Der Vorhang für die Champions-League öffnet sich in dieser Woche wieder. Was für fußballbegeisterte Menschen heißt: 7 Tage Fußball in der Woche. Man kann sicherlich über die Qualität der europäischen Fußballigen streiten und natürlich vor allem über die Gruppenphase der Champions League, die in den letzten Jahren immer stärker in die Kritik geriet: zu viele Spiele, langweilig, in den Gruppen nicht ausgeglichen genug. Zumindest vor dieser Saison sind negative Bekundungen ferngeblieben. Viele spannende Gruppen mit namhaften Gegnern. Auch für die deutschen Klubs.
Vor dem 1. Spieltag in der Gruppenphase ein paar Notizen und Gedanken zu den Gegnern von Borussia Dortmund und Bayer 04 Leverkusen.
FC Arsenal
Man kann nicht behaupten, dass der FC Arsenal vor Selbstvertrauen strotzt vor dem Spiel bei Borussia Dortmund. Dafür hat der Saisonstart zu viele Enttäuschungen hinterlassen. Zum Auftakt gelang ein 0:0 in Newcastle, als die Gunners es aber verpassten ihre Überlegenheit in klare Torchancen umzumünzen. Was gegen die Magpies noch wie die fehlende Eingespieltheit zu Saisonauftakt aussah, sollte in den nächsten Wochen eine ernsthaftere Angelegenheit werden. Arsenal schafft es in der Spielzeit 2011/2012 sich viele große Torchancen zu erspielen. Das fing gegen den FC Liverpool an, als 70 Prozent Ballbesitz nur zu 10 starken Minuten in der Offensive führten. Das war auch gestern gegen Swansea City zu sehen. Arsenal war über weite Strecken überlegen, viele Torschüsse sprangen nicht dabei raus. Über die Demütigung bei Manchester United will ich gar nicht so viele Worte mehr verlieren. Das war schlicht ein Tag, den man als Arsenal-Fan schnell vergisst und es sich dank so vieler möglicher Erklärungen auch nicht anbietet tiefergehender zu analysieren.
Wenn wir einen Strich unter die ersten sechs Pflichtspiele von Arsenal setzen, sind die fehlende Kreation von Torchancen, und das nicht mehr vorhandene druckvolle, schnell Spiel nach vorne die derzeitigen Hauptsorgen. Lediglich im Rückspiel bei Udinese Calcio schafften es die Gunners mal eine Halbzeit lang durch schnelles Spiel in der Offensive zum Torerfolg zu kommen. Aus Sicht von Arsene Wenger, der sein Team genau, auf diese Spielweise hin aufstellt, eine beänstigende Zwischenbilanz, deren Ursachen aber schnell erklärt sind und sich in den nächsten Wochen sicherlich minimieren lassen. Aus Sicht von Borussia Dortmund kommt Arsenal zu einem günstigen Zeitpunkt in der Gruppenphase. Woran liegen die genannten Probleme bei den Gunners? Der Hauptgrund liegt in der fehlenden Eingespieltheit des Teams. So viele Faktoren sind dafür verantwortlich: die Verletzungen von Jack Wilshere und auch Theo Walcott (jetzt wieder fit) ebenso wie Kieran Gibbs und Thomas Rosicky (wohl in Blackburn nächstes Wochenende wieder dabei), dazu die Sperren für Gervinho, Alex Song und Frimpong. Chamakh sucht seine Form ebenso wie Andrej Arshavin. Die Leistung des Russen gegen Swansea City könnte ein erster Hoffnungsschimmer sein, dass sich Arshavin wieder auf seine Stärken beruft und nicht ständig sich festdribbelt, Bälle verliert und Fehlpässe spielt. Durch die vielen Sperren und Verletzungen hatte das junge Team nicht die Chance sich einzuspielen. Das wird erst jetzt nach und nach klappen. Defensiv sieht die Lage etwas besser aus, klammern wir das 2:8 gegen Man Utd mal aus. Arsenal wirkt defensiv immer noch nicht stabil, weil immer wieder andere Formationen spielen mussten. Thomas Vermaelen fehlt noch bis Ende Oktober verletzt, dann war mal Laurent Koscielny ein Spiel nicht dabei, gleiches gilt für Johan Djourou oder Carl Jenkinson.
