Lesenswerte Lektüre zum Derby of Manchester
Phil McNulty/BBC: Manchester’s derby decision day
The Guardian: Manchester City look for big steal after United leave back door open
Daily Telegraph: Blue Moon rising as Roberto Mancini consigns slapstick image to history
The Independent: City’s moment to shift the balance of power has come
SPOX-Interview mit Uwe Rösler zum Derby: “Die Hütte muss brennen.”
The biggest Derby of all time. Die Ausgangslage ist klar und eindeutig – und vielleicht, aber nicht nur deshalb, ist die Spannung so groß vor dem Monday Night Game zwischen Manchester City und Manchester United. Jene Partie, die die Meisterschaft in der Premier League entscheiden könnte. Sollte United im Etihad Stadium gewinnen, wäre das gleichbedeutend mit dem Titelgewinn. Sollte sich City drei Punkte holen, würden die Citizens dank der besseren Tordifferenz vorübergehend die Tabellenspitze erklimmen – haben aber am kommenden Wochenende noch das schwere Auswärtsspiel bei Newcastle United zu absolvieren. Nur bei einem Sieg der Red Devils könnte also von einer Entscheidung im Meisterschaftsrennen gesprochen werden. Ein Remis würde Man Utd auch mehr nützen. City muss also gewinnen. Keine schlechten Voraussetzungen für ein spannendes Spiel.
Der Erste beim Tabellenzweiten zu Gast – mehr Topspiel geht eigentlich nicht. Das Spiel bekommt noch eine weitere Komponente, die es sehenswert macht. Es spielt die stärkste Heimmannschaft der Liga gegen das beste Auswärtsteam. City hat von seinen bisherigen 17 Heimspielen 16 gewonnen, nur gegen den AFC Sunderland gab es Ende März beim 3:3 ein Remis. City hat 51 Tore geschossen, nur zehn kassiert. United hat die wenigsten Auswärtsniederlagen aller Mannschaften in der Premier League. Vor drei Wochen gab es die Niederlage in Wigan, Anfang Januar haben die Red Devils bei Newcastle verloren. Mit zwölf Siegen in der Fremde hat kein Team häufiger gewonnen. United stellt auswärts die beste Defensive und Offensive der Liga. Das war nicht immer so. Insbesondere in den letzten beiden Spielzeiten war die Auswärtsschwäche stärker ausgeprägt. In der Saison 2010/2011 holten die Red Devils gerade mal fünf Siege auswärts. Sollte United Meister werden, ist das sicherlich auch als ein Schlüsselfaktor zu bezeichnen. United spielte diese Saison 18 Mal zu null, City nur 15 Mal.
City oder United – das ist auch die Frage um die Vorherrschaft in der Stadt Manchester. United Trainer Sir Alex Ferguson hat vor Beginn der Saison City noch als einen zwar reichen, aber kleinen Klub bezeichnet. Mittlerweile hat sich der Sir dazu durchgerungen, City als direkter Konkurrent von United in den nächsten Jahren zu identifizieren. Nicht Arsenal, Chelsea oder Tottenham. Und Liverpool sowieso nicht mehr. Woher kommt dieser Sinneswandel? Es sind zwei Faktoren. Zum einen natürlich die eigene Leistung von United. In der Liga sind die Red Devils zwar weiterhin dominant, aber international haben sie mit dem Ausscheiden in der Gruppenphase der Champions League und dem Rausfliegen in der Europa League gegen Bilbao sich ebenso mit wenig Ruhm bekleckert wie City. Zum anderen hat es Manchester City vier Jahre nach Übernahme durch die Investorengruppe aus Abu Dhabi es endlich geschafft, eine Mannschaft zu formen, die um den Titel in der Premier League mitspielen kann. Dafür brauchte es neben dem Kaufpreis von knapp 200 Millionen Euro eben nochmal weitere hunderte Millionen von Euro – aber es hat geklappt. Wie Man City in den nächsten Jahren vom Financial Fairplay betroffen sein wird, bleibt abzuwarten. Dass City sparen muss, ist offensichtlich. Aber das müssen zukünftig ja alle Vereine. Wenn City also die derzeitige Form konservieren kann, bleibt das Feiern des Titelgewinns nur eine Frage der Zeit, vielleicht schon in ein paar Wochen. Und da wären wir wieder bei der Vorherrschaft um Manchester. City hat im April 2011 zwar den FA-Cup gewonnen. Der letzte Titelgewinn davor liegt aber über 40 Jahre zurück. 1968 wurde City zum zweiten Mal englischer Meister. In den letzten 20 Jahren hat Manchester United hingegen 12 Mal die englische Meisterschaft gefeiert, vier Mal den FA-Cup und zwei Mal die Champions League gewonnen. Es braucht also so oder so noch Zeit, bis City wirklich auf einer Stufe mit United steht. Der Titelgewinn in diesem Jahr könnte ein erster Schritt sein, vor allem um zu zeigen, dass United ernsthafte Konkurrenz aus der eigenen Stadt bekommt.
