Beiträge vom 15. Januar 2010

Vorschau Bundesliga-Rückrunde: Hannover 96

Freitag, 15. Januar 2010 10:23

Abschließend einige Gedanken der Sportblogger zur Situation bei Hannover 96 vor der Rückrunde. Weil letztens irgendwo auch die Frage aufkam, welchem Team ich näher stehe, also Werder oder 96, dann ist das ganz klar Bremen. Ich finde nach wie vor, dass bei 96 nicht so alles läuft, wie es laufen konnte. Ich tue mich immer schwer mich als richtiger 96-Fan zu identifizieren, nichts desto trotz habe ich für den Verein zumindest große Sympathien und beobachte regelmäßig, was im Verein und im Umfeld passiert. Infos zur Bundesliga-Rückrundenvorschau der Sportblogger finde sich zu Beginn dieses Eintrags an dieser Stelle.

Wie gut klappt es mit Trainer Andreas Bergmann? Ich kenne Bergmann aus seiner St. Pauli-Zeit nicht unbedingt als mitreißendsten Trainer. Kann so ein Charakter in Hannover überhaupt langfristig arbeiten?

medispolis: Schwierige Frage. Bergmann ist alles andere als ein mitreißender Trainer, sondern wirklich eher ruhig und besonnen, in der Außendarstellung und wohl auch im Umgang mit seinen Spielern. Bei den Fans ist er unglaublich beliebt, bei den Spielern auch. Im Vereinsumfeld ist er längst nicht mehr so unumstritten wie zu Beginn seiner Tätigkeit. Martin Kind hatte um den Jahreswechsel herum von Bergmann einen energischeren Umgang mit seinen Spielern gefordert, Bergmann sei zu weich und freundlich mit seinen Spielern.

Nach der peinlichen Leistung im Testspiel gegen Union Berlin ist Schmadtke dann ja mit der Mannschaft Schlitten gefahren und hat wohl eine ziemlich drastische Kabinenansprache in der Halbzeit geliefert. Könnte ich mir bei Bergmann nie vorstellen, deswegen hat es wohl auch der Sportdirektor gemacht. Bergmann ist nach dem Tod von Enke eigentlich nur einmal deutlich geworden, als er seine Spieler ermahnte, man dürfe sich leistungsmäßig nicht hinter dem Tod von Enke verstecken. Dann kam das 2:3 gegen Bochum nach 2:0-Führung. Und seitdem hängt das alles so ein bisschen in der Schwebe in Hannover. Entscheidend wird der Rückrundenstart. Heimspiele gegen Hertha und Nürnberg, dazwischen auswärts in Mainz. Wenn dort nicht ordentlich gepunktet wird (optimal wären sechs Punkte aus den beiden Heimspielen), glaube ich dürfte Bergmann sehr schnell weg sein.

Kurtspaeter: Interessant finde ich die Tatsache, das man aus der Zeit bei St.Pauli ganz andere Stimmen zu Bergmann hört. Demnach hat er sich (vorallem gegen Ende) den Fans gegenüber als extrem arrogant und den Spielern gegenüber als eher unflätiger Derrwisch dargestellt. Ich sehe das aber ähnlich, wenn Hannover gut in die Rückrunde kommt, dann bleibt er bis zum Saisonende.

Ist es richtig, durch das Abhängen von Enkes Trikots zum Rückrundenbeginn das Thema “Enke” schon wieder auf den Tisch zu bringen?

medispolis: In Hannover zumindest war das Thema Enke nie wirklich unter dem Tisch. Und das scheint wohl auch das größte Problem gewesen zu sein in den letzten Spielen der Hinserie. Von daher finde ich es angebracht, das Trikot abzunehmen, auch wenn dann das Thema noch einmal ausführlich besprochen wird. Aber das dauerte gar nicht so lang. Scheinbar haben sich die meisten damit abgefunden, dass das Trikot jetzt weg ist, die Diskussion ist sehr schnell zu Ende gegangen. Und ich denke, es hilft auch den Spielern.

Heinzkamke: Der Zeitpunkt in der Winterpause war meines Erachtens richtig gewählt (wenn auch vielleicht so nicht vorgesehen). Der Gedanke, man hätte es wenige Spieltage vor Schluss getan, unter Betonung irgendeines medial intensiv aufbereiten Zusammenhangs zwischen Trikot und Mannschaftsleistung, ist mir deutlich unangenehmer.

Enno: Für mich ist Hannover der Abstiegskandidat Nummer Eins. Die Mannschaft kann nicht mehr gewinnen, das ist jetzt schon offensichtlich und wird nach dem Beginn der Rückrunde in eine abgrundtiefe Negativspirale enden. Das klingt zwar platt und pietätlos. Aber die Mannschaft hat den Tod von Robert Enke nicht verkraftet.

