Premier League 2010/2011, Power-Ranking #2
Dank Urlaub und wegen des schönen Herbstwetters mit ein wenig Verspätung das Power-Ranking #2 zur Premier League Saison 2010/2011. In die Bewertung sind die Ergebnisse und Leistungen der letzten vier Spieltage eingeflossen. In Klammern sind die Veränderungen zum Power-Ranking #1 von Ende August. Was erkennbar ist: Viele Teams haben ihren Rhythmus und ihre Konstanz noch nicht gefunden. Die Mannschaften, die schlecht in die Saison gestartet sind, hatten überwiegend erfolgreiche Spiele im September, während die Top-Teams aus dem August, allen voran Arsenal, ein wenig Federn lassen mussten. Und dann gibt es noch ein großes Sorgenkind an der Merseyside. All das im zweiten Power-Ranking. Die dritte Ausgabe erscheint Anfang November.
1. Stoke City (+18)
Ende August nach dem 0:2 beim FC Chelsea noch im tiefen Tabellenkeller, haben die Potters im September die Kurve bekommen und sind mein Team des Monats. 10 Punkte holte die Mannschaft von Tony Pulis aus den letzten vier Premier League Spielen, darunter zwei Heimsiege und ein Remis im Britannia Stadium, die Festung der Vorsaison, die im August noch braver Punktelieferant war. Zudem erreichte man im Carling Cup die nächste Runde. Größter Pluspunkt von Stoke: Die Stürmer oder besser gesagt der Stürmer trifft endlich wieder. Kenwyne Jones, von Sunderland zu Stoke gewechselt, erzielte vier der letzten sieben Pflichtspieltreffer.
2. Manchester City (+5)
Auch wenn man wegen der Aktion von Nigel De Jong City gerne weiter unten sehen würde im Power-Ranking, muss man der Mannschaft aus Eastlands zugestehen, dass sie einen erfolgreichen September hinter sich hat. Nicht immer schön und attraktiv gespielt, dafür aber fleißig Punkte gesammelt. Die letzten drei Ligaspiele wurden gewonnen, höchstens mit zwei Toren Unterschied, gegen Chelsea und Newcastle nur mit einem Tor Vorsprung. Pluspunkt für City: Solche Spiele endeten im August noch remis oder gingen gar verloren. Nun steht man auf Tabellenplatz 2, vier Punkte hinter Chelsea. Das weckt weitere Begehrlichkeiten. Adam Johnson hatte von Trainer Mancini schon mal Hausarrest bekommen und wurde wegen schlechter Trainingsleistungen und angeblich zu überschwänglichem Verhalten auf die Bank gesetzt, auf der immer auch noch Adebayor schmort. Fragt sich, wie lange noch und wie lange er noch ruhig bleibt.
3. FC Chelsea (-2)
Einen kleinen Ausrutscher leisteten sich die Blues. Gerade im ersten Saisonspiel mit etwas größerer Bedeutung zeigte man die schlechteste Saisonleistung und verlor bei Manchester City, Tage zuvor bereits im Carling Cup an der Bridge gegen Newcastle. Dass dies wohl nur eine vorübergehende Schwächephase darstellte, zeigte man mit dem wichtigen 2:0-Sieg über den FC Arsenal. Also alles weiter gut bei den Blues und nur wenig Grund zur Sorge für Carlo Ancelotti. Einziger Wermutstropfen: Yossi Benayoun wird mehrere Monate wegen einer Achillessehnenverletzung pausieren müssen. Bisheriger großer Pluspunkt für die Blues: Michael Essien nach seiner langen Verletzung wieder in bestechender Form. He is like a new signing.
4. West Bromwich Albion (+13)
Spätestens mit dem klasse Auswärtssieg beim FC Arsenal haben mich die Baggies überzeugt. Acht Punkte aus den letzten vier Spielen stehen für das Team von Trainer Roberto Di Matteo auf der Habenseite, keine Niederlage in Pflichtspielen. Also nicht völlig ohne guten Grund wurde der Trainer von West Brom von der Premier League zum Manager of the Month gewählt. Die Auszeichnung “Spieler des Monats” ging ebenfalls an West Brom, an Stürmer Peter Odemwingie, der selbst sagt, dass er bei West Brom gerade seinen Traum lebe. Der Nigerianer mit russischer Mutter spielte von 2007 bis 2010 bei Lokomotive Moskau und wurde zum Ende seiner Zeit in der russischen Hauptstadt von den eigenen Fans übelst beleidigt und beschimpft. Da hat jemand gerade ein sehr viel besseres Leben.