Es gab also einen Kern von Spielern, die immer dabei waren und die dann alleine die Verantwortung übernehmen mussten. Und es gab keinen Samir Nasri oder Cesc Fabregas mehr, welche die jungen Spieler an die Hand nehmen konnten. Aaron Ramsey, der junge wallisische Nationalspieler, musste nun alleine die Fäden im Mittelfeld ziehen, war gegen Newcastle und Liverpool auch engagiert, aber wirkungslos. Gegen Swansea City gestern konnte er sich ein wenig mehr verstecken als sonst. Ein Unterschied zu den Leistungen zuletzt ist kaum aufgefallen. Für Dienstag ist de Einsatz von Ramsey wegen einer Knöchelverletzung fraglich. Arsene Wenger musste auf dem Transfermarkt handeln und hat das auch gemacht. Mit Yossi Benayoun und Mikel Arteta kamen zwei Neuzugänge für die kreative Offensivabteilung, Chu-Young Park soll neben Robin van Persie für Tore sorgen und Marouanne Chamakh zeigen, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Per Mertesacker soll die Defensive stabilisieren zusammen mit André Santos von Fenerbahce Istanbul. Alle Neuzugänge sind fit, haben teilweise gegen Swansea schon gespielt, aber ihre Integration ins Mannschaftsgefüge und die Arsenal-Spielweise braucht Zeit.
Zeit, die Arsenal nur begrenzt hat um am Ende der Saison vorne mitspielen zu können. Titel gewinnen ist ja das Ziel – und das wurde von Wenger auch nicht geändert. Warum Arsenal so schwer in die Saison findet, hat neben den oben genannten sportlichen Gründen eine emotionale Komponente. Dem jungen Team war anzusehen, dass sie mit dem Druck nach dem Weggang von Fabregas und Nasri, der öffentlichen Forderung nach weiteren Neuzugängen, den schlechten Ergebnissen zu Saisonstart und der fehlenden Gewissheit Champions League zu spielen nur schwer umgehen kann. Die letzten 20 Minuten am Samstag gegen Swansea City haben demonstriert, dass die Nervosität noch nicht verflogen ist, das Selbstvertrauen nur langsam zurückkommt. Spielerisch ist Arsenal derzeit meilenweit von den Kurzpassorgien der letzten Saison entfernt. Das muss sich alles erst noch finden und braucht Zeit und viele Erfolgserlebnisse sobald wie möglich.
Eigentlich nicht die schlechtesten Voraussetzungen für Borussia Dortmund vor dem Spiel gegen die Gunners. Mit einem Punktgewinn wäre Arsenal sicherlich schon zufrieden.
FC Chelsea
Bayer 04 Leverkusen reist am Dienstagabend zum FC Chelsea an die Stamford Bridge. Ebenso wie bei Arsenal läuft es bei den Blues noch nicht rund nach vier Spielen in der Premier League, wenngleich die Sorgen im Südwesten nicht ganz so groß und umfangreich sind wie im Nordosten der Stadt. Der Vorteil beim FC Chelsea: Es stimmen zumindest die Ergebnisse. Nach dem schwachen Auftakt am 1. Spieltag beim 0:0 in Stoke konnten die letzten drei Spiele gewonnen werden. 2:1 gegen West Bromwich Albion, 3:1 gegen Norwich City und ein 2:1 beim FC Sunderland, das praktisch ohne Stürmer spielt. Also schnell erkennbar: Das ist ein Auftaktprogramm, mit dem man gut und lässig in die Saison starten kann. Das haben die Blues gemacht, so ist Bayer Leverkusen der erste richtige Härtetest. Was für Leverkusen nur von Vorteil sein kann.
Beim FC Chelsea hat sich im Sommer einiges geändert, wobei der Eindruck gewonnen werden kann, dass durch die geringe Nachhaltigkeit auf der Trainerposition Chelsea in jedem Sommer einen kleinen Umbruch vollzieht. Mit André Villas-Boas steht mal wieder ein Portugiese an der Seitenlinie, der sich sein Team um die arivierten Kräfte und Leistungsträger, wie Lampard, Drogba, Terry und Malouda, mit seinen Wunschspielern zusammengebaut hat. Last minute wurde Raul Meireles vom FC Liverpool verpflichtet, vom FC Valencia kam der Spanier Juan Mata. Vom RSC Anderlecht kam Romelu Lukaku für schlappe 22 Millionen Euro. Und von der B-Mannschaft des FC Barcelona kam Oriol Romeu zu den Blues und bekam gegen Sunderland einen Kurzeinsatz.Es gab schon Zeiten, da hat der FC Chelsea mehr Geld für neue Spieler ausgegeben. Es waren diesen Sommer nur knapp über 80 Millionen Euro. Und nicht blind eingekauft, sondern gezielt verstärkt – und für die Zukunft geplant.
