Beiträge vom 8. August 2010

Premier League 2010/2011: Saisonvorschau Manchester City

Sonntag, 8. August 2010 18:26

Wie muss man sich als steinreicher Besitzer der Abu Dhabi United Group eigentlich fühlen, wenn man über 120 Millionen Pfund vergangenen Sommer investiert hat um am Ende nur auf einem mageren fünften Platz gelandet ist, weil man es nicht schaffte daheim gegen Fulham, Stoke oder den FC Burnley zu gewinnen? Wie muss man sich fühlen, wenn man für Roque Santa Cruz, damals Stürmer bei den Blackburn Rovers, 18 Millionen Pfund ausgibt und im Gegenzug die betrachtliche Anzahl von drei Saisontoren geschenkt bekommt? Wie muss man sich fühlen, wenn man für den Innenverteidiger vom FC Everton, Joleon Lescott, knapp 25 Millionen Pfund überweist und der Engländer gerade mal 18 Einsätze absolvieren kann, also nicht mal die Hälfte der Premier League Saisonspiele? Und wie fühlt man sich, wenn man Arsene Wenger gesehen hat, der in sich hineinlacht, weil er Adebayor und Kolo Toure für weit jenseits der 40 Millionen Pfund an Manchester City abgab? Und wie fühlt man sich als Besitzer von Manchester City, wenn man gleichzeitig sieht, dass man hinter den Tottenham Hotspur gefallen ist, die im letzten Sommer ein paar Stellschrauben bewegt haben und unter anderem moderate Summen für Sebastian Bassong, Peter Crouch und Niko Krancjar ausgegeben haben? Und zu allem Überfluss köpfte ausgerechnet Peter Crouch den Siegtreffer für die Spurs in Eastlands Anfang Mai. Das Lächeln der Besitzer war endgültig verflogen. Erwähnen Sie mal den Namen Robinho.

Nun will ich die Transferpolitik von Manchester City im letzten Sommer nicht völlig in den Abfalleimer befördern. Es gibt ja auch ein positives Beispiel. Der Transfer von Adam Johnson vom damaligen Premier League Absteiger FC Middlesbrough bestätigt dann aber vielleicht die Ausnahme der Regel. Nun dürfte offensichtlich sein, dass City keine schlechten Spieler gekauft hat. Trotzdem ist aber festzuhalten, dass im Vergleich zum Potential der Spieler und der Menge des ausgegebenen Geldes der fünfte Platz fast schon eine mittlere Katastrophe gewesen ist. Man dürfte gemerkt haben, dass man mit viel Offensive zwar gelegentlich Spiele eindrucksvoll und attraktiv gestalten kann, mit der Vernachlässigung der Defensive aber dafür sorgt, dass man längst eingeplante Siege gegen schwächere Teams nicht finanlisieren konnte. Also auf ein Neues. Noch einmal die große Einkaufstour, diesmal muss es ja mit einem Platz unter den ersten drei Mannschaften klappen.

Knapp 80 Millionen Pfund hat man bereits ausgegeben. Und der August ist noch lang. Zu aller Erstaunen hat man sich bei den Verstärkungen vor allem auf die Defensive konzentriert. Bringt ja auch wenig noch mehr Stürmer nach Eastlands zu holen, hat ja mit Adebayor, Carlos Tevez, Craig Bellamy und Torschussgranate Santa Cruz schon genug davon. Darf man jetzt also von einer schlauen, durchdachten Transferpolitik sprechen? Muss man wohl, wenngleich die exorbitanten Summen immer noch kaum zu rechtfertigen sind.Yaya Toure sollte dem defensiven Mittelfeld der Citizens die dringend benötigte Stabilität geben, David Silva dem offensiven Mittelfeld die häufig abhanden gekommene Kreativität. Mit Aleksander Kolarov und Jerome Boateng hat man gleich zwei potentielle Linksverteidiger verpflichtet. Vielleicht tauscht Boateng ja auch die Seiten und agiert auf der rechten Verteidigerposition oder gibt wie im Testspiel zuletzt gegen den FC Valencia neben Kolo Toure oder Kompany den Innenverteidiger, Richards dann auf rechts und Kolarov auf links. Der kann auch nur dort spielen. Defensiv ist Manchester City also sehr viel besser aufgestellt und über die offensive Power sind eigentlich keine weiteren Worte zu verlieren. Das kann mit der Spitze der Premier League mithalten.

