Beiträge vom 8. März 2010

Premier League 2009/2010 #29, Wigan Athletic – FC Liverpool

Montag, 8. März 2010 21:51

[22h58] Endstand Wigan Athletic – FC Liverpool 1:0

Meine Güte, Liverpool, was für eine enttäuschende Leistung, die allen Fans richtig Sorgen machen muss. Defensiv in der ersten Hälfte wieder mit den bekannten Schwächen. Das wäre ja noch zu verkraften. Aber offensiv war das heute so harmlos und ungefährlich. Kirkland musste nicht einen Ball halten. Da warten ganz schwierige Wochen auf die Reds. Wigan insbesondere in der ersten Hälfte mit toller Leistung. In den zweiten 45 Minuten tat man so viel wie nötig.

Durch den Sieg verbessert sich Wigan auf Platz 14, hat jetzt vier Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone. Liverpool verpasst den Sprung auf den vierten Platz. Man bleibt Sechster mit 48 Punkten, einen Punkt weniger als Man City auf 5, die aber noch zwei Spiele weniger haben. Siebter ist Aston Villa mit 45 Punkten, aber drei (!) Spielen weniger als Liverpool. Und die heutige Leistung gibt überhaupt keinen Anlass dafür, die Wörter Liverpool und Champions League noch einmal in den Mund zu nehmen. Wenn sie so weiter spielen, für länger Zeit nicht mehr.

[22h56] Und Liverpool ohne Chancen in der Nachspielzeit, kommen nicht in Nähe des Strafraums. Tolle Einzelaktion von Moses, der sich auf links gegen Johnson durchsetzt, Schuss aber nicht präzise genug aufs Tor. Aber bringt Zeit.

[22h52] Fünf Minuten Nachspielzeit. It’s Premier League.

[22h48] Letzter Wechsel Wigan: Hugo Rodallega geht, Jason Scotland für die letzten drei Minuten plus Nachspielzeit.

[22h47] Und der Gesichtsausdruck von Benitez auf der Bank spricht Bände, quasi nach dem Motto: “Leckt mich doch alle mal – und der Platz ist furchtbar schlecht.”

[22h44] Henry Thomas für Diame bei Wigan und Liverpool bringt Ryan Babel für Dirk Kuyt. Gerrard mit dem nächsten überflüssigen Foul. Der nächste gelbe Karton, die insgesamt sechste Verwarnung in dieser Partie.

[22h41] Torres mit dem Frustfoul nach überflüssigem Ballverlust. Liverpools gute Phase zwischen der 65. und 72. Minute ist komplett verpufft. Wigan wieder besser im Spiel, die Reds tun sich fast schon selbst Leid.

[22h38] Und da ist der Jackpot für den FC Liverpool, die riesengroße Chance zum Ausgleich. Flanke von links von Insua, Kuyt legt toll mit dem Kopf für Torres vor, dessen Seitfaltzieher ganz knapp am Pfosten vorbeigeht. Tolles Spiel jetzt, noch eine knappe Viertelstunde.

[22h35] Bei Wigan schwinden die Kräfte, kaum noch Entlastung oder gescheite Angriffe nach vorne. Man steht kompakt in der Defensive. Spiel kippt immer mehr in Richtung Liverpool. Jetzt mal wieder ein gefährlicher Konter für Wigan, Reina kann gut gegen Rodallega klären, am langen Pfosten kann Carragher gegen Scharner klären. Aber das sind eher Ausnahmen, wobei man sagen muss, dass Liverpool trotz mehr Ballbesitz weiterhin kaum gefährlich vor Kirkland auftaucht.

[22h31] Liverpool erhöht ein wenig den Druck. In den letzten fünf Minuten vier Ecken. Aber alle ungefährlich. Keine Torchancen. Zweiter Wechsel bei Liverpool. Aquilani kommt für Benayoun.

[22h29] Torres versucht es volley mit einem Torschuss, Ball geht ins Seitenaus. Martinez bringt Victor Moses für Moreno. Kam im Januar vom insolventen Chrystal Palace.

[22h24] Hut ab vor Wigan Athletic, wie die kämpfen und teilweise richtig ansehnlich nach vorne spielen. Konter über drei Stationen nach vorne. Langer Ball auf Moreno, der auf der rechten Außenbahn in die Mitte zieht. Abschluss dann aber zu zentral aufs Tor, direkt in die Arme von Reina. Und Liverpool fällt offensiv weiter wenig ein. Torres versucht es mal über die Flügel, dann fehlt er aber in der Mitte. Von Maxi Rodriguez ist gar nichts mehr zu sehen. Auch Gerrard ist abgetaucht.

