Premier League 2010/2011 #10, Newcastle United – FC Sunderland 5:1
Sonntag, 31. Oktober 2010 16:26
Es ist einer der heißesten und brisantesten Derbys auf der Insel, wenn im Tyne and Wear derby Newcastle United den FC Sunderland empfängt. Nach einem Jahr Pause durch den Abstieg von den Magpies in die Championship treffen sich beide Rivalen heute wieder zum ersten Mal. Begleitet von umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen versuchen beide Teams mit drei Punkten ein Punktepolster auf die Abstiegsplätze aufzubauen. Und es sollte ein denkwürdiger Nachmittag für alle Newcastle-Fans werden.
Newcastle United ging mit der Empfehlung des Auwärtssieges bei West Ham am letzten Wochenende in diese Partie. Manager Chris Hughton, der unter der Woche mit Gerüchten über einen vorzeitigen Abgang kämpfen musste, spielte im Upton Park erstmals in dieser Saison in einem 4-4-2 mit zwei zentralen Stürmern, Shola Ameobi und Andy Carroll. Joey Barton nahm eine zentrale Rolle im Mittelfeld ein. 4-4-2 oder 4-4-1-1 war also die zentrale Frage, die Chris Hughton vor dem Spiel beantworten musste. Sollte ein Stürmer wegfallen, würde Kevin Nolan die zusätzliche Position im Mittelfeld übernehmen. Steve Bruce, Trainer vom FC Sunderland, vertraut diese Saison weiterhin seinem 4-5-1, trotz der Verpflichtung des ghanaischen Nationalspielers Asamoah Gyan, der noch in keinem Premier League Spiel von Beginn an dabei war.
Chris Hughton vertraute seinem 4-4-2 aus dem Spiel gegen West Ham, brachte sowohl Ameobi als auch Carroll von Beginn an, Kevin Nolan rückte ins Mittelfeld, Stephen Taylor nach seiner Schulterverletzung wieder auf der Bank. Coloccini und Williamson bilden das Innenverteidigerduo. Bei Sunderland Gyan weiterhin auf der Bank, Darran Bent einzige echte Spitze, dahinter aber durchaus ein offensiv ausgerichtetes Mittelfeld. Schiedsrichter der Partie ist Phil Dowd.
Fantastische und emotionale Atmosphäre schon vor dem Spiel bei bedecktem Himmel im St. James’ Park. Ausverkauft mit 52.000 Zuschauer – keine Frage. Newcastle hatte nur eines der letzten 11 Derbys verloren. Die Magpies hatten Anstoß in der ersten Hälfte, spielten in schwarz-weiß von links nach rechts in der ersten Hälfte. Sunderland in den rot-weiß-gestreiften Trikots. Und es war eine richtig unterhaltsame Anfangsphase. Newcastle gehörten die ersten Minuten, Sunderland-Kepper Mignolet unterlief einen Eckball, Newcastle fand aber keinen Abwehr und lief stattdessen in einen Konter der Gäste, Welbeck und Bent hatten sogar Überzahl, doch Welbeck spielte viel zu eigensinnig und ignorierte den mitgelaufenen Bent. Da wäre für beide Teams in den ersten Minuten mehr drin gewesen. Referee Dowd legte eine strenge Linie vor, gab Newcastle’s Tiote bereits nach sechs Minuten die erste gelbe Karte in diesem Spiel. Torchancen blieben in der Folge aus, trotzdem blieb es ein sehenswertes, weil intensives, körperbetontes, aber nicht überhartes Spiel (zwei gelbe Karten nach 14 Minuten, aber das waren keine ekligen Fouls). Newcastle mit leichten Vorteilen im Spiel nach vorne, Sunderland ließ den Ball besser durch die eigenen Reihen laufen, wirkte insgesamt etwas ruhiger, Newcastle häufig zu hektisch in ihren Situationen. Und defensiv standen die Black Cats exzellent, Bardsley schien einen ganz starken Tag erwischt zu haben, zwei tolle, faire Tackles zu Beginn. Die beste Chance in diesem Spiel bisher hatte Newcastle nach 24 Minuten, als nach einer Ecke von links Mignolet wieder leicht verwirtt durch seinen Fünfmeterraum irrte und Andy Carroll völlig frei zum Kopfball kam. Mignolet kann den Ball noch abwehren, allerdings direkt vor die Füße von Coloccini, dessen Flugkopfball knapp das Tor verfehlt. Da war die Abwehr von Sunderland zweimal nicht nah genug bei den Gegenspielern. Newcastle erhöhte den Druck. Schuss von Barton aus 18 Metern, Mignolet lenkte den Ball noch um den Pfosten. Kurze Zeit später war der Bann dann gebrochen, Newcastle ging durch Kevin Nolan in der 27. Minute mit 1:0 in Führung. Nach der anschließenden Ecke gewinnt Shola Ameobi das Kopfballduell in der Mitte, Nolan – mit dem Rücken zum Tor – verlängert das Zuspiel exzellent ins Tor hinein. Klasse gemacht, 5. Saisontor für Nolan, und verdient nach der Drangphase der Magpies. Die blieben danach spielbestimmend und erhöhten in der 34. Minute die Führung auf 2:0, wieder war Nolan der Torschütze. Aber es war ein umstrittenes Tor, das trotzdem zählte. Der Schuss von Gutierrez wird zunächst geblockt, Carroll nimmt am rechten Strafraumeck den Abpraller per Seitfallzieher auf, in der Mitte blockt Ameobi – beim Zuspiel von Carroll klar im Abseits stehend – den Gegenspieler gut weg, der Ball geht zu Nolan durch. Der Rest ist Formsache, St. James’ Park tobt. Steve Bruce reagierte fünf Minuten vor Halbzeit, brachte Asamoah Gyan für El Mohamady und stellte damit ebenso auf 4-4-2 um. Als alle Fans schon damit rechneten, dass es mit einem 2:0 in die Pause gehen würde, legte Newcastle noch einen drauf. Jonas Gutierrez wird von Nedum Onuoha im Strafraum zu Fall gebracht. Den fälligen Abwehr verwandelt Shola Ameobi eiskalt. 3:0, 45. Minute +3. Dreamland für Newcastle.
