Premier League 2010/2011 #1 – Alles nicht überbewerten
Fernab von jeglichem TV-Gerät am Wochenende habe ich keine Minute Premier League live gesehen und bin heute erst im Laufe des Tages dazu gekommen mit diverse Spielberichte durchzulesen und auf Sky die Partien von Chelsea gegen West Brom und Arsenal bei Liverpool zu sehen.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich würde alles, was ich über das Wochenende gesehen und gelesen habe, noch nicht überbewerten. 90 Minuten sind gespielt, mehr nicht. Und wenn sind es altbekannte Probleme, wie zum Beispiel beim FC Arsenal.
Kommen wir damit gleich mal zur Partie der Gunners an der Anfield Road. Im Prinzip war es das gewohnte Bild, welches man vom FC Arsenal bekam (und warum sollte es sich im Vergleich zur vergangenen Saison geändert haben?): schnelles, direktes Kurzpassspiel, aber fehlende Dynamik und Kreativität im Abschluss. Kaum mal ein Versuch es aus der Distanz zu probieren, der Ball wurde in den Strafraum reinzelebriert. Diese Taktik geht gegen 95% der Premier League Vereine auf, aber nur selten gegen defensiv gut stehende Reds. Und dass Arsenal Schwierigkeiten hat den finalen Pass beziehungsweise Abschluss zu suchen – vor allem gegen defensiv eingestellte Teams – ist keine neue Dimension. Jetzt schon wieder alles in Frage zu stellen und Wenger zu weiteren Transfers zu zwingen, halte ich für den falschen Weg, zumal van Persie und Fabregas gefehlt haben und Liverpool nun mal keine Laufkundschaft ist. Die Probleme in der Innenverteidigung und im Tor sind bekannt und müssen von Wenger gelöst werden. Das sage ich seit Anfang August, sollte man um die Meisterschaft mitspielen wollen. Almunia – das hat er auch gestern gesagt – ist kein schlechter Torhüter. Und ihm die Führung des FC Liverpool als Torwartfehler anzukreiden, verstehe ich immer noch nicht. Das war alles, nur kein klarer Torwartfehler. Aber Almunia ist wie Fabianski auch fehleranfällig – und ein Fehler kann, Pepe Reina musste es schmerzhaft erfahren, zwei Punkte kosten. Und sowas darf man sich in Anbetracht der Konkurrenz auf Dauer und schon gar nicht mehrfach leisten. Wenger gab am Samstag zu Protokoll, dass der Torhüter mit dem Einsatz am Sonntag die Nummer 1 sei. Er sollte darüber noch einmal nachdenken. Zweite kleine Baustelle: die Innenverteidigung. Vermaelen gut, Koscielny noch mit ein paar Findungsproblemen und im nächsten Spiel nicht dabei (englische Schiedsrichter bleiben mir ein wenig schleierhaft, was den Umgang mit Handspielen angeht). Djourou fehlt längere Zeit verletzt. Die Option Willam Gallas zu reaktivieren, halte ich für nicht nachhaltig. Braucht es also noch einen Innenverteidiger. Positiv: Nasri im Mittelfeld. Könnte seine Saison werden. Liverpool mit gutem Spiel, da hat man die Handschrift von Roy Hodgson, gerade was auch das Defensivverhalten angeht, sehr beeindruckend sehen können. Sah vielversprechend aus.
Ansonsten viel Bekanntes am 1. Spieltag. Ich hatte Chelsea noch ein wenig kleingehalten in meiner Vorschau. Klar ist aber eben auch, dass die Blues, wenn sie offensiv einmal in Fahrt kommen, Gegner in alle Einzelteile zerlegen können. In den letzten zwei Heimspielen hat Chelsea 15 Tore erzielt, neun am letzten Spieltag der Saison gegen Wigan, jetzt sechs gegen West Brom. Bleibt abzuwarten, wenn Chelsea defensiv mehr gefordert wird, ob dann solche Leistungen noch möglich sind.
Ansonsten: Joe Hart ist ein sehr guter Torwart. Und man muss sich schon fragen, wie sich wohl Fabio Capello gefühlt hat, als er sicherlich die Partie zwischen den Spurs und Man City irgendwo verfolgt hat. City jetzt wegen der eher schlechten ersten Halbzeit gleich abzuschreiben oder die Erwartungen runterzuschrauben, ist genauso verkehrt, wie die Spurs jetzt in den Himmel zu loben trotz der vielen teils brilliant herausgespielten Chancen. Denn dafür kann man sich gar nichts kaufen. Aston Villa hat, solange Milner noch mitspielt, eine fantastische Offensivreihe. West Ham muss defensiv noch nachlegen. Ansonsten aber keine weiteren großen Überraschungen, die mich beim Betrachten der Ergebnisse vom Hocker gehaut haben.
Ach, eine Sache war dann ja doch noch. Blackpool erfüllt sich einen Traumstart in die Premier League mit dem 4:0 bei Wigan. Oder um es mit den Worten von Ian Holloway zu formulieren: “I had quite the opposite dream”. Aber auch dieser Sieg ist nur eine Momentaufnahme. Wie bisher alle 90 Minuten dieser Saison. Zu früh um irgendwelche Konsequenzen für den weiteren Saisonverlauf zu ziehen. Wenn waren es mehr oder weniger die Bestätigungen für bekannte Probleme. Und nächstes Wochenende könnte schon wieder alles anders sein. Und über einen möglichen Saisonverlauf können wir dann Ende Oktober vielleicht mal spekulieren. Wobei ich vorsichtig sein würde, da schon Mannschaften aus dem Titelrennen zu entfernen.


Montag, 16. August 2010 18:54
Deine Worte zu Arsenal kann ich voll und ganz unterschreiben. Beim Zuschauen tut es trotzdem weh, weil man sich vorkommt, wie in einem schlechten Film, bei dem man alle hölzernen Dialoge schon kennt. Zum Glück gab es auch das bekannte Happy End. Es bleiben ja noch 37 Spieltage, es kommen noch schwächere Gegner, es kommen verletzte Spieler zurück und im Tor und in der Innenverteidigung wird hoffentlich noch nachgebessert.
Montag, 16. August 2010 19:28
Spieler des Tages war für mich Ngog. Der spielt so gut, dass Liverpool auf den dummen Gedanken kommen könnte Torres zu verhökern um Frischgeld zu bekommen.
Bei Liverpool hat mir nicht nur die Defensivarbeit gefallen, sondern auch ansatzweise was die vorderen sechs Spieler an Laufwege zeigten. Auch wenn Liverpool über weite Strecken der ersten Halbzeit dominiert wurden, war das eine Top-4-würdige Leistung. Frägt sich wie es um die Tiefe des Kaders bestellt ist.
Bei Arsenal hat Nasri gut, aber ausbaufähig gespielt. Er braucht aber auch dringend noch einen Partner. Van Persie ist noch von der Rolle und Rosicky ein Spieler für den das Spielfeld nur 20 Meter breit ist: der Korridor Richtung Tor.