Premier League 2010/2011: Saisonvorschau FC Arsenal London
Im Prinzip ist es vor der Premier League Saison 2010/2011 wie immer. Die Experten sehen gute Chancen für den FC Arsenal vorne in der Tabelle mitzuspielen, insgesamt sehen sie aber keine Chancen, dass die Gunners die Meisterschaft erreichen. Alles wartet auf den Turning Point, das einschneidende Erlebnis, das die Arsenal-Spieler in jedem Frühjahr haben und dann den Anschluss an die Tabellenspitze verpassen. Mal ist es Unerfahrenheit, ein übermäßiger Gegner, der Arsenal die Grenzen aufzeigt und nachhaltig die Spieler verunsichert, häufig waren es wie letzte Saison viele Verletzungen, und als letzter Faktor individuelle Fehler, vor allem in der Defensive von Arsenal. Schrieb ich letztes Jahr noch von Bedenken, dass der Kader der Gunners nach den Abgängen von Adebayor und Kolo Toure qualitativ nicht gut genug ist, gilt dies nach einer tollen letzten Saison immer noch ein wenig. Ein, zwei Stellschrauben sind noch zu drehen, aber dann sehe ich keine Gründe, warum der FC Arsenal diese Saison nicht Meister werden kann. Wäre doch mal schön, wenn sich alle Experten irren.
Was spricht für den FC Arsenal im Vorfeld der neuen Premier League Saison? Zum einen die sehr spielstarke, variable und schnelle Offensive, die mit der Verpflichtung von Marouane Chamakh ein große Möglichkeit des Torabschlusses mehr bekommen hat. Zudem ist Robin van Persie hoffentlich wieder für eine gesamte Saison fit. Cesc Fabregas bleibt nun endgültig beim FC Arsenal und dürfte dem Mittelfeld der Gunners wieder seinen Stempel aufdrücken, inklusive der Torgefahr nach vorne. Samir Nasri und Theo Walcott – beide ein paar Sorgenkinder aus der letzten Hälfte der vergangenen Spielzeit, der eine wegen seiner ständigen Verletzungen, dem anderen wegen seiner Erschöpfung die Ausfälle von Fabregas und Arshavin nicht kompensieren zu können – hatten beide wegen ihrer Nichtnominierungen für Südafrika einen erholsamen Sommer und können vielleicht gerade zu Beginn der Saison für die WM-Fahrer die Kohlen aus dem Feuer holen. Nächste Schlüsselposition: Trainer Arsene Wenger, dessen Rolle ich seit diesem Sommer wieder deutlich gestärkt sehe. In den vergangenen Jahren kam immer wieder Unmut über seine geringen Investitionen in den Kader auf und die Erfolgslosigkeit des Teams gemessen an Titeln und Trophäen. Letzte Saison hat Wenger untermauert, dass er mit seinem sehr jungen Team fast Titel gewinnen kann. Und in diesem Sommer hat er im Kampf gegen den FC Barcelona Ruhe und kühlen Kopf bewahrt. Was letzlich auch dazu geführt hat, dass mit Fabregas ein Schlüsselspieler Arsenal eine weitere Saison erhalten bleibt. Und dann hoffen die Arsenal-Fans immer noch, dass es sowas wie Lernprozesse der Spieler im Fußball gibt und man die Fehler der vergangenen Saison dieses Mal noch mal einen Schritt besser und konsequenter abstellt.
