Review aufs Sportwochenende
Ob ich ein schönes Wochenende hatte, beurteile ich zum großen Teil danach, was ich gemacht habe, wen ich gesehen und was an Ereignissen nächste Woche ansteht. Und zu einem kleinen Teil eben auch an den sportlichen Ereignissen von Freitag bis Sonntag. Gradmesser sind dabei immer die Leistungen von Werder, Hannover 96, dem FC Arsenal und den Hannover Scorpions. Auch wenn das nur ein kleiner Teil meines Wohlbefindens ist, kann es ein gutes Wochenende schon mal ein wenig schlechter machen oder natürlich auch umgekehrt. Und gehe ich mit schlechter Laune am Montagmorgen aus dem Haus zur Uni, dann hat es meistens mit den sportlichen Ereignissen der letzten Tage.
Fragt mich einer nach diesem Wochenende, weiß ich eigentlich so gar nicht, wo ich es einordnen soll. Tendenziell eher negativ. Daran können auch die durchwegs guten Leistungen der Hannover Scorpions nichts ändern. Heimsieg am Freitag gegen Augsburg, heute zwar eine Niederlage im Penaltyschießen gegen die stark formverbeserten Pinguine aus Kreefeld. Aber vier Punkte mehr, weiterhin auf Platz drei und alle Chancen offen sich am Saisonende unter den ersten sechs der Tabelle zu platzieren. Von daher war das aus Eishockey-Sicht ein doch gutes Wochenende.
Was man vom Fußball nicht unbedingt behaupten kann. Werder Bremen verlor in Frankfurt mit 0:1 und verpatzt den Rückrundenauftakt. Vor sechs Wochen sprach Klaus Allofs noch von der Meisterschaft, heute gab es die Standpauke für die Spieler und die Erwähnung des ach so tollen Begriffes “Mittelmaß”. Und genau da steht Werder zumindest von der Form der letzten Wochen auch. Im Prinzip war die Leistung in Frankfurt eine Fortsetzung der Performance gegen Schalke und Hamburg. Viel zu lethargisch, nicht zielstrebig, halbherzig im Spielaufbau. Als wollte man dieses Spiel gar nicht gewinnen oder hoffte, Frankfurt würde mit einem spektakulären Eigentor für den Sieg der Hanseaten sorgen. Özil war alles andere als präsent auf dem Platz, Marin tauchte insbesondere in der zweiten Hälfte auch ab. Dann ist es klar, dass Rosenberg, Pizarro und Almeida vorne keine Impulse setzen können. Wenn es überhaupt etwas Positives zu erwähnen gab, dann das Debüt vom Linksverteidiger Abdennour. Hatte einige gute Ansätze. Wenn er das noch ein wenig verbessern kann, wird das ein vielversprechender Transfer. Weitere Einschätzungen zum Werder-Spiel in Frankfurt gibt es bei Meine Saison.
Bei Hannover 96 herrschen derzeit die Alarmglocken nach der peinlichen Heimniederlage gegen Hertha BSC Berlin. Wühlt man sich durch die Fanforen und die Kommentare unter den Artikeln der Hannoverschen Allgemeine, sieht man nur Frustabbau und das Infragestellen von nahezu allen Elementen im Verein, Trainer wie Spieler, Präsident. Nur die Fans will keiner entlassen. Zu allem Übel kommt jetzt noch die Verletzung von Ya Konan, der fast zwei Monate ausfallen wird. Wobei der Sturm gar nicht das größte Problem ist. Mit Stajner, Schlaudraff und auch Hanke sind hier Alternativen zumindest vorhanden. Sorgen macht mir auch für das Auswärtsspiel in Mainz die Abwehr. Schulz fehlt wegen der 5. gelben Karte, Karim Haggui ist noch mit Tunesien beim Afrika-Cup. Mario Eggimann hat gestern gezeigt, dass er in seiner momentanen Form keine Verstärkung und ein adäquater Ersatz ist, um es einmal vorsichtig zu formulieren. Und so hängt die Zukunft von Trainer Bergmann und auch ein bisschen des Vereins am nächsten Spiel in Mainz. Sollte dort nicht gewonnen werden, dann dürfte die Amtszeit von Bergmann beendet sein. Und die Vorzeichen sprechen ja nun wirklich nicht gerade dafür, dass Hannover in Mainz gewinnt. Personalprobleme, Selbstvertrauen, das jenseits von gut und böse sein wird, extremer Druck gewinnen zu müssen, dazu ist Mainz noch das fünftbeste Heimteam der Liga. Natürlich ist es jetzt ein leichtes zu sagen, man sollte Andreas Bergmann entlassen. Trotzdem finde ich die jetzige Strategie richtig. Vielleicht gelingt ja doch ein Coup in Mainz und mit Selbstvertrauen dann ein Sieg gegen Nürnberg – und dann sieht die Tabellenkonstellation schon ganz anders aus. Bergmann bekommt noch eine Chance, seine letzte.
Äußerst erfreulich hingegen das Ergebnis des FC Arsenal. Die Gunners gewannen 2:0 in Bolton dank eines wieder mal überragenden Cesc Fabregas. Man festigt damit Platz 3 und hat jetzt sieben Punkte Vorsprung auf Manchester City. Bolton zeigte sich unter dem neuen Trainer Owen Coyle in vielerlei Hinsicht schon stark formverbessert, konnte die vielen Chancen aber nicht nutzen. Arsenal insgesamt mit einer guten Leistung im Spiel nach vorne, man ließ aber defensiv zu viele Möglichkeiten für die Wanderers zu. Insbesondere in den ersten 30 Minuten der zweiten Halbzeit bettelte man förmlich um den Ausgleichstreffer. Aber am Ende ist alles gut gegangen. Noch erwähnenswert: Craig Eastmond, 19-jähriger Engländer, gab beim FC Arsenal heute sein Premier League Debüt von Beginn an.

