Premier League 2010/2011 Preview #14 – Der 69. Versuch für die Spurs

Interessanter und schön aufgeteilter Spieltag. Insgesamt sechs Anstoßzeiten gibt es, daher auch sechs Live-Spiele bei Sky, inklusive einem Monday Night Game. Im Schnelldurchlauf ein komprimierter Blick auf die Spiele. Mehr zur Premier League im Laufe des Wochenendes, darf schon mal auf ein Live-Blog mit Liverpool gegen West Ham am Samstagabend hinweisen.

Der Spieltag eröffnet aber mit dem Spitzenspiel zwischen dem FC Arsenal und den Tottenham Hotspur am Samstagmittag. Das Nordlondon-Derby hat eigentlich schon Brisanz genug, unabhängig von der Tabellenkonstellation, aber dieses Mal ist es für beide zudem ein ganz wichtiges Spiel und zudem noch die Rückkehr von Willam Gallas ins Emirates. Die Gunners könnten mit einem Sieg vorerst die Tabellenführung übernehmen und den FC Chelsea unter Zugzwang setzen. Und die Spurs wollen endlich beweisen, dass sie auch auswärts gegen ein Team der Big Four gewinnen können. Seit 68 Spielen wartet das Team von Harry Redknapp auf drei Punkte bei Arsenal, Chelsea, Liverpool und Man Utd. Gleichzeitig würde man mit einem Erfolg Manchester City auf dem vierten Platz auf die Pelle rücken. Schaut man auf die Statistik, steht der Sieger im Prinzip ja schon fest. Doch die Heimform von Arsenal in dieser Saison gibt nicht gerade Anlass, jedes Heimspiel im Vorhinein mit drei Punkten zu verbuchen. Heimniederlagen gegen Newcastle und West Brom machten deutlich, dass Arsenal Schwierigkeiten hat, wenn Teams defensiv eingestellt sind und Arsenal dann zu offensiv agieren muss für den Torerfolg. Schnelle Gegenangriffe sind die Folge. Dafür wäre auch Tottenham mit den schnellen Flügelspielern und van der Vaart in der Zentrale prädestiniert. Bleibt abzuwarten, ob die Spurs aber nicht selbst die Initiative ergreifen, sodass sich auch für die Gastgeber Kontergelegenheiten ergeben. Bei Arsenal fehlen weiterhin die Langzeitverletzten, Laurent Koscielny kehrt nach seiner Sperre zurück, Jack Wilshere, mit Verletzung von der englischen Nationalmannschaft vorzeitig abgereist, hat sich ebenfalls fit gemeldet.

Der FC Arsenal legt vor, die Blues aus dem Südwesten Londons müssen eventuell nachlegen. Der FC Chelsea tritt bei Birmingham City an. Nach der Niederlage letzten Sonntag gegen den FC Sunderland ist ein wenig Ratlosigkeit an der Stamford Bridge eingekehrt. Zum ersten Mal in dieser Saison war man richtig chancenlos in einem Spiele – und das gegen die Black Cats. Es fällt auf, dass die Mannschaft die defensiven Ausfälle von Terry und Alex (hat seine Operation erstmal verlegt, damit er spielen kann, aber wird demnächst länger fehlen) ebenso wie das Fehlen von Essien und Lampard im Mittelfeld nicht kompensieren kann. Das ist nicht weiter verwunderlich, fehlen doch vier Stützen im Team von Carlo Ancelotti. In den vergangenen Jahren hatte man aber genug erfahrene Spieler, die diesen Verlust ausgleichen konnten. Im Zuge der Sparmaßnahmen von Besitzer Abramovitsch sitzt jetzt die englische Jugend auf der Bank. Nun geht es nach Birmingham, City mit nur einem Sieg in den letzten 11 Spielen. Man steht auf einem Abstiegsplatz, hat aber meist besser gespielt als es die Tabellenposition offenbaren lässt.

Außerdem am Samstagnachmittag: Pflichtaufgabe für Manchester United gegen Wigan Athletic. Da dürfte für die Red Devils trotz der eher mäßigen Auswärtsform in dieser Saison nicht viel anbrennen, zumal man im Old Trafford spielt. Die Latics erst mit einem Auswärtssieg in dieser Saison, ausgerechnet bei den Tottenham Hotspur. Es findet das direkte Aufstiegsduell zwischen dem FC Blackpool und den Wolverhampton Wanderers statt. Ian Holloway, Trainer der Seasiders, musste sich die letzte Woche mit heftiger Kritik auseinandersetzten, weil er im Spiel bei Aston Villa vor eineinhalb Wochen 10 Spieler tauschte, und prompt 2:3 verlor. Die Wolverhampton Wanderers – ausgerechnet der Gegner am Samstag – wurden für ein ähnliches Vorgehen letzte Saison von der Football Association bestraft. Holloway hatte aber gleich nach dem Spiel im Villa Park angekündigt, dass er zurücktreten werde, sollte er eine Strafe bekommen. Außerdem spielt West Bromwich Albion, zuletzt drei Niederlagen in den letzten vier Spielen, gegen Stoke City, zuletzt zwei Siege in Folge. Und ganz still und heimlich sind die Potters an den Baggies in der Tabelle vorbeigezogen. Und ergänzend das interessante Verfolgerduell zwischen den Bolton Wanderers und Newcastle United, das ist der 5. gegen den 8. der Tabelle. Die Wanderers könnten mit einem Heimsieg auf 22 Punkte klettern, nach 14. Spielen. Wer hätte das vor der Saison gedacht und erwartet? Die Wanderers haben sieben Punkte aus den letzten drei Spielen geholt, Newcastle aus den letzten fünf zehn Zähler. Die Magpies haben ihre letzten beiden Auswärtsspiele gewinnen können.

