Premier League 2010/2011 Preview #3, Managers under pressure
Freitag, 27. August 2010 19:39
Vor der Länderspielpause steht der dritte Spieltag der Premier League Saison 2010/2011 auf dem Programm. Auf dem Papier nicht die unebedingt die herausragendsten Ansetzungen, trotzdem einige interessante Spiele dabei. Und frei nach dem Motto: Bloß nicht den Saisonstart verpatzen. Denn dann werden in den nächsten zwei Wochen die Gerüchte über mögliche Trainerwechsel nicht kleiner. Wieder ein Samstagmittagspiel, vier Partien am Nachmittag und das Abendspiel im Old Trafford. Vier Begegnungen am Sonntag.
Vor knapp 10 Tagen gab es abends auf BBC Five Live eine sehr interessante Sondersendung mit dem Titel “Managers under pressure”. Zu Gast war unter anderem der ehemalige Trainer vom FC Fulham, Lawrie Sanchez, der sich über den Druck auf die Trainer im Profifußball sehr kritisch äußerte. Das wäre für einen Menschen nicht zu verkraften. Zur Erinnerung: Sanchez war im Dezember 2007 bei Fulham entlassen worden, nach fünf Niederlagen in Folge. Nachdem Sanchez nicht mehr Trainer war, gewannen die Cottagers neun weitere Spiele nicht. Nicht nur deshalb, so Sanchez, sei es unangebracht stets den Trainer als Sündenbock zu suchen und ihn bei Beginn einer Negativserie sofort zu entlassen. Natürlich kann man Sanchez’ Aussagen auch widersprechen und mit positiven Gegenbeispielen unterfüttern, nichts desto trotz haben vor allem die letzten Spielzeiten in der Premier League gezeigt, dass Trainer viel zu schnell entlassen wurden und der positive Effekt dann ausblieb. Sanchez ging auf einen weiteren Aspekt der Trainerrolle ein. Es könne doch nicht sein, dass bereits nach wenigen Spieltagen Trainer, denen man in der Saisonvorbereitung vertraut habe und die auch verpflichtet habe, schon wieder in Frage gestellt werden, sollten zu Beginn der Saison die entsprechenden Ergebnisse noch nicht erzielt werden. Als Sanchez Trainer bei Fulham in der Saison 2007/2008 war, entbrannte bereits nach wenigen Spieltagen eine Diskussion um Martin Jol, damals in Diensten der Tottenham Hotspur. Jol wurde bei den Spurs dann am 11. Spieltag entlassen, nachdem bereits nach dem vierten Spieltag (0:1-Niederlage bei Man Utd, drei Punkte nach vier Spielen) in London eine heiße Diskussion um seinen Trainerposten entbrannt war.
Und wie sind bei einigen Teams nicht mehr weit davon entfernt solche Entwicklungen auch in dieser Saison zu erleben.
Blackburn Rovers – FC Arsenal
Sky Sport 1 live, Samstag 13h40, Kommentar: Toni Tomic
Beim Eröffnungsspiel des dritten Spieltages ist dies nicht der Fall. Sowohl Sam Allardyce als auch Arsene Wenger sitzen auf sicheren Stühlen bei ihren Teams. Und beide Teams hatten ja auch einen sehr ordentlichen Saisonstart mit jeweils vier Punkten. Beide gewannen ihre Spiele vor eigenem Publikum und holten auswärts ein Remis. Der Sieger der Partie am Samstag setzt also seinen guten Saisonstart fort. Der FC Arsenal hat nun endlich die Verpflichtung von Sevilla-Verteidiger Sebastian Squillaci unter Dach und Fach gebracht, der Franzose wird aber noch nicht im Kader stehen. Deshalb wird Laurent Koscielny wieder an der Seite von Vermaelen in der Innenverteidigung agieren. Denilson ist wieder fit, zudem haben Fabregas und Van Persie jetzt laut Wenger endlich ihren Fitnessstand erreicht, dass sie von Beginn an auflaufen können. Arsene Wenger hat mal wieder einen kleinen Rundumschlag absolviert und das harte Auftreten einiger Mannschaften in der Premier League kritisiert, eine Spielweise, unter der besonders Arsenal leide. Das habe nichts mehr mit Fußball zu tun, so Wenger. Besonders Blackburn und Stoke haben ihr Fett abbekommen. Wenger bezeichnete beide als “Rugby-Teams”. Das war für die Medien natürlich ein gefundenes Fressen. Schaut man sich die gesamten Ausführungen von Wenger genauer an, wird Wenger aber in ein besseres Licht gestellt. Wenig Verletzungssorgen bei den Rovers, einzig hinter dem Einsatz von David Dunn steht noch ein kleines Fragzeichen. Dunn hat übrigens gegen kein anderes Team aus der Premier League mehr Tore erzielt als gegen Arsenal, fünf nämlich. Und auch die Bilanz von Sam Allardyce in Heimspielen gegen Wenger ist positiv (fünf Siege, drei Remis, drei Niederlagen).
