Beiträge vom 17. September 2011

Premier League 2011/2012 #5 – The own goal group without a leader

Samstag, 17. September 2011 17:59

Ein Gunners-Fan hat es in diesen Tagen nicht leicht. Die Blackburn Rovers besiegten den FC Arsenal im Samstagmittagspiel verdient mit 4:3 in einem nicht hochklassigen, aber spannenden und in der Schlussphase dramatischen Spiel. Die Gäste begannen das Spiel hervorragend, standen hoch, spielten schnell und direkt nach vorne und gingen durch Gervinho nach feinem Pass von Song verdient in Führung. Gegen den Spielverlauf erzielte Blackburn dann den Ausgleich durch Neuzugang Yakubu. Arteta brachte Arsenal mit tollem Abschluss wieder in Führung. Mit der knappen, aber verdienten Führung ging es in die Pause. Gewitterregen ging in der zweiten Hälfte über Lancashire nieder und Arsenal agierte wie vom Blitz getroffen. Song und Koscielny standen mit ihren beiden Eigentoren am Ende einer Reihe von defensiven Aussetzern. Yakubu sorgte mit seinem zweiten Tor zwischendurch für eine 4:2-Führung. Arsenal warf in der Schlussphase alles nach vorne, erspielte sich Chancen für ein ganzes Spiel. Entweder scheiterten die Gunners an ihren eigenen Nerven oder an Paul Robinson. Lediglich Chamakh konnte den Ex-Nationaltorhüter überwinden. Wengers Truppe steht ohne Punkte da, obwohl drei Tore auswärts erzielt wurden.

Da dürfte sehr schnell klar sein, worauf sich die Kritik an diesem Wochenende konzentrieren wird, nämlich die Defensive. Das war definitiv ein Rückschritt, wenn nicht gar mehr. André Santos kam heute zu seinem Startdebüt auf der linken Verteidigerseite und hatte einen fürchterlichen Nachmittag, war selten nah genug am Gegenspieler. Nun hat Santos bisher erst einmal 90 Minuten und ein paar Sekunden für Arsenal in dieser Saison gespielt. Es verbietet sich also jetzt schon ein vorschnelles Urteil zu fällen. Fakt ist aber: Santos muss sich gewaltig steigern. Sonst freue ich mich zukünftig auf Einsätze von Kieran Gibbs. Und das soll was heißen. Aber Santos war nicht die einzige Schwachstelle bei Arsenal. Johan Djourou war nach seiner Einwechselung für Sagna schlicht nicht auf einen Einsatz vorbereitet und torkelte über das Spielfeld, konnte sich nur mit Fouls helfen, war zu langsam gegen Blackburns Hoilett. Und von diesen Problemen auf den Außenbahnen hat sich im Spielverlauf immer mehr die Innenverteidigung angesteckt. Koscielny und Mertesacker fanden keine Abstimmung, das Eigentor von Song gleich nach Beginn der zweiten Halbzeit wirkte lähmend. Zu allem Überfluss machte Koscielny noch eines – spätestens dann war die Messe gelesen. Bereits in der ersten Halbzeit wirkte Arsenals Defensive angeschlagen und verwundbar. Da profitierten die Verteidiger vom langsamen Offensivspiel der Rovers. Die haben in der zweiten Hälfte einen Zahn zugelegt und Arsenal fiel wie ein Kartenhaus auseinander. Von der Unsicherheit bei gegnerischen Standards will ich gar nicht sprechen. Und auch Per Mertesacker spielte richtig schlecht heute.

Es gab aber ein paar positive Hoffnungsschimmer bei Arsenal. Aaron Ramsey spielte toll, mit viel Genauigkeit im Spiel. Alex Song hatte gute Aktionen, Gervinho zeigt sich stark formverbessert, nicht nur wegen seines Tores. Arteta spielte eine klasse erste Hälfte. Aber eben nur gute 45 Minuten. In der zweiten Hälfte war er unsichtbar. Und das ist die zweite Dimension der aktuellen Formkrise des FC Arsenal. Neben den defensiven Aussetzern fehlt ein Leader auf dem Platz, jemand der die anderen aufrüttelt, mal in den Hintern tritt, motiviert. Es gab es Verletzungsunterbrechung Mitte der zweiten Hälfte beim Stand von 3:2 für Blackburn. Da wäre es an der Zeit gewesen der Mannschaft auf dem Platz einen Ruck zu geben, wie es früher Fabregas immer mal gemacht hat. Oder auch Nasri. Oder sogar Jack Wilshere. Stattdessen schwiegen sich die Gunners an. Ein paar Minuten später folgte das Eigentor von Koscielny. Wo war Arteta in der zweiten Halbzeit? Ein Ramsey fehlt da schlicht noch die Erfahrung. Auch van Persie wirkte erstaunlich beteiligungslos bei der Motivation seiner Mitspieler.

