Das ganz große Geld winkt: Blackburn Rovers vor der Übernahme

Gestern vor zehn Jahren, am 17. August 2000, starb der englische Unternehmer Jack Walker an einer Krebserkrankung. Über ein Jahrzehnt hat er die Blackburn Rover finanziell unterstützt. Demnächst kommt das Geld dann aus Indien.

Wenn jemand 80 bis 100 Millionen Pfund für Transfers in den nächsten fünf Jahren in Aussicht stellt, dann kann man dem nicht einfach so die Tür vor der Nase zuschlagen. 20 Mio Pfund für neue Spieler, für einen Klub aus dem Mittelfeld der Liga wie die Blackburn Rovers, die finanziell auch im Vergleich zu den kleineren Klubs aus Stoke, Wolverhampton und Wigan nicht gerade auf Rosen gebettet sind,  können dies wichtige Einnahmen sein um sich weiter vorne in der Premier League zu platzieren. Und deswegen ist man sehr schnell schwach geworden, als der indische Unternehmer Ahsan Ali Syed ein Übernahmeangebot vorgelegt hat. Die Blackburn Rovers haben heute das Interesse an einer schnellen Übernahme durch Syed bestätigt.

Seit Anfang der Woche verhandeln Repräsentanten und Finanzexperten aus Frankreich im Auftrag von Syed mit Verantwortlichen der Blackburn Rovers über eine Übernahme. Alles soll schnell geehen, damit der Verein noch das Geld für neue Spieler bis zum Ende der Transferperiode Ende August ausgeben kann. Eine Einigung müsste also in den nächsten Tagen geschehen. Insgesamt vier Wochen sollen für die Verhandlungen angesetzt sein, das Geld für Transfers könnte aber schon frühzeitig fließen. Alle wesentlichen Verhandlungspunkte sollen bis zum 27. August festgeschrieben werden.  Syed legt  all in all 300 Millionen Pfund für die Übernahme auf den Tisch und begleicht in einem ersten Schritt auch die Schulden der Rovers, die bei über 20 Millionen Pfund liegen sollen.

Syed ist zu 90 Prozent beteiligt an der Western Gulf Advisory, die ihren Unternehmenssitz in Bahrain hat und sich in seinem Auftrag mit Investments vor allem im Mittleren Osten beschäftigt. Syed hat mehrere Milliarden Euro geerbt und weiß jetzt scheinbar nicht so richtig, was er mit dem ganzen Geld anfangen soll. Das Syed und sein Unternehmen über beträchtliche finanzielle Mittel verfügen, berichtet auch der Guardian, der Einblick in den Geschäftsbericht der Gulf Advisory aus dem Jahr 2009 bekam. Demnach soll das Unternehmen 1,2 Milliarden US-Dollar wert sein und liquide Mittel zum Investieren in Höhe von knapp 800 Millionen US-Dollar haben. Der Wert des Unternehmens soll sich bis Ende des Jahres auf drei Milliarden US-Dollar erhöhen. Die Wirtschafts- und Finanzkrise trifft scheinbar nicht alle. Seit dieser Saison greifen – auch vor dem Hintergrund der Pleite des FC Portsmouth – die neuen, sehr strikten Regeln seitens der Premier League bezüglich der Übernahme eines Vereins durch ausländische Investoren. Demnach müssen Unternehmer, die einen Premier League Klub kaufen, ihre verfügbaren finanziellen Mittel und Reichtümer transparent offen legen, damit verhindern werden kann, dass nicht genug liquide Mittel verfügbar sind und eine mögliche Pleite des Vereins bevorstehen könnte. Ausführlich nachzulesen bei der BBC.

Ich sehe schon wieder den Aufschrei durch die hiesigen Medien, wenn die Übernahme perfekt gemacht wird. Das habe dann doch nicht mehr viel mit Fußball zu tun, wenn sich ausländische Firmen in englische Fußballvereine einkaufen. Da stimme ich sogar zu, nur bringt es nichts immer wieder darüber zu diskutieren und zu mäkeln. Die Premier League erlaubt diesen Vorgang und kontrolliert ihn seit dieser Saison vehement und ausführlich. Und nun muss man sich damit abfinden. Ob das Interesse von Syed an den Blackburn Rovers nicht gespielt ist, weiß nur er selbst. Seine Aussagen lassen Zweifel aufkommen, aber tun sie das nicht bei jedem ausländischen Investor, welcher in die Premier League kommt? Syed sprach im Vorfeld der nun stattfindenden Verhandlungen von einem 15-Jahres-Plan, den er bei den Blackburn Rovers anstrebe. Er wolle Erfolge feiern und nicht nur für zwei Jahre investieren und dann wieder verschwinden. Klingt ganz engagiert. Und er kündigt schon mal Champions League Fußball in Blackburn an. Es ist wie immer. Taten müssen folgen.

Gefragt, warum er sich für eine Übernahme der Blackburn Rovers entschieden hat nennt er seine Leidenschaft für Fußball und die große Anerkennung für die Arbeit von Trainer Sam Allardyce. “Er hat hier mit begrenzten finanziellen Mitteln einen fantastischen Job gemacht. Ich möchte ihm die finanzielle Unterstützung geben, damit er Wunder vollbringen kann. Für mich ist die Investition in die Blackburn Rovers mehr der Leidenschaft geschuldet. [...] Ich komme als Fan um langfristig in den Verein zu investieren”.

Zu einer Übernahmeschlacht bei den Rovers kommt es vorerst noch nicht. Bisher liegt nur das konkrete Angebot von Syed vor. Allerdings kündigte auch ein indischer Unternehmer aus Mumbai, Saurin Shah, dessen Interesse am Verein schon seit mehreren Monaten bekannt ist, eine Übernahmeangebot an. Eine genaue Offerte blieb aber bisher aus, vielleicht sieht er sich jetzt durch das Angebot von Syed unter Druck gesetzt und will nachlegen. Im Juni soll es bereits erste Gespräche zwischen Shah und den Rovers gegeben haben. Bisher nichts passiert. Shah will vor allem seine Kontakte zur Indian Premier League (IPL) im Cricket nutzen um Verbindungen zwischen der Premier League und dem Cricket herzustellen. Der Onkel von Shah ist stellvertretender Vorsitzender der IPL.

Es fehlt nicht mehr viel, bis der nächste Premier League Klub ein Spielzeug reicher ausländischer Investoren wird, die sich so gerne und oft in den Medien als leidenschaftliche Fans präsentieren.

Autor: medispolis
Datum: Mittwoch, 18. August 2010 21:23
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Premier League, Wirtschaft

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben