Beiträge vom Mai, 2010

Zitat des Tages: Dienstag, 25. Mai 2010 – It is time to stop giving our journalism away

Dienstag, 25. Mai 2010 21:45

“What’s at the heart of the Times and what’s at the heart of good journalism everywhere is reporting and making sure you can continue to send people to Afghanistan, to Iraq, to the Gulf of Mexico, into the business world, covering sport. That kind of thing is absolutely essential and you cannot give that away.”

James Harding, Editor of The Times, im Interview auf BBC Radio 4 über die neue Website der Times, für deren Inhalte man ab sofort bezahlen muss. Murdoch lässt grüßen.

Dazu eine erste Begutachtung des neuen Angebots durch Peter Robins/Guardian.

“Overall, the Times site makes a very accomplished effort at bringing the style and symbolism of the paper on to a screen without sacrificing the breadth and depth of information that readers expect from web pages, and the Sunday Times one is an interesting stab at displaying the vast wealth and diversity of all those supplements. Whether they’re beautiful enough to pay for is, of course, another issue.”

Essenz und deutsche Sicht auch bei Spiegel Online.

Thema: Zeitungen/Zeitschriften, Zitat des Tages | Kommentare (2) | Autor: medispolis

Und was nun, Herr Wenger?

Montag, 24. Mai 2010 23:42

Die vergangene Premier League Saison des FC Arsenal London lässt sich grob zusammengefasst aus zwei Blickwinkeln betrachten. Die einen sagen, dass die Gunners mit dem dritten Platz eine sehr gute Saison gespielt haben und nur wegen der zahlreichen Verletzungen, unter anderem von Fabregas, Arshavin, Ramsey und Walcott, letzlich nicht länger im Meisterschaftskampf vertreten war. Und das die Mannschaft überhaupt im April noch um den Titel mitgespielt habe, zeige doch, wie viel Potenzial dieses Team habe, wenn alle Spieler mal eine komplette Saison gesund und verletzungsfrei bleiben. Die anderen sagen, dass Arsenal wieder mal an der Unerfahrenheit gescheitert sei, dass die Spieler insgesamt nicht gut genug seien und der Kader auch im Vergleich zu den Teams vom FC Chelsea und Manchester United nicht breit genug aufgestellt sei. Die Gunners scheitern stets in den wichtigen Spielen in der Meisterschaft, besonders gegen die direkten Konkurrenten um den Titel. Sollte Trainer Wenger in der Sommerpause nicht endlich in den Kader investieren, dann bleibe der FC Arsenal auch in der nächsten Saison ohne Titel – dann seit sechs Jahren, zuletzt gewann man 2005 den FA-Cup. Und wahrscheinlich steckt in beiden Sichtweisen die exakte Beschreibung der vergangenen Spielzeit des FC Arsenal. Wieder einmal zeigte man in den entscheidenen Spielen gegen die Big Four viele Schwächen, war nicht auf den Punkt genau fokussiert. Gleichzeitig muss man den Gunners aber zugute halten, dass sie besonders viele enge Spiele in den letzten Minuten erst gewonnen habe, das Team, was Mentalität, Moral und Geschlossenheit angeht, sehr positiv weiterentwickelt hat. Aber aus Sicht vieler Fans noch nicht weit genug. Umso erstaunlicher war das Ankündigen von Arsene Wenger Anfang diesen Monats, dass er plane, den Kader sukzessive zu verstärken um einen neuen Angriff auf die Meisterschaft zu starten. Einen Prozess, den Wenger die vergangenen Jahre nie begonnen hatte. Aber scheinbar hat auch der Franzose spätestens jetzt erkannt, dass Unerfahrenheit gepaart mit Verletzungen und Formschwäche einiger Spieler zu viele unbekannte Variablen über eine Saison hinweg sind. Also Risiko minimieren: Neue Spieler kaufen, Fans glücklich machen, positive Stimmung vor der neuen Spielzeit erzeugen. Wenn es denn so einfach wäre. Denn Transfers sind nur die eine Baustelle, die Wenger dieser Tage zu bearbeiten habe. Der Kader muss umgebaut werden, zahlreiche Verträge sind neu zu verhandeln. Nachfolgend ein Überblick über die dringendsten Probleme, die Wenger bevorstehen, und ein paar Antworten auf die Fragen, die sich viele Gunners-Fans für die Sommerpause stellen.

DER KADER DER MANNSCHAFT

Torhüter

Viele Arsenal-Fans wünschen sich nichts sehnlicher als einen neuen Torwart. Ich glaube aber, dass das nicht das dringendste Problem für Wenger ist. Vielleicht sehe ich das aber auch zu Manuel Almunia-freundlich, bin ich doch durchaus ein Freund und Unterstützer des Spaniers. Natürlich hatte er auch diese Saison seine Schwächen und fürchterliche Fehler, gleichzeitig hatte er aber auch häufig gezeigt, dass er ein richtig guter Torwart ist, erinnert sei zum Beispiel an das Viertelfinalhinspiel in der Champions League gegen den FC Barcelona. Trotzdem deuten die Zeichen auf Abschied, Almunia war gegen Ende der Saison nicht mehr erste Wahl, Fabianski stand zwischen den Pfosten – und zeigte, dass er überhaupt keine Alternative ist, aber eine große Anhängerschaft im Trainerstab hat. Alternativen für die Torwartposition sind immer noch Vito Mannone und eines der wohl größten Torwarttalente in Europa derzeit, der Pole Wojciech Szczesny, dem sicherlich die Zukunft gehört, aber wohl noch mehr Spielpraxis außerhalb des Vereins als Leihspieler braucht. Was also tun aus Sicht von Wenger? An Almunia festhalten oder eine Neuverpflichtung? Joe Hart soll auf dem Zettel von Wenger sein, hin und wieder wird auch mal Shay Given genannt. Manuel Neuer war mal kurz im Fokus der Gunners, die Sunday Times berichtete am Wochenende, dass Fulhams Mark Schwarzer vor dem Wechsel in den Nordosten der Stadt stehe.

Abwehr

Hier sind die Situation und Aufgaben für Wenger schon sehr viel klarer und präziser. Thomas Vermaelen hat sich in der Innenverteidiung als Glücksgriff par excellance erwiesen, braucht aber einen Partner, den Wenger im Sommer finden muss. Hört man das Rauschen im Blätterwald, dürfte Sol Campbell noch einmal einen Vertrag für ein Jahr erhalten, trotzdem kann der beim besten Willen in seinem Alter dann nicht erste Wahl sein. Gallas wird den Verein wohl verlassen, ebenso Silvestre und Senderos. Keine Schwierigkeiten auf den Positionen der Außenverteidiger. Barcary Sagna und Gael Clichy beziehungsweise Kieran Gibbs haben noch Verträge und spielen eine sehr wichtige Rolle in den Überlegungen von Wenger. Wer könnte der Partner für Vermaelen sein? Laut Sunday Times ist Wenger auch an Per Mertesacker von Werder Bremen dran. Klingt irgendwie überhaupt nicht vorstellbar, aber reizvoll für beide Seiten sicherlich.

Mittelfeld

Unglaublich großes Potential im Mittelfeld der Gunners. Vieles wird eben davon abhängen, ob Fabregas in London bleibt oder nicht. Wenn nicht, muss definitiv Ersatz her. Ansonsten dürften Eboue, Alex Song, Denilson, Diaby und Nasri im Verein bleiben. Große Hoffnungen aller Arsenal-Fans ruhen auf einer schnellen und vollständigen Genesung von Aaron Ramsey. Dann hätte man eine sehr gute Basis und Balance von Defensive und Offensive im Mittelfeld. Unklar ist noch der Verbleib von Thomas Rosicky und Jack Wilshere. Wilshere war in der zweiten Saisonhälfte an die Bolton Wanderers ausgeliehen und steht jetzt ganz hoch im Kurs bei Premier League Aufsteiger Newcastle United. Fran Merida wird den Verein defintiv in Richtung Atletico Madrid verlassen.

