Beiträge vom 19. April 2010

Premier League 2009/2010 #35, FC Liverpool – West Ham United

Montag, 19. April 2010 20:35

[22h54] Endstand FC Liverpool – West Ham United 3:0

Mit Ausnahme des Treffers nicht ein Highlight in der zweiten Hälfte. West Ham sowas von mit einer unterirdischen Leistung, da fällt mir nicht mehr viel zu ein. Bedrohlich nahe rückt die Championship, wenn man so weiterspielt. Liverpool springt auf Platz 6 und hält noch leichten Kontakt zum vierten Platz.

[22h50] Herr Walton, Sie sind raus. Drei Minuten Nachspielzeit. Noch mal runterzählen.

[22h49] Noch eine Minute

[22h48] Noch zwei Minuten

[22h47] Noch drei Minuten

[22h46] Noch vier Minuten

[22h42] Newcastle United nach dem 2:0 gegen Plymouth jetzt definitiv Meister der Championship.

[22h41] Zumindest ansatzweise hat David Ngog gezeigt, dass er Fernando Torres vertreten kann. Ob das für den Saisonendspurt reicht, bleibt abzuwarten. Auch der Franzose jetzt in der Kabine, Ryan Babel darf sich warm laufen für Donnerstagabend.

[22h37] Benayoun geht, Degen kommt. Auf dem Platz passiert leider gar nichts mehr. Liverpool macht schon Auslaufen, West Ham läuft überhaupt nicht. 12 Minuten noch und wer hier Nachspielzeit gibt, meint es nicht gut mit den Fans. Übrigens nur 37.000 Zuschauer an der Anfield Road.

[22h31] Steven Gerrard hat Feierabend, Javier Mascherano für ihn in der Partie. Benitez denkt an Donnerstag. Auch West Ham wechselt. Carlton Cole geht, Benny McCarthy jetzt im Sturm. Ändert aber auch nicht viel.

[22h27] Liverpool für einen Moment nachlässig, da schnappt sich Carlton Cole die Kugel, setzt sich gut durch, aber Reina hat den Winkel exezellent verkürzt. Keine Probleme für den Spanier im Tor. Sowas wie die beste Torchance für die Hammers. Geht da etwa noch was?

[22h25] Zola mit einem Gesichtsausdruck nicht von dieser Welt. Sieht so aus, als müssten seine Spieler zu Fuß nach London gehen. Oder warten, bis wieder ein Flieger geht. Ohne Hotel.

[22h22] Und Liverpool drängt jetzt vehement auf ein weiteres Tor, toller Spielzug, Gerrards Schuss wird von Da Costa im letzten Moment geblockt. West Ham kurz davor komplett auseinander zu fallen.

[22h19] 3:0, Eigentor Robert Green, 59. Minute

Viel viel Pech für den Goalie der Hammers, aber das darf er auch mal wieder der Unfähigkeit seiner Abwehr zuschreiben. Liverpool macht den Sack hier zu, wieder nach einer Standardsituation. Freistoß von Gerrard von links, scharf vors Tor getreten, Kyrgiakos setzt sich in der Mitte gegen zwei (!) Gegenspieler durch, trifft nur den Pfosten, von wo der Ball an Robert Greens Wade prallt und dann ins Tor.

[22h18] Die West Ham Fans beschäftigen sich derweil im Gästebllock mit ihren Seifenblasen-Fläschen. Gehört zu jeder guten Auswährtsfahrt dazu.

[22h12] Wäre Robert Green nicht anwesend, es könnte 3:0 oder 4:0 stehen. Es hat sich gar nicht geändert. Liverpool macht das Spiel, kontrolliert, nicht blind nach vorne spielend. Von West Ham kommt nichts – gar nichts. Dieses spiel kann nur noch mal erwachen, wenn Liverpool à la Arsenal gestern komplett den Stecker bei sich zieht. Ansonsten ein Spiel, bei dem sich die Fans gut und gerne auch mal 10 Minuten über den Arbeitskollegen, die Kochkünste der Freundin oder Wahlumfragen unterhalten könnten – sie verpassen nichts.

[22h05] Beginn 2. Halbzeit

[22h02] Gianfraco Zola regiert. Guillermo Franco kommt für Junior Stanislas. Ein kleines Zeichen, bei West Ham kann es nur besser werden. Damit dann sowas wie drei Stürmer bei den Hammers. Ist das engagiert.

