Premier League 2010/2011: Saisonvorschau Unteres Mittelfeld
Bevor ich mich morgen ausführlich den drei Premier League Aufsteigern widme, sei vorerst noch ein kurzer Blick auf die restlichen Premier League Teams gestattet. Sechs Mannschaften erwarte ich eher in den unteren Tabellenregionen, was natürlich den Kampf gegen den Abstieg und für den Klassenerhalt beinhaltet. Zu diesen sechs Vereinen zählen West Ham United, der FC Sunderland, Stoke City, Wigan Athletic, die Bolton Wanderers und die Wolverhampton Wanderers.
West Ham United (PL Saison 2009/2010 17. Platz)
Es war keine einfache letzte Saison für die Hammers. Erst wenige Spieltage vor Saisonschluss konnte man den Klassenerhalt sichern, im letzten Sommer mussten zahlreiche Spieler verkauft werden, der Verein stand kurz vor der Pleite, Stürmer Alessandro Diamanti konnte nur verpflichtet werden, weil der Trikotsponsor zusätzliches Geld bereitstellte, es herrschte lange Unklarheit über die neuen Besitzer des Vereins. Und zu allem Überfluss prügelten sich Hooligans von West Ham mit den Feinden vom FC Milwall im Carling Cup und warfen ein schlechtes Licht auf das Umfeld Upton Park. All dies möchte man hinter sich lassen. Vergangenen Januar übernahmen David Gold und David Sullivan 50% der Anteile am Verein, diesen Sommer wurde der Anteil um noch einmal 10% erhöht, Anteile liegen jetzt also bei 60%. So dramatisch immer noch die Lage bei West Ham ist, befindet man sich dank des Geldes der beiden Besitzer zumindest auf dem aufsteigenden Ast. Dieses Jahr verhinderte man einen Aderlass der Mannschaft und konnte bisher – ich betone bisher – Carlton Cole (wird heftig vom FC Liverpool umworben) und Scott Parker (sehr starkes Interesse von den Tottenham Hotspur) an den Verein binden. Und seit langer Zeit konnte man selbst wieder aktiv auf dem Transfermarkt werden und gab rund 10 Millionen Pfund aus. Prominenteste Neuzugänge sind Thomas Hitzlsperger von Lazio Rom, der neuseeländische Nationalspieler Winston Reid, Frederic Piquionne von Olympique Lyon und als Ausleihgeschäft Tal Ben Haim vom krisengeschüttelten FC Portsmouth. Teuerster Neuzugang ist aber Pablo Barrera, mexikanischer Nationalspieler, der für vier Millionen Pfund einen 4-Jahres-Vertrag bekam. Sehr viel schlechter und unangenehmer als letzte Saison kann es für West Ham fast nicht mehr werden. Es sieht gut aus, dass es deutlich besser wird.
FC Sunderland (PL Saison 2009/2010 13. Platz)
Vergleichsweise viel Geld für einen eher unterklassigen Verein aus der Premier League hat auch der FC Sunderland, von daher ist das Potential sich im Bereich der Plätze 12-14 zu platzieren auch für die kommende Saison wieder gegeben. Dem amerikanische Unternehmer Ellis Short aus Dallas gehört seit einem Jahr der Verein, er hat 100% der Anteile erworben, nachdem er bereits vor zwei Jahren sein Engagement bei den Black Cats begonnen und sukzessive erweitert hat. Und so schafft es Sunderland eben mal jenseits der 10 Millionen Pfund neue Spieler zu kaufen, wobei man fairerweise sagen muss, dass der Verkauf von Lorik Cana zu Galatasaray Istanbul fünf Millionen Pfund einbrachte. Und selbst für Marton Fulop, der zu Ipswich Town wechselt, bekam man noch 750.000 Pfund. Bekannteste Neuzugänge von den Namen her ist Titus Bramble von Wigan Athleticu und der Nationalspieler Ghanas, John Mensah, der aus Lyon ins Stadium of Light wechselt. Am meisten Geld (jeweils rund zwei Millionen Pfund) gab man für den argentinischen Verteidiger Marcos Angeleri und den belgischen Torhüter, Simon Mignolet, gerade mal 22 Jahre alt, an dem auch der PSV Eindhoven, Udinese Calcio und Twente Enschede interessiert waren. Und offensiv muss sich Sunderland sowieso keine Sorgen machen. Mit Darran Bent und Kenwyne Jones haben sie eines der gefährlichsten Sturmduos der Liga. Und insbesondere Bent, nicht im englischen Nationalteam für Südafrika, will sich noch einmal allen beweisen.