Angriff

Was würde der FC Arsenal ohne Robin van Persie machen? Der Niederländer ist gesetzt im Angriff bei den Gunners und kommt hoffentlich nächste Saison ohne Verletzungen aus. Und wenn er dann im August wieder die sehr gute Frühform von letztem Jahr hat, dann könnte man vielleicht ja mal die 25-30 Tore in Angriff nehmen. Flankiert werden könnte van Persie vom Neuzugang Marouane Chamakh aus Bordeaux. Mehr dazu weiter unten. Theo Walcott und Arshavin dürften ebenfalls beim Verein bleiben, wenngleich sich um den Russen immer wieder Gerüchte halten, dass Barcelona ihn gerne haben würde. Vor ein paar Wochen gab Arshavin in einem Lifestyle-Magazin zu Protokoll, dass er nächste Saison bei Barca spielen würde. Aber wer wird das eigentlich nicht? Die Gerüchteküche ist erstmal wieder geschlossen. Es wäre schön, wenn Arshavin bleiben würde und vielleicht wieder stärker an die Form der Hinserie anknüpfen könnte, seit Januar hat er mich nicht mehr so richtig überzeugt. Niklas Bendtner wird sicherlich auch dem Verein die Treue halten, wird aber spannend und interessant, wie der Däne mit dem gestigenen Konkurrenzdruck im Sturm umgeht. Da fällt er quasi in die Ära Van Persie/Adebayor zurück, die er eine ganz Zeit vor sich hatte. Sollte Bendtner bleiben, dürfte für Eduardo und Carlos Vela – trotz des sehr schönen Tores gegen Fulham beim Saisonabschluss – kein Platz mehr sein, zumal wenn Wenger sich noch einen weiteren Stürmer angeln sollte.

Einmal Arsenal mit oder ohne Fabregas

Es war schon ein Schock, als Cesc Fabregas verkündete, dass er Wenger bitten möchte, ihm einen Wechsel zum FC Barcelona zu ermöglichen. Und es kam überraschend, brauchte der Verein doch mehrere Tage um sich endlich öffentlichkeitswirksam durchzuringen, dass man alles versuchen werde, Fabregas in London zu behalten. Und von Wenger hörte man nicht einen Ton, er schickte die Geschäftsführung vorne weg. Wie wahrscheinlich ist nun ein Wechsel von Fabregas nach Spanien? Ganz ehrlich, ich kann es nicht beantworten. Immer wieder neue Zahlen fliegen durch die Zeitungen, das spanische Blatt El Mundo nannte jetzt ein konkretes Angebot von 45 Millionen Euro für Fabregas von Barca als letztes kleine Puzzlestück. Wenn man überlegt, dass Barca sich Ibrahimovic rund 46 Millionen Euro kosten ließ, dürfte die Bereitschaft zu Einigung beim FC Arsenal noch vergleichsweise gering ausfallen. Sollte Fabregas den Verein wirklich verlassen, würde er eine nicht zu ersetzende Lücke bei den Gunners hinterlassen, nicht unbedingt von der spielerischen Seite. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie auch ohne Cesc Spiele gewinnen kann und Nasri immer mehr den Part des Spaniers erfüllen kann, wenn er von Wenger nicht wieder auf den Flügel geschickt wird. Vielmehr steht der integrative Charakter, den Fabregas der Mannschaft gab, in Gefahr. Er konnte sein Team mitreißen, entweder mit dem unglaublichen Comeback im Dezember gegen Aston Villa oder auch nach der schweren Verletzung von Ramsey im Spiel bei Stoke City. Wer soll diese Rolle von Fabregas dann ausfüllen? Das weiß wohl auch Wenger nicht, fest steht aber nur, dass bei einem möglichen Wechsel des Spaniers Wenger dringend adäquaten Ersatz braucht. Geld ist dann vorhanden, Namen werden derzeit noch keine gehandelt, was gut ist, denn viele Gunners-Fans haben immer noch die Hoffnung, dass Fabregas eine weitere Saison an der Themse bleibt. Ausgang völlig offen. Und ein Ziel hat Barcelona schon mal nicht erreicht: Eigentlich wollte man am vergangenen Wochenende den Deal perfekt machen.

Der Chamakh-Deal: Auswirkungen auf die Formation der Gunners

Ich freue mich auf Marouane Chamakh und denke, dass er Arsenal im Sturm durchaus die Qualität geben kann, die den Gunners immer so ein wenig fehlt, nämlich das Toreschießen und die Chancenverwertung. Sollte der Marokaner in der Startelf bei Wenger stehen, dürfte sich die Formation der Gunners nächste Saison leicht modifizieren. Spielte Wenger letzte Saison häufig nur mit einer Spitze – meist Bendtner – oder mit drei Spitzen, wobei Arshavin und Walcott/Eduardo immer leicht zurückhängend agierten – dürfte Arsenal in der kommenden Spielzeit vielleicht wieder zum klassischen 4-4-2 zurückkehren mit Van Persie und Chamakh als Stürmer. Im Moment fehlt mir die Vorstellung für ein 4-3-3 mit Van Persie als zentralem Part und Chamakh und Arshavin/Walcott eher auf den Flügeln. Insgesamt aber für Arsenal, auch weil der Transfer ablösefrei durchgeführt werden konnte, ein sehr guter Transfer, gibt er Wenger doch offensiv mehr Spielraum, mehr Alternativen und hoffentlich auch mehr Torgefahr und mehr Tore.

Vertragsverlängerung von Arsene Wenger

Wengers Vertrag endet am Ende der kommenden Saison, bisher hat der Franzose bei den Gunners immer vorzeitig verlängert, meist über ein Jahr bevor der aktuelle Kontrakt ausläuft. Diesmal lässt sich Wenger sehr viel Zeit. Im Umfeld des Vereins und von vielen Menschen, die nahe am Klub beteiligt sind, ist immer wieder zu lesen, dass Wenger seinen Vertrag gerne verlängern würde, er es aber aus seiner Sicht von mehreren Faktoren abhängig macht. Entscheidend dürfte sein, ob Wenger im Sommer die Wunschspieler bekommt, inwieweit Arsenal in der neuen Spielzeit wieder um die Meisterschaft in der Premier League mitspielt. Und vielleicht viel wichtiger: Ob Arsenal endlich wieder einen Titel holt. Viele Fragezeigen, aber Wenger hat es mehr oder weniger selbst in der Hand.

Und das sind nur ein paar Brennpunkte, Aufgaben und Hürden, die der FC Arsenal in der Sommerpause zu lösen haben wird. Wenger sollte sich Gedanken darüber machen, wie er Nasri noch stärker in die zentrale Rolle im Mittelfeld einbauen kann und wie Arshavin wieder einen Mehrwert für das Team darstellt und nicht lustlos und gelangweilt seine Kilometer abspult. Interessantes auf dem Platz und auch neben dem Spielfeld. Gestern schlugen Meldungen auf, die aber heute schon wieder umgehend dementiert wurden, wonach der Nigerianische Milliardär Aliko Dangote 16% der Anteile am Verein von der indischen Unternehmerin und langjährigem Aufsichtsratmitglied Nina Bracewell-Smith abkaufen würde. Bracewell-Smith sucht schon längere Zeit nach einem Käufer für ihre Anteile am Verein. Gerüchten zufolge sollte immer wieder auch US-Tycoon Stan Kroenke an den Anteilen interessiert sein. Er würde dann damit aber deutlich über 30% Anteile besitzen und müsste förmlich eine Übernahme des Vereins einleiten. Darüber wurde zwar immer wieder spekuliert, realistisch scheint es aber nicht. Auch der andere große Anteilseigner, der Milliardär Alisher Usmanov aus Usbekistan, möchte seinen Anteil nicht erhöhen. Dangote könnte mit dem Erwerb zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Bracewell-Smith wird ihre Aktienpakete los und müsste nicht mehr länger mit Kroenke zusammenarbeiten. Den beiden wird ein eher unterkühltes Verhältnis nachgesagt. Denn Kroenke hatte Bracewell-Smith einst aus dem Aufsichtsrat geworfen.