Seit der Niederlage im Februar im Finale des Carling Cup hat Arsenal 16 Ligaspiele absolviert. Und dabei magere 16 Punkte geholt. Ein Punkteschnitt eines Abstiegskandidaten. Von Top Four will ich gar nicht mehr sprechen. Jetzt muss als erstes Selbstvertrauen und defensive Stabilität zurück. Und das wird schwer genug. Es werden, das steht jetzt schon fest, keine einfachen Monate im Umfeld des FC Arsenal. Auch nicht für Wenger, der zukünftig mehr bieten muss als Erklärungen à la Verunsicherung durch das 2:8-Debakel im Old Trafford. Arsenal hat in fünf Ligaspielen bereits 14 Tore kassiert. Geld wäre für nennenswerte Neuverpflichtungen in der Defensive ist da und wurde von Wenger nicht ausgegeben. Vermaelen kann nicht schnell genug zurückkehren. Wenger selbst sprach nach dem Spiel von einem schrecklichen Saisonstart. Sein Team sei nicht gut genug zurzeit. Er ginge mit einigen Sorgen in die nächsten Wochen. Nächste Woche kommen die Bolton Wanderers ins Emirates Stadium. Unter der Woche ist Carling Cup gegen Shrewsbury angesagt. Zeit für den zweiten Anzug. Co-Trainer Pat Rice hat nach dem 1:1 in Dortmund gesagt, dass Arsenal die Kurve bekommen habe. Aus dieser sind sie heute ziemlich heftig wieder rausgeflogen. Dass Arsenal guten Fußball spielen kann, haben sie in der ersten Halbzeit gezeigt.

Außerdem am heutigen Samstag:

Aston Villa – Newcastle United 1:1
Schiedlich friedlich trennten sich beide Teams im Villa Park. Gabriel Agbonlahor brachte Villa früh in Führung, Newcastles derzeit einziger Stürmer in Normalform, Leon Best, besorgte in der 57. Minute den Ausgleich. Beide verpassten sich in der oberen Tabellenhälfte weiter festzusetzen.

Bolton Wanderers – Ipswich Norwich City 1:2
Die Wanderers hatten einen ganz schwarzen Nachmittag erwischt. Der Aufsteiger aus Ipswich Norwich ging durch Tore von Pilikington und Johnson innerhalb von fünf Minuten kurz vor der Halbzeit mit 2:0 in Führung. In der Nachspielzeit sah Ivan Klasnic von Howard Webb glatt rot. Bolton kämpfe in der zweiten Halbzeit leidenschaftlich, Martin Petrov verkürzte per Elfmeter nach 65 Minuten. Zu mehr reichte es aber nicht.

FC Everton – Wigan Athletic 3:1
Die Toffees kommen langsam in Fahrt. Sieben Punkte aus den letzten drei Spielen, auch weil Everton heute mit 2:1 gegen Wigan gewann. Die Latics gingen durch Di Santo nach einer halben Stunde in Führung, postwendend der Ausgleich durch Phil Jagielka. Das erlösende Tor erzielte der griechische Youngstar Apostolos Vellios kurz vor Schluss. Und in der Nachspielzeit setzte Neuzugang Royston Drenthe noch einen drauf.

Swansea City – West Bromwich Albion 3:0
Erste hat der Aufsteiger aus Wales in den ersten vier Spielen gar nicht getroffen. Und dann fielen die Tore wie am Fließband. Nach dem 2:0 zur Pause hat Dyer gleich nachgelegt. Swansea holt sich den ersten Saisonsieg, verlor aber Neil Taylor mit einer schlimmeren Verletzung nach einem Ellbogenschlag von Peter Odemwingie. Neun Minuten wurde Taylor auf dem Platz behandelt.

Wolverhampton Wanderers – Queens Park Rangers 0:3
Der Höhenflug der Wolves ist erstmal vorbei, QPR kommt zum zweiten Saisonsieg, und wieder auswärts. Die Neuzugänge im Team von Neil Warnock schlugen zu, Joey Barton erzielte nach acht Minuten das 1:0, DJ Campbell, aus Blackpool gekommen, setzte mit dem 3:0 den Schlusspunkt.

Thema: Premier League | Kommentare (2) | Autor: medispolis