Und er fährt seine Runden
Samstag, 31. Juli 2010 21:43
Samstagnachmittag. Ich liege auf dem Sofa und schaue das Qualifying zum Großen Preis von Ungarn in Budapest. Das erste Segment der Qualifikation läuft noch ein paar Minuten, da ist Michael Schumacher mit seinem Auto zum ersten Mal im Bild. Die Stimme von Sky-Kommentator Jaques Schulz hebt sich, denn Schumacher kämpft ums Weiterkommen für die zweite Runde. Er schafft es knapp, scheitert dann aber kurze Zeit später im zweiten Durchgang auf Platz 14. Sein Teamkollege startet morgen fast 10 Plätze weiter vorne. Und Schumacher fährt morgen wieder seine Runden.
Warum ich den Blog-Eintrag schreibe, sind meine Gedanken seit heute Nachmittag, als mir zum ersten Mal richtig bewusst wurde, dass da zwar noch ein Rekordweltmeister mitfährt, aber ich ihn überhaupt nicht vermisst habe. Ich habe nicht geschaut, wo der Kerpener fährt und war fast schon überrascht, als er für ein paar Augenblicke im Bild war. Zumal 30 Minuten lang vorher auf Sky nicht einmal sein Name fiel. Ferrari gegen Red Bull, dazu ein starker Niko Hülkenberg, die beiden heute schnellen Renault, dazu ein Lewis Hamilton, der seine Runden mit einem starken ersten Sektor begann, dann die gute Performance aber nicht vollständig ins Ziel bringen konnte. Es gab genug spannende Duelle und Blickwinkel auf diese Qualifikation, Michael Schumacher war nicht dabei – und er hat mir auch nicht gefehlt.
Was wurde nicht für ein Theater, eine Begeisterung um sein Comeback gemacht. Im März stand die ganze Formel 1 Welt Kopf, auch ich hatte mich sehr gefreut, weil die in den letzten Saison ehe schon spannende und dramatische Formel 1 noch eine weitere Bereicherung bekommt. Die TV-Anstalten hofften auf neue Rekorde bei den Einschaltquoten, Sky gründete einen eigenen Silberpfeilkanal, den ich beim Saisonauftakt in Bahrain zweimal benutzt habe, danach aber nie wieder angesteuert habe. Große Hoffnungen und Erwartungen wurden in das Comeback von Michael Schumacher gesteckt, zur Halbzeit der aktuellen Saison wäre es wohl angemessen zu sagen, dass die nicht erfüllt wurden. Vielmehr ist es mir zumindest heute zum ersten Mal wirklich bewusst aufgefallen, dass ich ihn gar nicht mehr richtig wahrnehme oder gar explizit auf ihn schaue. Diese Aufmerksamkeit gehört jetzt Sebastian Vettel und dem spannenden Kampf um die ersten 10 Plätze, von denen Schumacher eben weiter denn je entfernt ist. Und auch Sky schenkte Schumacher heute explizit nicht eine Sendeminute. Da platzt gerade eine Blase. Schumacher ist – wenn überhaupt – einer von vielen, vielleicht will er das ja auch nur noch sein. Doch das reicht momentan scheinbar nicht mehr aus, um im Rampenlicht der deutschen Medien und in meiner Aufmerksamkeit zu stehen.
Ich will gar nicht bewerten, ob es richtig war von ihm noch einmal in die Formel 1 zurückzukehren. Das steht mir nicht zu , das kann ich auch gar nicht, und es wäre ein Leichtes ihm jetzt zu belehren, dass er nicht mehr mit der heutigen Anforderungen der Formel 1 Autos zurechtkommt und mit den anderen Spitzenfahrern mithalten kann. Es mag offensichtlich sein, dass Schumacher auch im Vergleich zu seinem Teamkollegen Rossberg deutlich langsamer sein, er mag die Reifen nicht so auf Temperaturen zu bringen, wie für einige schnelle Runden im Qualifying nötig, er macht insgesamt zu viele kleine Fehler, hat immer mal wieder einen kleinen Aussetzer drin. Perfekte Runden, wo man aufhorchen würde, wo man mal wieder sagen könnte, das war annährend der uns vertraute Schumi, kommen äußerst selten vor. Das konnte ja auch keiner erwarten, dass Schumi um den Weltmeistertitel mitfährt, aber ich und er wahrscheinlich auch hätte ihn schon weiter vorne gesehen. Und das Auto hat ja ganz offensichtlich das Potential um die zweite oder dritte Startreihe mitzufahren.
Als man im März lesen konnte, dass Schumacher durchaus länger bei Mercedes GP noch fahren könnte, teilweise war ja sogar die Rede von bis zu drei Jahren, hielt ich das noch für ein realistisches Szenario. Heute würde ich Schumacher großen Respekt für die Entscheidung am Ende der Saison wieder aufzuhören entgegenbringen. Vermissen würde ich ihn in der jetzigen Form nicht.
Thema: Sport | Kommentare (0) | Autor: medispolis