Größtes Problem bei den Citizens: Es herrscht fast schon ein Überhang an guten Spielern. Schaut man sich nur mal das defensive Mittelfeld an: Yaya Toure, Gareth Barry, Nigel De Jong, Patrick Viera (ja, der spielt auch noch mit), Vincent Kompany und Pablo Zabaleta. Und zwei können nur spielen. Gleiches gilt im Sturm: Adebayor, Bellamy, Tevez und Santa Cruz. Und die Besitzer mit dem vielen Geld hätten auf alle Fälle gerne noch Mario Balotelli von Inter Mailand und über Diego Forlan wäre man scheinbar auch nicht abgeneigt. Und sollte James Milner von Aston Villa noch gewonnen werden können, streitet er sich auf der rechten Seite mit Shaun Wright-Philipps um einen Stammplatz. Vorsorglich hat das Management der Citizens schon angekündigt, dass man im Gegenzug Stephen Ireland als Bonus mit oben drauflegt. Denn der würde da sowieso nur stören. Es ist eine große Ansammlung von Stars. Die jetzt zu einem Team zu formen und dabei den Spielern auch unbequeme Wahrheiten mitteilen zu müssen ist die Aufgabe von Roberto Mancini, der ja eigentlich gar nicht mehr da sein sollte, jetzt aber vor der Saison den Druck verspürt das Team auf den vierten Platz zu führen, wenn nicht gar noch mehr. Und vor allem: welche Spieler in die erste 11 stellen?

Gelingt das Roberto Mancini, dürfte es eine ruhige Saison werden. Aber ganz ehrlich, ich glaube nicht daran. Und sobald es auch nur das kleinste aller möglichen Anzeichen gibt, dass das angestrebte Saisonziel nicht erreichbar scheint, ist Mancini schneller weg, als dass er noch Ciao sagen kann. Keine Ahnung, wie es damit in der täglichen Arbeit mit der Mannschaft und dem Umfeld lebt. Einfach ist es sicher nicht. Für Mancini zählen erstmal nur Ergebnisse, die Schönspielerei würde man zwar auch gerne sehen, aber die Erwartungen werden diesbezüglich erstmal klein gehalten. Sind ja sonst schon auch groß genug. Und das schöne ist: Man kann Ende September schon die erste Bilanz ziehen. Auftakt in Tottenham, dann gegen Liverpool. Da kann man ein erstes Zeichen setzen. Und dann kommen all die unbequemen Gegner, die City das Leben versauen wollen und das letzte Saison teilweise richtig gut geschafft haben: Blackburn, Stoke City, Wigan Athletic. Ende September dann die Partie gegen den FC Chelsea. Man wird Roberto Mancini genau beobachten.

Ich hatte vor ein paar Tagen ja schon gefragt, ob Manchester City in der derzeitigen Aufmachung Segen oder Fluch für die Premier League ist. Die einen sagen, das hätte mit Fußball nicht mehr viel zu tun und zeige nur die Geldgier und dass Premier League Vereine Spielbälle ausländischer Milliardäre seien. Die andere Fraktion, zu der ich mich auch zählen würde, sieht das ganze mehr unter dem sportlichen Aspekt. Mit der Aufrüstung der Citzens ist ein weiterer potentieller Kandidat für die Plätze 1-4 entstanden. Sportlich macht das den Wettbewerb also durchaus reizvoller. Mit dem Modell muss man nicht unbedingt einverstanden sein. Oder man kann es wie Arsene Wenger in dem sehr empfehlenswerten und lesenswerten Interview von Amy Lawrence im Observer machen, der zwar das Hochzüchen zur Kenntnis nimmt, es aber innerlich verabscheut, weil es seine besondere Form von Fußball, von Talenten entwickeln, von Spielern besser machen, vom Schleifen der Juwelen und Diamanten, diametral entgegenwirkt. Aber Wenger will darüber nicht sprechen. Simple Antwort: “We have always finished above Man City”. Und genau diesen Satz wollen die Besitzer aus Abu Dhabi nicht länger hören. Eine Chance haben sie noch.

