Meine Premier League Saison 2009/2010

Die letzten Entscheidungen der Premier League Saison 2009/2010 sind eingetütet. Der FC Chelsea hat noch einmal eindrucksvoll untermauert, dass die Blues verdient englischer Meister geworden sind. Arsenal festigt Rang 3, Man City, Aston Villa und Liverpool spielen in der Europa League. Von Hull City, Burnley und Portsmouth müssen wir uns verabschieden. Newcastle United und West Bromwich Albion stehen als Aufsteiger bereits fest. An dieser Stelle also mein kleiner persönlicher Rückblick auf die vergangene Premier League Saison.

Mannschaft der Saison: FC Chelsea London

Da gab es eigentlich wenig Alternativen, auch wenn man früh in der Champions League ausgeschieden ist. Aber ansonsten: Meisterschaft und Einzug ins Finale des FA-Cup. Und das in den ersten Saison von Carlo Ancelotti. Die beste Offensive der Liga mit über 100 Toren, mehrere Kantersiege. Einziges kleines Manko: Häufig gab es defensive Patzer und Aussetzer. John Terry hatte schon lange nicht mehr so viele Fehler wie in dieser Saison. Wenn es also etwas am FC Chelsea zu kritisieren gibt, dann die stets etwas fehlerhafte Defensivleistung. Ein kleiner Schönheitsfleck.

Spieler der Saison: Wayne Rooney

Schade und unglücklich, dass Rooney in der entscheidenen Saisonphase verletzungsbedingt pausieren musste, sonst hätte er garantiert die 30-Tore-Marke diese Saison geknackt. Aber auch so hatte der Engländer maßgeblichen Anteil daran, dass United im Jahr eins nach Christiano Ronaldo wieder bis zum letzten Spieltag um die Meisterschaft mitspielte. Am Ende 26 Tore für Rooney, eins schöner als das andere. Und zudem das Kopfballspiel enorm verbessert. Kompliment!

Trainer der Saison: Harry Redknapp, Tottenham Hotspur

Immer wieder von vielen unterschätzt und von zahlreichen Fußball-Experten auf der Insel die Fähigkeit abgesprochen bekommen, in den wichtigen Spielen auf den Punkt hochkonzentriert zu sein, konterte Harry Redknapp in seiner zweiten Saison bei den Spurs alle Kritik mit dem vierten Tabellenplatz. Und in der entscheidenen Saisonphase ist man nicht eingebrochen. Heimsiege gegen Arsenal und Chelsea, zudem der wichtige Auswärtssieg bei Manchester City. Und wenn man sich daran erinnert, dass Redknapp vor 18 Monaten die Spurs als Tabellenschlusslicht übernommen hat, ist die Performance diese Saison noch höher einzuschätzen.

Überraschung der Saison: Birmingham City

Extrem heimstark, kompakt in der Defensive und vor allem in der Hinserie sehr erfolgreich. Alex McLeish hat bei Birmingham City eine homogene, gut funktionierende Mannschaft aufgebaut, auch natürlich wegen der Millionen des chinesischen Besitzers. Trotzdem als Aufsteiger aus der Championship die Überraschung der Saison.

Enttäuschung der Saison: FC Liverpool

Viele Spielerverletzungen, ein formschwacher Steven Gerrard, immer wieder Diskussionen um den Schuldenstand des Vereins und die Suche nach neuen Besitzern, dazu die unendliche Auseinandersetzung zwischen Benitez und den US-Besitzern. Am Ende erreicht man in die Europa League für die neue Saison. Mehr nicht. Frühes Aus in der Champions League und das Europa League Finale verpasste man auch. Wer weiß, ob Benitez nächste Saison noch Trainer an der Anfield Road ist und wo Torres und Gerrard spielen. Keine einfachen Zeiten für die Reds.

