Es kursierten heute am frühen Nachmittag Meldungen auf Twitter, wonach die Premier League überraschend früh einen neuen TV-Vertrag für die UK-Rechte der Premier League ab der Saison 2013/2014 beschlossen hat. Erst vor einigen Wochen wurden die TV-Sender dazu aufgerufen, ihre Angebote einzureichen. Die Verhandlungen gingen also ausgesprochen schnell und ruhig über die Bühne, bereits in der zweiten Verhandlungsrunde. Bereits vorab meldete die Associated Press, dass es auch weiterhin keine 16Uhr-Spiele im britischen TV geben wird. Es wurde in der britischen Medienlandschaft immer wieder über ein Mitbieten von Google und Apple spekuliert, Yahoo hatte sich frühzeitig verabschiedet. Insbesondere auch Al-Jazeera, die derzeit auf große Sport-TV-Rechte-Einkaufstour in Frankreich gehen, wurde ein ernsthaftes Interesse nachgesagt.
Kurz zur Ausgangslage. Vergeben wurden jetzt die Inlands-TV-Rechte der Premier League ab der Saison 2013/2014. Insgesamt werden 154 Spiele im britischen TV gezeigt, das sind 16 mehr als bisher – der aktuelle Vertrag, bei dem BSkyB mit 1,8 Milliarden Pfund zum Großteil der Einnahmen beiträgt, gilt noch für die laufende Spielzeit. Die restlichen Spiele zeigt ESPN UK, die ungefähr 180 Millionen Pfund pro Saison zahlen. Die neuen Rechte wurden in insgesamt sieben Pakete aufgeteilt, von denen jeder Anbieter höchstens fünf (vier große Pakete mit je 26 Spielen und ein kleines Paket mit 12 Spielen) erwerben kann. Das heißt also, BSkyB könnte höchstens 116 Spiele zeigen. So belebt Konkurrenz das Geschäft. Erwartet wird ein Dreikampf zwischen BSkyB, ESPN und Al-Jazeera mit den bisherigen Rechteinhabern als Favoriten. Der neue Vertrag geht für drei Spielzeiten, also bis einschließlich der Saison 2015/2016.
Um 18 Uhr werden nun die Ergebnisse auf einer Pressekonferenz verkündet.
Und der große Gewinner ist zunächst die Premier League. 3,018 Milliarden Pfund nimmt die Liga für die Spielzeiten 2013/2014 bis 2015/2016 ein – und das sind nur die Inlandsrechte. Wow. 1,3 Milliarden Pfund mehr als beim derzeitigen Vertrag.
Und der große Sieger heißt – nicht wirklich überraschend BSkyB. Sky bekommt das Maximum. Fünf Pakete, zeigen insgesamt 116 Spiele live. Mehr war nicht zu holen. Für Sky ändert sich also im Prinzip vom Umfang der Übertragungen gar nichts. Hier die offizielle Pressemitteilung von BSkyB.
Der Verlierer ist hingegen ESPN UK. Bisher noch 20 Spiele gezeigt, geht ESPN ab der Saison 2013/2014 komplett leer aus. Die übrigen Live-Rechte für 38 Spiele gehen an BT (British Telecom). 246 Millionen Pfund pro Jahr zahlt BT für die Rechte. Macht also insgesamt 738 Millionen Pfund für die nächsten drei Jahre. Sky zahlt damit also knapp 2,3 Milliarden Pfund (760 Millionen Pfund pro Saison), ungefähr 500 Millionen Pfund mehr als bisher für drei Jahre. Für einen finanziell völlig gesunden Konzern dürfte das sehr locker zu stemmen sein.
Al-Jazeera ist damit komplett raus. Also ein eher konservativer Vertrag, wenig Experimente. Trotzdem boomt die Liga weiter.