[21h48] Halbzeit FC Liverpool – West Ham United 2:0

Absolut verdiente Führung zur Pause für den FC Liverpool, die bei mehr Engagement auch hätten höher führen könnten. West Ham zu Beginn noch ein wenig Einsatz für dieses Spiel, danach war das aber ein einziger Offenbarungseid. Liverpool schont sich schon für Madrid. Und sie können das ganz beruhigt tun.

[21h46] Liverpool mit fast 70% Ballbesitz in den letzten Minuten. Dafür ist das 2:0 eigentlich noch zu wenig. West Ham erinnert mich fatal an Hannover 96. Gibt eine Minute Nachspielzeit.

[21h45] West Ham fällt in den letzten Minuten nur noch durch Befreiungsschläge auf. Keine Ahnung warum die das machen. Sieht nach Lauffaulheit auf. Liverpool hatte derweil ne weitere gute Torchance. Kuyt’s Distanzschuss wurde von Rober Green aber um den Pfosten zur Ecke gelenkt.

[21h42] Ohne Liverpool hier mit Kritik belegen zu wollen, aber zwei Schippen drauf, ein paar Kohlen mehr und West Ham hätte zur Pause schon wieder die Heimfahrt antreten können. Oder den Fans für die lange Reise ein Essen spendieren können. Man sagt dann immer, ein Team spiele wie ein Absteiger. West Ham heute ja, dabei waren die letzten Wochen von der Form und den Ergebnissen so vielversprechend.

[21h41] Der Hinweis, dass Liverpool noch nicht ganz untätig ist, kommt durch den Freistoß von Gerrard aus aussichtsreicher Position, aber doch deutlich über das Tor. Ansonsten lassen die Reds das Tempo aber merklich schleifen. Fünf Minuten noch bis zum Pausentee.

[21h39] West Ham hat nächstes Wochenende Kellerduell gegen Wigan, die seit gestern sowieso auf Asche sieben schweben nach dem Sieg gegen Arsenal. Zudem dürfen die Hammers noch zu Fulham reisen und erwarten Man City. Das ist alle keine Laufkundschaft. Und dann so eine Arbeitsverweigerung heute. Fand man sich wohl zu gut in den ersten 10 Minuten, als man zumindest noch in die Zweikämpfe ging und wenigstens eng am Mann stand.

[21h35] Wir notieren den zweiten Torschuss von West Ham United nach 34 Minuten. Ist es denn die Möglichkeit. Carlton Cole mit seinem schwächeren linken Fuß, gut zwei Meter daneben. Reina muss nicht eingreifen. Zolas Team braucht scheinbar mal einen Tritt in den Allerwertesten oder in der Halbzeit die Tabelle an der Kabinentür.

[21h30] 2:0, David Ngog, 29. Minute

West Ham war wieder mal nicht da. Liverpool kann sich da lässig durch die Abwehr spielen, Pass nach rechts raus zu Maxi Rodriguez, super Zuspiel in die Mitte, wo Ngog mit ansprechender Technik den Ball direkt nimmt. Wieder keine Chance für Green, der verzweifelt seine Abwehr sucht. Verdiente Führung. Könnte ein extrem unspannender Abend werden.

[21h28] Meine Güte, Kyrgiakos wird heute Nacht schlecht schlafen. Der Grieche mit der fantastischen Chance zum 2:0. Ecke Gerrard, in der Mitte Kyrgiakos sowas von blank, doch trifft den Kopfball nicht richtig, Ball geht über das Tor. West Ham könnte eigentlich auch vom Platz verschwinden, bei den Standardsituationen würde man es nicht merken. Wie kann man so weit von den Gegenspielern entfernt sein?

[21h26] Marco Hagemann hat es eben gerade auch nochmal bestätigt. Portsmouth bewirbt sich um Teilnahme an der Europa League. Sollte das gelingen, würde der siebte Platz nicht für die Qualifikation reichen. Ausgang offen.

[21h23] Auf der Gegenseite der erste Schuss aufs Tor des FC Liverpool. Carlton Cole setzt sich schön gegen Carragher durch, Winkel ist aber zu spitz, sodass Reina keine Probleme hat den Ball sogar zu fangen. Aber erste vielversprechende Aktion. Überhaupt sollte West Ham sich mehr trauen nach vorne zu spielen, insbesondere Agger auf der ungewohnten Linksverteidigerposition macht einen nervösen Eindruck.

