Premier League 2010/2011: Saisonvorschau Tottenham Hotspur

Es wird eine spannende, hochinteressante Saison für die Tottenham Hotspur. So oder so, vielleicht auch unabhängig vom finalen Tabellenplatz im nächsten Mai. Erstmals haben die Spurs es geschafft in die Phalanx der Big Four einzubrechen, ausgerechnet mit einem Sieg im Nachholspiel gegen Ende der Saison beim direkten Konkurrenten Manchester City. Und wer hatte diesen Sieg den Spurs damals nicht gegönnt? Nun ist der erste Schritt, bevor die Spielzeit in der Premier League eigentlich richtig losgeht, die Qualifikation für die Champions League. Mit den Young Boys Bern hat man vielleicht den einfachsten Gegner bekommen, spielt zudem erst in der Schweiz. Das stellt also eine absolute machbare Aufgabe für die Spurs dar. Man kann auf höhere finanzielle Einnahmen durch die Champions League hoffen, was ein Glücksgriff für die Spurs wäre. Denn Geld kann man ja immer gebrauchen.

So schön, reizvoll und attraktiv diese Ausgangslage für die Tottenham Hotspur erscheint, sind mit ihr ebenso viele Herausforderungen verbunden, welche die Spurs noch nicht abschließend erfüllt haben. In erster Linie steht auf der Prioritätenliste die Verstärkung des Kaders. Und da sind Harry Redknapp und sein Trainerteam trotz vieler Gerüchte, Träume und Wünsche noch nicht weit gekommen. Bisher steht mit Sandro Ranieri nur ein Neuzugang, der eher als Ergänzung des vorhandenen Kaders gesehen werden kann, wenngleich die Spurs schon länger sich um den 21-jährigen Brasilianer bemüht haben und von ihm ganz große Stücke halten. Aber sonst hat sich da noch nicht viel getan. Diego Forlan stand lange auf der Wunschliste, will aber in Spanien bleiben (oder sich den Geldsäcken von Man City anschließen), Scott Parker von West Ham United war ein weiterer potentieller Neuzugang, die Hammers untersagten aber jegliche Abwerbungsversuche. Die Spurs brauchen schon eine tiefere Kaderdichte, mehr Flexibilität in den taktischen Systemen. Und dafür braucht es zwei, drei Neuzugänge, zumal Verletzungen oder auch ein möglicher Abgang von Stürmer Roman Pavlyuchenko die ambitionierten Pläne durchkreuzen können. Oberste Priorität ist deshalb auch die Verpflichtung eines Angreifers. Und da stehen dann wieder viele Namen auf der Liste: Craig Bellamy, Luis Suarez, Klaas-Jan Huntelaar oder Luis Fabiano. Die Spurs sollen bereit sein bis zu 25 Millionen Pfund für einen neuen Stürmer auszugeben. Und es ist nebenbei bemerkt die neue Rolle von Harry Redknapp das Geld nicht zum Fenster herauszuwerfen, sondern effizient und gewissenhaft einzusetzen. Immerhin konnte man zuletzt einen neuen Trikotsponsor an Land ziehen. Ein kleiner Erfolg. Jetzt müssen nur noch Zugänge auf dem Spielfeld zu finden sein.

Ansonsten kann sich Harry Redknapp ja auch auf einen gefestigten Kader verlassen. Torhüter Heurelho Gomes hat nach seiner schwachen Saison 2008/2009 eine exzellente letzte Spielzeit abgelegt. Wenn Ledley King fit war, stellte er eine Stütze in der Innenverteidigung dar, an der Seite von Michael Dawson, dessen gute Leistungen ihn in die englische Nationalmannschaft geführt haben. Im Mittelfeld hat man mit Luka Modric einen jungen, dynamischen Spieler, der über die Außen auf links von Gareth Barry und auf rechts vom blitzschnellen Aaron Lennon entlastet und unterstützt wird. Und vorne zeigten sich Jermain Defoe und Peter Crouch treffsicher wie nie. Und mit Giovani und Robbie Keane hat man exzellente Backups. Da ist fast schon verständlich, wenn Pavlyuchenko sich bemüht einen neuen Verein zu suchen, was den Spurs zusätzliches Geld für neue Transfers geben würde.

Es ist auch eine besondere Saison für Harry Redknapp, den man in Fußball-England immer für einen sehr guten Trainer hielt, letzlich aber mit Ausnahme des FA-Cup Sieges für den FC Portsmouth nie einen großen Titel erreichte. Dann verlies er schnell, aber noch rechtzeitig das sinkende Schiff an der Südküste, was ihm viel Kritik einbrachte, führte die Spurs aus dem Abstiegskampf in das gesicherte Mittelfeld und ein Jahr später vielleicht in die Champions League. Und es ist mit Sicherheit auch der Verdienst von Redknapp, dass Spieler wie Gomes, Dawson, Huddlestone und Lennon derzeit ihre bisher besten Karriereleistungen abrufen.

Player to watch bei den Spurs in der kommenden Saison. Der 20-jährige Danny Rose, vielleicht dem ein oder anderen noch bekannt durch sein sensationelles Tor in seinem ersten Ligaspiel letzten April gegen den FC Arsenal. Rose schoss das 1:0 mit einer Direktabnahme per Volleyschuss aus über 20 Metern. Rose wird seine Chance bekommen in der neuen Saison.

Zugänge: Sandro Ranieri Guimaraes Cordeiro (International Porto Alegre)

Abgänge: Lee Butcher (Leyton Orient), Sam Cox (Barnet), John Bostock (Hull City)

Prognose: Die Spurs sind ein gefestigtes und eingespieltes Team. Trotzdem wären ein bis zwei Neuzugänge noch notwendig, um die Doppelbelastung aus Premier League und Europapokal zu bestehen. Tottenham spielt wieder eine gute Saison und wird am Ende auf dem 6. Platz landen.

Autor: medispolis
Datum: Sonntag, 8. August 2010 12:44
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