Es ist auch das Duell zweier Trainergenerationen. Bei Sir Alex Ferguson stellte man sich in den letzten Jahren immer wieder die Frage, wann er eigentlich nach 26 Dienstjahren zurücktritt. Sein erklärtes Ziel war immer alleiniger englischer Rekordmeister zu sein. Das wurde durch den Titelgewinn letztes Jahr geschafft, 19 Meisterschaften, eine mehr als der FC Liverpool. Was treibt Sir Alex also noch an? Oder ist es die fehlende Perspektive einen Startrainer in Old Trafford zu locken. Guardiola oder Mourinho waren lange Zeit nicht verfügbar. Aber vielleicht will Sir Alex zum Abschluss seiner Trainerkarriere es allen nochmal zeigen und sich im direkten Duell mit dem Stadtrivalen messen und dieses Duell gewinnen. Auf der anderen Seite steht Roberto Mancini. Der Italiener hat in seiner Zeit bei Inter Mailand viele Erfolge gefeiert. Den großen internationalen Triumph hat er noch nicht erreicht. Mancini ist aber auch gerade mal 48 Jahre alt. Das Trainergeschäft, gerade bei einem so ambitionierten Klub wie Manchester City, ist härter geworden als zu den Anfangszeiten von Sir Alex Ferguson. Längere Erfolgslosigkeit kann sich Mancini in Eastlands nicht leisten. Offiziell haben die Besitzer des Vereins Mancini Rückendeckung gegeben. Er dürfte also auch nächste Saison an der Seitenlinie stehen. Der Rucksack der fehlenden Titelgewinne könnte im nächsten Sommer aber schwerer werden. Irgendwann müssen große Titel her.
Schaut man sich die bisherige Saison von Manchester City genauer an, kann man durchaus konstatieren, dass es diese Saison vielleicht noch nie so einfach war, englischer Meister zu werden – und City diese Saison verspielt hat. Bis Mitte November hat City mit Ausnahme des Remis beim FC Fulham alles in Grund und Boden gespielt, unter anderem auch beim 6:1 im Old Trafford. So ein bisschen ist das Derby am Montag auch die Möglichkeit zu Revanche für United. City hatte dann im Januar eine erste Schwächephase, als die Dominanz in den Spielen und Ergebnissen wegblieb. Es setzte Niederlagen in Sunderland und gegen Everton, beide auswärts, beide 0:1. City fehlte die nötige Offensivkraft. Die erste kleine Mini-Krise kam dann Ende März und Anfang April mit den Unentschieden gegen in Stoke und zuhause gegen Sunderland. Es folgte eine indiskutable Leistung beim 0:1 gegen Arsenal. Man sah den Citizens nicht wirklich an, dass sie den Titel erreichen wollten. Als die Sache mit der Meisterschaft eigentlich schon entschieden war, zeigte City dann wieder den Fußball, der sie diese Saison positiv auszeichnete. Starke Defensive, brilliante Offensive. Die letzten drei Spiele wurden gewonnen, 12:1 Tore stehen zu Buche. Blickt man auf die bisherige Spielzeit von Manchester United fällt auf, dass United im Gegensatz zu City keine großen Formschwankungen hatte. Man spielte konstant gut, verlor zwischendurch mal ein Spiel, gewann aber meist das nächste gleich wieder. Einzige Ausnahme waren die Ereignisse um den Jahreswechsel mit der Heimniederlage gegen Blackburn und bei Newcastle United. Entsprechen lässt sich der kleine Vorsprung von United ganz gut erklären.
Im Gegensatz zu City war bei United intern wie in der Außendarstellung auch meistens Ruhe im Karton. Sir Alex hat den Laden im Griff – ganz anders bei City, wo viele Eigeninteressen aufeinanderprallen. Balotteli sorgte für die meisten Schlagzeilen und beschädigte auch ein wenig den Trainerposten von Mancini. Carlos Tevez sollte nie wieder für City spielen – jetzt läuft er unter Mancini wieder auf. Es ist halt schwierig, den besten Spielern der Welt zu vermitteln, dass sie in einer solchen Mannschaft auch mal länger auf der Bank sitzen können. Das ist ein Lernprozess, mit dem sich auch Mancini erst auseinandesetzen musste. Bei United war die größte Aufregung fast schon mit gelegentlichen Schwalben von Ashley Young und der Unzufriedenheit von Dimitar Berbatov verbunden. Sollte City trotz der ganzen internen Querelen Meister werden, muss man das anerkennen. Sollte es nicht klappen, werden die ersten Kritiker die Finger in diese Wunde legen. Da hat City sich noch zu verbessern.
Für das Spiel am Montag sind die Aufstellungen wenig überraschend. Roberto Mancini kann wieder auf Balotelli zurückgreifen, der seine drei Spiele Sperre abgesetzt hat. Im Sturm dürften aber weiterhin Carlos Tevez und Aguero den Vorzug bekommen. Micah Richards kehrt nach Verletzung zurück. United hat keine Personalsorgen. Außer den Langzeitverletzten Nemanja Vidic, Darren Fletcher und Anderson sind alle Spieler an Bord. Unklar noch, wer hinten rechts in der Kette spielt. Phil Jones oder Chris Smalling wären Alternativen für Rafael. Fraglich ist höchstens Nani, der im Training ein Schlag auf den Knöchel bekommen hat. Andre Marriner pfeift die Partie.
Manchester City – Manchester United
Montag ab 20:45 Uhr (Anstoß 21:00 Uhr) live auf Sky Sport 1 und Sky Sport HD1. Kommentar: Marco Hagemann