Hannover 96 – Forsell, Hanke – besteht noch Hoffnung für die Stürmer mit dem einst wohlklingenden Namen?

medispolis: Nein! Bei Forsell übrigens noch weniger als bei Hanke. Forsell kam ja schon mit einer langwierigen Verletzung aus Birmingham nach Hannover. Seitdem mehr verletzt gewesen als gespielt. Bei Hanke sehe ich noch ein wenig bessere Chancen. Und im Moment ist es für beide sowieso schwierig sich in die Mannschaft zu spielen. Ya Konan scheint gesetzt, wenn es eng wird, spielt Stajner zweite Spitze, ansonsten im System Bergmann nur ein Stürmer oder vielleicht ja mal wieder Schlaudraff als hängende Spitze.

Kurtspaeter: Forsell hat einen wohlklingenden Namen, von dem ich immer noch nicht weiß, warum der eigentlich so wohlklingend sein soll. Abgesehen von seinem halben Jahr in Gladbach ist er nur durch Verletzungen aufgefallen. Und Hanke wird von Magath nach Schalke zurückgeholt und dann noch einmal groß rauskommen…

Thema: Fußball | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Vorschau Bundesliga-Rückrunde: SV Werder Bremen

Freitag, 15. Januar 2010 10:13

Ich habe zusammen auf Initiative von dogfood/allesaussersport, der sich zahlreiche vereinsspezifische und allgemeine Fragen ausgedacht hat, die letzten Tage zusammen mit einigen anderen Sportbloggern (Jens/Catenaccio, Probek, Heinzkamke, Nick/Any Given Weekend, Milhouse, Max/GNetzer, Enno und Kurtspaeter) an einer  Rückrundenvorschau für die Bundesliga geschrieben. Mehr zur Idee und Umsetzung gibt es bei allesaussersport, wo Kai auch alle 15.000 Wörter in diversen Beiträgen gestaffelt veröffentlichen wird. Für meinen Teil stelle ich hier unter anderem meine Gedanken zur Situation bei Werder Bremen und Hannover 96 ein. Beginnen wir mit dem SV Werder in diesem Eintrag.

    Wie zufrieden ist man in Bremen mit der Saison, nachdem man viele Lorbeeren geerntet hat, aber nur sieben Spiele gewonnen hat? Ich hatte das Gefühl, dass die Betroffenheit nach dem Spiel in Hamburg nicht nur wegen der Niederlage so groß war, sondern auch weil man realisierte, dass trotz dieser Hinrunde, man außerhalb der Europa-Plätze war.

    medispolis: Dein Eindruck nach dem Hamburg-Spiel ist eigentlich genau richtig beschrieben. Ich denke, bei Werder ist man insgesamt mit der Hinserie zufrieden. Man ist noch in allen Wettbewerben in guter Position. Was die Stimmung ein wenig getrübt hat, waren die eher schwachen Spiele zum Ende der Hinrunde. Beispielhaft die erste Hälfte in Hamburg, die ich fürchterlich schlecht fand. Auch das Auswärtsspiel in Köln hatte man sich sicherlich anders vorgestellt. Blöd für Werder eben auch: Man hat mit Schalke und dem HSV gegen zwei direkte Konkurrenten verloren und dabei relativ deutlich die Grenzen aufgezeigt bekommen. Ich will grundsätzlich nicht zu viel in Saisonverläufe hineininterpretieren, aber es passt ein wenig, dass Werders Formkurve nach unten ging, nachdem man überzeugend in Freiburg gewonnen hatte und plötzlich einige schon wieder von der Meisterschaft gesprochen haben. Davon ist man jetzt ein ganzes Stück entfernt.

    Der Abgang von Diego wurde mit Marin und Özil kompensiert, weg von einem zentralen Zehner. Insbesondere gegen Ende der Hinrunde hatte ich aber in einigen Interviews den Eindruck, dass Schaaf einem zentralen Zehner noch nachtrauert. Das System ist bereits zur Raute zurückgekehrt. Ist Werder noch aktiv auf der Suche nach einem klassischen Mittelfeldregisseur und daher derzeit nur in einem Zwischenzustand?

