Nach der Pokalpause letztes Wochenende geht es mit dem 26. Spieltag weiter. Wobei so ganz kommt der englische Fußball auch an diesem Wochenende nicht um den Pokal herum. Am Sonntagnachmittag bestreiten der FC Liverpool und Zweitligist Cardiff City das Carling Cup Finale im Wembley Stadium (Sport1 live ab 16:55 Uhr). Deswegen stehen auch nur neun Ligaspiele auf dem Programm und keine Partie am Sonntagnachmittag. Das Merseyside Derby gegen den FC Everton ist verschoben. Ein Nachholtermin steht noch nicht fest. Das gestaltet sich deswegen ein wenig schwieriger, weil Liverpool und Everton beide noch im FA-Cup spielen und deswegen aufgrund möglicher Wiederholungsspiele bestimmte Tage provisorisch freigehalten werden müssen.
Kommen wir zurück zur Liga. Sechs Spiele am Samstag. Villas-Boas bei Chelsea unter Beobachtung, schwierige Aufgaben für die Kellerkinder und der Tabellenführer im Einsatz. Das sind die Brennpunkte morgen. Am Sonntag dann das North London Derby.
FC Chelsea – Bolton Wanderers
Samstag 15:55 Uhr, Sky Sport 1 live, Kommentar: Andreas Renner
Wenn man dieser Tage fies zu einem Chelsea-Fan sein will, sollten beiläufig zwei Namen erwähnt werden: Andre Villas-Boas und Fernando Torres. Beide stellen die Anhänger der Blues auf eine Geduldsprobe. Der Trainer schafft es nicht, die Mannschaft taktisch so einzustellen, dass sie erfolgreich ist. In der Liga hat Chelsea den vierten Platz abgegeben, in der Champions League kurz vor dem Ausscheiden. Und Fernando Torres wartet seit Oktober auf einen Treffer. Für einen Stürmer nicht akzeptabel – that’s 50 million pounds well spent. Und so stehen diese beiden Protagonisten stellvertretend für die Krise an der Stamford Bridge. Der Trainer bekommt Rückendeckung vom Besitzer, Torres wird am Samstag trotz leichter Grippe unter der Woche wohl stürmen. Bei Chelsea fehlen weiterhin Bosingwa und John Terry, Mata ist fraglich, wird aber wohl fit werden. In den letzten Jahren waren die Bolton Wanderers ein dankbarer Gegner für die Blues. Die letzten acht Duelle hat Chelsea gewinnen können. Ist jetzt eine Frage der Perspektive. Vielleicht ist es für Bolton der beste Zeitpunkt gegen die Blues zu spielen. Blöd nur, dass bei Bolton eine ganze Reihe von Stammkräften ausfallen. Kevin Davies, Marcos Alonso, Tyrone Mears, Ricardo Gardner, Chung-Yong Lee, Stuart Holden und Sean Davis fehlen alle verletzt. Chelsea hat die letzten fünf Spiele wettbewerbsübergreifend nicht gewonnen. Und wenn es gegen Bolton nicht klappt, dürfte die Krise eine neue Dimension bekommen.
Newcastle United – Wolverhampton Wanderers
Im Fernduell um den vierten Platz hat auch Newcastle United ein gehöriges Wort mitzureden. Einen Punkt liegen die Magpies hinter Chelsea und Arsenal. Jetzt kommen die Wolves. Die Gäste haben Anfang Februar bei QPR gewonnen, der erste Sieg nach zehn sieglosen Spielen in der Fremde. Es war aber auch der einzige Sieg in den letzten fünf Spielen. Grund genug Trainer Mick McCarthy zu entlassen. Jetzt haben die Wolves bis zum Saisonende einen Nachfolger gefunden. Terry Connor, Co-Trainer unter McCarthy, übernimmt die sportliche Leitung. Es ist die einfachste Lösung, aber nicht die gewünschte Option. Der Guardian schlüsselt auf, dass zahlreiche Wunschkandidaten, wie Alan Curbishley, Brian McDermott und Walter Smith, dem Verein abgesagt haben. Newcastle hat die letzten fünf Duelle in der Premier League gegen die Wolves nicht verloren. Aus den letzten drei Ligaspielen insgesamt gab es zwei Siege. Yohan Cabaye und Cheick Tiote sind nach Verletzung und Einsatz beim Afrika-Cup wieder im Mittelfeld der Magpies. Leon Best und Steven Taylor fehlen weiter verletzt.