[21h20] 1:0, Yossi Benayoun, 19. Minute

Führung für die Reds nach einer Standardsituation. Wenn es schon aus dem Spiel nicht klappt. Freistoß von der rechten Seite von Gerrard, in der Mitte schaltet Benayoun am schnellsten und drückt den Ball mit dem Bauch (!) punktgenau an den Innenpfosten, und von dort trudelt der Ball ins Netz.

[21h18] Sinnbildlich für dieses Spiel. Beide Teams mit aussichtsreichen Konterchancen, spielen aber zu ungenau, wenn es schnell gehen soll. Beide Abwehrreihen können sich dann sortieren. Wieder viel mehr drin.

[21h16] Die Partie plätschert so vor sich hin, Liverpool konnte das hohe Tempo aus den Anfangsminuten nicht halten. Und West Ham tut fast gar nichts für die Offensive. Wenn dann geschieht das meistens nach Fehlern im Aufbauspiel der Reds. Viertelstunde durch – von beiden Teams muss wieder mehr kommen.

[21h09] Nächste gute Gelegenheit für den FC Liverpool. Freistoß auf der rechten Seite, Gerrard führt diesen schnell aus, in der Mitte segelt Robert Green vorbei, aber auch Kuyt, Ngog und Kyrgiakos. Übergewicht für die Reds in den ersten Minuten, West Ham zunächst darauf bedacht defensiv kompakt zu stehen. Und nicht mal das gelingt einwandfrei bisher.

[21h05] Liverpool mit Schwung in dieser Partie, Begegnung in den ersten Minuten nur in der Hälfte der Hammers. Eine gute Chance für die Reds. Kuyt dribbelt sich in der Mitte schön durch, gibt nach rechts raus auf Maxi Rodriguez, dessen Schuss aber kein Problem für Robert Green ist.

[21h02] Beginn 1. Halbzeit

Liverpool mit Anstoß von rechts nach links in den ersten 45 Minuten, spielen in den roten Trikots. Die Gäste aus London in den dunklen Jerseys. Peter Walton ist der Referee.

[20h59] Und da kann die sportliche Lage noch so schlimm sein, die Saison überhaupt nicht den Erwartungen entsprechen – You never walk alone wird so leidenschaftlich wie immer gesungen. Traum-Atmosphäre in Liverpool, die untergehende Sonne scheint mit den letzten Strahlen in das Stadion hinein.

[20h54] Die Aufstellungen an der Anfield Road

FC Liverpool: Reina – Johnson, Carragher, Kyrgiakos, Agger – Maxi Rodriguez, Gerrard, Lucas, Benayoun – Kuyt – Ngog

West Ham United: Green – Faubert, da Costa, Upson, Spector – Behrami, Kovac, Noble, Stanislas – Cole, Ilan

Drei Wechsel beim FC Liverpool.  Kuyt spielt für Babel, Lucas ersetzt im defensiven Mittelfeld Mascherano. Zudem bekommt Benayoun den Vorzug vor Aquilani. Ngog ersetzt Fernando Torres. West Ham mit der Startelf der letzten Wochen, allerdings muss man auf den gesperrten Scott Parker verzichten, was ein schmerzlicher Ausfall ist.

[20h48] Fernando Torres spielt diese Saison nicht mehr für den FC Liverpool, es gibt immer wieder unklare Meldungen über den neuen Besitzer oder einen Verkauf der jetzigen Eigentümer. Man kann noch nicht mal davon ausgehen, dass Liverpool nächste Saison überhaupt international spielt. Keine einfache Situation.

[20h44] Statistik des Tages: West Ham United hat seit 37 Spielen nicht mehr an der Anfield Road gewinnen können. Das ist die drittlängste Serie, die ein Team  an nicht verlorenen Spielen gegen einen Kontrahenten hält. Folgt heute Episode 38?