Stoke City (PL Saison 2009/2010 11. Platz)
Am liebsten würden die Potters alle ihre Spiele im heimischen Britannia Stadium austragen, gehören sie doch mit den euphorisierten Fans im Rücken zu den heimstärksten Teams der Premier League. Auf diese Stärke will man sich auch in der kommenden Spielzeit verlassen. Wo liegt eigentlich das Erfolgsgeheimnis von Stoke City? 2008 spielte man die erste Premier League Saison und gerade im verflixten zweiten Jahr spielte man eine sehr gute Saison. Das ist nicht selbstverständlich. Fragen Sie doch mal bei Hull City nach. Stoke hat eine exzellente Transferpolitik vorzuweisen. Man kauft sich erfahrene Premier League Spieler, teilweise von Absteigern in die Championship oder von Mannschaften in ähnlichen Tabellenregionen wie Stoke, die bei ihren Vereinen nicht mehr Stammspieler sind oder keine große Chance auf weitere Einsätze sehen. Das hat sehr gut mit Robert Huth und Tuncay vom FC Middlesbrough geklappt und ebenso mit Danny Collins und Dean Whitehead vom FC Sunderland. Und da man in diesem Sommer nur einige Nachwuchsspieler an unterklassige Vereine auslieh und sonst das Team komplett zusammenhalten konnte, hat man sich mit Aktivitäten auf dem Transfermarkt zurückgehalten. Warum auch. Einzig das belgische Nachwuchstalent Florent Cuvelier vom FC Portsmouth darf man als Neuzugang begrüßen. Mit dem dänischen Nationaltorhüter Sörensen hat man den Rückhalt zwischen den Pfosten, die Defensive mit Danny Higginbotham, Rober Huth, Ryan Shawcross und Danny Collins hat ausreichend Premier League Erfahrung. Und im Sturm sollen Tuncay, Ricardo Fuller (wenn er seine Nerven im Griff hat), Dave Kitson und James Beatie für Tore sorgen. Und wenn gar nichts mehr hilft, hat man ja immer noch die gefährlichen Einwürfe von Roy Delap. Besonders gegen den FC Arsenal stets mit Erfolg gekrönt.
Wigan Athletic (PL Saison 2009/2010 16. Platz)
Auch Wigan Athletic hat ausreichend Kleingeld, möglich macht das der Besitzer Dave Whelan, lokaler vermögender Unternehmer im englischen Nordwesten, hat selbst früher Fußball gespielt und besitzt nebenbei auch noch das DW Stadium. Er ist also ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Bestandteil für die Latics. Vor allem, solange er mit dem nötigen Kleingeld Transfers zur Stärkung des Kaders ermöglicht. Nicht unbedingt, weil man zahlreiche gute Spieler abgeben musste – prominenteste Abgänge sind lediglich Titus Bramble, Mario Melchiot und Paul Scharner – sondern weil man nach der letzten Saison sehr schnell festgestellt hat, dass der Kader nicht gut genug ist um dauerhaft in der Premier League zu bleiben. Das ist aber zwigend notwendig, auch um Dave Whelan weiter als Unterstützer zu behalten. Und da man letzte Saison zu wenig Tore geschossen hat, hat man sich für vier Jahre den argentinischen Stürmer Mauro Boselli von Estudiantes de la Plata geholt. Boselli hat in seinem ersten Einsatz, ein Testspiel gegen eine schwedische Mannschaft, gleich mal zwei Tore zum 3:2-Sieg beigesteuert. Könnte also ein guter Fang gewesen sein. Der Sturm liest sich dann mit Boselli, Hugo Rodallega, Victor Moses und Jason Scotland gar nicht so schlecht. Wobei noch ein Fragezeichen hinter Scotland steht, wird er doch von mehreren Vereinen umworben, unter anderem Ipswich Town. Wigan hatte die schlechteste Zuschauerbilanz aller Premier League Klubs in der letzten Saison. Vielleicht bringt Boselli ein paar neue Zuschauer ins Stadion.