Außerdem am Samstagnachmittag zwei Mal Abstiegsgefahr gegen sicheres Mittelfeld. Die Queens Park Rangers empfangen den FC Fulham. QPR wartet seit über einem Monat auf einen Sieg. Das Team von Trainer Mark Hughes holte nur vier Punkte aus den letzten sechs Spielen, Fulham holte im gleichen Zeitraum zehn Zähler. Deswegen liegen in der Tabelle jetzt neun Punkte und vier Plätze zwischen beiden Vereinen, QPR liegt auf Platz 16 punktgleich mit den Wolves auf Rang 18. Während die Cottagers keinerlei Personalprobleme haben – nur hinter dem Einsatz von Steve Sidwell steht ein kleines Fragezeichen – muss QPR auf den gesperrten Djibril Cisse und den verletzten DJ Campbell verzichten. Aller Voraussicht nach werden Frederico Macheda und Bobby Zamora im Sturm spielen. Insbesondere für Zamora wird es ein besonderes Spiel. Im Januar verließ er den FC Fulham, nach seiner langen Verletzungspause hatte er wieder das Vertrauen vom Trainer bekommen. Im zweiten Duell hat Schlusslicht Wigan Athletic den Tabellenfünfzehnten Aston Villa zu Gast. Die Latics versuchen den zweiten Heimsieg in dieser Saison zu erzielen. Und das ist auch dringend nötig. Den letzten Heimerfolg gab es im August, in den letzten sechs Heimspielen hat es Wigan nicht geschafft mehr als ein Tor zu erzielen. Nur eines der letzten fünf Ligaspiele wurde gewonnen, ausgerechnet vor zwei Wochen beim direkten Konkurrenten in Bolton. Ob Wigan den Aufwärtstrend fortsetzt? Gegen Villa mit drei Niederlagen in den letzten vier Spielen wäre das gut möglich. Alex McLeish fehlt Innenverteidiger Richard Dunne mit Schulterverletzung, ihn ersetzt Carlos Cuellar. Villa muss außerdem auf Ciaran Clark verzichten.
Desweiteren um 16:00 Uhr am Samstagnachmittag ein eher belangloses Mittelfelduell zwischen West Bromwich Albion und dem AFC Sunderland. Die Black Cats stehen im gesichersten Mittelfeld ohne Kontakt zu den internationalen Plätzen. Bei West Brom besteht noch ein wenig Abstiegsgefahr, was primär in der schwachen Heimform begründet ist. Die letzten beiden Spiele im The Hawthorns gingen verloren, gleichzeitig holten die Baggies aber sieben Punkte aus den letzten drei Spielen in der Fremde. Blöderweise jetzt wieder vor eigenem Publikum. Sunderland gewann drei der letzten vier Ligaspiele. Die Verpflichtung von Trainer Martin O’Neill hat sich als echter Glücksgriff erwiesen.
Manchester City – Blackburn Rovers
Samstag 18:25 Uhr, Sky Sport 1/HD Extra live, Kommentar: Sven Schröter
Im Kampf um die Tabellenführung darf Manchester City vorlegen. Nach der souveränen Leistung in der Europa League gegen den FC Porto wollen die Citizens jetzt den driten Sieg in Folge in der Liga. Klammert man den kleinen Ausrutscher mit der Niederlage beim FC Everton aus, sehe ich derzeit keinerlei Anzeichen, dass Man City leistungsmäßig nachlässt. Sie bleiben der Top-Favorit auf den Titel, nicht nur wegen des Vorsprungs von zwei Punkten auf Man Utd. Mit den Blackburn Rovers kommt jetzt ein dankbarer Gegner ins Etihad Stadium. Blackburn hat zwar die Abstiegsplätze verlassen – aber nur aufgrund der guten Leistungen vor eigenem Publikum. Auswärts, siehe das 1:7 bei Arsenal, gibt es regelmäßige Offenbarungen. Und jetzt reisen die Rovers zu dem Team, das in dieser Saison zuhause noch nicht verloren hat. Man City hat keine Personalsorgen, Carlos Tevez steht aber noch nicht im Kader. Bei Blackburn fehlt Chris Samba wegen Oberschenkelproblemen. City hat keines der letzten acht Spiele gegen Blackburn verloren. Aber die Rovers haben gute Erinnerungen an Manchester. Bei United konnten sie diese Saison schon gewinnen.