3:0 für Newcastle zur Halbzeit, vielleicht ein Tor zu hoch. Insgesamt aber verdient. Nach der Drangphase von Newcastle gleich zu Beginn, kam Sunderland dann 10 Minuten lang besser ins Spiel. Als die Partie drohte zu verflachen, erhöhte Newcastle den Druck, erspielte sich zahlreiche Chancen und ging verdient mit 2:0 in Führung. Sunderland zu passiv und schlampig in der Defensive, zu weit vom Gegner weg. Mignolet in der Strafraumbeherrschung ein ums andere Mal unsicher. Das hat Newcastle sehr gut ausgenutzt. Und zu allem Überfluss schwächten sich die Black Cats durch den blöden Elfmeter noch selbst. Spiel zur Halbzeit vorentschieden. Blieb nur noch die Frage, ob Newcastle Sunderland richtig abschießen und demütigen würde oder ob den Black Cats ein ganz großes Comeback gelingt?
Das mit dem großen Comeback konnte man schnell zu den Akten legen, als nach 53 Minuten Titus Bramble für ein hartes Einsteigen gegen den überragenden Andy Carroll von Phil Dowd glatt rot kassierte, bereits der dritte Platzverweis für Sunderland in dieser Spielzeit. Sehr harte Entscheidung, das Foul war gelbwürdig, Bramble war zwar letzter Mann, aber der Winkel für eine gute Torchance von Carroll war schon sehr schlecht. Newcastle hatte mal Aston Villa in den ersten Saisonwochen zuhause mit 6:0 geschlagen, Sunderland drohte ähnliches. Steve Bruce musste von seinem 4-2-2 wieder abrücken, nahm Welbeck vom Platz und brachte Kieran Richardson, Bent mehr als hängende Spitze. Sunderland wirkte frustiert, spielte viele, teils mit gelb geahndete Fouls, nach 68 Minuten bekam auch Lee Cattermole seine erste gelbe Karte. Nach vorne ging gar nichts, Newcastle spielte locker lässig die zweite Halbzeit runter, hin und wieder unternahm man Offensivaktionen, ließ aber verständlich die letzte Konsequenz vermissen. Bis zur 70. Minute. Simpson sprintet auf dem rechten Flügel runter, präzise Flanke in die Mitte, wo Carroll aus kurzer Distanz den Ball an die Latte köpft, den Abpraller knallt Shola Ameobi zum 4:0 in die Maschen. Sunderland endgültig zerstört. Fünf Minuten später krönte dann Kevin Nolan seine fantastische Leistung. Der Kapitän der Magpies mit dem ersten Hattrick für Newcastle in einem Tyne and Wear derby seit 25 Jahren, 5:0 in der 75. Minute. Ecke von rechts durch Joey Barton, Kopfballverlängerung von Ameobi, Nolan hat keine Mühe einzunetzen. Sunderland verteidigte schon seit einer Viertelstunde nicht mehr. Bent sorgte in der Nachspielzeit lediglich nur noch für Ergebniskosmetik, da war Newcastle schon beim Feiern.
Am Ende blieb es beim 5:1 für die Gastgeber. Was für ein Tag. Es klappt alles und man belohnte sich mit Toren für die engagierte Leistung. Sunderland völlig überfordert, mit miserabler Leistung in der Defensive und vielen Aktionen einzelner Spieler, die das Team insgesamt geschwächt haben. Da wird Steve Bruce einiges aufzuarbeiten haben. Newcastle überholt Sunderland in der Tabelle und liegt mit 14 Zählern auf Platz 7. Was für ein Nachmittag auch für Trainer Chris Hughton. Unter der Woche mit Meldungen konfrontiert, er würde keinen neuen Vertrag bekommen oder vielleicht sogar vorzeitig entlassen werden, hatte er sein Team exzellent eingestellt. Und die Spieler haben das Vertrauen des Trainers mehr als nur zurückbezahlt. Und das im prestigeträchtigen Tyne and Wear Derby. The perfect day.
Thema: Premier League | Kommentare (1) | Autor: medispolis