Dass es Rückschläge beim FC Liverpool geben würde, war offensichtlich und zu befürchten. Zu instabil das System, zu schwankend die Form der Leistungsträger, zu viele gute Spieler haben den Verein verlassen. Nach der Derby-Niederlage folgten drei Siege und ein Unentschieden, darunter ein überzeugender Sieg gegen den FC Chelsea. Dieser Aufschwung wurde letztes Wochenede durch das 0:2 bei Stoke City gebremst. Die altbekannten Fehler traten auf, das defensive Mittelfeld ließ Stoke zu viel Platz in der Offensive. Insgesamt sieht die Tendenz bei den Reds aber weiter positiv aus. Nur muss man jetzt die vierwöchige Verletzung von Steven Gerrard verkraften, genau zum falschen Zeitpunkt. Denn der Kapitän war Garant dafür, dass es wieder aufwärts ging. Am Samstagabend kommt nun Tabellenschlusslicht West Ham United an die Anfield Road. Die Hammers warten seit sieben Spielen auf einen Sieg und dürften der ideale “Aufbaugegner” für Liverpool sein – oder vielleicht sogar umgekehrt? West Ham hat seit 47 Jahren nicht mehr beim FC Liverpool gewonnen – und auch sonst so weiß man bei West Ham nicht so wirklich, was man eigentlich falsch macht. Außer Spiele verlieren. Man wirkt ein wenig ratlos im Upton Park. Bei Liverpool fehlen neben Gerrard noch Lucas und Youngstar Jay Spearing, dafür sind Glen Johnson und Fabio Aurelio wieder fit. West Ham hat nach 13 Spieltagen schon fünf Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Viele Chancen darf man nicht mehr vergeben im November und Dezember.

Zwei interessante Spiele am Sonntag. In der frühen Ansetzung empfangen die Blackburn Rovers das wiedererstarkte Aston Villa. Die Rovers haben jetzt endlich die Übernahme des Vereins abgeschlossen. Die indische Unternehmerfamilie Rao kauft für 23 Millionen Pfund Anteile am Verein und hat gleich nochmal 20 Millionen Pfund Schulden des Vereins an die Banken zurückbezahlt. Die Rao Familie will mit ihrem Engagement und ihren guten Kenntnissen des indischen Marktes die Rovers in Asien besser platzieren und langfristig in den Verein investieren. Ob Blackburn und sein Trainer dafür die richtige Station sind, steht auf einem anderen Blatt. Aber immerhin konnte jetzt endlich Vollzug gemeldet werden. Denn bereits seit zwei Jahren hat man einen zahlungskräftigen Unternehmer, der willig ist den Rovers längerfristig Geld zu geben, gesucht. Jetzt muss es nur noch sportlich klappen. Platz 14 und zwei Punkte vor den Abstiegsplätzen ist nicht gerade die beste Ausgangslage. Und jetzt kommt Aston Villa, das zwar nur eines der letzten sieben Spiele gewinnen konnte, aber zuletzt die letzten vier Spiele nicht verloren hat und dabei sechs Punkte geholt hat – und das in Abwesenheit fast des gesamten etatmäßigen Sturms. Trainer Houllier scheint endlich angekommen zu sein, die Leistungen werden besser, er verbessert seine Ausstrahlung auf der Bank. Wie positiv und nachhaltig diese Entwicklung ist, bekommt am Sonntag ihre erste Prüfung. Was genau das richtige Stichwort auch für Roberto Mancini ist, denn sein Team, Manchester City, darf danach beim FC Fulham antreten. Der Italiener will weiter nichts von einer Krise, schlechte Laune uim Umfeld und eine mangelnde Attraktivität im Offensivspiel wissen und verweist stattdessen auf den derzeitgen vierten Tabellenplatz, den City belegt. Aber die Konkurrenz sitzt im Nacken und den Anschluss an die Tabellenspitze hat man auch ein wenig verpasst. Doch die Resultate sehen anders aus. Fünf Punkte aus den letzten vier Spielen, zuletzt zweimal in Eastlands nicht gewonnen. Natürlich steht Manchester City nicht völlig schlecht in der Tabelle da, aber es könnte – gemessen an den Ansprüchen und dem Potential der Mannschaft eben sehr viel besser sein. Fulham läuft bei mir diese Saison völlig unter dem Radar, das ist am Sonntag wohl das erste Spiel mit Beteiligung der Cottagers, das ich sehen werde. Aus den letzten neun Spielen konnte man nur einen Sieg verzeichnen. Trotzdem ist Fulham schwierig zu schlagen, hat eine großartige Moral und Comeback-Qualitäten. Keine leichte Aufgabe für City.

Im Monday Night Game will der FC Sunderland seinen Coup mit dem Sieg beim FC Chelsea durch drei Punkte gegen den FC Everton vergolden. Die Toffees aus Liverpool haben nur vier der letzten 24 Ligaspielen verloren, dabei aber in den letzten drei Begegnungen nicht gewinnen können. Sunderland ist im Stadium of Light seit fast einem Jahr ungeschlagen. Sunderland wird aller Voraussicht nach wieder auf Darran Bent zurückgreifen können. Der Stürmer hat zusammen mit Kollege Asamoah Gyan bereits 11 Tore diese Saison erzielt.