[20h41] Auch wenn es von der Tabellenkonstellation jetzt nicht unbedingt das Spitzenspiel des Spieltages ist, steht an der Anfield Road eine enorm wichtige Partie für beide Teams an. Liverpool liegt jetzt bei gleicher Spielzahl zwei Punkte hinter Platz 6, den Aston Villa nach dem 2:1 bei Portsmouth einnimmt. Ein Sieg ist also Pflicht um sich überhaupt für die Europa League zu qualifizieren. Zudem lauert Everton auf Platz 8. Und von Champions League Qualifikation will ich im Moment gar nicht sprechen. Der Gegner aus London braucht hingegen alle Punkte im Abstiegskampf. Die Hammers liegen derzeit drei Punkte vor Hull City. Mit einem Punktgewinn kann man zumindest etwas Luft schaffen, ein Sieg wäre natürlich schon fast wie Weihnachten. Also verlieren verboten für beide Mannschaften – zumindest von der Ausgangslage extrem spannend.

[20h35] Schönen guten Abend zusammen.

Thema: Live-Blog, Premier League | Kommentare (4) | Autor: medispolis

Vorschau DEL-Finale 2010: Hannover Scorpions vs Augsburg Panther

Montag, 19. April 2010 19:45

Ganz Eishockey-Deutschland, mit Ausnahme der Region Hannover, steht scheinbar geschlossen hinter den Augsburger Panthern, die morgen zum ersten Finalspiel in die Tui-Arena zu den Hannover Scorpions reisen. Es ist ja auch das Sportmärchen in diesem Frühjahr. Der AEV, häufig als “Armenhaus der DEL” beschrieben – wobei man da gar nicht weiß, ob der Terminus sowas wie Bedauern oder eher Bewunderung ausdrücken soll – träumt nach einem achten Tabellenplatz in der Hauptrunde 2009/2010 ( nach Siegen in den letzten sechs Vorrundenspielen) vom ganz großen Coup: dem ersten Meistertitel. Und der neutrale Fan kann gar nicht anders mehr als seine Sympathien dem AEV zuzuwerfen, jener Mannschaft, die als Underdog durch die Playoffs zog und mit Mannheim und Berlin die reichen Vereine aus dem Wettbewerb kegelte. Und schließlich mussten im Halbfinale auch die Grizzlys Adams Wolfsburg dran glauben, gerade mal mit etwas mehr Geld ausgestattet als die Augsburger, trotz potentiellem Großsponsor im Hintergrund. Augsburg lebt seinen Traum, die Stadt versinkt in einer Welle der Euphorie, und der AEV mausert sich zum Favoritenschreck. Doch nachdem man Mannheim, Berlin und Wolfsburg in den vorzeitigen Urlaub geschickt hat, muss man eigentlich bei weitem nicht mehr von einem Außenseiter sprechen, auch nicht vor dem Finale gegen die Hannover Scorpions. Ein Kapitel fehlt den Augsburg Panthern noch im Frühjahrsmärchen – jetzt aber in anderer Ausgangslage. Denn Außenseiter ist der AEV jetzt vielleicht noch auf dem Papier und wenn man sich den ein oder anderen spielerischen Aspekt näher begutachtet – letztendlich spürt der AEV jetzt auch den Druck und vielleicht die Last den finalen Schritt zu gehen, mit der großen deutschen Eishockey-Fangemeinde als stille Unterstützer. Die Augsburg Panther als Underdog – das lasse ich nicht mehr gelten.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Story der  Hannover Scorpions in dieser Saison genauso spektakulär verlaufen ist wie beim Gegner aus Bayern. Im November noch Tabellenletzter, der Trainer droht mit Rücktritt, steht man sechs Monate später jetzt zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte im DEL-Finale. Wie eine kleine Maschine an Effizienz und Effektivität zog man durch die Playoffs, vor allem die ersten beiden Spiele in der Halbfinalserie gegen Ingolstadt waren beeindruckendes Eishockey. Wenig Chancen, aber viele Tore und defensive Disziplin. Mittlerweile hat sich dann auch in der gesamten Stadt rumgesprochen, dass die Scorpions schon jetzt ihren größten Vereinserfolg geschafft haben. In der Abschiedssaison von Hans Zach soll jetzt das i-Tüpfelchen folgen. Scorpions-Verteidiger Thomas Dolak formuliert es so: “Wir wollen Hans Zach noch einmal einen ganz großen Abgang verschaffen.” Doch der Trainer aus Bad Tölz, seit vier Jahren an der Bande der Hannover Scorpions, will von all dem Trubel nichts wissen, zumindest gibt er sich so nach außen: “Krönung interessiert mich nicht.” Wobei selbst ein sonst so ruhiger Hans Zach einen Meisterschaftstitel zum Abschluss seiner Karriere sicherlich gerne mitnehmen würde. Die Euphorie in Hannover mag ein wenig kleiner sein als in Augsburg, aber trotzdem ist man sich auch an der Leine bewusst, was die Scorpions diese Saison erreicht haben und ja vielleicht noch erreichen. Und das wird von vielen endlich auch honoriert.

