Wie Eishockey im ZDF-Sportstudio lächerlich gemacht wurde

Eishockey-Fans in Deutschland haben es nicht wirklich leicht. Dieser großartige Sport, den sie Woche für Woche verfolgen und nebenbei sicherlich noch ein wenig NHL – wenn die Liga denn spielt – wird in den deutschen Medien nur zimperlich beachtet. Es sei denn, die Liga oder irgendein Verein ist mal wieder in einer großen Krise, sportlich oder finanziell. Dann sind die Seiten im Sportressort schnell gefüllt. Schlechte Nachrichten verkaufen sich bekanntlich besser. Es ist auch völlig okay und die Pflicht der Sportjournalisten darüber zu berichten. Und es entsteht dann immer ein fader Beigeschmack, wenn die sportlichen Aspekte der Liga weniger Beachtung und Relevanz geschenkt bekommen. Dass da, wie ich an dieser Stelle schon häufiger ausgeführt habe, zu großen Teilen die Liga selbst dran schuld ist, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Nun hat die Deutsche Eishockey Liga dank des Lockouts in der NHL wieder eine etwas größere Chance medial angemessen in Szene gerückt zu werden. Denn viele Profis aus der NHL halten sich während des unterbrochenen Spielbetriebs in Übersee bei Vereinen in der DEL fit und spielen natürlich auch auf dem Eis. Für die Liga kann das insgesamt nur positiv sein. Wenn da wahrscheinlich gestern Abend nicht das ZDF gewesen wäre.

23 Uhr ZDF-Sportstudio. Ich schaue das vielleicht nur noch drei bis vier Mal im Jahr, wenn wirklich Gäste da sind, die mich interessieren. Und wann hat man schon mal drei Stars aus der NHL im deutschen Fernsehen? Dennis Seidenberg, Marcel Goc und Christian Ehrhoff gaben sich trotz zwei Spielen am Wochenende die große Ehre. Ich hatte mich also sehr darauf gefreut, dass ein wenig über den Sport und die DEL im Besonderen gesprochen wird. Und ich wurde bitter enttäuscht.

Zuschauer, die nicht so sehr im Eishockey-Sport involviert sind, könnten jetzt mit folgendem Eindruck die Sendung verlassen haben: Eishockey-Spieler tragen lustige Uniformen, prügeln sich die meiste Zeit auf dem Eis und verdienen in der NHL einen Haufen Kohle, der – ich unterstelle das mal der ZDF-Sportredaktion – als zu hoch rüberkommen sollte.

Natürlich wurde gestern auch kurz über die DEL und den Lockout in der NHL gesprochen, vielleicht ein Viertel der Gesprächszeit. Damit tut das ZDF seine nötige Pflicht, mehr aber auch nicht. Stattdessen versuchte Moderator Sven Voss irgendwelche Belanglosigkeiten in Erfahrung zu bringen, die mit dem Sport nichts zu tun haben. Die Spieler musste ihre Ausrüstung anziehen und wurden dabei durch blöde Fragen wie “Macht das denn auch Spaß?” fast der Lächerlichkeit preisgegeben. Dann wurden krampfhaft versucht herauszufinden, wieviel Geld die Spieler in der NHL verdienen. Die “Dagobert Ducks” des Sports waren im Sportstudio. Das kann eigentlich nicht der Ernst einer Sportredaktion der ÖR sein. Spielbericht aus der DEL war übrigens 40 Sekunden lang. Und das tut mir in der Seele weh.

Es war eine große Chance, Eishockey als Sport den Menschen, die sich vielleicht nicht so sehr dafür interessieren und begeistern, näher zu bringen. Stattdessen wurde Eishockey-Uniform mit Frauenunterwäsche verglichen, wurde so getan, als würden die Spieler in der NHL einen Haufen Kohle für nichts verdienen (mal abgesehen davon, dass die Strukturen von DEL und NHL überhaupt nicht zu vergleichen sind) und sich zwei Drittel lang auf dem Feld nur prügeln.

Das macht mich als Eishockey-Fan einfach nur sehr traurig, denn dadurch, dass der Sport (un-)beabsichtigt lächerlich gemacht wird, kommt die DEL auch nicht wieder auf die Füße. Es wäre schön gewesen, wenn sich das ZDF wirklich auf den Sport, auf das, was auf dem Eis passiert, konzentriert hätte. Denn Eishockey ist ein so spannender, dynamischer, abwechselungsreicher, schneller Mannschaftssport, der einen ganz anderen Blickwinkel und Framing verdient, als ihn das ZDF gestern vorgenommen hat.

Das ZDF hat auf Twitter eher schmallippig auf die Kritik, die nicht nur von mir hervorgebracht wurde, reagiert. Man könne es verstehen, wenn zu wenig Stoff für die Insider präsentiert wurde. Tja, da hat das ZDF zumindest meine Kritik nicht verstanden. Mir ging es nicht um die Inhalte. Ich kann nicht verlangen, dass das ZDF davon ausgeht, dass nur Eishockey-Fans vor dem Bildschirmen sitzen. Was ich aber erwarten kann – und das sollte auch der Anspruch vom ZDF sein – dass ich einen Sport so darstelle und deute, wie ihn die vielen Eishockey-Fans Woche für Woche wahrnehmen. Und uns interessiert was auf dem Eis passiert. Und das war scheinbar nicht das Hauptanliegen des ZDF gestern Abend.

Und das macht mich sehr traurig. Denn das hat das deutsche Eishockey bei allen Problemen (die hätte man ja auch mal sachlich ansprechen können) nun wirklich nicht verdient. Zum Glück wissen es viele Fans in Deutschland sehr viel besser als das ZDF.

[Wer sich selbst ein Bild machen will von der Sendung, dann bitte hier entlang]

Ein Gedanke zu “Wie Eishockey im ZDF-Sportstudio lächerlich gemacht wurde

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