DFB-Pokal 2009/2010 Halbfinale, Werder Bremen – FC Augsburg 2:0
Dienstag, 23. März 2010 22:22
Das Finale vor dem Finale, wenn man Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs glaubt. Und dann noch groß gegen klein, 1. Liga gegen 2. Liga und es war unumgänglich, dass die Medien wieder den Vergleich David gegen Goliath hervorgekramt haben. Werder Bremen und der FC Augsburg standen sich am Dienstagabend im Halbfinale des DFB-Pokal gegenüber. Für die Hanseaten eine gute Chance über diesen Weg in die Europa League zu kommen – und Augsburg darf schon einmal die große Fußballluft schnuppern, sollte es im Mai mit dem Aufstieg in die Bundesliga klappen.
Glaubt man den Aussagen der Vereinsoberen, dann war die Ausgangslage eigentlich geklärt. Werder will unbedingt ins Finale um nächste Saison international zu spielen, Augsburg-Trainer Luhukay nimmt das Halbfinale gerne mit, Priorität habe aber der Aufstieg in die Bundesliga. Tja, so eine anfällige Werder-Abwehr nimmt man schon einmal gerne mit. Natürlich rechnet sich Augsburg eine gute Chance aus, die haben die defensiven Leistungen von Werder zuletzt ja auch gesehen. 54 Tore in 27 Spielen in der 2. Liga dürfte als Zahlenbeispiel genug sein um zu zeigen, dass dort eine hocheffektive und erfolgreiche Offensive spielt. 21 Tore davon gelangen Michael Thurk, der im 11-Freunde-Interview sagte, dass er sich gerne von Joachim Löw beobachten lasse. Dann geht es ja doch noch um was für den FCA. Am Wochenende gab es einen ungefährdeten Sieg gegen den LR Ahlen Rot-Weiss Ahlen, man steht auf Platz 2 in der Liga und hat schon sieben Punkte Vorsprung auf den vierten Rang. Zumindest auch in der Liga läuft es für Werder ganz gut. Man ist seit sieben Spielen ungeschlagen, darunter fünf Siege. Wenn da eben nicht die Defensive wäre, die wieder zum permanenten Problemfeld geworden ist. Hier im Halbfinale wäre es egal. Da nimmt man dann auch ein 5:3 nach 90 Minuten mit. Nur wirklich förderlich sollte das nicht sein.
Drei Zweitligisten hat Werder schon aus dem Pokal geworfen, warum also nicht den vierten? Im Viertelfinale setzten sich die Hanseaten gegen die TSG Hoffenheim durch. Gleichzeitig haben die Augsburger mit Freiburg und Köln schon zwei Bundesligisten nach Hause geschickt, zudem gab es Siege gegen Duisburg und Ingolstadt. Trotz alledem ist Werder natürlich Favorit. Werder ging mit fast der Stammelf in die Partie. Wiese im Tor, Fritz und Pasanen wieder auf den Außen, im Mittelfeld Bargfrede und Frings wieder für den defensiven Part, für die Offensive wie immer das Trio Özil, Marin und Hunt und einzige Spitze war Pizarro. Rosenberg und Jensen waren aus dem Kader für das Pokalspiel gestrichen worden. Auch Jos Luhukay schickte seine beste Elf aus Feld, Reinhardt und Sinkala sind nach ihren Gelbsperren aus der Liga wieder zurück im Team. Prämisse für Jos Luhukay war zunächst die Defensive, wenn man aber den ein oder anderen Konter setzen kann, wäre er sehr zufrieden. Thomas Schaaf wünschte sich vor dem Spiel einen selbstbewussten Auftritt seines Teams, die Dinge, die sich das Team vorgenommen hatte, solle es umsetzen und schnell ins Spiel finden.
