Premier League 2010/2011: Saisonvorschau Oberes Mittelfeld
Montag, 9. August 2010 17:33
Nachdem ich die letzten Vorschauen etwas ausführlicher gestaltet habe und jeweils einem Verein gewidmet habe, möchte ich, bevor ich am Mittwoch ausführlicher auf die Aufsteiger in der Premier League blicke, heute und morgen kurz die übrigen Teams unter die Lupe nehmen. Dies wird längst nicht so ausführlich sein, werde aber jede Woche bei der Spieltags-Preview immer auch auf die Geschehnisse bei den kleineren Klubs eingehen. Fürs erste also eine Vorschau auf fünf Mannschaften, die ich eher im oberen Mittelfeld erwarte, also zwischen den Plätzen 7-10. Die Reihenfolge ist da erstmal sekundär.
Breaking News: So eben wird bekannt, dass Martin O’Neill als Trainer von Aston Villa mit sofortiger Wirkung zurückgetreten ist. Dies wird auf der Vereinshomepage von Villa bestätigt.
“I have enjoyed my time at Aston Villa immensely. It’s obviously a wrench to be leaving such a magnificent club. I would like to pay tribute to the Villa players, my coaching staff and the Villa supporters for all the support and encouragement they have given both the club and me personally during my time as manager. I wish them all the best for the future. I will obviously be assisting the club in the immediate short-term with regard to the handover of my duties.”
Ob es mit der Transferpolitik zu tun hat? Der Sportkorrespondent von BBC Five Live spekuliert darüber, dass O’Neill ziemlich verärgert darüber war, dass der Verein Verhandlungen über einen Transfer von Ashley Young zu den Tottenham Hotspur zugestimmt hat. O’Neill soll Young auf alle Fälle bei Villa halten wollen. Und wie zufrieden war O’Neill mit der Situation um den Transfer von James Milner?
Das ist für Villa eine Woche vor Saisonstart natürlich eine mittlere Katastrophe.
Aston Villa (PL 2009/2010 6. Platz)
Das Team von ehemaligen Trainer Martin O’Neill ist derzeit das einzige Team in der Premier League, das noch keine Neuzugänge verzeichnen kann. Was im Moment noch nicht weiter tragisch ist, weil auch kein Stammspieler und Leistungsträger den Verein verlassen hat und Villa schon immer mit einem kleinen Kader ausgekommen ist. Letzte Saison setzte O’Neill nur 23 Spieler ein, der niedrigste Wert in der Premier League, zusammen mit Stoke City. Und das zeigt aber auch die Misere, in der Villa steckt. Man hat eine starke 11, die jederzeit um den vierten Platz mitspielen kann. Es fehlt aber die Tiefe im Kader, sodass es fast schon regelmäßig gegen Ende der Saison bergab geht – teils bedingt durch Verletzungen, teils verursacht durch die Müdigkeit der Spieler nach einer anstrengenden Spielzeit – und Villa meist um den sechsten oder sieben Platz eintrudelt. Und in diesem Umfeld würde ich sie auch für die kommende Premier League Saison einschätzen, da hat die Konkurrenz zu stark aufgerüstet und es scheint derzeit nicht der Fall, dass Villa noch zwei Mega-Transfers aus dem Hut zaubern wird. Im Gegenteil: Es scheint nur eine Frage der Zeit – immer wieder wird der kommende Donnerstag genannt – bis James Milner den Verein in Richtung Manchester City verlassen wird, was für Villa eine weitere Lücke im Kader darstellt, die es zu kompensieren gilt. Und das muss kostengünstig geschehen, denn Villa-Besitzer Randy Lerner tritt wegen ehe schon hoher Gehälter und zu hohen Schulden auf die Kostenbremse. Mit Brad Friedel hat man einen der ältesten, aber auch erfahrensten Torhüter zwischen den Pfosten, die Abwehr hat mit Richard Dunne, Curtis Davies und Carlos Cuellar genug Matcherfahrung in der Premier League. Und im Sturm mit John Carew, Gabriel Agbonlahor ist man ebenso stark vertreten, unterstützt von Stiliyan Petrov, Ashley Young und James Milner aus dem Mittelfeld. Wenn sich bloß keiner verletzt oder den Verein verlässt.