BSkyB wird weiterhin am Sonntag und Montag übertragen und den alten ESPN-Slot von Samstagabend 18:30 Uhr deutscher Zeit übernehmen. BT wird einzelne Spiele am Sonntag und auch Samstagmittag übertragen. 38 Spiele sollen gut verteilt werden. Interessant: Von den 38 Spielen hat British Telecom bei 18 Spielen einen First Pick, darf also frei wählen, welches Spiel sie übertragen. Das schwächt BSkyB ein klein wenig.
Unter dem Strich: Viel viel Geld, das die Vereine in neue Spieler etc. investieren können. Der große Umbruch auf dem britischen Medienmarkt ist ebenso ausgeblieben.
Die Reaktionen in der britischen Presse fallen entsprechend eher gering und gedämpft aus. Da der ganz große Coup ausgeblieben ist, wird in erster Linie die Premier League gefeiert, die trotz scheinbar geringerer Konkurrenz über drei Milliarden Euro in den nächsten Jahren einnehmen wird, und das nur bei den Inlandsrechten. Ein wenig Zweifel gibt es an der Position und Strategie der British Telecom. Dan Sabbagh schreibt im Sportblog des Guardian:
There is no doubt that the risks for BT are greater. The company will have to sign up presenters, chase customers, and set up a channel. BT promises its service will be available on Freeview, Virgin and Sky, and although no pricing has been outlined, costs are likely to start at about £10 a month – with fans having to fork out for both.
Setanta Sports, which had a similar model, struggled to sign up 1.2m, about 700,000 short of the number it needed to break even – and the Irish broadcaster was paying only £2.8m a game, far below BT’s £6.5m. ESPN, incidentally, paid £2.3m a game.
Die große Frage ist also, ob BT die Rechte irgendwie finanzieren kann, gerade bei der Vorgeschichte von ähnlichen Expansionen bei Setanta und ESPN UK (für deren Ausscheiden gibt es weiterhin keine offiziellen Gründe und Verlautbarungen – laut Daily Telegraph hätte die Premier League gerne mit ESPN weitergemacht und sich wohl dank Disney als zahlungskräftigen Konzern auch ein finanziell lukratives Angebot erhofft. Fehlanzeige.). Ein Großteil der Spiele wird BT am Samstagmittag zeigen. Das ist der Termin, der bei BSkyB von den Einschaltquoten eher der schlechteste war. Im Schnitt schauten 1,2 Millionen Menschen zu dieser Zeit, den Doubleheader am Sonntagnachmittag schauen über zwei Millionen. Vorteil für die British Telecom: Durch das First Pick können zahlreiche Spitzenspiele am Samstagmittag gezeigt werden oder auch einige Derbys, die aufgrund von Sicherheitsbedenken mittags angepfiffen werden.
Kai von allesaussersport wies gestern per Tweet auf einen Umstand in der Pressemitteilung von BSkyB hin. Dort ist als Anstoßzeit für Montag 21:30 Uhr deutscher Zeit ausgegeben und nicht wie bisher 21:00 Uhr. Es könnte also einen neuen Termin geben, ansonsten bleiben die Anstoßzeiten unverändert. Wie die Spiele aber genau aufgeteilt werden auf die verschiedenen Anstoßzeiten, ist noch nicht geklärt. Interessant wird vor allem sein, ob die Premier League bei ihren Überlegungen bleibt, die Anzahl an Samstagnachmittagsspielen zu reduzieren.
Bereits vor einigen Wochen hat die Premier League die Rechte für die Zusammenfassungen im Free-TV an die BBC vergeben. Es gibt also weiterhin Samstagabend und Sonntagabend Match of the Day.
Links:
Pressemitteilung der Premier League
Pressemitteilung von BSkyB
Sicher ist das ein Erfolg für die Premier League und alle Beteiligten. Was auffiel als diese Nachricht publik wurde, war, dass sämtliche englische und/oder britische Sportjournalisten auf Twitter abgelenkt waren vom Spiel GER-POR und es wurde auschließlich über diesen neuen TV-Vertrag geredet. Spricht nicht unbedingt für den Weitblick einiger englischer Sportschreiber.
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