Für mich ist es schon jetzt eine der Sportsensationen des Jahres 2011. Die Straubing Tigers setzen sich in vier Spielen gegen die Grizzly Adams Wolfsburg durch. Heute Abend gab es den vierten Sieg vor eigenem Publikum. Während der Großteil der sportinteressierten TV-Zuschauer Champions League schaute, habe ich mir 40 Minuten Eishockey angeschaut. Und ich war begeistert von den Tigers. Das war pure Hingabe und Leidenschaft, gepaart mit toller Leistung in der Offensive. 7:3 gewann Straubing (14 Tore in den letzten beiden Heimspielen gegen Wolfsburg).
Neben den Adler Mannheim und den Eisbären Berlin wurde Wolfsburg noch die größten Chancen auf das Erreichen des Finales eingeräumt. Und jetzt fliegen sie gegen das Team mit 0:4 in der Serie raus, das sich erst am letzten Spieltag der regulären Saison direkt für das Playoff-Viertelfinale qualifizierte. Das Team, das zum ersten in seiner DEL-Zugehörigkeit seit 2006 überhaupt die Playoffs erreicht hat. Wolfsburg spielte eine, mal eine kleine Schwächephase Anfang des Jahres ausgenommen, eine überzeugende Vorrunde, gewann vier der letzten fünf Vorrundenspiele und schoss dabei über 20 Tore. Nur das letzte bedeutungslose Saisonspiel wurde 0:5 bei den Hannover Scorpions verloren. Und seitdem geht nichts mehr zusammen.
Die DEL hat es ja mal wieder nicht geschafft, sich medial für die Playoffs in Szene zu setzen. Und auch Sky fährt den exakt selben Aufwand wie für ein simples Vorrundenspiel zwischen Iserlohn und Augsburg. Vor dem TV und auch in den Sportmedien der deutschen Zeitungen kommt so gut wie keine Playoff-Stimmung auf. Der DEL-Internetauftritt begleitet die Fans genauso langweilig und eintönig durch die Playoffs wie zur Vorrunde. Diese Liga ist einfach tot. Was so unglaublich schade ist, weil Eishockey ein so geiler Sport ist, Sky so viel gute Experten für die DEL hat und einfach nur vor sich hin spart, und die DEL Online-Redaktion doch vielleicht in der Lage zu sein scheint, viel mehr aus sich rauszuholen. Online-Diskussionsrunden, Podcasts, Blogs, whatever. Es ist einfach nur trostlos.
Und wenn das Drumherum schon nicht stimmt, hätte ja vielleicht wenigstens der Sport für öffentlichkeitswirksame Schlagzeilen sorgen können. Aber die bisherigen Partien waren häufig einseitig und wenig spannend. Ausgerechnet in der einzigen Best-of-seven-Serie der Playoffs sind bereit zwei Duelle nach vier Spielen entschieden. Neben Straubing folgen die Eisbären Berlin ins Viertelfinale nach einem 3:0 in Köln bei den Haien. In den anderen beiden Serien führt Ingolstadt gegen die DEG Metro Stars (heute ein 6:1 im ISS-Dome) ebenso wie die Adler Mannheim gegen die Hamburg Freezers mit 3:1 (souveränes 3:1 heute Abend in der O2 World). Freitag könnten diese beiden Serien ebenfalls vorbei sein, allenfalls der DEG traue ich in Ingolstadt nochmal ein Comeback zu. Wenn überhaupt.
Im Vergleich zu der völlig überdimensionierten und langen Vorrunde wirken die Playoffs wie ein ganz schlechter Quickie. Ohne große Höhepunkt. Kann im Halbfinale noch kommen. Ich hoffe es und wünsche es mir. Die Liga wird es auch nicht mehr retten. Für die DEL und Sky sind Playoffs scheinbar kein besonderer Zeitraum während der Saison. Anders ist das schwache Engagement nicht zu erklären. Immerhin gibt es ab dem Halbfinale alle Spiele im TV und die Fans können sich mal intensiver in eine Serie hineinschauen. Und wenn Straubing so weiterspielt, gibt es noch tolle Eishockey-Unterhaltung.