Aber das werden die kleinsten Sorgen von Wenger sein, wenngleich Journalisten ihn nahezu auf jeder Pressekonferenz nach den Hintegründen fragen. Er sagt dann immer, dass seine Aufgaben und seine Arbeit auf dem Fußballplatz liege. Und die ist in diesem Sommer ja auch umfangreich genug.

Thema: Premier League | Kommentare (2) | Autor: medispolis

Zitat des Tages: Montag, 24. Mai 2010 – Reality of Dubai

Montag, 24. Mai 2010 12:25

“My initial feeling about Dubai was that here you have a place that’s an autocracy by definition, but it’s socially wide-open,” he said. “I bought into the hype of Dubai, that you have economic and social freedoms that no one will impinge upon. The reality is if you don’t do anything to offend anyone, you’ll never know the reality.”

Interessante und sehr lesenswerte Story im San Francisco Chronicle über Arbeitsmethoden und Untersuchungen der Sicherheitsbehörden in Dubai. Wirtschaftliche und soziale Freiheit sind scheinbar schwieriger denn je zu erreichen. Auch für die Arbeit von Journalisten.

Thema: Zeitungen/Zeitschriften, Zitat des Tages | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Der Patient NRW (I): Warten auf eine Regierung

Freitag, 21. Mai 2010 21:31

Der Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen ist ganz offensichtlich beendet. Die Plakate in den Straßen und Fußgängerzonen sind wieder abgehängt, in den Grünanlagen hat man jetzt wieder einen Blick auf die blühenden Blumen und nicht mehr auf riesige Porträtfotos von Hannelore Kraft und Jürgen Rüttgers. Und die Parteien haben ihre Online-Aktivitäten wieder eingestellt. Stellvertretend dafür die SPD. Im Blog der NRW SPD gab es seit der Wahl erst drei neue Einträge, die man aber auch in einem hätte zusammenfassen können. Auf dem Twitter-Account der NRW SPD ist nur ein Eintrag seit den letzten zwei Wochen zu finden.

Dabei hätten uns die Sozialdemokraten an Rhein und Ruhr doch so einiges zu erzählen. Aber scheinbar muss man das nicht mehr der Internet-Öffentlichkeit präsentieren, wen interessieren auch Sondierungsgespräche und deren Ergebnisse sowie die Stellungnahmen und Positionen der beteiligten politischen Akteure. Politik sollte transparent sein, Wahlkämpfe sollten transparent sein und dann eben auch der Prozess der Regierungsbildung und die Koalitionsverhandlungen. Und nur weil man dafür nicht Stimmen der Bürgerinnen und Bürger erzielen kann, heißt das noch lange nicht, dass man darüber auch online keine Stellungnahmen abgeben sollte. Das gilt aber übrigens für alle Parteien. Aber eben insbesondere für die SPD. Wenn man schon täglich durch die Medienlandschaft posaunt, dass eine stabile und verlässliche Regierung ohne die Sozialdemokraten nicht möglich ist, dann sollte man diesen Stellenwert und Bedeutung auch in der Kommunikation nach außen offenlegen, und eben auch online.

So bleibt nicht nur an dieser Stelle der fade Beigeschmack, dass die politischen Parteien in Nordrhein-Westfalen derzeit nicht wirklich wissen, in welche Richtung die politische Macht am Rhein verteilt werden soll. Die FDP hält sich jetzt aus allem raus, für die Grünen haben sich jegliche Machtaussichten seit gestern Nachmittag mehr oder weniger in Luft aufgelöst, die Linke wurde komplett bloßgestellt und in der Parteizentrale der CDU macht man jetzt Freudensprünge, dass sich überhaupt noch einmal jemand an die Christdemokraten erinnert. Ausgang völlig ungewiss, es ist ein zäher Prozess. Ich schwanke derzeit noch bei meiner finalen Beurteilung der derzeitigen Situation. Ist das jetzt ein wiederkehrendes Merkmal repräsentativer Demokratien, dass die Regierungsbeteiligung – gerade auch bei einem solchen Wahlergebnis – eben etwas länger dauert oder ist es das pure Scheuen einiger Parteien vor der Verantwortung und das völlig unsinnige Gerede über den Ministerpräsidentenposten, die jegliche Dynamik und einen Aufbruch nach der Landtagswahl vermissen lassen? Insbesondere die FDP hat in den letzten Tagen häufig ihr Fett abbekommen. Eine Sache verstehe ich auch nicht: Jahre lang zog ein Guido Westerwelle durch die Republik und sprach von der Verantwortung, die sich die FDP bewusst sei für das politische Deutschland. Und jetzt klammert man sich ohne plausible Begründung an die Union – und bekommt zumindest in den Umfragergebnissen die erste Quittung. Vielleicht wacht man ja im Hause Pimkwart noch einmal auf. Und dann ist da noch die Diskussion um den Posten des Ministerpräsidenten: Wenn ich mal eine vorsichtige Prognose abgeben dürfte, glaube ich, dass sich Hannelore Kraft innerlich schon verabschiedet hat von dem Amt. Und das ist auch richtig so. Man mag gleich viele Sitze haben wie die CDU, aber hat eben weniger Stimmen erhalten. Und es muss eine Regel geben, die ausdrückt, wer das Recht hat den Ministerpräsidenten zu stellen. Und das ist in diesem Falle die CDU. Ob der Posten dann mit der Person, die sich im Wahlkampf darauf beworben hat, auch besetzt wird, steht ja auf einem ganz anderen Blatt Papier. Meiner Meinung nach wäre die CDU gut beraten einen Schlussstrich unter die Ära Rüttgers zu ziehen. Da könnte die SPD in einer möglichen Großen Koalition noch so vehement den Politikwechsel an Inhalten festmachen. Solange Rüttgers aus seinem Büro auf Kniebrücke und Rhein schaut, kann man nicht wirklich von einem Wechsel in Nordrhein-Westfalen sprechen.

Und eine Große Koalition mit einem Ministerpräsidenten der CDU ist immerhin noch besser als Neuwahlen. Wobei das ja leider noch nicht ausgeschlossen ist. Dann kommt es eben darauf an – sollte es zu einem Bündnis von CDU und SPD kommen – wie groß die Hemmung bei den Sozialdemokraten sind in der geheimen Abstimmung bei der Ministerpräsidentenwahl Rüttgers oder wem auch immer ihre Stimmen zu verweigern. Und sollte da keine Mehrheit zusammenkommen, würden Neuwahlen angesetzt. Soviel Taktik traue ich der SPD noch nicht zu – und es wäre für das ehe schon ramponierte Ansehen der Politik in diesen Tagen nicht gerade förderlich. Von daher wäre die Große Koalition sicherlich eine Kröte, die man schlucken muss, weil es eben auch Sicht eines politischen Systems nicht die optimalste Lösung ist. Aber besser als die Vermittlung von Neuwahlen ist das Bündnis allemal. Zumal ein erneuter Wahlgang ebenso gleiche Verhältnisse schaffen könnte, vielleicht noch weniger Menschen zu Wahl gehen könnten und vor allem extremistische Parteien oder sonstige Protestbündnisse das Versagen der etablierten Parteien für ihre Kampagnen negativ nützen könnten. Das muss ich nicht wirklich haben.

Das Wahlergebnis ist sicherlich keine einfache Angelegenheit. In der politischen Welt an Rhein und Ruhr hat man es sich aber noch schwieriger gemacht als wirklich nötig. Ausgang offen. Überraschungen möglich, Scheitern meinerseits nicht erwünscht. Aber ausschließen kann man es leider nicht. Dass die CDU schon eine ganze Woche braucht um sich überhaupt zu Gesprächen mit der SPD aufzuraffen, passt ins Bild. Dann machen wir einfach eben mal sechs Tage Pause bei den Verhandlungen für eine neue Regierung. Zum Glück ist Pfingsten bestes Grillwetter.

