DEL 2009/2010: Noch drei Wochen bis zu den Playoffs

Noch etwas mehr als drei Wochen sind es, bevor am 24. März das erste Spiel der Pre-Playoffs absolviert wird und damit die ganz heiße Phase im Kampf um die deutsche Eishockeymeisterschaft 2010 beginnt. Am Dienstag nimmt die DEL nach der Olympiapause wieder ihren Spielbetrieb auf. Dann heißt es für alle Mannschaften noch acht bis zehn Spiele zu absolvieren. Nach dem letzten Spieltag am 21. März steht dann fest, welche sechs Teams sich direkt für die Playoffs qualifiziert haben und welche vier Klubs um die letzten zwei verbliebenen Plätze kämpfen.

Und insbesondere der Kampf um die direkten Playoff-Plätze ist diese Saison so spannend wie lange nicht mehr. Die bisherige Spielzeit hat gezeigt, dass mit Ausnahme der Eisbären Berlin es keine Übermannschaft in der DEL gibt und jedes Team jeden schlagen kann. Zwischen Platz 2 und Platz 7 liegen gerade einmal 11 Punkte. Acht Teams haben noch gute Chancen sich für die direkte Teilnahme an den Playoffs zu qualifizieren. Fünf Plätze sind noch zu vergeben. Und auch der Kampf um die Pre-Playoff-Plätze bleibt interessant. Lediglich die Kassel Huskies und die Straubing Tigers sind davon völlig außen vor. Wohl auch die Hamburg Freezers, die gestern zwar in einem Nachholspiel mit 3:1 gegen Kassel gewannen. Das dürfte aber trotzdem nicht reichen um noch einmal in den Kampf um die Pre-Playoffs einzusteigen. Aber ansonsten tobt der Kampf um die Playoffs. Dienstag geht es wieder los, Anlass genug mal einen genaueren Blick auf die aktuelle Lage in der DEL zu werfen.

Ganz oben in der Tabelle stehen souverän die Eisbären Berlin, die als einziges Team auch schon für das Playoff-Viertelfinale qualifiziert sind. Und man braucht kein großer Prophet sein um zu sagen, dass der Klub aus der Hauptstadt auch der Topfavorit auf die Meisterschaft ist. Der ausgeglichenste Kader, die besten Spieler und die mit Abstand beste Heimbilanz in der Liga. Und stets mit Heimrecht in den Playoffs augestattet. Wer soll die Eisbären also stoppen? Zu Beginn des Jahres gab es mal eine kleine Schwächephase, wo man drei Spiele in Folge verloren hatte. Da wollten einige Journalisten den Berlinern schon eine Krise andichten. Davon war dann in den folgenden Wochen wenig zu spüren. Ganz still und heimlich haben sich die Grizzly Adams Wolfsburg auf Platz 2 geschoben. In der Abschiedssaison von Trainer Toni Krinner – er wird im Sommer Nachfolger von Hans Zach in Hannover – wollen sich die Spieler wohl noch einmal von ihrer besten Seite zeigen. Die Grizzlys legten eine tolle Serie hin, gewannen acht der letzten neun Spiele. Und dass das Team offensiv nicht schlecht aufgestellt ist, dürfte nach der letzten Saison bekannt sein. Mit Kai Hospelt und Ken Magowan hat man zwei treffsichere Spieler in den Reihen, und über all den steht noch John Laliberte, Topscorer der Wolfsburger mit schon 25 Toren und 26 Vorbereitungen. Für Platz 1 wird es nicht mehr reichen, aber man muss das Team auf der Rechnung haben, wenn es um den Finaleinzug geht. Diesen Status als Finalgegner für die Eisbären hatten bis zuletzt eigentlich die DEG Metro Stars, die über weite Strecken der Saison den zweiten Platz belegten, zuletzt aber zu schwächeln begannen. Zuletzt gab es fünf Niederlagen in Folge, unter anderem gegen Krefeld und Augsburg, aber vor allem auch gegen direkte Konkurrenten wie Frankfurt und Nürnberg – eigentlich gewann man bisher solche Spiele. Düsseldorf kommt auch diese Saison wieder nur mit drei kompletten Reihen aus. Da ist die Belastung natürlich besonders hoch, gerade bei der Dichte der Spiele vor der Olympiapause. Von daher ist so eine Schwächephase zwar ärgerlich, aber durchaus nachvollziehbar. Trotzdem hat man mit Kreutzer, Collins und Reimer immer noch Stürmer in den Reihen, die ein Spiel nahezu alleine entscheiden können. Spannend wird zu sehen sein, wie die Metro Stars aus der Pause herauskommen. Die ersten Gegner heißen Köln, Berlin und Mannheim. Mit Ausnahme des Rhein-Derbys zwei richtig schwierige Aufgaben.