Schaut man sich beide Teams genauer an, dann fällt auf, dass beide Mannschaften in diesen Playoffs ihre Stärken vollends ausgespielt haben. Vor allem deswegen stehen sie im Finale. Blickt man auf die Hannover Scorpions, dann ist das an erster Stelle vor allem die Ausgeglichenheit im Team. Hans Zach lässt konsequent mit vier Reihen spielen, alle diese können Tore schießen. Erinnert sei an die Treffer von Blank und David Wolf in der Serie gegen Nürnberg. Zweites großen Plus der Hannoveraner: das Powerplay, zweitbestes in der Hauptrunde und in den Playoffs nochmal zu neuer Stärke erwachsen. Was daran liegt, dass auch die Reihe um Adam Mitchell, Matt Dzieduszycki und Chris Herperger – also die Formation, die das Überzahlspiel grundsätzlich hinter dem Tor spielen lässt – endlich wieder trifft. Das entlastet natürlich auch die Reihe um Dolak, Kathan und Vikingstad, die mit Sascha Goc den torgefährlichsten Verteidiger der DEL an ihrer Seite haben. Und auch Youngstar Ben Cottreau mit seinem gefährlichen Schlagschuss hat in den Playoffs das ein oder andere Mal getroffen. Wenn es nach der Hauptrunde so etwas wie ein Sorgenkind in Hannover gab, dann die Offensive. Das hat sich vorerst erledigt. Zudem hat Hannover eine Menge Erfahrung im Team, auf dem Eis wie neben dem Eis. Hans Zach weiß, wie man ein Team einstellen muss, dass um den Titel spielt. Drei Meisterschaften mit der Düsseldorfer EG sowie zwei weitere Finaleinzüge – einmal mit den Düsseldorfern und 2003 mit den Kölner Haien – sprechen für ganz viel Erfahrung, zudem hat Kapitän Tino Boos 2002 mit den Kölnern den Titel geholt. Vikingstad und Torhüter Travis Scott wissen ebenfalls, was es heißt eine Finalserie zu gewinnen. Größtes Manko der Hannover Scorpions sind die vielen Nachlässigkeiten und Formschwankungen während der Spiele, in der Serie gegen Nürnberg noch sichtbarer als bei den drei Partien gegen den ERC Ingolstadt. Die Scorpions schaffen es selten konstant über 60 Minuten konzentriert und engagiert zu spielen. Große Vorsprünge wurden häufig beinahe verspielt, dafür ist die Moral bei Rückständen umso größer. Herzstück eines jeden Zach-Teams ist die Defensive. Doch auch die ist zu knacken. Hannover hat Probleme, wenn man zu weit aufgerückt ist und dem Gegner die neutrale Zone als Start zum Kontern überlässt. Insbesondere in der Nürnberg-Serie ist aufgefallen, dass die Scorpions Schwierigkeiten haben, wenn die Gegner schnell hinter dem Tor spielen und dann den präzisen Pass in den Slot vor das Tor von Scott spielt. Das könnte eine Möglichkeit sein die Scorpions zu knacken. In den Playoffs haben es die Scorpions bisher nahezu gut verstanden, von der Strafbank fernzubleiben. Disziplin und die Geduld stimmen, war aber diese Saison auch schon mal anders.