Schade finde ich es nur für die Grünen. Engagierten Wahlkampf gemacht, mit vielen Inhalten, exzellenter Online-Wahlkampf für deutsche Verhältnisse. Stimmenanteil enorm gesteigert und doch wahrscheinlich wieder Opposition. Nennt sich wohl Demokratie.

Thema: Wahlen und Umfragen | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Live-Blog: Pressekonferenz des FC Bayern vor dem Finale in der Champions League

Freitag, 21. Mai 2010 12:46

[13h55] Soviel von der Pressekonferenz. Nicht wirklich etwas Neues. Sky ist auch sofort aus der Übertragung raus. Schönen sonnigen Freitag noch meinerseits.

[13h51] Van Gaal gefällt mir. Nachdem er bemängelt hatte, dass hier keine Fragen zur Taktik gestellt werden, kommt Daniel Kerst hervor: “Spielen sie mit einem oder zwei Stürmern?” Van Gaal: “Das kann ich so schnell und genau nicht erklären, weil wir viel mit Positionswechseln arbeiten.” Und dann kommt ein großes Haha des Niederländer, weil keiner mit der Antwort was anfangen dürfte. Zu cool.

[13h30] Louis Van Gaal ist jetzt noch auf der Pressekonferenz

Zum Verhältnis zwischen ihm und Mourinho: “Ich habe viele Freunde in dieser Welt, viele Freunde in den Niederlanden, die mir sehr nahe stehen. Mourinho habe ich in einem Termin mit dem Präsidenten des FC Barcelona kennengelernt. Wir haben für drei Jahre zusammengearbeitet, er hätte nach einem Jahe gehen können, aber er ist geblieben. Er hat alle Analysen gemacht, für alle Gegner, er hat das sehr gut gemacht. Er hat Qualität. Wir verschicken regelmäßig Sms, aber das mache ich auch mit anderen Co-Trainern.” Heißt so viel: Es ist ein professionellen Verhältnis, man schätzt sich.

Zur Sperre von Ribery und ob er damit sein letztes Spiel für die Bayern bereits absolviert hat.: “You are a smart guy. But I’m also smart.” Zu geil die Antwort.

Van Gaal: “Ich kenne nicht die Trainingsmethoden von Mourinho, ich sehr nur das Produkt und das Ergebnis. Und das ist sehr gut. Er hat Inter Mailand zu einer Siegermannschaft gemacht. Inter ist ein sehr schwieriger Gegner und das Ausscheiden von Chelsea und Barcelona hat das bestätigt.”

“Es ist für mich eine Ehre hier in dieses Stadion zurückzukehren. Für mich ist es entscheidend, dass der Rasen in Ordnung ist. Und das glaube und hoffe ich. Ich bin sehr stolz darauf, als Trainer dieser Mannschaft im Finale zu stehen.”

Van Gaal wirkt äußerst relaxt und gelassen, beantwortet artig die guten Fragen und schmettert mit einem Satz die Fragen ab, die er nicht beantworten will bzw. in Fragen Vertragsverlängerung Ribery nicht antworten darf. Über seine Person möchte er sich auch nicht äußern, das sollten andere machen.

Daniel Kerst mit der Frage, ob es eine Frage noch nicht gab, die er nicht beantworten durfte in den letzten Tagen. Van Gaal: Ich habe hier nicht eine einzige Frage zu unserer Taktik gehört.

[13h23] Martin Hörwick: Es wird heute und morgen von Seiten des Vereins keine Aussagen und Meldungen über Vertragsverlängerungen oder Wasserstände bei der Vertragsverhandlungen geben. Vereine machen Verträge, keine Zeitungen. Und schon ist der Saal ruhig.

[13h21] Und Schweinsteiger will den Kopfhörer gar nicht mehr abnehmen, auch bei den Fragen von Roland Zorn und Daniel Kerst, die nach der Bedeutung des Kapitän in einem solchen Spiel fragt, nach den Möglichkeiten eines Kapitän, auch noch im Spiel Einfluss und Veränderungen vorzunehmen. Und es ging um die Anspannung, ob die sich im Laufe der Vorbereitung verändert.

Van Bommel: “Man kann während eines Spiels nicht mehr viel machen, zumal der Trainer sehr gut von der Außenlinie uns versorgt.”

[13h19] Frage eines spanischen Journalisten: “Was ist Bayern-Dusel?” Antwort von Schweinsteiger: “Harte Arbeit.” Und ich dachte schon, der Schreibling hat nach der Düssel gefragt…

[13h17] Frage nach der Bedeutung von Arjen Robben: “Er ist fit, die Mannschaft weiß, wie wir für ihn spielen müssen und er weiß, wie er für uns spielen muss. Er leistet tolle Arbeit, macht wichtige Tore. Wir ergänzen uns hervorragend. Ich bin froh, dass er mit uns spielt. Warum Real Madrid ihn nicht mehr behalten wollte, weiß ich nicht”, so Mark Van Bommel.

[13h16] Bastian Schweinsteiger freut sich jedes Mal und lacht innerlich in sich hinein, wenn er den Kopfhörer aufsetzen darf, damit er den Übersetzer im Ohr hat. Alle Fragen der nicht deutsch sprechenden Journalisten gehen aber alle an Mark Van Bommel.

[13h14] Weitere Fragen der Journalisten, aber nicht wirklich Brauchbares, das man länger als zwei Minuten in Gedanken behalten muss. Warum fragt denn mal keiner nach Schlüsselspielern, nach den direkten Duellen im Spiel, nach den Stärken und Schwächen beider Teams, nach den Erfahrungen, die man von Inter Mailand gewonnen hat. Stattdessen Fragen nach Gefühlen und der mentalen Stärke eines Teams, die notwendig ist in einem solchen Finale.

[13h08] Nun sind Fragen der Journalisten erlaubt. Aber nur wieder Quatsch. Drei Gründe für einen CL-Triumph der Bayern. Schweinsteiger nennt die Perfektion der Bayern und die Mentalität der Spieler.

Ein spanischer Journalist fragt, ob ein möglicher Wechsel von Mourinho zu Real Madrid das Inter negativ beeinflussen wird. Van Bommel versteht zunächst die Frage nicht, weiß nicht, in welcher Sprache er antworten soll. Dann kommt die Antwort: “Ich weiß es nicht.”

Nächste Frage eines deutschen Journalisten, ob es ein gutes Omen sei, dass Turbine Potsdam den Frauenwettbewerb gewonnen habe. Meine Güte, was soll denn der gute Herr Schweinsteiger (“Basti”) darauf antworten. Solche Fragen auf einer PK, als Spieler würde ich dann gehen.

Du meine Güte. Nächste Frage: Sag mal, Schweini, genießt du auch ein bisschen das schöne Wetter hier in Madrid im Vergleich zu München? Unfassbar!

[13h02] Herr Hörwick, Pressesprecher des FC Bayern, begrüßt die anwesenden Journalisten. Erste Frage an Mark van Bommel, der ja schon mit Barcelona hier gespielt hat und auch schon CL-Sieger wurde. Frage nach seinen Gefühlen ein Tag vor dem CL-Finale.

Van Bommel: “Mir hilft die Erfahrung ein klein wenig, dass ich das schon mal erlebt habe. Spannung ist da.”

Schweinsteiger zu der Frage, wie die Atmosphäre im Team ist: “Sind alle sehr positiv gestimmt, auch aufgrund des Sieges im Pokalfinale. Wir sind uns bewusst, dass wir etwas Historisches schaffen können. Wir sind gierig, der Verein steht voll hinter uns. Es wird hoffentlich ein großer Abend morgen.”

Zum Stadion in Madrid: “Diesmal ist es etwas ganz Besonderers, 11 gegen 11, natürlich ist die Atmosphäre außen herum ein Faktor, der so ein Finale noch schöner macht.”

Mark van Bommel zu Inter und Wesley Schneijder: “Wenn man über Wesley redet, spricht man über einen weltklasse Spieler. Ich freue mich mit ihm bei der WM zu spielen, aber morgen erstmal gegen ihn.