Tottenham Hotspur – Wigan Athletic
Trainer unter Druck I – Der Saisonstart von Wigan Athletic ist alles andere als optimal verlaufen. Heimniederlage gegen Aufsteiger Blackpool, Klatsche beim FC Chelsea. Noch kein Tor erzielt, schon zehn Treffer kassiert. Und nun geht es zu den Spurs, voller Euphorie wegen des Einzugs in die Champions League. Wie sicher sitzt Martinez in seinem Trainerstuhl? Noch gibt es keine konkreten Forderungen nach Rücktritt. Unter der Woche führte Martinez aber Krisengespräche mit Chairman Dave Whelan. Dabei stellten sich unterschiedliche Ansichten über mögliche weitere Transfertätigkeiten da. Martinez möchte den Sturm verstärken, Whelan eher die Defensive. Schaut man sich die bisherigen Leistungen an, wäre beides wohl der vernünftige Weg. Aber Martinez hat weiter die Unterstützung von Whelan. Umso optimistischer zeigt sich Martinez vor der Auswärtspartie: “Es geht nicht unbedingt um Ergebnisse, wir müssen unsere beste Leistung abrufen. Ich bin mir sicher, dass dieser Kader dazu fähig ist und das wird es uns erlauben den nächsten Schritt zu gehen und besser als letzte Saison zu spielen.” Lezte Saison schlugen die Spurs Wigan 9:1 vor eigenem Publikum. Fünf Tore damals von Jermain Defoe, sein Einsatz morgen aber fraglich, plagt sich immer noch mit Schmerzen an der Leiste und will eine Operation noch vermeiden. Weiter nicht dabei auch Luka Modric.
FC Chelsea – Stoke City
Sky Sport 1 live, Sasmtag 15h55, Kommentar: Markus Gaupp
Werden die Potters das nächste Opfer vom FC Chelsea? Nach zwei 6:0 könnte jetzt die nächste Gala kommen. Stoke mit ganz schlechtem Saisonstart, Niederlagen gegen die Wolves und Spurs. Immerhin gab es einen knappen Sieg im Carling Cup gegen Shrewsbury. Nicht mit dabei war Torhüter Asmir Begovic, der einfach keinen Bock hatte aufzulaufen. Er wird mit einem Wechsel zum FC Chelsea in Verbindung gebracht. Das Team von Tony Pulis ist noch weit von seiner Bestform der vergangenen Spielzeit entfernt. Und damit eigentlich leichte Beute für den FC Chelsea. Bei den Blues steht erstmals der brasilianische Mittelfeldspieler Ramires im Kader.
FC Blackpool – FC Fulham
Das dürfte dann der erste Maßstab dafür sein, wie gut der FC Blackpool wirklich ist. Gegen Arsenal bekam man doch deutlich die Grenzen aufgezeigt. Der Auswärtssieg gegen Wigan muss jetzt im ersten Heimspiel an der Bloomfield Road bestätigt werden. Es ist das erste Heimspiel der Seasiders in der höchsten englischen Liga seit über 39 Jahren. Unter der Woche schieden die Gastgeber im Carling Cup mit 3:4 nach Verlängerung beim Zweitligisten MK Dons aus. Trainer Ian Holloway war nicht vor Ort, sondern auf Spielersuche. Und Priorität hat sowieso die Premier League. Fulham kommt mit der Empfehlung des 2:2 gegen Manchester United und will den positiven Trend verfestigen. Bei den Cottagers weiter kein Mark Schwarzer im Tor. Unklar, ob Neuzugang Rafik Halliche – er wechselte von Benfica Lissabon an die Themse – im Kader stehen wird.