Bolton Wanderers (PL Saison 2009/2010 14. Platz)
Man kann von Sam Allardyce, dem Kaugummi kauenden, mit Headset ausgestatteten Trainer, ja halten, was man will. Aber Fans der Bolton Wanderers können eigentlich nur eine Meinung über Big Sam haben. Von 1999 bis 2007 war er Trainer bei den Bolton Wanderers, führte das Team zweimal in den UEFA-Cup, zuletzt in seiner Abschiedssaison 2007. Drei Jahre sind seitdem vergangen und Bolton hat sich konstant verschlechtert. Hatte man in acht Jahren nur einen Trainer, waren es nach Allardyce gleich drei in drei Jahren (Sammy Lee, Gary Magson, Owen Coyle). Es folgen die Plätze 16, 13 und in der vergangenen Spielzeit der 14. Platz. Weit entfernt von den Erfolgen von vor ein paar Jahren. Vielleicht kann man sich diese Saison wieder rehabilitieren. Denn man hat sich gut verstärkt, und dabei wenig Geld ausgegeben. Martin Petrov kommt von Manchester City und soll für mehr Kreativität im offensiven Mittelfeld sorgen. Man holte Ivan Klasnic aus Nantes zurück und verpflichtete zudem Robbie Blake von Absteiger Burnley und Marcos Alonso von Real Madrid, der dort aber meist nur im B-Team gespielt hat. Er soll primär auf der linken Außenverteidigerposition eingesetzt werden.
Wolverhampton Wanderers (PL Saison 2009/2010 15. Platz)
Es folgt das schwierige zweite Jahr nach dem Aufstieg für die Wolves. Letzte Saison den Klassenerhalt geschafft – was viele schon gar nicht mehr für möglich hielten – muss nun diese Saison die Leistung bestätigt werden. Und wie macht man das am besten in der Premier League? Genau, indem man einen reichen Besitzer hat, der einem sofort nach Saisonende Geld für Transfers zur Verfügung stellt. Im Falle der Wolverhampton Wanderers ist dies Steve Morgan, Unternehmer und stets auf der Liste der 150 reichsten Briten, Vermögen irgendwo in der Region von 350 Millionen Pfund. Da wirken die Transfersummen der Wolves in diesem Sommer fast schon Peanuts gegen. Rund 17 Millionen Pfund gab man für einen neuen Spieler aus, man stelle sich nur mal vor, wenn Hannover 96, der 1. FC Nürnberg oder der 1. FC Kaiserslautern mit solchen Summen hantieren. Damit haben die Wolves übrigens mehr als Arsenal oder Man Utd für neue Spieler ausgegeben. Der schottische Nationalspieler Steven Fletcher kam für 6,5 Millionen Pfund von Absteiger Burnley als Verstärkung für den Sturm, Hull City spendierte man mal schnell 5,5 Millionen Pfund für Stephen Hunt und den defensiven Mittelfeldspieler Steven Mouyokolo. Jelle Van Damme, den meisten Werder-Fans sicherlich noch ein Begriff, spielte mal eine Saison bei den Hanseaten, kam für 2,5 Millionen Pfund vom RSC Anderlecht. Zudem gab man Adlène Guedioura, der von Charleroi aus der Ligue 1 ausgeliehen war, einen dauerhaften Vertrag. Jetzt muss das ganze Geld nur noch Erfolg bringen. Und das wäre mit dem Klassenerhalt verwirklicht.


Dienstag, 10. August 2010 13:48
Großes Lob für die Vorschauen der PL. Gut geschrieben und informativ.
Dienstag, 10. August 2010 17:15
Auch von mir ein ganz großes Lob. Kam bisher noch nicht dazu jede Folge zu lesen, aber es steht auf meiner To-Do-Liste.
Schon einmal über einen reinen Premier League Blog nachgedacht?
Dienstag, 10. August 2010 21:16
Re: Premier League Blog
Seit dem ersten Tag, seitdem ich dieses Blog habe, denke ich drüber nach. Gibt auch eine konkrete Umsetzung, viele Ideen in der Pipeline. Ein Faktor hält mich davon immer noch ein wenig ab, nämlich die Zeit. Wenn ich einen eigenes Blog zur Premier League mache, sollte es natürlich auch entsprechend mit Inhalt gefüllt werden. Dafür fehlt mir im Moment und in den nächsten Monaten die Zeit. Studium, Arbeit, Abgabe eines größeren Forschungsprojekts Ende November plus diverse andere kleine Projekte samt Organsation einer Fachtagung ab Okober für den April 2011. Das würde ich im Moment zeitlich so nicht unter einen Hut bekommen, dass ich zwei Blogs parallel führen könnte und die auch entsprechen inhaltlich ausgestalten könnte.
Aber der Wunsch und der Traum ein reines Premier League Blog zu führen, habe ich schon länger.
Ich kann aber auch ganz gut mit dieser Lösung bis jetzt leben. Dann schreibe ich hier halt mal 10 Tage ausschließlich über die Premier League und bringe danach wieder mehr Themenvielfalt rein.