[13h00] So, Pressekonferenz beginnt. Van Bommel und Schweinsteiger haben hinter den Mikros Platz genommen. Zunächst die Begrüßung des UEFA-Vertreters, der auf Schwierigkeiten der Akkreditierung bei den Journalisten hinweist. Dann kann es losgehen.

[12h58] Jörg Althoff von der BILD ist zu Gast und erklärt die Recherchetechniken der Zeitung zur Vertragsverlängerung von Ribery. Ist nen Mehrwert für jeden zahlenden Abonnenten. Es sind “Informationen, die wir haben”, so Althoff. Spricht von fundierten Informationen.

[12h56] Also besseres Wetter als hier in Deutschland haben die Madrilenen auch nicht. Gäste auf der PK sind Van Bommel, Schweinsteiger und Van Gaal.

[12h53] Drinking Game schon mal für den Samstag: “Nacht der Wahrheit”. Ganz ehrlich, bei mir liegt die Anspannung und Vorfreude auf das Champions League Finale irgendwo im niedrigen einstelligen Bereich, ganz einfach, weil ich mit den Bayern sonst wenig am Hut habe. Trotzdem freut es mich natürlich, dass sie im Finale stehen und ich kann mich auch ziemlich gut in alle Bayern-Fans hineinversetzen, wie die Anspannung und Vorfreude immer mehr steigt bis morgen zum Anstoß. Möchte da nicht unbedingt gerne tauschen.

[12h50] Die Bayern haben um 13:00 Uhr deutscher Zeit ihre letzte Pressekonferenz vor dem morgigen Champions League Finale gegen Inter Mailand. Sky überträgt live. Mal sehen, ob es einige interessante Aussagen und Ausblicke auf morgen gibt. Und schon mehr Details zur Vertragsverlängerung von Ribery. Angeblich bis 2015 soll der neue Vertrag laufen, geschätztes Jahresgehalt von 10 Millionen Euro. Damit spielen die Bayern in der Bundesliga endgültig in einer neuen Liga und Größenordnung.

[12h46] Guten Tag zusammen.

Thema: Champions League, Live-Blog | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Zitat des Tages: Dienstag, 18. Mai 2010 – Saying adiós to Arsenal

Dienstag, 18. Mai 2010 21:11

“His departure would leave Arsenal considerably weakened. The Londoners will welcome the highly rated Bordeaux forward Marouane Chamakh to the Emirates on 1 July under the Bosman ruling and will attempt to strengthen their defence over the summer, though Fábregas will leave a void in midfield in terms of creativity, influence and goalscoring ability. His defection would be psychologically damaging as well, with Wenger not used to seeing key players leave the club against his wishes.”

Dominic Filfield/Guardian über die mögliche Rückkehr von Cesc Fabregas zum FC Barcelona und die Konsequenzen für den FC Arsenal. Heute wurde bekannt, dass Fabregas Wenger gebeten habe, einen Transfer zu den Katalanen zu ermöglichen.

Für Fabregas steht jetzt nur noch eine Hürde im Weg – Arsene Wenger selbst. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass der Franzose Fabregas Steine in den Weg legen wird. Und was nützt es den Gunners, Fabregas noch eine weitere Saison zu behalten und er dann nächstes Jahr nach Spanien wechselt? Interessant dürfte aber sein, wie lang sich Wenger Zeit lässt. Denn eines ist klar: Sollte Fabregas wechseln, muss ein Ersatz im Mittelfeld gefunden werden. Nasri hat letzte Saison zwar vielversprechende Ansätze gezeigt, aber die Schuhe von Fabregas waren noch mindestens zwei Nummern zu groß.

Es bleibt interessant in der Premier League. Mehr zum FC Arsenal an dieser Stelle übrigens am Pfingstwochenende.

Thema: Premier League, Zitat des Tages | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Darf die Daily Mail das?

Montag, 17. Mai 2010 15:07

Fangen wir vorne an: Am Sonntag veröffentlicht die Wochenendausgabe der Daily Mail einen Artikel über Lord Triesman, noch gar nicht so lange Präsident des englischen Fußballverbandes FA, Labour-Politiker und Vorsitzender des Organisationskomittees für Englands Bewerbung zur Fußballweltmeisterschaft 2018. Für den englischen Fußball also keine ganz unwichtige Person, erhoffen sich doch viele Fußballfans einen Zuschlag von der FIFA für das Turnier auf der Insel und hatten durchaus guten Grund zu hoffen, dass die skandalgebeutete FA wieder ein wenig Anerkennung und Glaubwürdigkeit erhält.

Am Sonntag steht im Sportteil der Daily Mail ein großer Artikel vom Sportkorrespondenten Ian Gallagher mit einem äußerst brisanten Vorwurf. Demnach soll in in mehreren Treffen, unter anderem mit seiner Ex-Gebliebten Melissa Jacobs, Triesman unter vielen weiteren unfassbaren Gesprächsfetzen folgendes gesagt haben: Er besitze Informationen, wonach Spanien seine Bewerbung für die Weltmeisterschaft 2018 zurückziehen würde, wenn Russland – ebenfalls Bewerber für die WM in acht Jahren – Spanien dabei helfe, Schiedsrichter bei der in knapp drei Wochen beginnenden WM in Südafrika zu bestechen. Im Gegenzug würde Spanien seine Bewerbung zu Gunsten von Russland zurückziehen. Ein hochrangiger Sportsfunktionär, eine ehemalige Geliebte und ein handfester Skandal, der ganz England bewegt – vor allem, nachdem das Organisationskomittee zwei Tage vorher die offizielle Bewerbung für die WM auf der Insel vorgelegt hat. Eine Geschichte wie gemalt für den englischen Boulevard, wie gemalt für die Daily Mail.

An einem frühen Sonntagmorgen bringt die Geschichte die Medienwelt in Aufruhr. Die BBC und Sky News fahren Sondersendung, die Telefone in den Call-In-Sendungen laufen heiß. Und innerhalb von ein paar Stunden war Lord Triesman seinen Job als FA-Präsident und Vorsitzender der Bewerbungskommission los. Sportminister Hugh Robertson sprach von der “absolut richtigen Entscheidung“. Es sei nichts verloren, so Robertson, bezüglich Englands Bewerbung um die Austragung der Weltmeisterschaft 2018. Und jetzt wird landauf landab über die Konsequenzen für Englands Chancen zur Austragung der WM gestritten, also um die Konsequenzen der unfassbaren Entgleisungen von Lord Triesman trotz des schnellen Rücktritts. Den Scherbenhaufen, den Triesman hinterlassen hat, ist groß. Wieder für Vertrauen bei der FIFA werben, sich bei den Spaniern und Russen entschuldigen und von den Äußerungen zu distanzieren, verhindern, dass es jetzt und zukünftig eine Allianz gegen die englische Bewerbung gibt – und vor allem wieder für Stabilität und Glaubwürdigkeit in der FA sorgen, nach innen, und nach außen, gegenüber der eigenen Bevölkerung und der FIFA. Keine leichte Aufgabe – und sicherlich eine Aktion, die man sich bei der FA trotz der Unbeliebtheit von Triesman bei einigen – auch bei der FIFA Exekutive – sicherlich lieber gespart hätte.

Ob die Vorwürfe nicht völlig aus der Luft gegriffen sind, interessiert derzeit keinen. Inwieweit die Anschuldigungen verfolgt werden, steht auch noch nicht fest. Und ob die FA auch einen positiven Schub aus der Affäre mitnehmen kann, lässt sich noch nicht abzeichnen. Spätestens aber am 2. Dezember, wenn die Gastgeber für die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 bekanntgegeben werden.