FC Fulham (PL 2009/2010 12. Platz)
Die Cottagers haben sich in den letzten zwei Jahren von einem Abstiegskandidaten zu einem soliden, teilweise richtig attraktiv spielendem Premier League Team entwickelt. Zu verdanken hatte man das im wesentlichen Roy Hodgson, der nun aber zum FC Liverpool wechselte. Mark Hughes, ehemals Manchester City und Blackburn Rovers, übernimmt nun die Verantwortung im Cravan Cottage. Muss man sich im Südwesten Londons an der Themse also nun wieder nach unten orientieren? Gewiss nicht, denn Mark Hughes – und das soll nicht despektierlich gemeint sein – ist genau der passende Trainer für einen soliden Premier League Klub im Mittelfeld der Tabelle. Da hat er in Blackburn stets das Optimum herausgeholt. Das soll sich in Fulham nun wiederholen. Die Ausgangslage ist günstig. Das Team aus der vergangenen Saison ist nahezu komplett geblieben, einzig die Weggänge von Verteidiger Chris Smalling zu Manchester United und vom Mittelfeldakteur Kevin Nevland nach Norwegen zu Viking hinterlässt eine kleine Lücke, die man kostengünstig und sehr passabel aufgefangen hat. Phillippe Senderos kommt für die Innenverteidigung vom FC Arsenal und man bindet den Publikumsliebling von West Bromwich Albion, Jonathan Greening, längerfristig an den Verein. Vorteil von Greening: Er ist nahezu überall im Mittelfeld flexibel einsetzbar. Hatte letzte Saison schon als Ausleihe bei den Cottagers gespielt und dort vor allem in der defensiveren Rolle dem Mittelfeld Stabilität verliehen.
FC Everton (PL 2009/2010 8. Platz)
Dem FC Everton geht es so ein bisschen wie Aston Villa. Man spielt meist eine sehr gute Saison, für den letzten Schritt nach vorne reicht es über eine gesamte Spielzeit gesehen noch nicht aus. Und im Sommer beißt man mit dem Mund in jede Tischkante und hofft, dass ja alle begehrten Spieler den Verein nicht verlassen und man das Team so umfangreich wie möglich zusammenhält. Dieser Aufgabe hat sich in diesem Sommer vor allem Everton-Trainer David Moyes verschrieben, der nahezu jeden Abwerbungsversuch – sei die Geldsumme noch so hoch – abblitzen lässt. Und bisher ist die Strategie aufgegangen. Da Evertons Kader sowieso nicht der größte in der Premier League ist, war dies auch zwingend notwendig. Man gab einige Nachwuchsspieler und Akteure aus der zweiten Reihe an unterklassige Vereine ab. Ergänzt wird der Kader durch den französischen Stürmer Magaye Gueye, der aus Strasburg an die Mersey wechselte, und den portugiesischen Angreifer Joao Silva, der in der zweiten portugiesischen Liga bei Aves in 30 Spielen immerhin 14 Tore erzielte. Und der dritte Neuzugang ist wohl der prominenteste und hat keine Ablöse gekostet. Stürmer Jermaine Beckford kam vom Zweitliga-Aufsteiger Leeds United. Für alle, die jetzt einen Ausruf der Erinnerung beim Namen Beckford wahrnehmen. Das war der Spieler, der das Siegtor für Leeds im FA-Cup bei Manchester United schoss. Beeindrucke Bilanz bei Leeds United: 126 Spiele, 72 Tore. Und er ist erst 26 Jahre alt, kann also noch ein paar Jahre richtig gute Leistungen bringen. Everton hat ihm einen 4-Jahres-Vertrag angeboten. Auf diesen Spieler dürfen wir uns wirklich freuen.
Birmingham City (PL 2009/2010 9. Platz)
Wenn es die Blues wieder hinbekommen so heimstark und defensiv sicher aufzutreten wie in der vergangenen Saison, können sich die Fans wieder auf eine entspannte Saison freuen, wird man mit dem Abstieg dann doch eher wenig zu tun haben. Kein Team der Big Four konnte letzte Spielzeit im St. Andrews Park gewinnen. Dass sieht dann spielerisch nicht immer attraktiv aus, weil es primär auf die Defensive beschränkt ist, wenn man dann aber die Spieler hat, welche die wenigen Chancen in Tore ummünzen können und gute Konter fahren, ist das eine berechtigte und erfolgreiche Strategie. Größtes Plus für Birmingham City ist wieder mal ein Faktor, der in der ganzen Premier League ausreichend vorhanden ist: Geld. Der chinesische Besitzer Carson Yeung ermöglicht Transfers, die für andere Klubs vom Status Birmingham City nicht realisierbar sind. Und mit dem Chinesen im Hintergrund kann man gegebenenfalls im Winter nach einer eher schlechteren Hinserie jederzeit neue Spieler kaufen. Und man hat mal schnell schlappe 12 Millionen Pfund für Torhüter Ben Foster von Manchester United und für Stürmer Nikola Zigic, der vom FC Valencia kommt, zuletzt aber Racing Santander ausgeliehen war. Und nebenbei hat man noch einige auslaufende Verträge nicht verlängert und Abnehmer für Christian Benitez (zu Santos Laguna), Lee Carsley (Coventry City) und Frank Queudrue (zu Panionios Athen).
Blackburn Rovers (PL 2009/2010 10. Platz)
Die wenigsten wissen wohl, dass die Blackburn Rovers seit Einführung der Premier League einmal die Meisterschaft gewonnen hat. Davon hat man sich aber auch schnell verabschiedet. Mit Trainer Sam Allardyce hat man jetzt einen erfahrenen Trainer gefunden, der Blackburn zu einem soliden Mittelfeldteam geformt hat. Mehr zu den Blackburn Rovers in den beiden Vorschauserien des Guardian.
Thema: Premier League | Kommentare (0) | Autor: medispolis