Zugänge: Yaya Toure (FC Barcelona), David Silva (FC Valencia), Aleksandar Kolarov (Lazio Rom), Jerome Boateng (Hamburger SV), Alex Henshell (Swindon Town), Albert Rusnak (MFK Kovice)

Abgänge: Javier Garrido (Lazio Rom), Martin Petrov (Bolton Wanderers), Valeri Bojinov (FC Parma), Sylvinho (Vertrag wurde nicht verlängert), Benjani (Vertrag wurde nicht verlängert).

Prognose: Vom Spielerpotential spielt City ganz vorne mit. Ein paar Fragezeichen hinter der kreativen Offensive. Defensiv sollte man die Schwächen der letzten Saison minimiert haben. Interessant werden zwei Dinge zu sehen sein. Wie geht City mit sehr defensiv eingestellten Gegnern um und wie gut schafft man es Unruhe bei Negativerfolgen zu begrenzen? Und wie schaffen es die großen Stars den Spagat zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Partien gegen Arsenal, Man Utd und Chelsea und Auftritte in der Europa League in Südosteuropa oder bei Blackpool in der Premier League? Am Ende gibt es den vierten Platz. Und Mancini wird die Saison nicht bis zum Ende erleben.

Thema: Premier League | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Premier League 2010/2011: Saisonvorschau Tottenham Hotspur

Sonntag, 8. August 2010 12:44

Es wird eine spannende, hochinteressante Saison für die Tottenham Hotspur. So oder so, vielleicht auch unabhängig vom finalen Tabellenplatz im nächsten Mai. Erstmals haben die Spurs es geschafft in die Phalanx der Big Four einzubrechen, ausgerechnet mit einem Sieg im Nachholspiel gegen Ende der Saison beim direkten Konkurrenten Manchester City. Und wer hatte diesen Sieg den Spurs damals nicht gegönnt? Nun ist der erste Schritt, bevor die Spielzeit in der Premier League eigentlich richtig losgeht, die Qualifikation für die Champions League. Mit den Young Boys Bern hat man vielleicht den einfachsten Gegner bekommen, spielt zudem erst in der Schweiz. Das stellt also eine absolute machbare Aufgabe für die Spurs dar. Man kann auf höhere finanzielle Einnahmen durch die Champions League hoffen, was ein Glücksgriff für die Spurs wäre. Denn Geld kann man ja immer gebrauchen.