5. Tottenham Hotspur (+5)
Die Spurs müssen es noch lernen auf drei Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen. Im Carling Cup gab es eine Klatsche gegen Wengers Kindergartentruppe und auch in der Liga tat man sich häufig schwer. Nur Remis bei West Brom, Niederlage in West Ham, dafür gewann man aber alle Heimspiele, insbesondere die wichtige Partie gegen Aston Villa mit 2:1 nach 0:1-Pausenrückstand. In der Tabelle momentan auf Platz fünf. Das dürfte den Leistungsstand derzeit auch gut wiederspiegeln.
6. FC Fulham (+9)
Nicht Fisch, nicht Fleisch für Fulham im September. Man startete zwar mit einem Sieg gegen die Wolves in den Monat und hat auch danach in der Premier League kein Spiel verloren, es gab aber lediglich drei Remis gegen Blackburn, West Ham und Everton. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, könnte man meinen, aber für den Anspruch von Fulham und auch Trainer Mark Hughes dürften solche Spiele gerne auch mal gewonnen werden.
7. Manchester United (-5)
Gleiches wie für Fulham geht noch viel mehr für Manchester United. Achtungserflog gegen Liverpool mit dem 3:2-Sieg im Old Trafford. Aber ansonsten ebenfalls drei Remis gegen Sunderland, Bolton und Everton. Insbesondere das Unentschieden im Goodison Park mit zwei Gegentreffern in der Nachspielzeit schmerzt wohl heute noch. Bleiben wir dabei: Solche Spiele sollten aus Sicht von Man Utd auch schon mal leicht und locker gewonnen werden. Dank des starken August liegt man nur fünf Punkte hinter Spitzenreiter Chelsea, von der aktuellen Form sind das größere Unterschiede. Wayne Rooney sucht weiterhin seinen Torriecher. Und mit seinen derzeit fehlenden Toren würde man diese knappen Spiele auch wieder für sich gewinnen.
8. FC Blackpool (+3)
Wenn man als Aufsteiger nach sieben Spielen mit zehn Punkten auf Platz 9 der Tabelle steht, hat man nicht ganz so viel verkehrt gemacht. Zwar ist man gegen die Big Three immer noch hoffnungslos unterlegen, wenngleich die zweite Halbzeit beim FC Chelsea schon eine deutliche Steigerung zeigte. Trotzdem verlor man 0:4. Es gibt immer auch wieder Rückschläge wie die unglückliche Heimniederlage gegen Blackburn, aber solange man bei Newcastle United und dem FC Liverpool jeweils drei Punkte holt und sich stets nie versteckt, sondern offensiv spielt, verdient die bisherige Saison der Seasiders weiterhin größte Anerkennung. Oder wie Trainer Ian Holloway mitteilte: “Wir brauchen eine bestimmte Zahl von Punkten um den Klassenerhalt zu schaffen. Und solange wir nicht viel viel mehr haben als derzeit, sehen Sie von mir kein Lächeln.”
9. Wigan Athletic (+9)
Bestenfalls durchschnittlicher, unauffälliger Monat von Wigan Athletic. Fünf Punkte, wichtiger Heimsieg gegen die Wolves Ende September. Spätes glückliches Remis daheim gegen Sunderland, um die dramatischsten Ereignisse mal kurz darzulegen. Aber die Moral, der Einsatz und die Leidenschaft stimmt mittlerweile im Team von Roberto Martinez, etwas, das er im August noch häufig nicht sah.
10. West Ham United (+10)
Es geht langsam aufwärts, ganz langsam aufwärts für die Hammers. Man ist derzeit immer noch Schlusslicht, was aber mehr dem verkorksten August mit null Punkten geschuldet ist. Die Niederlage gegen den FC Chelsea Anfang September setzte die miese Formkurve fort, doch dann erblickte man Licht am Ende des Tunnels. Remis in Stoke, Sieg gegen die Spurs und ein Punkt im Upton Park gegen Fulham. Zudem gewann man im Carling Cup beim FC Sunderland. Fünf Punkte hat man jetzt auf dem Konto, Trainer Avram Grant zeigt sich zuversichtlich, dass sein Team auf dem richtigen Weg ist. Solange man weiterhin einen so treffsicheren Fredric Piquionne besitzt, kann man optimistisch sein.