Nun ist der englische Boulevard alles andere als zimperlich, wenn es um solche Skandale geht. Da nimmt man kein Blatt vor dem Mund, ist gnadenlos und bereut nichts. So eine Story bringt nur eines – eine höhere Auflage. Und das sollten die Engländer eigentlich gewohnt sein. Umso erstaunlicher ist die Diskussion, die sich dieser Tage auf der Insel abspielt. Immer häufiger wird sich die Frage gestellt: Darf die Daily Mail das? Hätte man nicht einmal aus Rücksicht auf Englands Chancen eine exklusive Story zurückhalten können um der Gesellschaft und dem Bewerbungskomittee diese Peinlichkeit zu ersparen? Hätte die Daily Mail auf eine Veröffentlichung verzichten sollen? Bei BBC Five Live gingen die Meldungen da heute Vormittag weit auseinander. Für mich ist die Sache klar: Rein normativ betrachtet kann man der Daily Mail überhaupt keinen Vorwurf machen. Zur Aufgabe der Medien gehört die Kontrolle der Eliten in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Und wenn sich diese Infos, die der Daily Mail vorlagen als einwandfrei glaubwürdig und wahrhaftig erwiesen haben, spricht nichts gegen eine Veröffentlichung. Was eben viel fragwürdiger ist als das eigentliche Veröffentlichen der Informationen ist die Unternehmung an diese Infos heranzukommen. Muss man Gespräche mitschneiden und belauschen, muss man Journalisten teilweise gezielt auf einzelne Personen ansetzen um irgendwann schon den ein oder anderen Skandal zu finden. Zumal bei der Vergangenheit von Triesman: Labour Politiker, man munkelt er sei nur auf den großen Stuhl Football Association gekommen, weil er in der Politik genug Verbündete gehabt hat. Da freut sich die Daily Mail, eher konservativ ausgerichtet, natürlich besonders, wenn sie einen Funktionär aus dem gegnerischen politischen Lager absägen kann. Und die andere Frage: Muss die Daily Mal wirklich jede Information erkaufen und bekommen? Es ist noch unklar, wie teuer die brisanten News von der ehemaligen Geliebten von Triesman waren, aber sie dürften gekostet haben.

Bleibt am Ende nur die Konsequenz zu sagen, dass die Daily Mail nicht falsch gehandelt hat – oder anders formuliert – nicht unüblich. Klar ist das mögliche Erkaufen und das Ansetzen von Journalisten auf bestimmte Personen kein Gütesiegel. Nur gerade in England sollte man das gewohnt sein. Heißt auch: Man muss vorsichtig sein, was man in der Öffentlichkeit äußert und zu wem man es tut. Dass die Daily Mail die Infos dann auch veröffentlicht hat, überrascht nicht und ist auch nicht verwerflich. Wenn man etwas kritisieren möchte, dann lediglich die zum Teil eher fragwürdigen Methoden zur Erlangung der Infos. Kann man an diesem Fall eigentlich von Schuld sprechen? Triesman wusste ja sicherlich nicht, dass seine Gespräche irgendwann mal in der Zeitung stehen. Und die Daily Mail hat ihre Pflichten als journalistisches Kontrollorgan erfüllt. Es wurden Fehler gemacht – und die Fehlerkette begann bei Triesman.

Nachfolger von Triesman im Bewerbungskomittee soll nach Recherchen des Guardian Geoff Thompson werden, ehemaliger Chairman der FA und mit scheinbar sehr guten Kontakten zur FIFA. Das ist auch better nötig. Sonst könnte es im Dezember doch heißen: Die Daily Mail hat dafür gesorgt, dass England die Weltmeisterschaft 2018 nicht austragen wird.

Thema: WM 2010, Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Gelassenheit vor dem DFB-Pokal-Finale 2010

Freitag, 14. Mai 2010 21:39

Nachdem die bloggenden Werder Fans schon exzellente Artikel über die sportliche Komponente des morgigen DFB-Pokal-Finals geschrieben haben (Meine Saison: Mit welcher Taktik gegen die Bayern? und das Werder-Fußball-Blog zu Bayerns Flügelzange), kann ich mich an dieser Stelle ausnahmsweise mal mit der Gefühlswelt eines Werder-Fan einen Tag vor dem Pokalfinale beschäftigen.

Ich weiß nicht, wie es den anderen Werder-Fans geht, aber ich blicke äußerst gelassen dem Finale entgegen. Keine Aufregung, keine Nervosität meinerseits. Woran es genau liegt, kann ich gar nicht erklären, es dürften aber drei Faktoren zumindest eine Rolle spielen. Ich bin mit der Bundesliga-Saison von Werder sehr zufrieden gewesen, nicht immer mit dem Spiel und den Resultaten, vor allem nach der Winterpause, aber mit dem finalen Ergebnis der Saison. Platz 3, die Qualifikation für die Champions League – damit ist viel mehr erreicht, als ich mir in den kühnsten Träumen und Prognosen vor ein paar Wochen vorgestellt habe. Auch wenn es noch eine Playoff-Runde für die Qualifikation zu überstehen gilt, hat sich Werder und seinen Fans das größte Geschenk eigentlich schon erfüllt, mit dem dritten Platz. Sehr viel besser könnte die Perspektive für die neue Spielzeit nicht sein. Zudem bleibt der Kader wohl auch fast ohne Veränderung. Pizarro hat noch Vertrag, Hunt hat verlängert, Özil bleibt wohl auch, Almeida hoffentlich auch. Keine Befürchtung der Fans in der Sommerpause, wer denn in der nächsten Saison der Spielmacher ist und wer auf Torejagd geht.

Zweiter Punkt: Werder muss nicht auf Teufel komm raus diese Partie gewinnen. Letzte Spielzeit im Finale gegen Leverkusen brauchten die Hanseaten dringend einen Sieg um international spielen zu können. Das haben wir jetzt durch eine bessere Bundesligasaison schon erfüllt. Die Anspannung ist also ein wenig gewichen. Kein Pokalfinale, das eine ganze nächste Saison in der Bundesliga definieren würde. Es wäre aber wohl auch verkehrt, von einer Zugabe zu sprechen. Dafür genießt das Pokalfinale einen zu hohen Stellenwert und würde die bisherigen Leistungen von Werder im Pokal diese Saison nicht genug würdigen. Es ist vielmehr eine erneut große Chance, die Saison zu krönen. Wenn es aber nicht klappen sollte, bricht in Bremen keine Welt zusammen. So viel anders und besser ist die Ausgangslage für Werder vor dem Spiel am Samstag.

Dritter Faktor: der Gegner. Auch wenn der SVW in den letzten Spielen guten und erfolgreichen Fußball gespielt hat, sind die Bayern im Moment einfach das Maß der Dinge und klarer Favorit in diesem Spiel. Anders letztes Jahr, wo zumindest ich Werder leicht im Vorteil gegen Leverkusen sah. Eine Niederlage gegen die Bayern wäre – so schmerzlich sie auf alle Fälle sein wird – irgendwie noch zu verkraften, spielen wir doch gegen die derzeit wohl beste Mannschaft Europas.

Aber natürlich werde ich morgen Abend gespannt auf den Fernseher blicken, mitleiden, feiern oder traurig sein, aber eben längst nicht so angespannt und nervös wie letzte Saison. Hoffentlich bleiben die Spieler aber so konzentriert wie in den letzten Aufgaben. Es ist doch auch mal schön, ein Finale anzugehen ohne unbedingt Siegen zu müssen, dass man es will, steht ja auf einer ganz anderen Karte. Wobei man bei Werder ja immer ein wenig mit Vorsicht sagen muss, dass der ganz große Druck weg ist. Denn dann rufen sie meist nicht ihre beste Leistung ab, gerade in den wichtigen Spielen hatte man zuletzt bis auf das letztjährige UEFA-Cup Finale gegen Donezk und teilweise auch im letzten Pokalfinale gegen Leverkusen immer gute Partien absolviert. Vielleicht ist es von einem anderen Blickwinkel betrachtet doch gar nicht so nachteilig, dass Werder im Vergleich zum vergangenen Jahr dieses Mal etwas befreiter aufspielen kann. Vielleicht geht dann ja vieles leichter.

Ich schätze die Chancen für einen Sieg von Werder auf soweit ganz gut ein. Bremen braucht – das dürfte schon mal klar sein – einen perfekten Abend, vor allem in der Defensive. Und dann hoffentlich offensiv wieder die zuletzt etwas verloren gegangene Zielstrebigkeit und das bisschen Glück auch mal mit der ersten Chance ein Tor zu erzielen. Und vielleicht haben die Bayern ja einen etwas schlechteren Tag, Olic und Robben mal Ladehemmung und ein wenig Pech – und München zeigt völlig überraschend mal wieder ein paar defensive Wackler, die sie ja zumindest schon häufiger diese Saison eingestreut haben.

