug Zeit gehabt, Busse und Personal zu besorgen, wenn man denn will.
Ich habe das komische Gefühl, dass bei der Deutschen Bahn AG sich, was Service und Kundenzufriedenheit angeht, langsam totgespart wird, nur um möglichst viel Gewinn und später Rendite mitzunehmen. Das fängt damit an, dass man an Endstationen der Nahverkehrszüge nur noch selten die Mülleimer im Wagen leert. Und dass endet eben bei so selbstverständlichen Dingen wie einer guten Betreuung der Fahrgäste, sollte es zu Sperrungen und Ausfällen kommen. Das darf ich bei einem Unternehmen, das im vergangenen Jahr 1,5 Milliarden Euro Gewinn machen wird, aber wohl erwarten!
Überhaupt scheint mir das Unternehmen auf Krisen, Zwischenfälle und unvorhergesehene Ereignisse nur unzureichend vorbereitet. Da sollte es doch sowas wie Krisenpläne geben mit konkreten Schritten, die zum Beispiel bei längeren Streckensperrungen sofort einzuleiten sind. Aber dafür braucht man natürlich Personal, das nur unnötig kostet. Als kurz vor Weihnachten eine Computerpanne in einem Stellwerk den Zugverkehr in und um Hannover einen halben Tag lahm legte, war die Bahn mit der Situation schlicht überfordert und wusste nicht mehr weiter.
Auch wenn das ein extremes Beispiel ist, soll es aber deutlich machen, dass sicherlich viele Fahrgäste – auch wie ich – für Störungen und Verspätungen vollstes Verständnis haben, gerade bei schwierigen Witterungsverhältnisse. Was mir aber insbesondere immer mehr gegen den Strich geht bei der Bahn AG, ist diese Dreistigkeit, wie mit Fahrgästen servicemäßig bei größeren Störungen umgegangen wird. Da hat die Bahn dringend Nachholbedarf – und den gibt es eben nur mit einer neuen Kundenphilosophie und mit Geld, welches aber vorhanden ist. Und was nützt es mir, wenn die Bahn irgendwann mal an der Börse ist, und für 300 Fahrgäste zwei kleine Linienbusse bereitgestellt werden. Wird Zeit, dass das Verhalten der Bahn auch mal wieder auf die politische Agenda gebracht wird. Herr Ramsauer, es reicht leider nicht, nur einmal medienwirksam bei dieser Sache den Mund aufzumachen. Taten müssen folgen, bei der Bahn und in der Verkehrspolitik. Im Sinne der zahlenden Fahrgäste.
Thema: Wirtschaft | Kommentare (1) | Autor: medispolis

