Warum der frühe Saisonstart der DEL ein Verlustgeschäft für die Klubs ist

In Eishockey-Hannover brennt schon wieder ein wenig der Baum. Heute wurde durch Recherchen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung bekannt, dass die Spieler der Hannover Scorpions letzte Woche das Training wegen ausbleibender Gehalts- und Prämienzahlungen boykottiert haben. Vor gut einer Woche machte Geschäftsführer Marco Stichnoth darauf aufmerksam, dass der Verein durch die finanziellen Zusagen von Besitzer Papenburg zwar über den Berg sei, aber ansonsten für einen längeren Fortbestand nicht garantiert werden könne. Stichnoth nannte auch eines der größten Probleme für den DEL-Verein: die geringen Zuschauerzahlen zu Saisonstart, die deutlich unter dem Schnitt der letzten Saison lagen. Den Scorpions fehlen Einnahmen aus den Ticketverkäufen an Spieltagen. Marco Stichnoth brachte diesen Sachverhalt dann so auf den Punkt, dass Hannover “eben kein Scorpions-Land” sei. Das mag sein, ähnliche Probleme gibt es aber auch bei anderen Vereinen. Insbesondere die DEG Metro Stars aus Düsseldorf beklagen einen deutlich geringeren Zuschauerzuspruch als letzte Saison. Also mal wieder ein Problem der DEL mit dem frühen Saisonstart, den Negativschlagzeilen der letzten Monate? Wer geht auch schon zu einem Eishockeyspiel im September, wenn draußen 25 Grad sind und andere Aktivitäten locken?

Blicken wir mal detailliert auf die Zuschauerzahlen der bisherigen Saison und vergleichen sie mit dem Schnitt der gesamten Hauptrunde der vergangenen Spielzeit. Die meisten Vereine haben jetzt drei oder vier Heimspiele absolviert.

1. Eisbären Berlin (2010/2011:13.800, 2009/2010:14.060, -260)
2. Kölner Haie (2010/2011:9.970, 2009:2010: 10.076, -106)
3. Hamburg Freezers (2010/2011: 9.675, 2009:2010: 6.993, +2.682)
4. Adler Mannheim (2010/2011: 8.198, 2009/2010: 11.094, -2.896 )
5. Krefeld Pinguine (2010/2011: 4.255, 2009/2010: 3.439, +816)
6. Thomas Sabo Ice Tigers (2010/2011: 4.167, 2009/2010: 4.063, +104)
7. DEG Metro Stars (2010/2011: 4.155, 2009/2010: 5.707, -1.552)
8. Straubing Tigers (2010/2011: 4.073, 2009/2010: 4.322, -249)
9. Hannover Scorpions (2010/2011: 3.844, 2009/2010: 4.767, -923)
10. Iserlohn Roosters (2010/2011: 3.523, 2009/2010: 3.582, -59)
11. ERC Ingolstadt (2010/2011: 3.483, 2009/2010: 3.740, -257)
12. EHC München (2010/2011: 3.060)
13. Grizzly Adams Wolfsburg (2010/2011: 2.368, 2009/2010: 2.468, -100)

In der Liste fehlen die Augsburger Panther, die bisher noch keine Heimspiele in dieser Saison bestritten haben. Der EHC München spielte in der Saison 2009/2010 noch in der 2. Bundesliga, da konnte ich aber keine offiziellen Zuschauerzahlen finden.

Vergleicht man die bisherigen Zuschauerzahlen 2010/2011 mit dem Durchschnitt der Hauptrunde 2009/2010 liegen nur drei Teams über dem Schnitt, sehr deutlich die Hamburg Freezers, die in ihrer Halle immerhin gut 60% Auslastung vorweisen können. Ein Plus gibt es auch bei den Nürnberg Ice Tigers und ein vorzeigbares bei den Krefeld Pinguinen. Nun muss aber auch hier bedenken, dass der Krefelder Königspalast gut 8.000 Zuschauer fasst, die Auslastung also gerade mal bei knapp über 50% liegt. Für den finanziell auch nicht auf Rosen gebetteten Klub viel zu wenig um wirtschaftlich überleben zu können. Mit Ausnahme dieser drei Mannschaften weisen alle Klubs geringere Zuschauerzahlen auf. Beim Branchenprimus Eisbären Berlin fällt das nicht unbedingt weite groß auf, da die Halle fast immer ausverkauft ist. Kaum Verluste gibt es auch bei den Kölner Haien, wenngleich ich daran erinnern darf, dass diese Größenordnung aus der vergangenen Saison mit dafür verantwortlich war, dass den Kölnern langsam das Geld ausging. Eben, weil in die Lanxess-Arena sehr viel mehr Zuschauer gehen. Dramatisch ist der Rückgang bei den Adler Mannheim, trotz neuem Trainer und eigentlich immer einer Favoritenstellung vor Saisonbeginn. Und da wirkt sicherlich nicht das schlechte Abschneiden aus der letzten Saison nach. Auch die DEG Metro Stars kämpfen um Zuschauer, können sich im Vergleich zu den Hannover Scorpions aber der finanziellen Untestützung der Stadt für den wenig ausgelasteten ISS Dome sicher sein. Und noch ein Wort zu den Scorpions: Schlechte Publicity über den ganzen Sommer hinweg, Meistereffekt völlig verpufft. Weniger Zuschauer, aber deutlich mehr Dauerkarteninhaber. Klingt logisch, betrachtet man aber die anderen Zuschauerzahlen, fällt sehr schnell auf, dass es von der groben Richtung ein generelles Problem der DEL ist. Die Scorpions bräuchten für finanzielle Genesung knapp 5.000 Zuschauer pro Spiel, was ungefähr mit 100.000 Euro Einnahmen gekoppelt ist. Da ist man weit davon entfernt. Und je mehr bedeutungslose Spiele im Hochsommer, umso schwieriger wird das Ziel zu erreichen sein. Man kann nicht gerade behaupten, dass die DEL in schwierigem Umfeld perfekte Rahmenbedingungen für eine schnelle und zügige Verbesserung setzt.