Der große Rückhalt der Augsburg Panther steht im Tor. Nationaltorhüter Dennis Endras spielt überragende Playoffs und seine Fangquote von über 94 Prozent ist nur ein Merkmal dieser Stärke. Endras hält das Team defensiv zusammen, feuert sein Team an und scheint auch ein ganz wichtiger Faktor in der Verbindung Mannschaft und Fans zu sein, eben weil Endras seinen Vertrag im Gegensatz zu vielen anderen Leistungsträgern in Augsburg verlängern wird. Ich hatte ja nun häufiger die Gelegenheit einige Spiele der Panther in diesen Playoffs zu schauen. Was mich am meisten beeindruckt hat, ist, wie das Team insgesamt seine Struktur auch bei Rückstand beibehält, fast schon Zach-ähnlich. Es wird nichts überstürzt, alles wirkt durchdacht, jeder hält seine Position und erfüllt seine Aufgabe. Und das sieht dann häufig mit der offensiven Ausrichtung auch attraktiv aus. Überhaupt ist die Offensive exzellent besetzt. Der deutsch-kanadier Darin Olver bekommt in den Playoffs durch Chris Collins (sieben Treffer in 11 Partien) fantastische Unterstützung, Brett Engelhardt hat gezeigt, dass er die wichtigen spielentscheidenen Tore erzielen kann und auch Tyler Beechey und Connor James sind brandgefährlich. Weiterer Pluspunkt für die Panther ist der Zusammehalt im Team, viele Leistungsträger verlassen den Verein nach Saisonende. Was bietet sich da besser als mit einem Meisterschaftstitel zu gehen? Und so tritt die Mannschaft auch nach außen auf. Sie wirkt extrem gefestigt. Und damit sind dann eben Schwächen gegenüber dem Gegner auch auszugleichen. Und wenn man die Stärke nicht schon in der eigenen Mannschaft findet, dann wenigstens im Umfeld, genauer gesagt beim altehrwürdigen Curt-Frenzel-Stadion, eine Spielstätte, die für viele Gegner, die an geschlossene Mehrzweckarenen gewöhnt sind schwierig zu spielen sind. Zum Glück ist es im April nicht mehr so kalt, ist das Stadion doch nach drei Seiten offen, hat steile Stehplatztribünen, bei Sonnenschein reflektiert das Abendrot im Eis. Ein Hexenkessel und mit Sicherheit ein Faktor in dieser Finalserie. Schwächen muss man beim AEV schon etwas genauer suchen. Die Defensive könnte es sein. Zumindest in der Hauptrunde dieser Saison kassierte man die meisten Gegentreffer der Playoff-Teams, wenngleich die Defensive in der Serie gegen Wolfsburg überwiegend sattelfest verstand. Zumindest was die Gegentore angeht, aber insgesamt lässt Augsburg viel zu viele Torschüsse zu. Wenn Endras dann mal nicht seinen besten Tag erwischt hat, endet das wie in Spiel 3 in Wolfsburg. Ziel für die Hannover Scorpions muss es sein, möglichst viele Scheiben auf das Tor zu bringen, schnell und variabel zu spielen. Dann dürften die jungen Verteidiger der Panther ins Schwimmen kommen. Vom Gefühl her hatte Augsburg insbesondere in der Serie gegen Wolfsburg ein paar zu viele Strafen kassiert. Das wäre gegen das Powerplay der Scorpions von Nachteil, gleichzeitig haben die Panther die meisten Torschüsse in Unterzahl zugelassen. Augsburg sollte es also vermeiden, unnötig Strafen zu kassieren.

Das Finale – das Highlight der DEL-Saison und die Krönung einer einzigartigen Saison für beide Mannschaften und Fangruppen. Mit Tipps halte ich mich zurück, ich halte die Serie wie alles zuvor für völlig offen. Würde mir aber natürlich einen Titel für die Scorpions wünschen. Ansonsten ist es einfach nur toll eine Finalserie als Fan mitzuerleben. Ich bin am Sonntag in der Tui-Arena und freue mich jetzt schon unabhängig von den ersten beiden Spielen riesig darauf.

Die Finalspiele finden am 20., 23., 25., 28. und 30 April statt. Sky übeträgt alle Partien live.

Thema: Sport | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Ankündigung: Absolute Dynamite

Montag, 19. April 2010 15:55

Gute und lesenswerte deutschsprachige Literatur über englischen Fußball und die Premier League ist eher selten. Das ändert sich jetzt zumindest ein wenig. Carsten Germann, freier Sportjournalist unter anderem für Spox, die WELT und ZEIT online sowie ehemaliger Interviewgast in unserem Blogmagazin Spielmacher, hat nach seinem ersten Buch über englischen Fußball (“Football’s Home“) einen Nachfolger geschrieben. Das Buch heißt Abosolute Dynamite – Fußballgeschichten aus Großbritannien. Erscheinungsdatum ist der 30. April. Eine Leseprobe und Möglichkeiten zur Vorbestellung gibt es hier.

Thema: Internes, Premier League | Kommentare (1) | Autor: medispolis