Zwei Baustellen hat Arsene Wenger und der FC Arsenal bis zum Ende des Transferschluss am 31. August noch zu lösen. Die Torwartposition und ein weiterer Innenverteidiger bereiten vielen Arsenal-Fans noch Sorgen. Wer stand nicht alles auf der Gerüchteliste beim FC Arsenal für die Nummer 1 im Tor? Frey, Schwarzer, Buffon, Hart, Neuer, Adler, Lloris, Handanovic, Boruc, Akinfeev, Stekelenburg, James, Abbiati um mal nur einige zu nennen. Die Liste ließe sich fortsetzen. Fakt ist, dass letzte Saison zu viele Spiele durch Torwartfehler verloren gingen, sowohl von Almunia als auch von Fabianski. Nach dem Emirates Cup vergangenes Wochenende sagte Wenger, er sei mit beiden sehr zufrieden gewesen. Es ist aber kein offenes Geheimnis, dass Wenger nach einem neuen Torwart sucht. Eine Verpflichtung wäre wichtig, würde das der Defensive eben auch Stabilität geben, wenn sie sich auf ihren Schlussmann verlassen kann und nicht immer befürchten muss im Stich gelassen zu werden. Konkrete Anzeichen dieser Tage gibt es keine. Bleibt zu hoffen, dass sich da noch etwas tut. Gleiches gilt für die Innenverteidigerposition. Nach dem Abgang von Sol Campbell und den Vertragsauflösungen für Silvestre und Willam Gallas haben die Gunners derzeit nur drei etatmäßige Innenverteidiger. Thomas Vermaelen, der stets verletzungsanfällige Johan Djourou und Neuzugang Laurent Koscielny vom FC Lorient aus der Ligue 1. Das ist für die Doppelbelastung aus Premier League und Champions League schlicht zu dünn besetzt. Per Mertesacker war bei den Gunners immer mal wieder im Gespräch, er bleibt aber wohl definitiv in Bremen. Gleiches wie für die Torhüterposition: Es muss noch was gemacht werden, Namen kursieren derzeit eher wenige. Die Vorbereitungsspiele, insbesondere auch der Emirates Cup, haben gezeigt, dass in der Defensive bei aller Zeit, die eine Abstimmung untereinander braucht, noch viel Verbesserungsbedarf besteht.
Womit wir bei einem nächsten Sachverhalt wären, den es zu klären gilt. Arsene Wenger hat von den Besitzern des FC Arsenal rund 40 Millionen Pfund für neue Transfers zur Verfügung gestellt bekommen. Und davon ist noch fast alles in der Kriegskasse. Chamakh kam ablösefrei aus Bordeaux, Koscielny kostete knapp acht Millionen Pfund, sechs Millionen brachte aber ebenso der Verkauf von Eduardo in die Ukraine. Es ist für Wenger also ein Leichtes die passenden Spieler zu bekommen. Geld ist da, man könnte sie auch mit dem entsprechenden Kleingeld locken. Doch das scheint immer noch nicht der Philosophie von Arsene Wenger zu entsprechen, der allerdings gleich nach Ende der Saison lauthals angekündigt hat, dass man massiv in neue Spieler investieren möchte. Entweder es folgt noch oder Wenger wollte nur die Kritiker zufriedenstellen. Letzte Möglichkeit: alle Spieler, die im Norden Londons auf dem Wunschzettel stehen, bekommen aufgrund der Vertragssituation keine Freigabe von ihren Vereinen. Oder nur für das Geld, das dann auch Arsenal nicht bereit ist zu zahlen. Was zumindest an dieser Stelle ein wenig für Erleichterung sorgt, kann ich mich hier mit ein paar Worten auf die beiden prominentesten Neuzgänge bisher beschränken. Nach all dem, was ich in der Vorbereitung gesehen habe und man in diversen Arsenal-Blogs liest, könnte Chamakh eine richtig gute Verstärkung für die Gunners sein. Er ist torgefährlich, sprintstark, immer anspielbereit, beweglich, harmonierte schon gut mit Arshavin. Das sah alles sehr vielversprechend aus. Zusammen mit Robin van Persie vielleicht endlich mal jemand, der auch von außerhalb des Strafraums für Torgefahr sorgen kann. Das muss ja nicht unbedingt Sagna übernehmen. Deutlich geringere Erwartungen vor dieser Saison habe ich an Laurent Koscielny, dem aber als sehr junger Spieler die Zukunft gehören könnte. Der Verteidiger aus Lorient braucht sicherlich ein wenig Zeit sich in der Premier League zurechtzufinden, da sollte der Druck von außen nicht zu groß aufgebaut werden. Koscielny hat keinerlei internationale Erfahrung bisher. Aber wer hätte gedacht, dass Thomas “Verminator” Vermaelen sich so gut in seiner ersten Saison bei Arsenal zurechtfindet.