So schön, reizvoll und attraktiv diese Ausgangslage für die Tottenham Hotspur erscheint, sind mit ihr ebenso viele Herausforderungen verbunden, welche die Spurs noch nicht abschließend erfüllt haben. In erster Linie steht auf der Prioritätenliste die Verstärkung des Kaders. Und da sind Harry Redknapp und sein Trainerteam trotz vieler Gerüchte, Träume und Wünsche noch nicht weit gekommen. Bisher steht mit Sandro Ranieri nur ein Neuzugang, der eher als Ergänzung des vorhandenen Kaders gesehen werden kann, wenngleich die Spurs schon länger sich um den 21-jährigen Brasilianer bemüht haben und von ihm ganz große Stücke halten. Aber sonst hat sich da noch nicht viel getan. Diego Forlan stand lange auf der Wunschliste, will aber in Spanien bleiben (oder sich den Geldsäcken von Man City anschließen), Scott Parker von West Ham United war ein weiterer potentieller Neuzugang, die Hammers untersagten aber jegliche Abwerbungsversuche. Die Spurs brauchen schon eine tiefere Kaderdichte, mehr Flexibilität in den taktischen Systemen. Und dafür braucht es zwei, drei Neuzugänge, zumal Verletzungen oder auch ein möglicher Abgang von Stürmer Roman Pavlyuchenko die ambitionierten Pläne durchkreuzen können. Oberste Priorität ist deshalb auch die Verpflichtung eines Angreifers. Und da stehen dann wieder viele Namen auf der Liste: Craig Bellamy, Luis Suarez, Klaas-Jan Huntelaar oder Luis Fabiano. Die Spurs sollen bereit sein bis zu 25 Millionen Pfund für einen neuen Stürmer auszugeben. Und es ist nebenbei bemerkt die neue Rolle von Harry Redknapp das Geld nicht zum Fenster herauszuwerfen, sondern effizient und gewissenhaft einzusetzen. Immerhin konnte man zuletzt einen neuen Trikotsponsor an Land ziehen. Ein kleiner Erfolg. Jetzt müssen nur noch Zugänge auf dem Spielfeld zu finden sein.

Ansonsten kann sich Harry Redknapp ja auch auf einen gefestigten Kader verlassen. Torhüter Heurelho Gomes hat nach seiner schwachen Saison 2008/2009 eine exzellente letzte Spielzeit abgelegt. Wenn Ledley King fit war, stellte er eine Stütze in der Innenverteidigung dar, an der Seite von Michael Dawson, dessen gute Leistungen ihn in die englische Nationalmannschaft geführt haben. Im Mittelfeld hat man mit Luka Modric einen jungen, dynamischen Spieler, der über die Außen auf links von Gareth Barry und auf rechts vom blitzschnellen Aaron Lennon entlastet und unterstützt wird. Und vorne zeigten sich Jermain Defoe und Peter Crouch treffsicher wie nie. Und mit Giovani und Robbie Keane hat man exzellente Backups. Da ist fast schon verständlich, wenn Pavlyuchenko sich bemüht einen neuen Verein zu suchen, was den Spurs zusätzliches Geld für neue Transfers geben würde.

Es ist auch eine besondere Saison für Harry Redknapp, den man in Fußball-England immer für einen sehr guten Trainer hielt, letzlich aber mit Ausnahme des FA-Cup Sieges für den FC Portsmouth nie einen großen Titel erreichte. Dann verlies er schnell, aber noch rechtzeitig das sinkende Schiff an der Südküste, was ihm viel Kritik einbrachte, führte die Spurs aus dem Abstiegskampf in das gesicherte Mittelfeld und ein Jahr später vielleicht in die Champions League. Und es ist mit Sicherheit auch der Verdienst von Redknapp, dass Spieler wie Gomes, Dawson, Huddlestone und Lennon derzeit ihre bisher besten Karriereleistungen abrufen.

Player to watch bei den Spurs in der kommenden Saison. Der 20-jährige Danny Rose, vielleicht dem ein oder anderen noch bekannt durch sein sensationelles Tor in seinem ersten Ligaspiel letzten April gegen den FC Arsenal. Rose schoss das 1:0 mit einer Direktabnahme per Volleyschuss aus über 20 Metern. Rose wird seine Chance bekommen in der neuen Saison.

Zugänge: Sandro Ranieri Guimaraes Cordeiro (International Porto Alegre)

Abgänge: Lee Butcher (Leyton Orient), Sam Cox (Barnet), John Bostock (Hull City)

Prognose: Die Spurs sind ein gefestigtes und eingespieltes Team. Trotzdem wären ein bis zwei Neuzugänge noch notwendig, um die Doppelbelastung aus Premier League und Europapokal zu bestehen. Tottenham spielt wieder eine gute Saison und wird am Ende auf dem 6. Platz landen.

Thema: Premier League | Kommentare (0) | Autor: medispolis