11. FC Everton (+5)
So richtig vom Fleck kommt auch der FC Everton nicht. Am letzten Spieltag holte man mit dem 2:0 in Birmingham den ersten Saisonsieg, nachdem man bereits gehofft hatte, dass das späte 3:3 gegen Man Utd dem Team neues Selbstvertrauen geben würde. Prompt folgte die Heimniederlage gegen Newcastle und das Aus im Carling Cup gegen Brentford. Mal sehen, wie dauerhaft und nachhaltig der Sieg für Everton ist. Nächster Gegner im Stadtderby ist der FC Liverpool am kommenden Sonntag.
12. Blackburn Rovers (+2)
Immerhin zwei Plätze nach oben im Power-Ranking für die Rover, weiterhin schwach auf unterdurchschnittlichem Niveau. Da folgt eine gute Leistung wie beim 2:1 in Blackpool ein erschreckend schwaches Spiel beim 0:1 in Stoke. Größtes Manko derzeit: Die defensive Schwäche, nicht unbedingt messbar anhand der Anzahl der kassierten Tore, sondern vielmehr, dass man sich defensiv häufig selbst im Weg steht und viel zu einfache Gegentreffer kassiert. Verbesserungswürdig.
13. FC Arsenal (-10)
Die Gunners derzeit schlicht nicht gut genug. Wer weiß, wie sich der Monat September entwickelt hätte, wenn die Wenger-Boys am 18. September nicht den ganz späten Ausgleich bei Sunderland kassiert hätten. Danach ging es steil bergab. Unnötige Heimniederlage gegen West Brom, keine Punkte beim FC Chelsea, weil die Blues cleverer waren und ihre Chancen in Tore ummünzten. Arsenal macht zu viele Fehler, vor allem in der Defensive. Und Teams wie Chelsea und West Brom, die gut in Form sind, nutzen das in der Premier League eiskalt aus. Da kommt es zu ungünstigsten Zeit, dass Rechtsverteidiger Barcary Sagna für drei Wochen nicht zur Verfügung steht. Arsenal spielt Samstag gegen Birmingham. Eigentlich ein Must-Win-Spiel. Aber das hat man auch schon gegen West Brom gedacht.
14. Aston Villa (-9)
Villa-Trainer Houllier hat schon mal angekündigt, dass zukünftig zwei Trainingseinheiten pro Tag stattfinden. Das hat Aston Villa auch nötig. Es läuft nicht so richtig, dank weiter toller Saison von Youngstar Marc Albrighton. Zur Buche steht nur ein Sieg im September, gegen die Wolves. Schlicht zu wenig.
15. FC Sunderland (-3)
Eigentlich auch zu wenig für die Black Cats, was die Punktezahl angeht (vier Zähler im September, insgesamt acht bisher in der Saison). Dabei darf man aber nicht übersehen, dass Sunderland gegen Arsenal, Liverpool und Manchester United spielte und immerhin dreimal einen Punkt mitnehmen konnte. Da sind Ergebnisse wie das 1:1 in Sunderland durch einen späten Gegentreffer umso ärgerlicher. Leistung stimmt meist, Ergebnisse nicht immer. Jetzt müssen gegen die einfacheren Gegner – es folgen Spiele gegen Blackburn und Newcastle – wieder Siege her.
16. Newcastle United (-8)
Die Magpies spielen einfach zu unkonstant. Heimniederlagen gegen Blackpool und Stoke sind für ein Team wie Newcastle, das definitiv gegen den Abstieg spielt, doppelt schmerzlich (drei Euro ins Phrasenschwein für “6-Punkte-Spiele”). Auswärts spielt man dafür umso erfolgreicher. Drei Punkte aus Everton mitgenommen, und beim FC Chelsea im Carling Cup gewonnen. Wenngleich Chris Hughton ein Sieg mehr in der Premier League sicherlich lieber gewesen wäre. An Europa denkt in Newcastle sowieso keiner. Tormaschine Andy Caroll, der dieser Tage einen langfristigen Vertrag bei Newcastle unterschrieben hat, ohne Tor im September.
17. Bolton Wanderers (-13)
Vom guten Saisonstart der Wanderers ist auch nicht mehr viel übrig geblieben. Drei Punkte und eine deftige Niederlage beim FC Arsenal nimmt man aus den letzten vier Spielen mit. Die Premier League ist diese Saison insbesondere im Mittelfeld der Tabelle so stark und ausgeglichen, dass man ganz schnell im Abstiegskampf steckt. Und wenn Bolton so weitermacht, steckt man in selbigem. Vielleicht gibt es auch Anlass zur Hoffnung. Zuletzt zeigte man sich beim 2:2 gegen Man Utd und beim Remis in West Brom stark formverbessert. Und vielleicht kommt Stürmer Kevin Davies ja mit viel Selbstvertrauen aus der Länderspielpause zurück. Der 33-jährige wurde erstmals für das morgige Qualifikationsspiel gegen Montenegro in die englische Nationalmannschaft berufen.