Wolverhampton Wanderers – Newcastle United
Was für eine Auferstehung der Magpies! Nach dem 0:3 bei Manchester United putzte man eben mal Aston Villa 6:0 vor heimischem Publikum weg. Gefeierter Held des Wochenendes war Andy Carroll mit seinen drei Treffern. Welches Newcastle sehen wir an diesem Wochenende? Dass offensiv nicht unbedingt der Schuh drückt, hat man schon bei der Auswärtspartie im Old Trafford gesehen. Schwierigkeiten gibt es eher in der Defensive. Da hatte man Glück, dass Villa letzten Sonntag diese mal so gar nicht gefordert hat. Das dürfte Wolverhamton besser machen. Vier Punkte aus zwei Spielen, damit liegt man gut im Soll.
Manchester United – West Ham United
Sky Sport 1/HD 2 live, Samstag 18h25, Kommentar: Andreas Renner
Trainer unter Druck II – Avram Grant hat sich seine ersten Tage bei West Ham auch anders vorgestellt. Immer wieder Gerüchte um Abgänge von Scott Parker und Carlton Cole und dann ein doppelter Offenbarungseid in den ersten beiden Saisonspielen mit offensiver Harmlosigkeit und nicht für möglich gehaltenen defensiven Patzern. Und dann gab es unter der Woche mit Ach und Krach ein 1:0 im Carling Cup gegen den Viertligisten Oxford United durch einen Treffer von Parker in der Nachspielzeit. Die nächsten beiden Gegner heißen Man Utd und dann der FC Chelsea. Da gehen Avram Grant schon langsam die Argumente aus. Ihn überkommt der Zweckoptimismus: “Wir haben eine lange, lange Saison und wir denken nicht nur über die ersten Spiele nach. Wir machen uns Gedanken über die gesamte Saison. Wenn wir so weitermachen wie jetzt, denke ich wird am Ende alles okay sein.” Diese Aussage kann man einfach nicht verstehen. Mehr zur Lage bei den Hammers ist beim Rapidhammer zu lesen.
Manchester United hat mit dem 2:2 in Fulham einen kleinen Dämpfer bekommen, aber die Auswärtsspiele im Cravan Cottage waren ja noch nie beliebt bei den Red Devils. Man Utd hat die letzten fünf Spiele gegen West Ham gewonnen, dabei 14 Tore erzielt und nur einen Gegentreffer schlucken müssen. Wäre nicht überraschend, wenn es so weitergeht. Wayne Rooney kehrt zurück in den Sturm an die Seite von Berbatov.
Bolton Wanderers – Birmingham City
Guter Start in die Saison auch für diese beiden Teams. Vier Punkte nach zwei Spielen lassen sich insbesondere für Bolton sehen. Und jetzt noch ein Sieg gegen Birmingham – und Owen Coyle kann schon einmal den Schampus öffnen. Bei Bolton der Einsatz von Klasnic noch fraglich, Sean Davies ist noch nicht wieder fit. Bei City James McFadden fraglich. Eine kleine Auferstehung gab es letztes Wochenende für Johan Elmander, dessen Namen fast schon wieder vergessen hatte. Zwei Tore gegen West Ham, vielleicht gelingt dem Schweden ja doch noch der Durchbruch in der Premier League.
FC Liverpool – West Bromwich Albion
Sky Sport 1 live, Sonntag 15h55, Kommentar: Sven Schröter
Liverpool ist in der Liga schon ein wenig unter Zugzwang. Die Niederlage bei Man City hat doch schon sehr deutlich gemacht, wo die Reds noch Baustellen haben. Stichwort defensives Mittelfeld: Da sind die Probleme durch den Abgang von Mascherano zum FC Barcelona nicht kleiner geworden. Lucas kann diese Rolle alleine nicht bekleiden und Gerrard auf diese Position zurückzuziehen raubt ihm seinen Offensivdrang nach vorne. Stichwort Sturm: Fernando Torres ist längst noch nicht in Bestform. Mit Joe Cole noch für zwei weitere Spiele gesperrt und David Ngog als Sturmpartner sind die Perspektiven für die Doppelbelastung in dieser Saison nicht gerade vielversprechend. Roy Hodgson ist sich dieses Problems bewusst: “Wenn wir den richtigen Spieler finden, wäre es natürlich hervorragend, wenn wir einen weiteren Stürmer verpflichten könnten.” Ganz oben auf der Wunschliste steht der schwedische Stürmer Ola Toivonen, zurzeit in den Diensten vom PSV Eindhoven. Dessen Trainer Fred Ruten hat aber schon mal durchblicken lassen, dass Toivonen nicht zum Verkauf stehe. Weitere Namen, die im Umfeld des FC Liverpool immer wieder genannt werden, sind Mario Gomez, David Trezeguet, Peter Crouch von den Spurs oder auch Carlton Cole von West Ham United. Da könnte eventuell ein Ausscheiden des FC Sevilla von Vorteil für die Reds sein. Sid Lowe sprache im Guardian Football Weekly Podcast davon, dass die Andalusier im Zuge der verpassten Champions League Qualifikation Spieler verkaufen müssen. Dies soll auch Luis Fabiano sein, an dessen Verpflichtung die Spurs sehr großes Interese haben. Die Ablösesumme in Höhe von 25 Millionen Pfund ist Tottenham aber noch ein Dorn im Auge. Sollte der Deal klappen, könnte aber Crouch vielleicht zu seinem alten Verein zurückkehren. Aber alles noch Zukunftsmusik. Gegenwart erstmal das Spiel am Sonntag gegen West Brom, die bereits einen Saisonsieg eingetütet haben. Torres und Gerrard dürften nach der Europa League-Ruhepause wieder dabei sein. Die Baggies haben heute Marc-Antoine Fortune von Celtic Glasgow verpflichtet. Der Franzose ist aber noch nicht im Kader am Sonntag.
