Hannover Scorpions († 23.02.2012)
Es ist der pure Masochismus am Tabellenende der Deutschen Eishockey Liga. Die Hannover Scorpions, Meister 2010, haben sich in den letzten Wochen schon in alle Einzelteile zerfleischt. Heute kam dann der Höhepunkt, der Todesstoß vom Besitzer Günter Papenburg persönlich. Er hält trotz der sportlichen Misere an Trainer Toni Krinner fest und stellt sich damit gegen Geschäftsführer Marco Stichnoth, die komplette Mannschaft und die Fans. Die Hannover Scorpions sind endgültig am Ende. Aus. Vorbei. Aufgrund der Entscheidung von Papenburg haben nach Informationen hannoverscher Medien alle Spieler, deren Vertrag am Saisonende ausläuft, bereits mitteilen lassen, dass sie den Verein verlassen werden. Alle anderen Spieler, deren Kontrakt über die aktuelle Spielzeit hinausgeht, wollen versuchen ihren Vertrag aufzulösen. Schneller ist ein sportlicher Erfolg wie die Meisterschaft 2010 nie vergessen worden. Die Saison ist eine einzige sportliche Krise – doch stattdessen diese zu lösen, sind alle Beteiligten mit sich selbst beschäftigt. Die Leidtragenden sind die treuen Fans, die trotz 14 Heimspielniederlagen in Serie immer noch ihren Weg in die Tui-Arena finden. Doch auch das dürfte bald vorbei sein – dank eines Beziehungsgeflechts, das einzigartig im deutschen Profisport scheint und schon nicht mehr tragisch ist. Fünf Parteien stehen sich gegenüber. Alle haben ihre Ansichten, und keiner weicht davon ab, geschweige sucht den Ausgleich zwischen den Gruppen. Ein Gesprächsangebot von Besitzer Papenburg an die Spieler hat der Baununternehmer kurzfristig wieder ausgeschlagen. Er hat im Alleingang beschlossen, dass Toni Krinner auch in der neuen Saison Trainer bleibt. Wem das nicht gefällt, könne gehen oder einfach wegbleiben. Ich wette, Papenburg ist sich den Folgen dieser Aussage überhaupt nicht bewusst. Oder er leidet unter Realitätsverlust. Wie so viele bei den Hannover Scorpions.
Der Besitzer
Ohne Günter Papenburg würde es die Scorpions nicht geben. Der Bauunternehmer hat den Verein jahrelang mit einem niedrigen einstelligen Millionenbetrag unterstützt und stets das Defizit am Saisonende ausgeglichen. Papenburg, gleichzeitig Besitzer und Betreiber der Tui-Arena auf dem Messegelände in Hannover, brauchte natürlich auch ein Zugpferd für die Mehrzweckhalle. Die Scorpions waren aber nicht nur Mittel zum Zweck. Dann hätte Papenburg die Scorpions schon eher fallen lassen können. Insbesondere unter der Ägide von Hans Zach, mit dem sich Papenburg exzellent verstand, sind die Scorpions Papenburg, auch aufgrund der großen sportlichen Erfolgs, sehr ans Herz gewachsen. Aus den sportlichen Planungen hatte sich Papenburg immer rausgehalten. Das war der alleinige Aufgabenbereich von Geschäftsführer Marco Stichnoth. Doch in Folge der sportlichen Krise in dieser Saison hat Papenburg sich häufiger zu Wort gemeldet. Er hat stets zu Trainer Krinner gehalten – auch nach der 14. Heimniederlage in Folge. Papenburg schwimmt damit alleine gegen den Strom.
Der Geschäftsführer
Der Erfolg der Scorpions hat eine Handschrift: Geschäftsführer Marco Stichnoth. Er hat das Team zusammengestellt, er hatte Hans Zach 2006 an die Leine geholt. Er war es aber auch, der es nie geschafft hat, sich am vom Besitzer zur Verfügung gestellten Etat zu orientieren. Die Scorpions haben in den letzten Jahren nicht gut gewirtschaftet. Die Meistersaison ließ aufgrund hoher Prämien ein großes finanzielles Loch zurück, das Papenburg dann ausgeglichen hat. Die Beziehung zwischen Stichnoth und Krinner war zu Beginn positiv, doch mit zunehmender Unzufriedenheit innnerhalb der Mannschaft mit Krinner, spielte sich Stichnoth in den Mittelpunkt. Er stellte sich während der Spiele auf die Trainerbank, war eine Art Co-Trainer, dessen Posten aufgrund des Sparkurses eingestellt wurde. Stichnoth ist der Ansprechpartner für das Team geworden, Krinner wird immer mehr umgangen. Und nicht zuletzt genießt Stichnoth großes Ansehen bei den Fans.