[22h20] Meine Güte, was eine Szene. Reina kommt völlig übermotiviert aus seinem Tor, obwohl Kyrgiakos und Carragher bei Moreno sind. Reina fliegt am Ball vorbei, Carragher schießt Moreno an. Von dessen Fuß senkt sich der Ball fast ins Tor, bevor der Grieche noch den Ball über die Querlatte köpft. Das wäre es ja gewesen. Wie gesagt, Liverpool weiterhin mit katastrophalen defensiven Fehlern.

[22h16] Benitez mit dem ersten cleveren Wechsel. Glen Johnson kommt für Lucas. Damit der Ex-Pompey hinten rechts in der Kette. Mascherano rückt in die defensive Mittelfeldrolle. Das sollte vielleicht etwas mehr Stabilität verleihen.

[22h13] Partie mit mehr Tempo in die zweite Hälfte gestartet. Sieht ganz so aus, als habe Benitez seiner Mannschaft mitgegeben, mehr für die Offensive zu tun. Schien ja auch bitter nötig. Leider bleibt man defensiv weiter anfällig. Heißt für Wigan: Konterchancen. Und insbesondere über Rodallega ist man stets gefährlich. Auch Moreno macht einen vitalen Eindruck. Liverpool spielt schon nach 52 Minuten mit dem Feuer, weil sie 45 Minuten es nicht geschafft haben den Brand in der eigenen Defensive zu löschen.

[22h09] Und sollte Insua mit seiner gelben Karte im Hinterkopf weiterhin die Zweikämpfe so meiden und Gegenspieler an sich vorbeispazieren lassen, dann ist die Auswechselung eine Frage der Zeit. Oder der Gegentreffer.

[22h07] Beginn 2. Halbzeit

[21h56] Ich hatte mir ja eigentlich vorgenommen, die Partie komplett live mitzubloggen. Leider musste ich noch eine Website aktualisieren und erwartete noch einen wichtigen Anfruf. Von daher weiter unten eine schnelle Zusammenfassung der ersten Hälfte und jetzt in gewohnter Form die zweite Hälfte in Live-Blog-Form. Liverpool muss eine deutliche Leistungssteigerung zeigen, sollten noch drei Punkte mitgenommen werden.

[21h52] Halbzeit Wigan Athletic – FC Liverpool 1:0


1. Halbzeit

Stellen Sie sich mal vor, Sie wären Trainer eines Vereins, der in den letzten 13 Ligaspielen nur ein einziges Mal gewonnen hat. Und dann vergewissern Sie sich bitte noch einmal, dass Sie gerade Ihre erste Saison als Trainer in der Premier League absolvieren. Und nach einem guten, fast schon unerwarteten guten Saisonstart taumelt ihr Team jetzt unaufhaltsam dem Abstieg entgegen. Was gibt es dann Besseres für Sie als ein Monday Night Game in der Premier League gegen den immer noch großen FC Liverpool? Ein Spiel, in dem Sie – Team wie Trainer – doch eigentlich nur gewinnen können? Gut, natürlich können Sie nach diesem Spiel ohne Punkte dastehen. Aber wer würde das als große Überraschung verbuchen? Wahrscheinlich niemand. Sie haben die große Gelegenheit Ihr Team durch eine gute Leistung wieder mehr Selbstvertrauen zu geben. Und auch Sie können wieder ein wenig durchatmen. Das Team lebt, heißt es dann ja immer so schön.

Und genau diese Gedanken scheinen Roberto Martinez, dem Trainer von Wigan Athletic, vor dem wichtigen Spiel gegen den FC Liverpool durch den Kopf gegangen zu sein. Anders waren die ersten guten 20 Minuten von Wigan Athletic nicht zu erklären. Verglichen mit den letzten Aufgaben, war das Team fast schon wie ausgewechselt. Dem Gast aus Liverpool, Tabellensechster vor dieser Partie mit der Chance bei einem Sieg auf Platz Vier zu springen, gehörten zwar die ersten Minuten, aber danach fand Wigan viel besser in die Partie, hatte mehr Ballbesitz und verstand es exzellent, Liverpool früh im Spielaufbau zu stören. Die Reds verfielen in ihre diese Saison schon häufig gesehene Passivität und ließen Wigan machen. Den Latics fehlte allerdings die Qualität im Abschluss und die wirklich gefährlichen Torszenen.