Werder eröffnete diese Partie mit Anstoß, ganz in weiß, von links nach rechts in der ersten Hälfte. Augsburg gewann die Platzwahl und entschied sich für Seitenwahl. Werder mit der ersten guten Torchance nach drei Minuten, als ein Fernschuss von Özil knapp am Tor vorbeiging. Und praktisch im Gegenzug wieder eine anfällige Abwehr der Hanseaten, als Thurk auf Brinkmann passt und Naldo und Wiese sich in den Schuss werfen, sodass letzlich effektiv gestört werden kann und es nur Abstoß gibt. Aber da mehr drin für Augsburg. Trotzdem blieb Werder die spielbestimmendere und gefährlichere Mannschaft. In der neunten Minute schloss Fritz eine schöne Einzelleistung mit einem sehenswerten Linksschuss ab. Tor wieder knapp verfehlt. Auch zehn Minuten später, als Özil einen Abpraller aus der FCA-Abwehr auf Fritz legt, der aus kurzer Distanz über das Tor schießt. Werder nicht bedingungslosem Druck in den ersten 20 Minuten, Augsburg stand defensiv mehr als passabel. Trotzdem ließ sich ein klares Chancenplus konstatieren. Was bei Werder noch fehlte, war das letzte entscheidene Zuspiel, der finale genaue Pass, die kopfballgerechte Flanke. Fritz hatte auf der rechten Seite viel Platz, die Flanken ließen aber zu wünschen übrig. Daran änderte sich lange nichts, bis Werder nach einer halben Stunde in Führung. Marin brachte Werder nach schönem Doppelpass mit Özil mit 1:0 in Führung, schob den Ball genau an Torwart Jentzsch vorbei. Wunderschön gespielt, da ging es schnell und Augsburg kam mit diesem Tempo nicht mit. Von Augsburg kam wenig. Was sie immerhin schafften, war die Räume vor dem eigenen Tor eng zu machen. So blieb es bei der knappen Führung. Augsburgs beste Chance in der 42. Minute. Wie so häufig hebelt ein Pass die Werder-Abwehr aus, Abseitsfalle geht überhaupt nicht auf, Thurk ist frei durch, Wiese geschlagen und der Ball geht an den Innenpfosten. Glück gehabt. Werder überstand die starken fünf Minuten des FCA und gingen insgesamt verdient mit dem 1:0 in die Halbzeit.
Ohne Wechsel ging es dann weiter in der zweiten Halbzeit. Augsburg blieb gefährlich, bereits nach zwei Minuten die nächste große Chance. Werder wieder zu passiv nach einer Flanke, Thurk verpasst, letzlich sind es die Haarspitzen von Verteidiger Hegeler, die Wiese zu einer Parade zwingen. Werder wirkte ein wenig lethargisch und unzufrieden mit sich. Augsburg spielte munter mit. 52 Minute, Abseitsstellung wird nicht gegeben, bei Werder fehlt wieder die Zuordnung und Thurk trifft völlig freistehend aus sieben Metern das Tor nicht. Wiese außer sich – und mir schwant ein unbequemer Restabend, wenn das so weitergeht. Schaaf brachte nach etwas mehr als einer Stunde Borowski für Hunt. Aber auch das brachte kaum Impulse. Werder hatte die spielersiche Qualität komplett in der Kabine gelassen. Die ersten 20 Minuten der zweiten Hälfte hatte man komplett verschlafen. Einmal blitzte das Können und das schnelle Spiel von Werder auf, als Marin in der 70. Minute Özil bediente, der aber aus spitzem Winkel nicht das Tor traf. Aber das war es dann auch erstmal. Eine Viertelstunde vor Schluss kam Almeida für Özil, der in der zweiten Halbzeit auch völlig untergegangen ist – nach einer sehr guten ersten Hälfte. Spiel stand in der Schwebe, Augsburg machte mehr nach vorn, kam aber auch kaum zu gefährlichen Torchancen – außer in der 82. Minute – als nach einem Eckball des FCA alle Spieler verpassen und der Ball fast ins Tor ging. Werder konnte die Freiräume in der Hälfte der Augsburger nicht nutzen und blieb in Halbzeit 2 fast alles schuldig. Einfach nur Grütze. Aber wie gut, dass es Pizarro gibt. In der 83. Minute schnell ausfgeführter Freistoß von Frings, langer Ball auf Pizarro, der Jentzsch keine Chance lässt. Immerhin ein brillianter Moment in diesem Spiel. Zum Glück heiß der Gegner nur Augsburg.
Am Ende blieb es dann beim 2:0. Kein großes Spiel, aber am Ende steht für Werder der Einzug ins Pokalfinale und in die Europa League für nächste Saison. Und das ist doch immerhin was. Trotzdem gibt die Phase zwischen der 40. und der 80. Minute mir ein wenig zu denken. Das war mit das Schlechteste von Werder, was ich seit langem gesehen habe. Da ging ja gar nichts zusammen. Da war das Glück auf Seiten von Werder. Aber das braucht man ja bekanntlich auch. Nur sollte man es nicht überstrapazieren.
Thema: Fußball, Werder Bremen | Kommentare (4) | Autor: medispolis