Dass der FC Chelsea auf und abseits des Platzes derzeit eher wenig Sorgen hat, zeigt die Diskussion um Fernando Torres, jener Stürmer, der im letzten Winter für 50 Millionen Euro nach London wechselte und dessen Tore die Fans seitdem an einer Hand abzählen können. Auch in dieser Spielzeit wirkt der Spanier noch wie ein Fremdkörper in der Chelsea-Offensive. Das hat Trainer Villas-Boas erkannt und gleich mal Selbstvertrauen nach außen demonstriert. Den wenn Torres nicht seine Form hat, spielt er nicht. Bei der Partie in Sunderland stürmten Daniel Sturridge, Nicolas Anelka und Juan Mata in einem 4-3-3. Didier Drogba fehlte wegen seiner Kopfverletzung und wird wohl am Dienstag noch nicht im Kader stehen. Torres durfte sich die letzten 15 Minuten empfehlen. Mehr nicht. Im Chelsea-Mittelfeld vermissen die Fans weiterhin den verletzten Michael Essien. Ramires beackert die rechte Seite, Raul Meireles kommt eher über links, Frank Lampard zieht die Fäden in der Mitte. In der Defensive scheint Villas-Boas mit Bosingwa auf rechts, Terry und Ivanovic als Innenverteidigung und Ashley Cole auf der linken Seite seine Wunschformation gefunden zu haben. Interessant wird sein, was passiert, wenn David Luiz nach seiner Verletzung zurückkehrt. Am Samstag stand Luiz zumindest im Kader, Einsätze werden sicherlich folgen, vielleicht schon gegen Leverkusen. Am ehesten müsste Bosingwa dann wohl auf die Bank, Ivanovic rückt auf rechts und Luiz spielt neben Terry. Aufatmen für viele Chelsea-Fans auf der Torhüterposition. Peter Cech ist nach seiner Verletzung wieder dabei, gegen Sunderland die 90 Minuten ohne Probleme absolviert. Hilario, der nicht wirklich schlecht gespielt hat, darf bei Cech dessen Klasse und Ausstrahlung abschauen. Momentan hat Villas-Boas also mit David Luiz im Team eine ganz gute Aufstellung gefunden. Es reicht für knappe Siege gegen Mittelfeldteams der Premier League.
Von Titelträumen und der Form solche zu gewinnen sind die Blues also noch ein ganzes Stück entfernt. Und die Gegner zuletzt hießen eben nur Norwich, West Brom und Sunderland. Da sollte für Leverkusen mit ihrem schnellen Spiel nach vorne ein Punkt auf alle Fälle drin sein. Sunderland hat ganz gut gezeigt, wie Chelsea zu knacken ist. Hätten die Black Cats doch nur Stürmer. Zwei Wege: entweder durchs Spiel über die Außen, nach innen ziehen und mit flachen Zuspielen die Stürmer suchen. Mit Geschwindigkeit hatten Terry und Ivanovic Probleme, bei hohen Zuspielen waren sie sicher. Der zweite Weg wird ein wenig von der Aufstellung von Villas-Boas abhängen. Spielt er wieder volle Offensive mit einem 4-3-3 oder baut er eine etwas defensive Absicherung ein und macht das Mittelfeld enger. Sollte Chelsea beim 4-3-3 bleben, sollte sich Bayer 04 die 90 Minuten von Chelsea gegen Norwich anschauen, als der Aufsteiger es mit schnellem Spiel gut geschafft hat das Chelsea-Mittelfeld zu überwinden. Chelsea ist defensiv anfällig. Und bisher schlägt auch die Offensivpower noch nicht voll zu. Und warum sollte Fernando Torres ausgerechnet gegen Leverkusen jetzt wieder in die Erfolgsspur zurückfinden?
Für Bayer Leverkusen ebenso wie für Borussia Dortmund nicht der schlechteste Zeitpunkt auf die Gegner aus der Premier League zu treffen. Ich tippe auf ein Remis für den BVB und einen Sieg für Bayer 04. Wie seht ihr das?