Auf Platz 4 liegen derzeit die Nürnberg Ice Tigers mit 81 Punkten. Niederlagen wechselten sich in letzter Zeit mit Siegen ab, man spielte also nicht völlig konstant. Aber das geht für alle Teams, die zwischen dem vierten und siebten Platz stehen. Zusammen mit den Nürnbergern kämpfen die Frankfurt Lions, die Hannover Scorpions und der ERC Ingolstadt um die direkte Qualifikation für die Playoffs, getrennt nur durch sechs Punkte, wobei Nürnberg und Frankfurt sogar noch ein Spiel mehr absolviert haben als die Konkurrenz. Alle vier Teams spielen eine gute Saison, die Hannover Scorpions kamen nach ganz schwachem Saisonstart in die obere Tabellenhälfte. Prognosen fallen schwer, wer sich direkt für die Playoffs qualifiziert. Wahrscheinlich ist es das Team, das die konstantesten Leistungen in den nächsten drei Wochen bringt und vielleicht auch eine kleine Serie starten kann. Dass dazu alle Teams fähig sind, haben sie schon unter Beweis gestellt. Aber eben auch das Gegenteil. Vielleicht bekommen wir ja schon am Dienstag einen ersten Eindruck, wenn es in der Tui-Arena zum direkten Aufeinandertreffen zwischen Hannover und Frankfurt kommt. Allgemein ist es für die Scorpions kein leichter Start nach der Pause. Dienstag empfängt man die Lions, Donnerstag muss man zum Tabellenführer nach Berlin reisen und nächste Woche Sonntag empfängt man die Hamburg Freezers. Die Scorpions müssen weiterhin noch ein paar Wochen auf Stürmer Chris Herperger verzichten, der seinen Mittelfußbruch noch auskurieren muss. Aber auch die direkte Konkurrenz von Hannover hat keine leichten Aufgaben, Ingolstadt muss unter anderem nach Wolfsburg, Nürnberg empfängt unter anderem Mannheim und reist zu den stark formverbesserten Straubing Tigers. Was eben auch erkennbar ist: Es gibt noch zahlreiche direkte Duelle der Mannschaften, die um die direkte Teilnahme an den Playoffs kämpfen. Gerade solche Spiele sind doppelt wert. Vielleicht sind es dann auch die Mannschaften, die sich qualifizieren, die solche Big Points landen und dann vielleicht auch Selbstvertrauen für die vermeintlich leichteren Spiele mitnehmen.

Sechs Teams sind also erstmal in der näheren Auswahl für die letzten fünf Playoff-Plätze. Vier Teams muss man auf alle Fälle noch für die Pre-Playoffs auf der Rechnung haben: Die derzeit aussichtsreichsten Kandidaten sind die Augsburg Panther, die Adler Mannheim und die Kölner Haie. Außenseiterchancen wenn überhaupt noch für die Iserlohn Roosters und die Krefeld Pinguine. Aber aus den sechs Teams im Kampf für die direkte Qualifikation fällt ja noch ein Team raus, von daher haben Iserlohn und Krefeld nur bedingt gute Aussichten. Beide Teams spielen auch nicht das Eishockey, wo man sagen könnte, es ist aussichtsreich, das man mal eine Serie von vier bis fünf Siegen in Folge zeigt. Das ist im Moment vielleicht noch den Adler aus Mannheim zuzutrauen. Fraglich, ob es noch bis zur direkten Qualifikation reicht, aber die letzten Leistungen (vier Siege in Folge, unter anderem gegen Düsseldorf und Ingolstadt) geben zumindest Anlass zur Hoffnung, dass die verkorkste Saison mit den ganzen Undiszipliniertheiten zu Beginn der Spielzeit noch ein gutes Ende nimmt. Defensiv steht man jetzt wieder sicherer, offensiv hat der Schuh ja wirklich nie so richtig gedrückt. Aber was nützt die gute Offensive mit Scott King, Justin Papineau und auch Nathan Robinson, wenn man hinten häufig offen wie ein Scheunentor stand? Das war zuletzt besser und wenn man diese Grundausrichtung konservieren kann, hat man vielleicht auch noch eine klitzekleine Chance auf Platz 6, hängt eben auch davon ab, ob die Konkurrenz aus Frankfurt, Hannover und Ingolstadt patzt. In ähnlich guter Form wie Mannheim ist auch Augsburg, zuletzt gab es sieben Siege aus neun Spielen. Man hat mit der Partie in Mannheim und gegen Augsburg aber ein schwieriges Auftaktprogramm. Heißt aber auch: Mit zwei Siegen ist man ganz dick im Geschäft drin.

Richtig dick im Geschäft scheinen auch die Kölner Haie zu sein, zumindest was den Fortbestand des Vereins betrifft. Die Mannschaft aus der Domstadt macht derzeit eher Schlagzeilen in den Wirtschaftsteilen der Zeitung. Den Verein drücken Verbindlichkeiten in Höhe von 1, 5 Millionen Euro. Die Liquidität ist bedroht, kurzfristig müssen eine halbe Million Euro aufgebracht werden. Sonst droht die Insolvenz. Am Freitag gab es nun ein Gespräch zwischen der Geschäftsführung des Verein und dem Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters. Die Stadt hat sich scheinbar bereit erklärt für den finanziell angeschlagenen Klub einzuspringen. Zurückgehende Zuschauerzahlen sind ein Grund, warum die Haie weniger Geld in den Kassen haben. Interessant wird jetzt zu sehen sein, wie die wirtschaftliche Misere sih auf den sportlichen Erfolg auswirkt. Momentan ist man auf Platz 10, den letzten Pre-Playoff-Platz. Für die Haie wird es entscheidend sein, auch mal auswärts dreifach zu punkten. Man ist eines der besten Heimteams in der Liga, aber auswärts läuft nur selten etwas zusammen. Erste Gelegenheit die Auswärtsschwäche abzustellen ist am Dientag bei den Eisbären Berlin. Und dass man zu besten Heimteams der Liga gehört, kann man am Freitag im Derby gegen Düsseldorf unter Beweis stellen. Keine einfachen, aber aufregende Tage bei den Kölner Haien. In jeglicher Hinsicht.

Autor: medispolis
Datum: Sonntag, 28. Februar 2010 13:13
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