Bei Liverpool spielte in der Abwesenheit von Glen Johnson – er saß immerhin schon wieder auf der Bank – Mascherano wieder auf der Position des Rechtsverteidigers. Krygiakos ersetzte Daniel Agger und Insua sprang für den verletzten Fabio Aurelio ein. Gerrard war eher mit defensiven Aufgaben bedacht, spielte eher die defensivere Sechser-Rolle. Passte nicht so ganz in den ersten 20 Minuten. Für Bewegung nach vorne sollten Benayoun und Maxi Rodriguez sorgen. Kuyt und Torres übernahmen die Sturmspitzen, der Holländer dabei leicht zurückgezogen. Bei Wigan spielte Marcelo Moreno, ehemals Werder Bremen, für Hendry Thomas. Melchiot stand für die Latics nicht zur Verfügung.

Nach 30 Minuten durfte man dann ein wenig in Ernüchterung fallen. Leider wenig Highlights, Gerrard scheiterte in der 25. Minute nach gutem Zuspiel von Benayoun an den eigenen Nerven und der guten Abwehrreihe von Wigan. Für die Gastgeber musste man bis dahin aber ein großes Kompliment aussprechen. Zumindest vom Kampf, der Leidenschaft und dem Einsatz war das eine sehr gute Leistung. Dass man spielerisch nicht überzeugen konnte, war fast nicht anders zu erwarten. Bei Liverpool fehlte das gewisse Etwas, man war zwar bemüht, aber da waren viele Fehler und Ungenauigkeiten dabei. Man ging wenig Risiko, setzte Wigan kaum unter Druck. Die typische Auswärtstaktik von Rafael Benitez. Und alle Liverpool-Fans, jetzt mal kurz weghören. Und genau deshalb steht ihr diese Saison nur auf Platz 6 derzeit und nicht da, wo derzeit Arsenal, Chelsea und Man Utd stehen. Aber das nur am Rande. Am interesantesten in der ersten Hälfte war noch die rigorose Kartenverteilung von Schiedsrichter Andre Marriner, der eine äußerst kleine Linie fuhr und nach 33 Minuten schon beide Innenverteidiger der Reds mit gelb verwarnte. Wigan belohnte sich in der 35. Minute mit der 1:0-Führung für die gute erste Hälfte – und Liverpool half kräftig mit. An einer langen Fehlerkette stand ein fürchterlicher Pass von Kuyt, Emmerson Boyce schnappte sich den Ball, tolle Flanke auf Rodallega, der Mascherano in der Mitte entwischt ist und aus kurzer Distanz nur noch über die Linie schieben muss. Keine Chance für Pepe Reina.

Bis zur Halbzeit war es dann ein deutlich munteres Spiel. Liverpool kam durch Torres zu einer guten Chance, Wigan blieb bei schnellen Gegenangriffen immer wieder gefährlich, auch weil Liverpool fürchterliche Fehlpässe spielte. Auf der Trainerbank der Reds bereitete derweil Rafael Benitez seine Pausenpredigt vor, die Notizzettel sahen sehr voll aufgeschrieben. Da passte einiges nicht. Defensiv klappte die Absicherung mit Lucas und Gerrard auf den eher defensiven Positionen kaum. Da waren die Lücken zu groß, wenig ging über die Flügel, Maxi Rodriguez und Benayoun waren da häufig auf sich alleine gestellt. Gerrard hatte auf seinen defensiveren Part schon nach 35 Minuten keinen Bock mehr und schaltete sich häufiger in die Offensive ein, was nur zur Folge hatte, dass Liverpools defensive Löcher noch größer wurden.

Thema: Live-Blog, Premier League | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Nach Brüssel (III): Digitale Agenda und Medienpolitik der EU

Montag, 8. März 2010 19:55

Ganz ehrlich: Ich dachte, ich könnte bei diesen Themen mehr Infos mit nach Hause nehmen. Leider war für detailliertere Nachfragen nicht immer die Zeit, zweitens war die Auskunftspflicht der Politiker auch nicht immer so hervorragend. Vom Eindruck ist das in den Augen der EU-Parlamentarier auch mittlerweile ein Themenfeld, wo sie im ganzen Tempo und bei all den vielfältigen Aufgaben in Brüssel gar nicht mehr mitkommen und nicht mehr auf dem aktuellsten Stand sind. Und was ich in den drei Tagen so erlebt haben, kann ich das zumindest nachvollziehen, verstehen will ich es aber so richtig nicht. Wenn ich dann von älteren Abgeordneten des Parlaments schon wieder höre, dass “das Internet” (sic!) ja eigentlich kein Medium für die älteren Menschen sei und man damit nicht aufgewachsen sei und somit eigentlich auch keine Notwendigkeit besteht, sich mit Regulierung und medienpolitischen Fragen zu befassen, stäuben sich bei mir alle Haare.