18. Birmingham City (-12)
City-Trainer Alex McLeish bittet die Fans von Birmingham um Geduld. Derzeit habe man einfach nicht das Quäntchen Glück, das man braucht um enge Spiele für sich zu entscheiden. Grundsätzlich stimmt die Leistung, aber die Ergebnisse nicht. Nur zwei Punkte im September – und das nach dem famosen Saisonstart. Nur gegen Wigan und Liverpool holte man einen Punkt. Vielleicht meinte McLeish diese beiden Spiele. Denn bei den Niederlagen gegen Everton und bei West Brom wirkte man doch ziemlich chancenlos. Und wenn man bei den Baggies mit 1:0 führt und dann innerhalb von achtzehn Minuten drei Treffer schluckt, dürfte vielleicht fehlende Klasse mehr der Ausschlag sein als abwesendes Glück.
19. FC Liverpool (-6)
Die Probleme an der Anfield Road sind ja derzeit so lang und umfassend, dass man gar nicht mehr weiß, wo man anfangen soll. Blieben wir an dieser Stelle beim Sportlichen. Über das Finanzielle mit einem möglichen neuen Besitzer einem eventuell drohenden Punktabzug, sollte Liverpool am Freitag unter Druck der Royal Bank of Scotland Insolvenz anmelden müssen, weil bis dahin die Verbindlichkeiten nicht zurückgezahlt sind, neuen Übernahmeangeboten aus Asien und den Streitigkeiten mit den Noch-Besitzern Hicks und Gillett wird die Tage sicherlich auch hier noch das ein oder andere Wort verloren. Sportlich sieht die Lage vor dem Derby gegen Everton am Sonntag aber auch nicht rosig aus. Kein Sieg in der Premier League im September, überhaupt nur ein Sieg aus den letzten sieben Pflichtspielen. Torres trifft nicht, die Mannschaft ist verunsichert, aus dem Mittelfeld kommen zu wenig Impulse, Gerrard ist weitestgehend auf sich alleine gestellt (und ist mit Abstand noch der beständigste Akteur der Reds in den letzten Wochen gewesen) und man kassiert insgesamt zu viele Gegentore, 11 sind es nach sieben Saisonspielen. Letzte Saison waren es mit 10 ähnlich viele, aber dafür standen auch schon 22 eigene Treffer zu Buche. Jetzt sind es momentan 7. Wer soll den auch außer Torres und Gerrard treffen? Dass Roy Hodgson kein Offensivfanatiker ist, dürfte bekannt sein. Deshalb werden ihn die vielen Gegentreffer ärgern. Aber auch der ehemalige Trainer Benitez setzte seinen Fokus auf die Verteidigung. Nur hatte er auch die Spieler dafür bzw. das defensive Mittelfeld, das Räume eng machte und den Offensivakteuren die Chance und Sicherheit gab, sich nach vorne einzuschalten. Sobald sie das jetzt machen, gehen auf den Rängen alle Alarmglocken an und die Gegner bekommen sehr viel Raum zum Kontern und Kombinieren. Und so findet auch Blackpool zum Erfolg an der Anfield Road. Entscheidende und wichtige Tage und Wochen in Liverpool. Es bleibt spannend.
20. Wolverhampton Wanderers (-11)
Das kann man ganz schnell abhandeln. Keine Punkte im September, die Wolves verloren die letzten vier Ligaspiele. Rechtsverteidiger Ronald Zubar fällt einem Monat wegen Operation am Knöchel aus. Und zu allem Überfluss tut man alles andere für eine ordentliche Außendarstellung. Anfang des Monats musste sich Trainer Mick McCarthy gegen Vorwürfe wehren, sein Team würde überhart und zu “dreckig” spielen. Und Karl Henry hat mit seinem ganz bösen Foul an Gomez (ich verzichte auf eine YouTube-Einbindung, wer es sehen möchte, klicke auf den Link) dem Team und dem Verein einen Bärendienst erwiesen. Im Moment geht gar nichts bei den Wolves zusammen. Man macht sich das Leben selbst schwer.