Spätestens morgen ab 20:00 Uhr steigt dann aber auch bei mir die Anspannung. Wie schön wäre es, wenn Thomas Schaaf zum vierten Mal den DFB-Pokal gewinnen würde und wir den Bayern das Triple versauen würden. Alles muss man an der Isar ja auch nicht gewinnen. Und ich will sehen, ob Thomas Schaaf auch wie Louis van Gaal einen Rathausbalkon in seinen Bann ziehen kann.

Thema: Werder Bremen | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Zitat des Tages: Donnerstag, 13.05.2010 – Himmelfahrtskommando der FDP

Donnerstag, 13. Mai 2010 20:47

Auch wenn heute Feiertag war, spielte sich in Nordrhein-Westfalen auch aufgrund des schlechten Wetters mehr Drama bei der FDP ab als auf der ein oder anderen Bollerwagentour. Wenngleich man durchaus fragen mag, ob bei der FDP nicht einige auch ein wenig zu umfangreich ins Glas geschaut haben. Anders ist das Auftreten der Liberalen an diesem Donnerstag nicht zu erklären. Ich habe es selten erlebt, dass man innerhalb von 24 Stunden jeglichen Kredit bei den politischen Mitkonkurrenten verspielt und gleichzeitig der Bevölkerung den Eindruck vermittelt, dass man überhaupt nicht regierungsfähig sei.

Vorgeschichte: Die FDP ging in diesen Feiertag, nachdem SPD und Grüne unter der Woche erste Gespräche geführt haben, mit der Prämisse, offen für eine Ampelkoalition zu sein.

Dann heute Spannung an Himmelfahrt. Gerhard Papke, Vorsitzender der Landtagsfraktion und des Kreisverbandes Rhein-Sieg, ließ per Pressemitteilung erklären [via Financial Times]:

“SPD und Grüne haben verdeutlicht, dass sie parallel mit FDP und Linkspartei über eine Regierungsbildung verhandeln wollen. Parteien, die sich mit kommunistischen Verfassungsgegnern verbünden wollen, kommen für die FDP nicht als Gesprächspartner in Frage, erst recht nicht als mögliche Koalitionspartner. Die FDP hat vor der Wahl eindringlich vor einem Linksbündnis aus SPD, Grünen und Linksextremisten gewarnt, das jetzt erkennbar Konturen annimmt. Die FDP wird einer Linksregierung als klare und wirksame Opposition entgegentreten.”

Das liest sich ganz klar so, als wäre das die einstimmige Meinung in der FDP Nordrhein-Westfalen und auch ein Beschluss, der nicht mehr umzukehren sei.

Dachten wohl viele und die Medien produzierten Meldungen am Fließband. NRW-FDP gegen die Ampel, titelten die Redaktuere. Nur die FDP selbst glaubt das nicht. Denn deren Landesvorsitzender Pinkwart teilte selbst in einer Presseerklärung mit, dass die Aussagen von Papke falsch seien und nicht Haltung der Landes-FDP. Er bestätigte eben seine Aussagen in der Tagesschau. Die FDP sei offen für die Ampel und Jamaika, wenn Rot-Grün auf eine Koalition mit der Linkspartei verzichte.

Landtagsfraktion und Landesvorstand der FDP scheinbar tief gespalten. Da kann man ja nun nicht davon ausgehen, dass die Ampel dann eine stabile und verlässliche Regierung darstelle.

Gerhard Papke schreibt über sich auf seiner Homepage:

“Scheue nie vor Hindernissen zurück, die andere vor dir aufbauen.”

Die FDP tut gerade alles dafür ihr jegliche Regierungsfähigkeit abzusprechen. Manchmal können Hindernisse auch zu hoch sein.

Thema: Wahlen und Umfragen, Zitat des Tages | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Europa League Finale 2010, Atletico Madrid – FC Fulham 2:1 n.V.

Donnerstag, 13. Mai 2010 12:12

Wenn man unter anderem den Titelverteidiger Schachtar Donzek, Juventus Turin und den Hamburger SV auf dem Weg ins Finale besiegt, dann kann man durchaus als leichter Favorit in das erste Finale der Europa League gehen. Doch das ist für Fulhams Trainer Roy Hodgson, von der League Managers Association auf der Insel gerade zum Trainer des Jahres gewählt, gar nicht von oberster Priorität: “Es mir egal, ob wir als Favorit in ein solches Spiel gehen. Die viel wichtigere Frage ist, ob wir wirklich gewinnen wollen, ob wir uns so gut vorbereitet haben wie irgend möglich und ob wir alles geben – und die Antwort ist ein deutliches, deutliches Ja.” Roy’s boys go for glory, stehen ein Spiel vor dem größten Triumph der Vereingeschichte. Fulham, im Südwesten Londons gelegen, immer im Schatten der großen Stadtrivalen Arsenal, Chelsea und Tottenham, aber ausgestattet mit viel Tradition und Leidenschaft. An der Themse hat man nicht jeden neumodischen Kram mitgemacht und sich so viel Tradition bewahrt, dass man Fulham eigentlich mögen muss. Gestern Abend gehörte ihnen die große Fußballbühne. Gegner Atletico Madrid steht ebenfalls ein wenig überraschend im Finale der Europa League. Wer Galatasaray Istanbul, Sporting Lissabon, den FC Valencia und den FC Liverpool ausschaltet, kann man mit Fug und Recht behaupten, etwas Besonderes geleistet zu haben. Auch wenn dabei ein bisschen Glück dabei war. Häufig kam man über die Auswärtstorregel weiter, machte das Weiterkommen immer erst im Rückspiel klar, teilweise sogar in allerletzter Minute, wie im Rückspiel in Istanbul, als Diego Forlan eine Minute vor Schluss den Treffer zum Weiterkommen erzielt. Eine gehörige Portion Glück gepaart mit der Nevenstärke Spiele auch noch in den letzten Minuten zu entscheiden – das brachte Atletico ins Finale nach Hamburg.

Und Fulham überzeugte in nicht nur von der kämpferischen Seite, sondern spielte auch teilweise richtig schönen, effektiven und zielstrebigen Fußball. Nur zwei Teams im Wettbewerb haben weniger Schüsse auf das eigene Tor zugelassen als der FC Fulham. Die Mannschaft von Roy Hodgson hat fast jede fünfte Torchance zu einem Treffer genutzt, der fünftbeste Wert aller Clubs im Wettbewerb. Zudem hat Fulham mehr Schüsse als jedes andere Team geblockt und spielte die zweitmeisten Tackles (Zahlen der ITV-Analyse entnommen). Und die extrem starke Defensive wird im Besonderen von Diego Forlán gefordert werden. Zuletzt im Rückspiel in Liverpool hat der Uruguayer gezeigt, dass er nicht viele Chancen zum Torerfolg braucht und über 90 Minuten auch nicht oft am Ball sein muss. Es wird ganz interessant zu sehen sein, wie Fulham mit der starken Offensivreihe der Spanier umgeht. Man kann den Triumph beider Vereine gar nicht hoch genug einschätzen. Für Fulham ist es das erste Mal, das sie im Europapokal spielten. Insbesondere auch auch für Atletico Madrid, weil die Mannschaft von Quique Sanchez Flores nur eine durchschnittliche Saison in der Liga spielt. International wird man nächste Spielzeit nur bei einem Triumph in Hamburg spielen. Es ist paradox: Die Auswärtsstärke von Atletico, die sie in der Europa League so ausgezeichnet hat, gibt es in der Liga gar nicht. Nur zwei Siege in 19 Spielen stehen zu Buche.

