Gelassenheit vor dem DFB-Pokal-Finale 2010
Freitag, 14. Mai 2010 21:39
Nachdem die bloggenden Werder Fans schon exzellente Artikel über die sportliche Komponente des morgigen DFB-Pokal-Finals geschrieben haben (Meine Saison: Mit welcher Taktik gegen die Bayern? und das Werder-Fußball-Blog zu Bayerns Flügelzange), kann ich mich an dieser Stelle ausnahmsweise mal mit der Gefühlswelt eines Werder-Fan einen Tag vor dem Pokalfinale beschäftigen.
Ich weiß nicht, wie es den anderen Werder-Fans geht, aber ich blicke äußerst gelassen dem Finale entgegen. Keine Aufregung, keine Nervosität meinerseits. Woran es genau liegt, kann ich gar nicht erklären, es dürften aber drei Faktoren zumindest eine Rolle spielen. Ich bin mit der Bundesliga-Saison von Werder sehr zufrieden gewesen, nicht immer mit dem Spiel und den Resultaten, vor allem nach der Winterpause, aber mit dem finalen Ergebnis der Saison. Platz 3, die Qualifikation für die Champions League – damit ist viel mehr erreicht, als ich mir in den kühnsten Träumen und Prognosen vor ein paar Wochen vorgestellt habe. Auch wenn es noch eine Playoff-Runde für die Qualifikation zu überstehen gilt, hat sich Werder und seinen Fans das größte Geschenk eigentlich schon erfüllt, mit dem dritten Platz. Sehr viel besser könnte die Perspektive für die neue Spielzeit nicht sein. Zudem bleibt der Kader wohl auch fast ohne Veränderung. Pizarro hat noch Vertrag, Hunt hat verlängert, Özil bleibt wohl auch, Almeida hoffentlich auch. Keine Befürchtung der Fans in der Sommerpause, wer denn in der nächsten Saison der Spielmacher ist und wer auf Torejagd geht.
Zweiter Punkt: Werder muss nicht auf Teufel komm raus diese Partie gewinnen. Letzte Spielzeit im Finale gegen Leverkusen brauchten die Hanseaten dringend einen Sieg um international spielen zu können. Das haben wir jetzt durch eine bessere Bundesligasaison schon erfüllt. Die Anspannung ist also ein wenig gewichen. Kein Pokalfinale, das eine ganze nächste Saison in der Bundesliga definieren würde. Es wäre aber wohl auch verkehrt, von einer Zugabe zu sprechen. Dafür genießt das Pokalfinale einen zu hohen Stellenwert und würde die bisherigen Leistungen von Werder im Pokal diese Saison nicht genug würdigen. Es ist vielmehr eine erneut große Chance, die Saison zu krönen. Wenn es aber nicht klappen sollte, bricht in Bremen keine Welt zusammen. So viel anders und besser ist die Ausgangslage für Werder vor dem Spiel am Samstag.
Dritter Faktor: der Gegner. Auch wenn der SVW in den letzten Spielen guten und erfolgreichen Fußball gespielt hat, sind die Bayern im Moment einfach das Maß der Dinge und klarer Favorit in diesem Spiel. Anders letztes Jahr, wo zumindest ich Werder leicht im Vorteil gegen Leverkusen sah. Eine Niederlage gegen die Bayern wäre – so schmerzlich sie auf alle Fälle sein wird – irgendwie noch zu verkraften, spielen wir doch gegen die derzeit wohl beste Mannschaft Europas.
Aber natürlich werde ich morgen Abend gespannt auf den Fernseher blicken, mitleiden, feiern oder traurig sein, aber eben längst nicht so angespannt und nervös wie letzte Saison. Hoffentlich bleiben die Spieler aber so konzentriert wie in den letzten Aufgaben. Es ist doch auch mal schön, ein Finale anzugehen ohne unbedingt Siegen zu müssen, dass man es will, steht ja auf einer ganz anderen Karte. Wobei man bei Werder ja immer ein wenig mit Vorsicht sagen muss, dass der ganz große Druck weg ist. Denn dann rufen sie meist nicht ihre beste Leistung ab, gerade in den wichtigen Spielen hatte man zuletzt bis auf das letztjährige UEFA-Cup Finale gegen Donezk und teilweise auch im letzten Pokalfinale gegen Leverkusen immer gute Partien absolviert. Vielleicht ist es von einem anderen Blickwinkel betrachtet doch gar nicht so nachteilig, dass Werder im Vergleich zum vergangenen Jahr dieses Mal etwas befreiter aufspielen kann. Vielleicht geht dann ja vieles leichter.
Ich schätze die Chancen für einen Sieg von Werder auf soweit ganz gut ein. Bremen braucht – das dürfte schon mal klar sein – einen perfekten Abend, vor allem in der Defensive. Und dann hoffentlich offensiv wieder die zuletzt etwas verloren gegangene Zielstrebigkeit und das bisschen Glück auch mal mit der ersten Chance ein Tor zu erzielen. Und vielleicht haben die Bayern ja einen etwas schlechteren Tag, Olic und Robben mal Ladehemmung und ein wenig Pech – und München zeigt völlig überraschend mal wieder ein paar defensive Wackler, die sie ja zumindest schon häufiger diese Saison eingestreut haben.
Spätestens morgen ab 20:00 Uhr steigt dann aber auch bei mir die Anspannung. Wie schön wäre es, wenn Thomas Schaaf zum vierten Mal den DFB-Pokal gewinnen würde und wir den Bayern das Triple versauen würden. Alles muss man an der Isar ja auch nicht gewinnen. Und ich will sehen, ob Thomas Schaaf auch wie Louis van Gaal einen Rathausbalkon in seinen Bann ziehen kann.
Thema: Werder Bremen | Kommentare (0) | Autor: medispolis