Es ist auch ein besondere Saison für Theo Walcott, der sich noch einmal beweisen will, ihm, dem FC Arsenal und auch Fabio Capello, der ihn nicht mit nach Südafrika nahm. Vergangene Spielzeit mit vielen Verletzungen zu kämpfen, kann Walcott jetzt hoffentlich in alter Frische um einen Stammplatz kämpfen. Walcott, der durch seine Rückschläge zuletzt vor allem im Umgang mit der medialen Öffentlichkeit extrem an Reife und Professionalität gewonnen hat – erinnert sei an das Gespräch von Raphael Honigstein mit Theo Walcott – muss zurechtkommen mit seiner unkonstanten Form, der mangelnden Fitness und dem abhandengekommenen Spielrhythmus aus den letzten Jahren, all das vergessen. Die Pause im Sommer kann nur von Vorteil für ihn sein und in den Spielen im Emirates Cup hat er mir schon gut gefallen. Hoffentlich erfüllt er endlich die Erwartungen – an sich selbst und an die Fans.
Und nach der endlosen Saga Arsenal-Fabregas-Barcelona ist auch dieses Thema seit heute Mittag endgültig erledigt. Fabregas bleibt in London, wie der Verein in einer offziellen Erklärung verkündete. “I owe a lot to the club, manager and the fans and I will respect their decision and will now concentrate on the new season ahead with Arsenal. I can assure all the fans that now the negotiations have ended I will be 100 per cent focused on playing for Arsenal.” Und mit diesen Sätzen lässt es sich dann in die letzte Vorbereitungswoche gehen. Noch ist einiges zu tun für Wenger, aber nie waren die Voraussetzungen für einen Titelgewinn besser als vor dieser Saison.
Zugänge: Marouane Chamakh (Girondins Bordeaux), Laurent Koscielny (FC Lorient), Kyle Ebecillo (Feyenoord Rotterdam), Phil Roberts (Norwich City)
Abgänge: Eduardo (Schachtar Donezk), Sol Campbell (Newcastle United), Fran Merida (Atletico Madrid), Philip Senderos (FC Fulham), Willam Gallas (Vertrag nicht verlängert), Mikael Silvestre (Vertrag nicht verlängert)
Prognose: Sollte Arsene Wenger es noch schaffen, die Torhüterposition zu stärken und einen weiteren erfahrenen Innenverteidiger nach London zu lotsen, sehe ich diesmal keinen Grund, warum der FC Arsenal nicht englischer Meister werden kann. Meine leicht optimistische Prognose vor der Saison 2010/2011: Platz 1.


Freitag, 6. August 2010 17:00
Tolle Arbeit!
Machst du weiter mit allen Vereinen oder beschränkst du dich auf die Top 5?
Freitag, 6. August 2010 17:51
Es gibt bis zum Saisonstart am 14. noch sieben weitere Vorschauen, Liverpool, Tottenham und Man City bekommen einen eigenen Artikel. Alles andere fassen ich dann in drei weiteren Serien etwas kompakter zusammen. Und es gibt wieder eine Übersicht über die mediale Berichterstattung zur Premier League Saison.
Sonntag, 8. August 2010 0:54
Was sich in nur 24 Stunden nicht alles ändern kann. Ich bin mir sicher, dass das Testspiel von Warschau deine Analyse in einigen Punkten noch einen Tick verändert hätte. [ Und ja, ich nehme Testspiele vielleicht tatsächlich zu ernst. :-).]