Das sind zwar nur nackte Zahlen in der Auflistung, die aber eine Tendenz vorgeben und einmal mehr zum Handeln zwingen müssen, nämlich die DEL-Saison nicht schon Anfang September starten zu lassen, sondern später. Weniger bedeutungslose Spiele und dafür mehr entscheidende und wichtige Playoff-Spiele. Ich habe die Zuschauerzahlen der Playoffs 2009/2010 hier nicht aufgeführt, aber angeschaut. Und sie liegen bei allen Teams höher als der Durchschnitt der Hauptrunde. Es gibt also ein Interesse an Eishockey in Deutschland, aber vor allem dann, wenn es um etwas geht und nicht in einem bedeutunglosen Saisonspiel irgendwann dienstagabends im September. Darauf muss die DEL endlich reagieren, sonst brechen noch mehr Klubs weg. Denn Ticketeinnahmen sind nun einmal die wichtigste Einnahmequelle.

Beispiele gefällig, dass der Zuschauerschwund ein genrelles Problem sein könnte. Da spielt der EHC München sein erstes Saisonspiel in der Millionenmetropole München und es kommen knapp 2.700 Leute bei einer Kapazität von über 6.200 Plätzen. In Ingolstadt, einer der Favoriten auf den Titel in dieser Saison, empfängt den Branchenprimus, die Eisbären Berlin, und es schauen gerade mal etwas mehr als 3.000 Zuschauer zu. Das Derby Krefeld gegen Düsseldorf ist nicht ausverkauft und negativer Rekord bei Wolfsburg gegen Köln bei gerade mal 1.880 Zuschauer. Man könnte die Liste fortsetzen. Zum Nordderby zwischen Hannover und Hamburg kamen am Sonntag etwas mehr als 3.000 Zuschauer, letzte Saison im Winter, als die Schlagzahl der Spiele zunahm, über 8.000.

Und so bleiben für viele Vereine zu Beginn der Saison die Schweißperlen auf der Stirn. Draußen schwitzt das Volk derweil im Freibad.

Alle Zahlen sind dem Statistikportal der DEL entnommen.

3 Gedanken zu “Warum der frühe Saisonstart der DEL ein Verlustgeschäft für die Klubs ist

  1. Was die Zahl bei den Krefeld Pinguinen verfälscht, ist der Saisonauftakt gegen Augsburg mit Sonderaktionen, sodass locker 500-800 Zuschauer mehr als üblich gegen diesen Gegner kamen. Dazu kommt noch das Derby gegen die DEG mit 6000 Zuschauern. Gegen Ingolstadt waren es dann nr noch 2700 und gegen Nürnberg am Freitag werden auch nicht viel mehr als 3000 kommen.

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  2. Ein etwas unpassender Vergleich. Dass die Zuschauerzahlen nicht über die gesamte Saison konstant sind, ist eine Binsenweisheit, aber man kann nicht alle Spiele in die fußballfreie und wettermäßig passende Winterzeit legen oder die Playoffrunde (für alle Teams) beliebig ausweiten. Letztenendes haben die Teams gemeinsam entschieden, wie viele Heimspiele sie benötigen und über wie viele Monate sich dann eine Saison hinziehen muss. Dabei werden sie die unterschiedlichen Besucherzahlen berücksichtigt haben. Für einen seriösen Vergleich hätte man also die ersten Spiele der vergangenen Jahre heranziehen müssen, um zu sehen, ob die Negativschlagzeilen des Sommers sich hier bemerkbar machen.

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  3. Naja, die Pinguine werden nicht das einzige Team sein, dass mit Sonderaktionen Zuschauer anlocken will. Und Derbys hatte mittlerweile auch jede Mannschaft.

    Wüsste nicht, wieso die Statistik da verfälscht sein sollte.

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