Beiträge vom 11. August 2010

Premier League 2010/2011: Saisonvorschau – Die Aufsteiger

Mittwoch, 11. August 2010 17:50

Im vorletzten Teil meiner Vorschauserie auf die neue Premier League Saison geht es um die drei Aufsteiger, die wie jedes Jahr in die Premier League hineinkommen. Diesmal haben es Newcastle United, West Bromwich Albion und der FC Blackpool geschafft. Alte Hasen also, wenn man so will, und ein Neuling, auch wenn die Seasiders vom FC Blackpool schon einmal 1992 in der höchsten englischen Spielklasse dabei waren. Aber seitdem nicht mehr. Und alleine mit dem charmanten Stadium wird Blackpool eine Bereicherung sein. Und wegen des eigenwilligen und besonderen Trainers Ian Holloway, dazu weiter unten mehr.

Newcastle United (Championship 2009/2010 1. Platz)
Was haben Damien Duff, Nicky Butt, Mark Viduka und Obafemi Martins gemeinsam? Richtig, sie alle standen in der Startelf im letzten Premier League Spiel für Newcastle United im Mai 2008. Und insbesondere Duff, der mit einem Eigentor die 0:1-Niederlage gegen Aston Villa einleitete, wird sich ungern an diesen Nachmittag erinnern. Diese vier Spieler sind heute nicht mehr im Kader der Magpies. Schaut man sich das Team von heute aber an und vergleicht es mit der Aufstellung vom Mai 2008 sind allein sechs Spieler von damals auch heute weiterhin im Kader und sind Newcastle auf dem Weg durch die Championship treu geblieben. Man konnte den Kern der Mannschaft also gut zusammenhalten, die Belohnung war der direkte Wiederaufsteig in die Premier League. Der Trainer hat aber gewechselt. Idol und Feuerwehrmann Alan Shearer ist dem ehemaligen Co-Trainer Chris Hughton, die kleine Tottenham-Legende, gewichen. Newcastle marschierte von Start weg dem Aufstieg entgegen, hatte Weihnachten schon acht Punkte Vorsprung und beendete die Saison bei 102 Punkten, neuer Rekord für den Verein. So rosig die sportlichen Leistungen waren, so viel Theater herrschte immer noch abseits des Platzes. Besitzer Mike Ashley, mehrfach ausgezeichnet für seinen Konsum von Apfelschorle in Plastikbechern im heimischen St. James’ Park, versuchte auch letztes Jahr händeringend den Verein zu verkaufen. 2008 in der Premier League und 2009 in der Championship gab es aber keinen Abnehmer, trotz einer Senkung des Verkaufspreises von 100 auf 80 Millionen Pfund. In dieser Zeit hat sich Ashley auch mehrmals mit den Fans in die Haare gekriegt. Unvergessen die Story um den Verkauf der Namensrechte des Stadions. Bis zum Sommer diesen Jahres sollte das höchste Angebot dann eventuell den Zuschlag bekommen. Auf einer großen digitalen Werbefläche, die am St. James’s Park prangerte, lief stets die aktuelle Werbebotschaft des Bieters, der zurzeit den höchsten Betrag geboten hat. Und dafür musste der Namensschriftzug St. James’s Park schon einmal weichen. In den ersten 24 Stunden nach Installation der Werbefläche hatten immerhin schon 12 lokale Kleintaxiunternehmen und ein Kebab-Laden geworben. Der Plan ist dann aber doch nicht aufgegangen. Also weiter der traditionelle Namen. Und Mike Ashley ist weiterhin Besitzer der Magpies. Dass der Klub finanziell weiterhin nicht auf Rosen gebettet ist, zeigen die Transferaktivitäten. 1,5 Millionen Pfund gab man für den defensiven Mittelfeldspieler James Perch von Nottingham Forest aus, Sol Campbell (vom FC Arsenal) und Dan Gosling (vom FC Everton) kamen ablösefrei. Gleichzeitig trennte man sich um Kosten zu sparen von einer Reihe von Spielern, unter ihnen auch Nicky Butt. Weiterhin aber dabei das Enfant Terrible Joey Barton, der wegen einer Verletzung nur 15 Saisonspiele in der 2. Liga machen konnte. Barton und Newcastle, seid willkommen zurück in der Premier League.