Norwich City – Manchester United
Nach der Samstagspartie von Man City muss United beim Aufsteiger in Norwich auf das entsprechende Ergebnis reagieren. Ich habe von der Europa League Partie gegen Ajax nur die Bilder in der Konferenz sehen und war eher enttäuscht von den Red Devils. Aber so richtig überzeugt war ich von Man Utd in den letzten Wochen sowieso nicht. Bei Chelsea spielte das Team eine miserable erste Hälfte, gegen Liverpool tat man nicht mehr als nötig. Richtig gut gefiel mir nur die Partie bei Ajax Amsterdam. Solange Man Utd aber auf Tuchfühlung zu City bleibt, liegt das Team von Sir Alex im Plan. Am Donnerstag hat Nani erstmals wieder über 90 Minuten gespielt und dürfte am Sonntag auch in der Liga wieder von Beginn an spielen. Rio Ferdinand wurde am Donnerstag gegen Amsterdam geschont, kehrt ins Team zurück. Wayne Rooney ist weiterhin fraglich ebenso wie Tom Cleverly. Bei Norwich kehrt Zak Whitbread nach Sperre zurück.
FC Arsenal – Tottenham Hotspur
Sonntag 14:15 Uhr, Sky Sport 1/HD 2 live, Kommentar: Marco Hagemann (Yeah!)
Es ist das 150. Derby zwischen den Gunners und den Spurs in der Premier League – und zum ersten Mal ist die Favoritenrolle klar verteilt. Zu Gunsten der Tottenham Hotspur. Zum ersten Mal seit 15 Jahren könnten die Spurs sich vor Arsenal in der Tabelle platzieren. Das Team von Harry Redknapp spielt insbesondere in der Offensive begeisternden Fußball und liegt nach 25 Spieltagen 10 Punkte vor dem FC Arsenal. Wer hätte das gedacht. “Für uns ist es ein extrem wichtiges Spiel, weil wir unsere Position im Kampf um den vierten Platz weiter verbessern können”, meinte Arsenal-Trainer Wenger heute Mittag auf der Pressekonferenz. Das Saisonziel des FC Arsenal ist klar definiert mit dem Erreichen der CL-Quali. Es werden kleine Brötchen im Emirates gebacken. Kleine Brötchen und Harry Redknapp passen hingegen nicht zusammen. Die Spurs wollen auf alle Fälle, so Redknapp, vor den Gunners in der Tabelle bleiben, haben die Hoffnung auf die Meisterschaft aber auch noch nicht ganz aufgegeben. Es sind nur sieben Punkte Rückstand bei noch 13 Spielen. So oder so brauchen beide Teams einen Sieg, beide wollen drei Punkte – könnte also ein großartiges Spiel werden.
Bei Arsenal sind Laurent Koscielny und Kieran Gibbs noch fraglich. Beide machen morgen einen Fitnesstest. Sollte der Franzose nicht fit werden, könnte Djourou in die Innenverteidigung rücken. Carl Jenkinson, der am Mittwoch in der Reservemannschaft erstmals 90 Minuten nach seiner Verletzung spielte, wäre die Notlösung auf der linken Seite. Vermaelen ersetzt in der Innenverteidigung Mertesacker, fällt für die linke Seite also aus. Ansonsten stellt sich das Team von alleine auf. Gervinho könnte nach seiner Rückkehr vom Afrika-Cup wieder ins linke Mittelfeld rücken. Bei Tottenham entspannt sich die Personalsituation. Luka Modric, Emmanuel Adebayor, Benoit Assou-Ekotto und Rafael van der Vaart fehlten am letzten Sonntag im FA-Cup, sind für Sonntag aber wieder fit. Für beide das vielleicht wichtigste North London Derby in den letzten Jahren, vor allem für Arsene Wenger. Arsenal hat übrigens nur eines der letzten sieben North London Derby gewonnen.
Es sind bis jetzt keinerlei Fanproteste gegen Le Professeur angekündigt. Die schwarzen Müllsäcke bleiben zuhause. Der Verein ist den Fans entgegen gekommen. Man hat die Preise für Dauerkarten für die nächste Saison nicht erhöht. Ob das die Fans bei Laune hält? Eigentlich hilft nur ein Sieg. Beide Vereine haben in gemeinsamen Erklärungen an die Anhänger appelliert sich vor dem Spiel und während der 90 Minuten respektvoll zu verhalten.
Der Spieltag wird abgeschlossen mit der Partie von Stoke City gegen Swansea. Beide Teams stehen im gesicherten Mittelfeld mit jeweils 30 Punkten, haben also mit dem Abstiegskampf nur noch bedingt zu tun. Der Sieger in dieser Partie sowieso nicht mehr. Stoke verlor die letzten zwei Ligaspiele und war in der Europa League gegen den FC Valencia chancenlos. Swansea ist ebenfalls im Formtief. Die Swans gewannen nur eines ihrer letzten fünf Pflichtspiele.