Vielleicht ein kurzer Einschub zu den Web-Aktivitäten auf europäischer Ebene. Auch im Zuge des Anspruchs an Transparenz und Offenlegung ist mittlerweile fast jeder Schritt der Abgeordneten auf den Webseiten der Europäischen Kommission und des Parlaments zu sehen, jede Anfrage, jede Anfrage, jede Richtlinie, jede Vorlage. Ich bin mittlerweile zu der Überzeugung gekommen, dass das fast schon zu viel ist. Ich finde mich auf den diversen Informationsseiten nur schwierig zurecht. Twitter, Facebook und all die anderen Netzwerke und Tools sind natürlich auch in Brüssel angelangt. Werden auch genutzt, so viel Neues lässt sich dann dazu nicht erzählen. Oder um es mit den Worten der Mitarbeiterin einer niederländischen Abgeordneten zu sagen, die in der Fraktionssitzung der EVP neben mir saß und wir ins Gespräch darüber kamen, weil sie gerade ihre Facebook-Seite aktualisierte: “Ja, wir machen das auch. Aber nur, weil man es wohl muss. Spaß macht mir das nicht.” Im hektischen, stressigen Alltag in Brüssel kann ich das auch verstehen. Aber warum dann nicht engagierte Mitarbeiter einstellen, die Lust dazu haben und die Web 2.0-Aktivitäten der Abgeordneten betreuen?

Zurück zur digitalen Agenda, die übrigens im Rahmen der Europa 2020 Strategie läuft, böse formuliert, also mal so mitgeschleppt wird. Medienpolitik ist für die EU zunehmend auch Wirtschaftspolitik. Da geht es vor allem um Fragen des Urheberrechts und um den Zugang zu Web-Content, beispielsweise haben die Polen keinen Zugang zu einem iTunes-Store in ihrer Landessprache. Große Baustelle ist der europaweite Ausbau von Highspeed-Internet. Europa soll 2020 komplett mit Breitbandverbindungen ausgestattet sein, fällt bei der EU aber alles unter den Ausbau der Wissensgesellschaft. Angesprochen auf die Debatte um die GEZ und ein Vorgehen der Kommission bezüglich der Gebühren als mögliche unzulässige Beihilfe bekam ich immerhin eine klare Antwort. Die EU wird dieses Thema GEZ und Beihilfen von selbst nicht mehr aufgreifen, das sei zu “tricky”. Allenfalls durch eine Beschwerde kann dort noch einmal drüber diskutiert werden. Also, liebe privaten Akteure im deutschen Mediensystem, es liegt wohl an euch. Nachgefragt, ob das auch an der starken Lobby für die ÖR auf europäischer und nationaler Ebene liegt, gab es die Antwort, dass es einer der Hauptfaktoren sei. Da nützt dann der Brief von Silvana Koch-Mehrin in Folge der tageschau-App wohl gar nichts mehr.

Was in den nächsten Monaten vielleicht noch einmal auf die Agenda kommen kann, ist das Thema Netzneutralität, also die Gleichbehandlung aller nicht kriminellen Internetinhalte in Europa. Da geht es dann vor allem darum, dass Software von bestimmten Netzbetreibern nicht mehr blockiert werden darf und Videoinhalte von nationalen Fernsehsendern auch europaweit abgeruft werden können. Und die Baustelle mit der europaweiten Ausschreibung und dem transnationalen Rechteerwerb von Film- und Sportrechten samt die Blockade von bestimmten BBC-Sendungen und Radioprogrammen habe ich dann nicht mehr aufgemacht. Aber vielleicht schreibe ich da einfach mal eine Mail an einen EU-Abgeordneten. Mir wurde gesagt, dass sich die meisten über Post freuen. Hoffentlich auch über Anfragen zu medienpolitischen Themen.

Thema: Politik International | Kommentare (1) | Autor: medispolis