West Bromwich Albion (Championship 2009/2010 2. Platz)
Die Baggies beginnen ihre fünfte Saison seit 2002 in der Premier League, man kennt sich also aus mit der Luft in der höchsten englischen Spielklasse. Wenngleich man es nur mit einer Ausnahme länger als eine Saison in der Premier League aushielt. Früher nannte man solche Teams wohl Fahrstuhlmannschaften oder, englisch ausgedrückt, yo-yo Club. Aber der eine längere Verbleib hatte es in sich. West Brom lag in der Saison 2004/2005 vor dem letzten Spieltag auf dem letzten Tabellenplatz, zwei Punkte bis zum rettenden Ufer. Da die Konkurrenz nicht gewann und die Baggies selbst daheim gegen Portsmouth drei Punkte holten, gelang doch noch der nicht mehr für möglich gehaltene Nichtabstieg. Seitdem nur noch besser bekannt als The Great Escape. Seitdem quält man sich meistens durch die Premier League Spielzeiten, so auch wie vor zwei Jahren, als man sich als Tabellenschlusslicht verabschiedete. Zu gut für die Championship, zu schwach für die Premier League, wenn man es böse formulieren möchte. Jetzt startet das Team von Roberto di Matteo, der nach dem Abstieg aus der Premier League geholt wurde, einen erneuten Versuch sich diesem Klischee entgegenzusetzen. Interessant wird vor allem die Torhüterfrage. Scott Carson, ehemaliger Kandidat für das englische Nationaltor, hat nun Boaz Myhill von Hull City an die Seite bekommen. Ein richtiger Cup gelang mit der Verplichtung von Nicky Shorey, der das sinkende Schiff Aston Villa rechtzeitig verlassen hat. Zudem sicherte man sich die Dienste des Rumänen Gabriel Tamas, der vom AJ Auxerre kam, und von Stephen Reid von den Blackburn Rovers, der über 100 Premier League Einsätze hat und für die Championship schon ausgeliehen war an West Brom. Man bemüht sich derweil immer noch intensiv um ein Ausleihgeschäft mit David Ngog vom FC Liverpool. Ob das aber zu finalisieren ist, steht noch nicht fest. Player to watch in der nächsten Saison: Chris Brunt. Nicht nur, weil er nach dem Abstieg seinen Vertrag um drei Jahre verlängert hat, sondern weil er auch ein richtig guter Spieler ist.

FC Blackpool (Championship 2009/2010 6. Platz)
Ich freue mich auf den FC Blackpool in der neuen Premier League Saison, sehe ich das Team doch zum ersten Mal in der höchsten englischen Spielklasse. Aber nicht nur deswegen. Aber der Reihe nach. Blackpool, eine Hafenstadt, ungefähr 150.000 Einwohner, im Distrikt Lancashire im Nordwesten England, ist die Heimat des FC, der Seasiders. Im Mai 2009 wird Ian Holloway Trainer und führt den Klub in seiner ersten Spielzeit in die Premier League. Man beendete die Championship Saison als Tabellensechster, ging also mit den geringsten Erwartungen in die Playoffs, wo man Nottingham Forest ausschaltete. Das Finale um den Aufstieg im Wembley Stadium gewann man dann mit 3:2 gegen Cardiff City, lag zweimal in Rückstand in diesem Spiel. Den entscheidenen Siegtreffer machte Brett Ormerod, der von 1997 bis 2001 in ganz jungen Jahre bei Blackpool, damals teilweise noch in der vierten Liga, spielte und 2009 zu seiner alten Liebe zurückgekehrt ist. Und das ist ein weiteres kleines Puzzleteil, das diesen Klub so besonders macht. Mitte und Ende der 90er Jahre tümmelte man sich, nachdem man zuvor schon einmal Premier League Licht gesehen hat, in der Division Two, der vierten englischen Liga. Jetzt ist man wieder ganz oben. Das Kuriose: Alle Aufstiege bestritt Blackpool durch Playoff-Partien. Es gab nie einen direkten Aufstieg. Nervenstärke. Zweiter Sympathiepunkt im Voraus: das Stadion an der Bloomfield Road. Klein, gemütlich, 17.000 Zuschauer gehen rein – und das auch nur, weil in diesem Sommer etliche Umbaumaßnahmen stattgefunden haben und ein neue weitere Tribüne gebaut wurde. Damit ist man aber noch nicht ganz fertig, weshalb die erste Partie gegen Wigan, eigentlich ein Heimspiel, nun im DW Stadium ausgetragen wird. Das Stadion in Blackpool liegt übrigens nur knapp einen Kilometer von der Strandprommenade und dem Meer entfernt.