Aus Laurent Koscielny werde ich beispielsweise einfach nicht schlau. Zunächst dämpft man die eigenen Erwartungen, denn selbst Arsène Wenger erwischt nicht zwei Vermaelen in zwei Jahren. Das wäre schon einer außergewöhnliche Quote. Dann aber tritt der Franzose, dem schon vor der Station Arsenal ein überraschender Karrieresprung gelang, direkt dermaßen forsch und unbekümmert auf, dass man seine erste Meinung überholen muss. Auch das Zusammenspiel mit Vermaelen machte ziemlich Spaß.
Doch nun scheint Koscielny das Denken anzufangen und wird von Spiel zu Spiel unkonzentrierter und schwächer. Warschau war nun der vorläufige Tiefpunkt dieser seltsamen Formkurve, und ehrlich gesagt will ich mit diesem Duo in der Innenverteidigung gar nicht an den season opener gegen Liverpool denken.
Erschreckend ist vor allem, dass auch Thomas Vermaelen nun strauchelt. Wenn ausgerechnet der zuverlässigste Spieler in unseren Reihen patzt, sollten alle unsere Alarmglocken schrillen. Das große Problem ist, dass uns jegliche Alternativen fehlen. Johan Djorou ist ein passabler Ersatzspieler, aber nicht mehr, und Havard Nordtveit wird niemals sein Potenzial ausschöpfen können, wenn Wenger ihm bei jeder Gelegenheit spüren lässt, dass er ihm kaum vertraut. Da sehnt man sich nach dem guten alten Sol Campbell.
Meine Schreckensversion ist nun, dass Silvestre irgendwie doch noch an einen neuen Kontrakt gerät. Nicht nur die Wege des Herrn gelten schließlich oft als unergründlich.
In der Not sollte man selbst William Gallas als Option nicht aus den Augen lassen. Obwohl es zwischen Wenger und ihm einige Reibereien gab, sollte man einem verdienstvollen Spieler eine zweite Chance geben, und in den Gehaltsforderungen wird man sich irgendwie schon entgegenkommen können.
Und dann ist da ja auch noch die Torwartpositon., das Sorgekind der gefühlten letzten zehn Jahre.
Falls Wenger tatsächlich diese Wahnsinnsofferte für Reina abgegeben hat, so zeugt das für mich nicht von purer Rationalität und einem kühlen Kopf. Nicht, dass Reina kein hervorragender Torwart ist. Ganz im Gegenteil, ich halte ihn für den besten der Liga, ohne van der Sar oder Cech damit abwerten zu wollen. Allerdings wirkt diese gesamte Aktion wenig durchdacht, sondern sieht eher nach einer Verzweiflungstat aus. Ob sich das in den Verhandlungen mit Schwarzer oder Akinfeew positiv aufwirkt, darf mit Recht bezweifelt werden.
Fabianski aka Flappyhandski hat sich jedenfalls nach den Testspielen aus allen Planungen herausgepatzt, Almunia darf nach seinem überraschend gutem und vor allem auch souveränem Auftritt zurecht wieder auf die Nummer Eins hoffen.
Nach alldem gibt es Gott sei Dank noch eine gute Nachricht: Marouane Chamakh. Selbst in Spielen, in denen er nicht sonderlich gut spielt, trifft er. Solche Spieler sind einfach nur Gold wert.
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Fantastische Analyse!
Sonntag, 8. August 2010 11:28
Nö, meine Analyse hat sich durch das Testspiel nicht wirklich verändert. Habe gestern Nacht auch nur die Tore gesehen, kann zum Spiel also nicht so viel erzählen. Aber mein Fazit bleibt: Sollte Arsenal nicht noch einen neuen Torhüter bekommen plus einen erfahrenen Innenverteidiger, wird es wieder eine Saison um die Plätze 3-5. Gelingen Wenger noch zwei Transfercoups (Geld ist ja da, Reina geht sowieso nicht von Liverpool weg) und Wenger kann damit die Defensive stärken, ist der Titel drin.
Und Gallas und Silvestre haben nicht ohne Grund keinen neuen Vertrag bekommen. Bevor ich die beiden wieder rekrutiere und aktiviere, kann ich auch so weiter spielen wie jetzt.