Das Team
Nahezu alle Spieler der Hannover Scorpions haben sich mit Trainer Krinner überworfen. Bereits zum Ende der letzten Saison gab es einen Bruch zwischen Trainer und Mannschaft, der sich nahtlos in der laufenden Saison fortgesetzt hat. Die Spieler haben schlicht keinen Bock mehr unter Krinner zu trainieren – und so spielen sie auch. Lustlos. Interna aus der Kabine drangen in die Öffentlichkeit. Die Mannschaft versuchte Krinner zum Rücktritt zu drängen. Der gab nicht nach – und hat jetzt die Unterstützung des Mäzen. Das Team ist der Verlierer – wie so häufig in dieser Saison.
Der Trainer
Toni Krinner trat in keine kleinen Fußstapfen. Hans Zach verließ als Meister die Scorpions. Im Sommer danach gab es das erste Theater um einen möglichen Rückzug und die Rückgabe der DEL-Lizenz. Ein rigoroser Sparkurs und der nahezu komplette Umbau des Teams war die Folge. Zu Beginn seines ersten Amtsjahres schien die Symbiose Team und Trainer noch zu klappen. Jetzt ist sie am Ende. Der Hauptvorwurf: Krinner lässt nur ein Spielsystem spielen und weicht auch nicht davon ab – bloß ist diese Taktik des frühen Attackierens nicht gemacht für die Mannschaft und die Spieler der Scorpions. Sie kommen damit nicht zurecht. Und das sollte jeder mit dem Blick auf die Tabelle sehen. Doch Krinner weigert sich vehement sein Konzept zu ändern. Das verärgert die Spieler. In den Phase vor den Playoffs der letzten Saison haben sich Stichnoth und das Team noch gegen Krinner durchgesetzt und auf die alte Zach-Taktik gewechselt. Mit Erfolg. Es war das letzte Mal. Krinner wird sich nicht ändern. Er bleibt stur. Nie hat er auch nur ansatzweise daran gedacht, von sich aus zurückzutreten.
Die Fans
Die Hannover Scorpions sind wahrlich nicht mit einem hohen Zuschauerschnitt gesegnet, aber die treusten Fans der Liga haben auch in den letzten Wochen zu ihrem Team gehalten, es immer wieder unterstützt. Die Sympathien bei den Fans sind klar verteilt. Sie sind pro Team und Geschäftsführer Stichnoth und klar gegen Trainer Toni Krinner gerichtet. Mehrfach wurde während Spielen der Rücktritt des Trainers gefordert. Und mit Günter Papenburg, der sich jetzt klar zu Krinner bekannt hat, haben die Fans eine weitere Zielscheibe für ihren Protest gefunden. Los geht es beim Heimspiel am kommenden Sonntag gegen die DEG Metro Stars.
Es ist eine nahezu aussichtlose Lage. Es ist Endzeitstimmung. Sollte Krinner Trainer bleiben, wird Stichnoth und ein Großteil des Teams gehen und viele Fans dem Verein den Rücken kehren. Die Entscheidung liegt nun beim Besitzer Papenburg, jener Papenburg, der die Scorpions geschaffen hat, sie zu einer festen Größe in der DEL machte – und der jetzt, ohne wahrscheinlich auch nur ansatzweise über die Konsequenzen nachzudenken, mit seiner Entscheidung pro Krinner den Stecker ziehen wird. Papenburg scheint Schluss machen zu wollen. Zur Not gebe er die DEL-Lizenz gerne an Landshut weiter.
Es ist vorbei. Ein weiterer DEL-Klub wird langsam, aber stetig zu Grabe getragen. Zwei Jahre nach dem Gewinn der Meisterschaft.


Donnerstag, 23. Februar 2012 9:00
Nicht Papenburg hat die Scorpions geschaffen…es war Marco Stichnoth und Herr Haselbacher!!!…Papenburg war nur schlau und hat die Scorps damals in die Arena gelockt…und mit was für Mitteln…….
Donnerstag, 23. Februar 2012 9:48
Bevor die Scorpions an Papenburg verkauft wurden, war der Verein doch sportlich am Ende und fast in die 2. Liga abgestiegen. Der Verkauf an Papenburg war damals also ein echter Glücksfall. Erst unter Papenburg begann der konsequente sportliche Aufstieg, unter anderem auch durch die Kooperation mit Bremerhaven damals. Unter anderem, was man so gehört hat, ein Grund, warum Hans Zach damals zu den Scorpions kam, weil er mit vielen jungen deutschen Spielern arbeiten konnte.