Und das dritte Mosaiksteinchen, das Blackpool für die neue Saison Aufmerksamkeit zukommen lassen sollte, ist der Trainer Ian Holloway (sein MySpace Profil, “Ollie” ist sein Spitzname”), 47 Jahre alt, ehemaliger aktiver Fußballer in England mit sehr bewegendem Privatleben. Holloway ist verheiratet mit Kim, die er seit dem 14. Lebensjahr kennt. Nach der Hochzeit stellte man bei Kim Krebs in den Lymphknoten fest, doch Holloway stand die schwierige Situation mit seiner Frau durch. Das Paar hat vier Kinder, drei davon sind leider taub, was genetische Gründe der Eltern hat. Eve und Chloe, die Kinder 2 und 3, kamen als Zwilinge auf die Welt und waren taub. Obwohl die Wahrscheinlichkeit eher gering, wurde auch das vierte Kind der Holloways, Harriet, taub. Neben seiner Trainertätigkeit bei den Queens Park Rangers kümmerte sich Holloway rührend um seine Familie, lernte nebenbei noch Zeichensprache um sich mit seinen Kindern verständigen zu können. Während seiner Tätigkeit bei QPR pendelte Holloway täglich vom Westen Londons nach Bristol, wo die Kinder auf ein Schule für Gehörlose gingen. Vom Typ ist Holloway, was seine Interviewführung angeht, vielleicht am ehesten mit Hans Meyer zu vergleichen, sehr eigenwillig, die Journalisten nicht immer ernst nehmend, sehr viele häufig unklare Vergleiche und Metaphern in seinen Ausführungen. Und wer sich dieses Interview von Holloway aus dem November 2005 durchliest, bekommt vielleicht einen ersten Eindruck. Mehr dann sicherlich auch im Verlaufe der neuen Premier League Saison. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es dieser Tage. Es kamen Gerüchte auf, wonach Holloway als Trainer vom FC Blackpool zurücktrete, weil er eine Trainigseinheit verpasst habe. Die Medien schrieben von einem Rücktritt, einen Tag später stellte sich Holloway in seiner besonderen Art der Presse und erklärte die Situation:

“Ich musste gestern in London sein und wollte nicht um sechs Uhr morgens zurückfahren, weil ich zu müde war. Ich war bei einem Premier League Meeting – und schauen Sie sich jetzt mal an, was mein Fernbleiben jetzt verursacht hat. Es waren ehe nur acht Spieler da, einige haben diese Woche internationale Verpflichtungen, ich hätte ehe nicht besonders hart trainiert. Unfassbar, wie verrückt die Dinge sind. Aber hallo erstmal an Sie, und nebenbei bemerkt, wir haben ein paar neue Spieler verpflichtet. Ich wollte das nur kurz erwähnt haben.”

Blackpool hat mit 25 Spielern einen eher kleinen Kader. Große Transfertätigkeiten konnten auch aufgrund des Stadionumbaus nicht gemacht werden. Für Blackpool geht es um ein wenig Schnuppern in der Premier League, der Klassenerhalt wäre eine große Sensation. Und bei einer Sache hat Holloway auch die neutralen Fans auf seiner Seite. Klassenerhalt auf alle Fälle, aber nebenbei noch schön und direkt spielen und voller Angriff nach vorne. Wie in seinem gesamten Leben bisher. Verlieren und Aufgeben gibt es nicht.

Thema: Premier League | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Premier League 2010/2011: Vorfreude 3 Tage vor Saisonstart

Mittwoch, 11. August 2010 14:37

Und schon Lust und Vorfreude auf die neue Premier League Saison? Wenn nicht, dann vielleicht wieder nach diesem Video, die Bilder der vergangenen Saison, zusammengestellt von Sky Sports.

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Thema: Premier League | Kommentare (0) | Autor: medispolis