    medispolis: Würde mich nicht wundern, wenn Werder im Offensivbereich was auf dem Transfermarkt tun würde. Oder anders formuliert: Nicht völlig auf Teufel komm raus, sondern es muss wieder passen. Bisher schwirtt ja nur ein Name immer wieder herum, nämlich Mario Mandzukic von Dinamo Zagreb, angeblich im Tausch für Moreno und Rosenberg. Würde ich persönlich gut finden, weil ich sowohl von Moreno als auch Rosenberg trotz langer Verletzung mehr erwartet habe. Aber bisher jetzt zu viele unbekannte Variablen im Spiel. Gut, System ist sowas ähnliches wie eine Raute, aber wie ich finde nicht zu vergleichen mit letzter Saison. Meist ist das jetzt ehe ein fünfer Mittelfeld und nur noch eine Spitze und deutlich variabler angelegt. Özil tauscht mal mit Hunt die Seiten, man hat einen etwas offensiveren Part mit Borowski, eher etwas defensiver mit Frings und Daniel Jensen. Je nach Marins Position kann das 4-5-1 oder klassisch 4-4-2 werden. War letzte Saison nie so möglich. Bei allem Lob für die Leistungen von Özil darf man Hunt nicht vergessen, spielt eine tolle Hinrunde.

    Zu Saisonbeginn hatte ich große Fragezeichen hinter Özil und Marin gesetzt, da beide den Sommer mit der U21-EM durchgespielt hatten (Marin wurde seltener eingesetzt, ist aber noch fragiler als Özil). Ich hab auf das Loch gewartet, aber beide haben eine gute Hinrunde absolviert. Reicht bei beiden die Kraft auch noch für die Rückrunde?

    medispolis: Habe so ein bisschen das blöde Gefühl, dass es nicht reichen könnte. Özil hatte schon zum Ende der Hinrunde einige sehr schwache Spiele, wo er müde wirkte. Ich kann mir bei Marin nicht vorstellen, dass er auf dem guten Niveau komplett die Saison durchspielt. Wäre auch nicht schlimm, wenn nicht. Dafür sind genug Alternativen im Mittelfeld.

    Max/@GNetzer: Ich persönlich finde auch, dass gerade bei Özil sehr wohl Leistungsschwankungen zu sehen waren. Bei Marin sowieso (was bei ihm aber meiner Meinung nach auch an taktischer Unbedarftheit liegt – er wirkt manchmal etwas gehemmt aus Angst, seine Defensivaufgaben zu vernachlässigen). Aber Werder hat einfach diesen Claudio Pizarro – und der köpft das Ding nach Ecke/Freistoß einfach mal rein. Solange Pizarro weiter den “Türöffner” in schlechten Spielen mimt, hat Werder kein Problem. Wenn Pizarro allerdings fehlt und Özil einen schlechten Tag hat… nun ja, das hat man ja gegen Ende der Hinrunde gesehen.

    medispolis: Vielleicht nochmal kurz zu den Personalien im Mittelfeld. Ich denke, dass gerade bei Marin und Özil bei der Wiederholung der Hinrundenperformance ein kleines Fragezeichen steht. Aber wie gesagt, im Mittelfeld sehe ich die geringsten Probleme für Werder. Hunt, Jensen, Borowski, Frings, auch Bargfrede können das zusammen einigermaßen kompensieren. Sorgen bei Werder macht mir vor allem der Sturm. Pizarro kränkelt, Almeida und Rosenberg waren lange verletzt und haben längst noch nicht ihre Bestform erreicht, Moreno spielt zu wenig und hat seine Chancen bei bisherigen Einsätzen, vor allem in der Bundesliga, auch nur selten nutzen können.

    Problembereich Angriff, wo Pizarro den Alleinunterhalter spielt. Ist da eine Lösung absehbar oder bleibt es weiterhin beim Flaschendrehen vor dem Spiel, ob nun Marin, Almeida oder Rosenberg an Pizarros Seite spielen?

    medispolis: Optimallösung wäre für mich, wenn man Mandzukic von Zagreb noch holen würde und dann wieder mit zwei Spitzen spielt, was in Konsequenz dann bedeuten würde, dass das Mittelfeldsystem wieder näher an der Raute orientiert ist. Finde ich erstmal nicht schlimm, solange Werder dafür im Sturm mehr Power bekommt und Pizarro auch entlastet wird.

    Max/@GNetzer: In Spielen gegen spielschwächere Gegner: Marin und Pizarro. In Spielen gegen stärkere Gegner: Nur Pizarro oder mit Almeida als Backup. Auf Neuzugänge zu hoffen ist zwar das, was alle Fans tun – aber gerade in der Winterpause ist die Trefferquote der meisten Vereine verheerend. Wenn Pizarro aber fit bleibt, dürfte das nicht zum Problem werden.

    medispolis: Die wichtigste Frage scheint wirklich zu sein, ob Pizarro verletzungsfrei durch die Rückrunde kommt. Für den Auftakt in Frankfurt ist der Einsatz schon mal mehr als fraglich. Gut, ist scheinbar nicht wieder die langwierige Verletzung aus der Hinrunde, aber auch dort hatte seine Rückkehr ja viel länger gedauert als angenommen.

    Thema: Fußball, Werder Bremen | Kommentare (0) | Autor: medispolis