FC Sunderland – Manchester City
Der FC Sunderland hat sich den Start in die neue Premier League Saison auch anders vorgestellt. Unentschieden nach 2:0-Führung gegen Birmingham und dann gegen Abstiegskandidat West Brom verloren. Und jetzt kommt Manchester City ins Stadium of Light, beflügelt von einem ganz starken Auftritt gegen den FC Liverpool. Ich hatte mir Donnerstagabend den Auftritt von City in der Europa League gegen Timisoara angeschaut. Das war insgesamt okay, aber zwei Klassen unter der Leistung gegen die Reds. Die Eingespieltheit des Teams ist doch noch von der Zusammensetzung abhängig. Adebayor spielte Donnerstag im Sturm und wirkte doch trotz einiger guter Aktionen ein wenig wie ein Fremdkörper auf dem Feld. Und wahrscheinlich auch daneben. Der Togolese hat bei Trainer Mancini mal durchblicken lassen, dass er den Verein verlassen will, sollte er nicht regelmäßig spielen. Und regelmäßig heißt nicht nur Europa League. City kehrt dann Sonntag wieder zur Liga-Aufstellung zurück, Mario Balotelli wird dann auch mit von der Partie sein.
Aston Villa – FC Everton
Sky Sport HD 2 live, Sonntag 16h55, Live-Einstieg ab 17h55 auf Sky Sport 1, Kommentar: Oliver Faßnacht
Trainer unter Druck III – Eine Woche im Fußball können eine lange Zeit sein. Nach dem Abgang von Martin O’Neill hatte Interimstrainer Kevin MacDonald vom Besitzer der Villens, Randy Lerner, die Zeit für zwei, drei Spiele bekommen um zu zeigen, dass er der richtige Mann für den Trainerjob ist. Dann kam das dramatische 0:6 bei Newcastle United. Daraufhin sagte Lerner, an seiner positiven Grundhaltung gegenüber MacDonald habe dieses Ergebnis nichts geändert. Er betrachte dies als immer mal wieder vorkommenden Ausrutscher. MacDonald habe weiter das Vertrauen. Dann kam gestern Abend das überraschende Aus in der Europa League gegen Rapid Wien. MacDonald machte seine Spieler für die Niederlage verantwortlich, kam aber auch selbst unter Beschuss für seine Auswechselung von Torschütze Agebonlahor zur Halbzeit. Dies sei aber eine reise Vorsichtsmaßnahme und nicht taktischer Natur gewesen. Der Stürmer habe angeschlagen gewirkt. Das Heimspiel zum Abschluss des Spieltages gegen den FC Everton ist also von zentraler Bedeutung, wie es weitergehen könnte mit MacDonald bei Aston Villa. Die Toffees sind mit nur einem Punkt mäßig in die neue Saison gekommen. Bei den Gastgebern gibt es keine Verletzungssorgen, Agbonlahor und Carew haben sich fit gemeldet. Everton hat Personalprobleme in der Defensive. Phil Neville und Joseph Yobo sind fraglich, Yakubu wird wegen Krankheit fehlen.
Thema: Premier League | Kommentare (0) | Autor: medispolis