Es war eine traumhafte Atmosphäre in Hamburg, das Stadion gut gefüllt, viele Fans waren aus Spanien und England an die Elbe gekommen. Atletico spielte mit der Erfolgself der letzten Wochen aus der Europa League. Also die volle Offensivkraft, mit Forlan und Aguero als Stürmer, flankiert von Simao und Reyes auf den Außenbahnen. Zwei defensive Sechser mit Raul García und Aussuncao sollen verhindern, dass Fulham schnelle Konter initiiieren kann. Auch Fulham ohne große Personalsorgen im 4-4-1-1, Duff und Zamora haben sich rechtzeitig fit gemeldet. Also wieder Zamora ganz vorne im Sturm, Gera dahinter ein wenig zurückhängend, Clint Dampsey als Reserve auf der Bank. Murphy und Davies für die kreativen Momente im Mittelfeld.

Nach der Eröffnungszeremonie ging es dann um 20:45 Uhr pünktlich los. Fulham mit Anstoß in den dunklen Trikots von links nach rechts in der ersten Hälfte, in der Atletico zu Beginn den Ballbesitz kontrollierte, ließ den Ball ganz gut durch die eigenen Reihen laufen. Die Nervösität war beiden Teams anzumerken, beide spielten nur zögerlich nach vorne, bloß nicht zu viel Risiko. Nach 11 Minuten das erste Highlight in diesem Spiel. Murphy verliert den Ball beim Spielaufbau im Mittelfeld, schneller Konter der Spanier, Aguero legt auf Forlan auf, dessen Schuss den Pfosten noch berühte. Atletico in den ersten Minuten mit mehr Ballbesitz, setzten Atletico früh unter Druck und provozierten diesen einen bedeutenden Fehler. Fulham war aber auch bemüht nach vorne zu spielen, zeigte einige gute Kombinationen im Mittelfeld, es fehlte aber der letzte finale Pass, der Gefahr für das Tor von De Gea bedeutete. Die besseren Möglichkeiten hatte Atletico, Schwarzer kann den Freistoß von Reyes nach einer guten Viertelstunde erst im Nachfassen festhalten. Nach 18 Minuten die erste Chance für Fulham zumindest etwas so wie Torgefahr anzudeuten, aber Gera’s Volleyabnahme ging doch deutlich über das Tor, zwei Minuten später rettete da Gea vor Davies. Atletico machte das sehr geschickt, gaben Fulham nur so viel Platz, dass sie nicht gefährlich nahe dem eigenen Tor kommen konnten und stand dann selbst defensiv sehr kompakt. Die Cottagers hatten Mühe den Abwehrriegel zu knacken, gleichzeitig spielte Atletico auch dank individueller Klasse von Aguero und Reyes sehr schnell nach vorne. Exzellente Raumaufteilung und Spielaufbau bei den Spaniern. Fulham wirkte häufig ein wenig ratlos, die Zuspiele in die Spitze waren viel zu ungenau, sodass Zamora sich kaum in Szene setzen konnte. Atletico ging nach 32 Minuten mit 1:0 in Führung, natürlich durch Forlan, und weil Fulham wieder zu weit von den Gegenspielern stand. Forlan steht letzlich am Ende einer Reihe von einem schönen Sprint von Reyes, der in die Mitte flankt, und einer Kopfballverlängerung von Aguero und Simao, Forlan sprintet in die Lücke zwischen den beiden Innenverteidigern und lässt Schwarzer keine Chance. Zwei Vorwürfe an Fulham: Wie gesagt zu weit weg von den Gegenspielern, aber auch nicht früh genug angegriffen und nicht auf einer Linie. Ein Schritt nach vorne und Forlan hätte im Abseits gestanden. Aber wie oft hat Fulham schon gezeigt, dass sie ein Rückstand überhaupt nicht schockt? Und es hat ganze fünf Minuten gedauert! Zamora verspielt zunächst eine gute Chance, der Ball geht wieder raus zu Gera, der den Ball butterweich in die Mitte gibt, die Kopfballverlängerung der Atletico-Abwehr geht genau auf den Fuß von Davies, der den Ball volley nimmt und flach ins Tor hämmert. Richtig viel Kontrolle brachte das nicht ins Spiel von Fulham, Madrid blieb das bessere Team, weil Fulham stets Schwierigkeiten hatte sich aus der eigenen Defensive zu befreien. Schwarzer verhinderte nach einem strammen Schuss von Forlan den Rückstand. Mit dem aus Fulham eher glücklichen 1:1 ging es in die Halbzeit.

Es gab keine Wechsel in der Halbzeitpause. Fulham kam viel besser aus der Kabine als in den ersten 45 Minuten, spielte aber weiterhin zu häufig durch die Mitte, wo Atletico kaum Platz zum Kombinieren zuließ. Nach 55 Minuten ging Bobby Zamora, der wenig brauchbare Zuspiele bekam. Und die, welche vielversprechend waren, verwertete er mangelhaft. US-Boy Clint Dampsey kam für ihn in die Partie. Die Cottagers blieben das bessere und torgefährlichere Team im zweiten Abschnitt. Nach einer Stunde kann Davies einen Abpraller in der Atletico-Abwehr nach der Flanke von Gera von links aufnehmen, aber de Gea kann fanstastisch halten. Duff zieht nach ein paar Minuten später nach schöner Einzelleistung knapp am Tor vorbei. Von Madrid kam gar nichts mehr, gefühlt ein Ballkontakt von Forlan nach 15 Minuten in der zweiten Hälfte. Insgesamt konnte die zweite Hälfte an die Spannung und Dynamik der ersten 45 Minuten nicht anknüpfen. Einzig ein Freistoß von Aguero eine Viertelstunde vor Schluss brachte etwas Beschäftigung für Schwarzer. Gegen Ende der regulären Spielzeit wurde Atletico wieder stärker, setzten die Fulha-Defensive wieder mehr unter Druck, aber wenn Hodgson den Cottagers etwas beigebracht hat, dann ist es gute Defensivwerk. Fulham konnte alle Flanken sicher abfangen, auch wenn die Kraft ein wenig verloren ging. Folgerichtig ging es dann in die Verlängerung, 1:1 stand es nach 90 Minuten. Couragierte zweite Hälfte vom FC Fulham, von Atletico kam gerade zu Beginn einfach zu wenig für die Offensive.

Verlängerung und Atletico Madrid. Da war doch was. Auch beim FC Liverpool schaffte man das Weiterkommen erst in der Verlängerung durch einen Treffer von Diego Forlan. Und Geschichte sollte sich wiederholen. Fulham kämpfte in der Verlängerung mit den Kräften, schaffte es aber immerhin zu verhindern, dass die Spanier zu wirklich ganz großen Torchancen kam. Auch Atletico merkte man in den letzten Minuten die Müdigkeit ein wenig an, im Gegensatz zu den Cottagers reichte es aber noch für halbwegs strukturiertes Bild. Die Erlösung für Atletico kam dann drei Minuten vor Schluss. Aguero setzt sich auf links gut durch, zieht Richtung Strafraum, präsziser Pass auf Forlan, der den Ball eigentlich nur wenig berüht, zudem springt der Ball noch an das Bein von Hangeland, aber es reicht, dass der Ball über die Torlinie geht. Atletico im sieben Himmel – und Hugh Grant und Lilly Allen sind auf der Tribüne den Tränen nahe.

Am Ende gewinnt Atletico verdient mit 2:1 und ist Sieger der Europa League 2009/2010. Mit Ausnahme der ersten 20 Minuten in der zweiten Hälfte waren die Spanier das klar bessere Team. Fulham schwanden am Ende auch die Kräfte. Trotzdem ist es natürlich extrem bitter, so kurz vor Schluss den Siegtreffer zu kassieren. Roy Hodgson nach dem Spiel: “Ich bin sehr stolz auf meine Spieler. Unsere Leistung heute Abend fasst sehr gut das zusammen, wofür wir stehen. Man kann nach einer Niederlage nie fröhlich sein, aber ich kann meine Mannschaft nicht kritisieren. Unglücklicherweise war das Schicksal gegen uns, wenn es um das Hochheben der Trophäe ging.”

Thema: Fußball | Kommentare (0) | Autor: medispolis