DEG Metro Stars: das nächste Sorgenkind der Deutschen Eishockey Liga

12. April 2011: Die DEG Metro Stars kämpfen um den Finaleinzug in der Deutschen Eishockey Liga. Vor fast ausverkaufter Kulisse im ISS-Dome unterliegt die DEG mit 1:3 den Eisbären Berlin. Denkbar knapp verpassen die Metro Stars das DEL-Finale. Der verpasste Finaleinzug steht am Ende von starken Playoffs der Metro Stars. Zum ersten Mal in der Saison kam richtige Euphorie in Eishockey-Düsseldorf auf.

23. Oktober 2012: Die DEG spielt in der Oberliga West gegen den Herforder EV. Rund 1000 Zuschauer sind zum Ligaspiel an die altehrwürdige Brehmstraße gekommen.

Der zweite Eintrag liest sich wie aus einer anderen Welt, könnte aber schon bald Realität werden. Ganz Eishockey-Deutschland würde sich diese Entwicklung nicht wünschen, doch die DEG Metro Stars stehen vor einer ungewissen Zukunft. Für die in zwei Wochen beginnende Saison 2011/2012 gibt es noch keinerlei Auswirkungen, doch spätestens im Mai 2012 dürfte sich entscheiden, ob die DEG Metro Stars von der Eishockey-Bildfläche verschwinden werden. Sollte sich ein weiterer großer Traditionsklub aus der DEL verabschieden, dürfte die Liga endgültig zu Grabe getragen werden.

Aber warum geht es eigentlich? Traditionalisten nennen die Kufencracks aus Düsseldorf immer noch gerne die Düsseldorfer EG, seit 2002 heißt der Klub aber DEG Metro Stars. Der Zusammenschluss mehrerer Großhandels- und Einzelhandelsunternehmen aus Düsseldorf ist seit 2002 Sponsor und Namensgeber des Vereins. Das meiste Geld für den Düsseldorfer Eishockeysport kommt von der Metro. Nach Ende der Saison läuft der Vertrag mit Metro aus. Weitere Großsponsoren wie die Altbierbrauerei Schlösser, Klüh und der Unternehmer Ben Zamek (Nahrungsmittelindustrie) sind ebenfalls abgesprungen oder haben ihr Engagement drastisch reduziert. Der DEG fehlen am Ende der nächsten Saison drei Millionen Euro im Etat für die Spielzeit ab September 2012. Lance Nethery, Geschäftsführer der DEG, ist nun auf der Suche nach neuen Sponsoren – bisher vergeblich.

Die oben genannten Fakten sind das Düsseldorfer Problem, verstärkt wird es von den Schwierigkeiten der Deutschen Eishockey Liga. Aufgeblähte Saison, wenig Free-TV-Präsenz, geringes Interesse für Eishockey in Deutschland. Das merken mit Ausnahme der Eisbären Berlin alle Vereine in der DEL. Die DEG nimmt im Vergleich zu 2006 heute 50% weniger aus Ticketeinnahmen ein, Tendenz weiter sinkend. Der ISS-Dome ist kaum ausgelastet, der Oberrang wird bei Spielen in der regulären Saison zugehängt. Und jede Woche gegen die Kölner Haie zu spielen kann auch keine Lösung sein. Die Einnahmesituation verschärft sich also noch durch das schlechte Standing und Image, das sich die DEL in den letzten Jahren erarbeitet hat. Wenger Geld von den Sponsoren, weniger Geld durch Ticketeinnahmen. Dazu eine von den Gehältern eher teure Mannschaft, bei denen die meisten Spieler den Verein aber verlassen können nach Ende der Saison. Fast alle Verträge laufen aus. Die DEG hat vorgesorgt: Keine unnötigen Vertragsverlängerungen für die ungewisse Zukunft.

Es könnte besser aussehen. Und was machen die DEG-Verantwortlichen in dieser schwierigen, aber nicht aussichtslosen Lage? Sie mobilisieren ihre Presse- und Öffentlichkeitsarbeit massiv und weisen auf die schwierige finanzielle Lage hin. Heute Morgen gab es zwei längere Themenschwerpunkte im Lokalradio Antenne Düsseldorf, Lance Nethery, ist mit einen zentralen Aussagen an die Rheinische Post herangetreten. Also erstmal in Düsseldorf ein Bewusstsein bei Unternehmen und Öffentlichkeit schaffen, dass die Lage durchaus dramatisch ist. Und das wird schon schwierig genug.

Rund 2400 Dauerkarten hat die DEG bisher verkauft. Das liegt ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Am kommenden Freitag findet im Stahlwerk die Saisoneröffnungsfeier statt. Vorher greifen die Spieler wieder zum Telefonhörer um weitere Fans vom Kauf einer Dauerkarte zu überzeugen. Aus Liebe zum Eishockey und zur DEG, nicht um das letzte Mal Spitzeneishockey in Düsseldorf zu sehen. Aber ausgeschlossen ist es leider nicht.

Autor: medispolis
Datum: Freitag, 2. September 2011 15:16
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2 Kommentare

  1. 1

    Solange im Deutschen Eishockey die Meinung vorherrscht, dass alles super ist mit ihrem pseudoamerikanischen Konstrukt namens DEL werden da noch weitere Vereine folgen. Von daher ist es wohl auch für die DEG sinnvoll diese Liga zu verlassen um dann, wenn sich dass da oben alles von selber aufgelöst hat, wieder Zuschauer und Sponsoren zu gewinnen. Anders merkt das ja anscheinend keiner.

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  2. 2

    Das deutsche Eishockey leidet seid Jahren an selbst- und hausgemachten Problemen. Alles fing an mit der Separierung der DEL. Dadurch wurde das Eishockey langsam aber sicher für das Fernsehen uninteressant – der Beginn des langsamen Todes. Es gibt in Deutschland durchaus eine Tradition und auch ein Interesse am Eishockey, bloss sind viele Eishockeyfans eher Traditionalisten und nicht unbedingt Eventpublikum. Wenn dann auch noch “auf dem Lande” Hallen geschlossen werden, auch in unteren Ligen Vereine reihenweise vor die Hunde gehen, weil die Forderungen der ESBG teilweise absolut absurd sind, so dass es nicht nur in der DEL sondern auch in allen anderen Ligen darunter fast unmöglich ist, aufzusteigen, weil die Budgets so unrealistisch sein müssen, dann passt das alles nicht.

    Es muss eine totale Zäsur im Eishockey geben. Eishockey in Deutschland ist noch nicht tot, es riecht allerdings so. Es kann wieder belebt werden, aber dafür ist einiges nötig.

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