U79 zur Uni: Verkehrsplanung à la Düsseldorf

Am Sonntag findet bei den Düsseldorfer Verkehrsbetrieben, zum besseren Verständnis einfach nur Rheinbahn genannt, der kleine Fahrplanwechsel statt. Mit zahlreichen Änderungen und durchaus auch Verbesserungen, wie das Unternehmen auf seiner Website ausführlich dokumentiert hat. Die Rheinische Post war so freundlich das noch einmal abzuschreiben und einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen.

Wichtigste Änderung für alle Studenten der Heinrich-Heine-Universität. Es gibt es neue Verbindung zu Uni. Die U79, aus Duisburg oder Wittlaer kommend, fährt von montags bis freitags zwischen 06:30 Uhr und 19:30 Uhr weiter über den Hauptbahnhof, Philipshalle und Wersten bis zur Haltestelle Uni Ost, gemeinsamer Endpunkt dann mit der Straßenbahnlinie 707. Studenten, die von außerhalb Düsseldorfs oder in den Stadteilen im Nordosten der Stadt wohnen, können also vom Hauptbahnhof in knapp 15 Minuten zur Uni kommen und müssen nicht mehr die besonders morgens häufig völlig überfüllte 707 via Friedrichstadt und Bilk benutzen. Damit ist dann die Verlängerung der Linie U79 abgeschlossen, ein Projekt, das eigentlich schon letztes Jahr beendet werden sollte und vor über fünf Jahren zum ersten Mal angedacht wurde. Die Verbindung an sich stellt also eine erhebliche Verbesserung dar. Solange man nicht auf die Details schaut.

1. Es gibt vorerst nur einen 20-Minuten-Takt zwischen Hauptbahnhof und Uni Ost. Es fährt also nur jede zweite Bahn weiter über den Hbf und Westen zur Universität. Das sieht nicht gerade danach aus, als wolle die Stadt und die Rheinbahn diese Strecke wirklich nutzen. Wieso baut man für fast 10 Millionen Euro eine neue Anbindung und lässt dann in jede Richtung drei Straßenbahnen fahren? Das will ich nicht verstehen. Gerade während der Vorlesungszeiten und insbesondere demnächst in den Wintermonaten sind die Bahnen überfüllt. Da ist ein 20-Minuten-Takt zur Uni als schnellste, direkte Anbindung vom Hbf schon fast ein verkehrspolitisches Armutszeugnis. Die Rheinbahn muss man hier aus der Schusslinie ziehen. Die Stadt will vorerst nur die geringe Taktung, schreibt die Westdeutsche Zeitung. Aber das kommt natürlich auch der Rheinbahn entgegen. Weniger Fahrzeuge, weniger Fahrer im Einsatz. Da kann man ein paar Euro sparen.

2. Dass die Bahn zur Uni nicht am Wochenende fährt, kann ich verstehen. Für Studierende, die Samstag oder Sonntag auf den Campus müssen – was eine überschaubare Zahl ist – reicht weiterhin die längere Verbindung mit der 707. Aber die U79 in der Woche nur bis 18:30 Uhr fahren zu lassen, geht ein wenig an der Alltagsrealität von vielen Studierenden vorbei. Denn es gibt viele, die häufig noch bis 20:00 Uhr oder teilweise länger an die Uni, und sei es nur wegen Vorträgen oder Recherche in der Bibliothek. Da wäre es von der Rheinbahn und der Stadt schon ein großes Entgegenkommen gewesen, die U79 bis 20:30 Uhr bis zur Uni pendeln zu lassen. Und es würde ja sogar reichen, wenn die U79 dann auch am Hbf endet. Quasi eine Art Pendeldienst.

3. Für die Verlängerung der U79 werden zwei Straßenbahnlinien gestrichen. Die 711 und die 716. Die 711 verbindete im Berufsverkehr Derendorf und Pempelfort mit der Uni – also eine Linie, die auch ich häufig genutzt habe. Die 716 fuhr von Uni Ost über Oberblik und Flingern nach Grafenberg. Beide Linien fallen nun weg. Aus Pempelfort und Derendorf kann man jetzt ja auch die U79 zum Beispiel ab U Nordstraße zur Uni nutzen. Und Fahrgäste aus Flingern und Grafenberg können jetzt am Oberbilker Markt in die U79 zur Uni umsteigen. Zwei Linien fallen weg. Eine neue kommt hinzu. Sowohl die 711 als auch die 716 waren in den Morgen- und Nachmittagsstunden gut belegt und fuhren teilweise alle 10 Minuten. Und jetzt soll das alles durch die U79 im 20-Minuten-Takt ersetzt werden? Das passt für mich nicht zusammen.

Es wäre ein sehr positives Zeichen gewesen, wenn Stadt und Rheinbahn die neue Linie zur Uni, welche die Fahrzeit vom Hbf um 10 Minuten verkürzt, auch die Bedeutung geschenkt hätten, welche sie verdient, durch einen 10-Minuten-Takt und spätere Fahrten bis 20:30 Uhr. Aber so wirkt das völlig lieblos und unbedarft in das bisherige Verkehrsnetz integriert. So, als wolle man die Strecke gar nicht haben. Ich weiß nicht, was man da prüfen möchte. Man weiß ja ungefähr, wieviele Studenten täglich an die Uni reisen. Und wenn man 10 Minuten schneller vom Hbf an der Uni sein kann, dürfte klar sein, welche Verbindung Studierende dann nehmen. Und für die Anzahl der Menschen reicht ein 20-Minuten-Takt dann nicht.

Mal sehen, wie lange die Stadt prüft und ihre Haltung ändert.

Autor: medispolis
Datum: Mittwoch, 25. August 2010 16:54
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Ein Kommentar

  1. 1

    Dem kann ich nur zustimmen. Zunächst war ich erfreut über die U79, aber der jetzige Zustand ist schlechter als das, was wir vorher hatten. Auch ich habe sowohl 716 als auch 711 regelmäßig genutzt.

    Ich habe bereits der rheinbahn geschrieben, und hoffe, dass viele das ebenfalls tun – hier ist der Link: http://www.rheinbahn.de/kontakt/nachricht/Seiten/mailform.aspx

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