Spiel der Saison: Manchester Utd – Manchester City 4:3, 20.09.2009

Es gab richtig viele gute Spiele in der vergangenen Saison, aber eines sticht immer noch heraus. Manchester Derby, schon früh in der Saison die Standortbestimmung, wer die Herrschaft in Manchester übernommen hat. Es war von Beginn ein Spiel mit unglaublichem Tempo. Die Dramatik kam aber erst zum Schluss. Bellamy mit dem Ausgleichstreffer für City in der Nachspielzeit. Es stand 3:3. Doch in der sechsten Minute der Nachspielzeit hat ausgerechnet Michael Owen noch den Siegtreffer für United erzielt. Die Botschaft war klar: United regiert Manchester. Und Michael Owen verschwand von der Bildfläche. Aber dieses ein Tor bleibt noch lange in Erinnerung.

Tor der Saison: Maynor Figueroa 1:2, Stoke vs Wigan, 12. Dezember 2009

Es gab so viele schöne Tore. Ich habe mich für dieses hier entscheiden. Am Ende hat es dann nicht zum Sieg gereicht. Das Spiel ging 2:2 aus. Aber Figueroa mit dem tollen 2:1 für Wigan. Aus der eigenen Hälfte den Freistoß direkt ins Tor verwandelt. Überraschend, mit viel Präzision, Mut und Risiko. Und er wurde belohnt. Virtueller Beweis hier.

Schönster Moment der Saison: Jermain Defoe

Beim höchsten Saisonsieg in dieser Premier League Spielzeit, dem 9:1 von Tottenham über Wigan, macht Jermain Defoe drei Tore – innerhalb von sechs Minuten. Am Ende steuert er fünf Tore zum Sieg bei. Toll. Und zur Halbzeit stand es erst 1:0.

Peinlichster Moment der Saison: FC Portsmouth

Gab es ja genug diese Saison für Pompey. Beispielhaft der Februarabend bei Manchester United. Am 06.02. verliert Pompey mit 0:5,  zur peinlichen Niederlage steuert man drei Eigentore bei.

Überschätzt: Phil Brown

Ich hielt Phil Brown, ehemaliger Trainer von Hull City, stets für einen guten und sehr kompetenten Trainer. Das ist er auch weiterhin. Man kann über seine Außendarstellung trefflich diskutieren. Man muss sie auch nicht gut finden. Was man Phil Brown viel mehr vorwerfen lassen muss, ist, dass er nicht rechtzeitig das sinkende Schiff verlassen hat, klammerte sich an seinen Job, nachdem Hull City schon seit Monaten in einer Formkrise steckte. Und so bleibt Phil Brown immer eine große Geschichte in dieser Saison, abseits des Platzes. Im Oktober letzten Jahres konnte er auf eine junge Frau, die von einer Brücke springen und sich das Leben nehmen wollte, beruhigend einreden und verhindern, dass sie springt. Sonst haben seine Worte diese Saison eher wenig erreicht.

Unterschätzt: Darren Bent, FC Sunderland

Wenn man nicht bei einem großen Verein in der Liga spielt und es schafft weniger durch Skandale aufzufallen als bei seinem Vorgängerverein, den Tottenham Hotspur, dann steht man nicht mehr so im Fokus der Öffentlichkeit. Und man nimmt nur noch am Rande Notiz von den großartigen Leistungen. Darren Bent vom FC Sunderland ist das klassische Beispiel dafür. 24 Saisontreffer sind eine Sprache für sich.

Comeback der Saison: Cesc Fabregas, FC Arsenal London

Ende Dezember. Arsenal spielt im Emirates Stadium gegen Aston Villa. Es steht 0:0 in einem richtig guten Fußballspiel. Arsenal verpasste es aber die Überlegenheit in Tore umzumünzen. Cesc Fabregas sitzt nach einer Verletzung noch auf der Bank, wird in der zweiten Halbzeit eingewechselt – und schnürt einen Doppelpack. Endstand dann 3:0. Fabregas verletzt sich beim 2:0 und muss wieder ausgewechselt werden.

Besondere Auszeichung für: Roy Hodgson

Der FC Fulham war letzte Saison schon meine Mannschaft des Jahres. Aber auch dieses Jahr komme ich nicht herum, die Cottagers ausführlich zu loben. Diesmal aber den Trainer. Fulham hatte auch diese Saison wieder viele Verletzungsprobleme, doch insbesondere Hodgson wird von vielen Leuten im Umfeld des Vereins eine stabilisierende Rolle zugesprochen. Hat das Team zusammengehalten, ordentliche Premier League Saison und der Einzug ins Finale der Europa League. Neid muss man sich ja – so heißt es immer wieder – hart erarbeiten. Für Roy Hodgson trifft dies vollkommen zu.

Das ging viel zu langsam: Saisonstart von West Ham United

Die Diskussionen im Sommer um die Zukunft von den Hammers lähmten den Verein im ersten Saisondrittel. Immer wieder neue Gerüchte um Trainer- und Besitzerwechsel. Die Fans foderten mehr Einsatz von den Spielern. Keine leichte Phase für West Ham im Herbst. Am Ende hat es dann doch gereicht, nicht wegen der eigenen Stärke. Ob Zola eine Zukunft im Osten Londons hat?

Das ging viel zu schnell: Manchester City und Mark Hughes

Letzlich hat es Manchester City nicht geschafft die eigens gesteckten Saisonziele zu erreichen. Am Ende wurde es nur der fünfte Platz. Verglichen mit den eigenen Erwartungen und den finanziellen Investitionen einfach zu wenig. Im Herbst wurde Mark Hughes entlassen, dabei war man nur zwei, manchmal drei Punkte hinter den Spurs. Vielleicht wäre der Weg mit Hughes doch besser gewesen. Oder ein anderer Trainer als Mancini, wenngleich der Italiener keinen schlechten Job gemacht hat. Erfolg kommt eben nicht auf der Highspeedstrecke.

Das war schon richtig gut: Florent Malouda

Es gibt ja dann immer auch so eine Auszeichnung für den am stärksten formverbesserten Spieler. Für mich ist das diese Saison vor allem Florent Malouda vom FC Chelsea. Der Franzose wirkte in den letzten Spielzeiten häufig immer nur als Mitläufer, diese Saison war er ein Garant dafür, dass Chelsea wieder das Flügelspiel revitalisiert hat. Und das die Blues somit offensiver wieder mehr Variabilität bekommen haben. Und dazu noch 12 Tore. Fortsetzung gerne.

Das muss wieder besser werden: Finanzielle Situation der Vereine

Noch nie so oft wie in dieser Saison hat man auch über die finanzielle Dimension der Premier League gesprochen und gestritten. Portsmouth meldete Insolvenz an, Bolton machte den Vorschlag die Premier League zu splitten, damit auch die kleineren Vereine wieder konkurrenzfähiger machen zu lassen und finanziell mehr Spielraum zu geben. Man Utd meldet Rekordschulden, Liverpool verlängert die Frist für eine Zurückzahlung einer Bürgschaft immer wieder, bei West Ham wechselten die Besitzer, Geld fehlt immer noch. So schön und attraktiv Fußball in der Premier League ist, so leidenschaftlich die Fans in den Stadien sind. Die Premier League steht in den nächsten Jahren vor großen Problemen und Herausforderungen. Es bleibt zu hoffen, dass die richtigen Schlüsse und Konsequenzen aus dieser Saison gezogen werden.

Das war es also für die Premier League Saison 2009/2010. Hat wieder sehr viel Spaß gemacht. Auf ein neues im August an dieser Stelle. Saisonstart wird aller Voraussicht nach der 14. August 2010 sein.

Autor: medispolis
Datum: Sonntag, 9. Mai 2010 18:59
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Premier League

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben