Morgen am zweiten Weihnachtsfeiertag steht also einer der traditionsreichsten Spieltage im englischen Fußball auf dem Programm: der Boxing Day, traditionell am 26. Dezember ausgetragen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag steht der Sport wieder im Vordergrund, die Familien gehen in die Stadien. Der Ursprung des Begriffes ist noch nicht immer ganz geklärt. Der Hintergrund liegt wohl darin, dass man am zweiten Weihnachtsfeiertag seinem Arbeitgeber, armen Menschen oder Leuten aus sozialschwachen Familien kleine Geschenke zukommen ließ, die man in kleine Schachteln (Boxes) verpackte. Dieser Tag fällt entweder auf den ersten Tag nach Weihnachten (also den 26. Dezember) oder alternativ der nächste Wochentag nach Weihnachten. Seitdem heißt dieser Tag Boxing Day, an welchem die Premier League traditionellerweise einen kompletten Spieltag absolviert. Seitdem die Premier League ein globales TV-Produkt geworden ist, trifft dies immer weniger zu, genauso, dass vornehmlich Derbys am Boxing Day stattfinden. Das wird immerhin so gut es geht eingehalten. Aber dieses Jahr hat es die Liga wieder geschafft, einen Spieltag komplett am 26. Dezember auszutragen, morgen stehen also neun Spiele auf dem Programm. Zur Erinnerung: Arsenal gegen West Ham fällt wegen Streiks bei der Underground und Bauarbeiten bei der Eisenbahn aus.
Sieben Spiele werden am Samstag um 16:00 Uhr deutscher Zeit angepffifen. Im Kampf um die Tabellenspitze begrüßt Manchester United Newcastle United im Old Trafford (Sky Sport 1/HD 1 live, Kommentar: Toni Tomic). United büßte am letzten Spieltag ein wenig Vorsprung ein, weil es bei Swansea City trotz spielerischer Überlegenheit ein 1:1 gab. Die großen Schlagzeilen machte nach dem Spiel eher der Trainer von United. Sir Alex Ferguson war außer sich vor Wut, weil Ashley Williams angeblich absichtlich den Ball gegen den am Boden liegenden Robin van Persie schoss. Ferguson forderte im Interview nach dem Spiel eine längere Strafe für Williams, weil sich Van Persie ernsthaft hätte verletzten können, ja vielleicht sogar “sterben” können. Die FA wird keine Sperre aussprechen. Newcastle gewann am Samstag 1:0 gegen die Queens Park Rangers – durch einen Treffer des fast schon vergessenen Shola Ameobi, sein dritter Saisontreffer. Für Alan Pardew kehrt also vorübergehend ein wenig Ruhe ein. Den Magpies fehlen weiterhin Hatem Ben Arfa, Dan Gosling und Steven Taylor. United muss noch auf Anderson verzichten, der an Neujahr aber wieder im Kader stehen soll. Die Gastgeber konnten nur eines der letzten vier Aufeinandertreffen gegen Newcastle gewinnen.
Manchester City will den Rückstand mit drei Punkten beim AFC Sunderland verkürzen. Dafür wird eine deutlich bessere Leistung als beim 1:0 gegen Reading nötig sein, zumal die Black Cats nach dem Auswärtssieg in Southampton mit frischem Wind in die Partie gehen. Blöd nur, dass Sunderland eines der heimschwächsten Teams der Liga ist und die Citizens noch kein Auswärtsspiel verloren haben. Letzte Saison haben übrigens sowohl United als auch City am Boxing Day nicht gewonnen.
In Sachen Erfolg am zweiten Weihnachtsfeiertag ist Chelsea-Trainer Rafael Benitez der Punktegott. Fünf seiner sechs Spiele hat der Spanier als Trainer am Boxing Day gewonnen. Der FC Chelsea, derzeit elf Punkte hinter Man United bei einem Spiel weniger, muss zu Norwich City reisen, deren Serie von zehn ungeschlagenen Spielen am Samstag mit der Niederlage bei West Bromwich Albion zu Ende ging. Aber die Canaries, derzeit Tabellenzehnter mit 25 Punkten, sind noch immer mehr als im Soll und weisen mit nur einer Niederlage in acht Heimspielen eine Bilanz ein, die auch dem FC Chelsea Respekt einflößt. Zumal die Blues nur eines ihrer letzten drei Spiele in der Fremde gewinnen konnten und sie sich gegen die vermeintlich kleineren Teams (West Brom, West Ham, Swansea) auswärts immer extrem schwer taten. Grant Holt wird am Mittwoch wieder für Norwich stürmen können, nachdem er gegen die Baggies noch geschont wurde. Steven Whittaker fällt aus, von daher wird Russell Martin den Rechtsverteidiger geben. Chelsea hat fast keiner Verletzungssorgen, außer den Langzeitverletzten John Terry und Oriol Romeu. Daniel Sturridge, der im Januar zum FC Liverpool wechselt, dürfte aus dem Kader genommen werden. John Obi Mikel kehrt nach drei Spielen Sperre ins Team zurück, dürfte aber nur auf der Bank Platz nehmen, weil David Luiz weiter die Rolle im defensiven Mittelfeld übernehmen wird. Norwich wartet seit 18 Jahren auf einen Sieg gegen den FC Chelsea.
Die Blues haben unter anderem den FC Everton im Nacken. Die Toffees haben nur zwei Punkte Rückstand auf Chelsea und empfangen im Goodison Park Wigan Athletic. Die Latics hatten am Samstag gegen Arsenal ein wenig Pech mit dem Schiedsrichter und zu viel eigenes Unvermögen vor dem gegnerischen Tor, sodass die Niederlage gegen die Gunners fast in Ordnung ging. Wigan verlor vier der letzten fünf Spiele und bleibt weiter auf dem ersten Abstiegsplatz. Everton gewann mit 2:1 bei West Ham, in einem Spiel, das ebenfalls von zahlreichen kontroversen Schiedsrichterentscheidungen begleitet wurde. Die Gastgeber haben diese Saison noch kein Heimspiel verloren, sind seit 12 Spielen vor eigenem Publikum ungeschlagen. Marouane Fellaini fehlt gesperrt, der Einsatz von Seamus Coleman ist sehr fraglich. Darron Gibson flog bei West Ham vom Platz, Everton hat aber Einspruch gegen den Platzverweis eingelegt, er kann also vorerst spielen. Kevin Mirallas und Tony Hibbert fehlen definitiv verletzt. Bei Wigan lichtet sich das Verletzungslazarett ein wenig. Gary Caldwell ist wieder fit und Ivan Ramis sowie Antolin Alcaraz könnten am Samstag bei Aston Villa wieder dabei sein.
Verfolger der vorderen Teams ist auch West Bromwich Albion, die nach London zu den Queens Park Rangers reisen. West Brom konsolidiert sich mit zuletzt vier Punkten aus zwei Spielen. QPR verlor in Newcastle sein erstes Spiel unter dem neuen Trainer Harry Redknapp. Und Redknapp war ziemlich angefressen nach der Niederlage. Seine Spieler, so Redknapp, würden viel zu viel Geld verdienen und dies durch Fähigkeit und Einsatz nicht rechtfertigen. Redknapp relativierte seine deutliche Kritik an Heiligabend. Er hätte nicht alle Spieler gemeint. Dass die erste Elf von QPR sein Geld wert ist, wird sich gegen die Baggies zeigen. Julio Cesar dürfte nach Ende seiner Rückenbeschwerden für die Hoops wieder im Tor stehen. Armand Traore und Nedum Onuoha sind mit Oberschenkelproblemen fraglich. Ji-sung Park fehlt weiter mit Knieverletzung. Youssouf Mulumbu kehrt bei West Brom nach Sperre zurück.
Martin Jol könnte der nächste entlassene Trainer in der Premier League werden. Die Bilanz der letzten sieben Spiele des FC Fulham: fünf Niederlagen, ein Remis, ein Sieg. Mit dem FC Southampton kommt nun eine Hürde, welche die Cottagers eigentlich ohne Probleme nehmen müssten. Die Saints holten nur ein Sieg aus den letzten vier Spielen und haben auswärts sechs ihrer sieben Partien verloren. Fulham war gegen Liverpool komplett chancenlos, spielte ohne Mut und Leidenschaft. Vielleicht hilft ja die Rückkehr von Steve Sidwell nach Sperre. Bryan Ruiz ist ebenso wie Mahamadou Diarra und Mladen Petric mehr als fraglich. Bei den Südküstlern fehlt weiter ihr Star Adam Lallana.
Das letzte Duell am Mittwochnachmittag sieht den FC Reading und Swansea City gegenüber. Es sind nur sechs Punkte Rückstand für die Royals auf die Nichtabstiegsplätze. Aber so langsam müssen dann die Siege her. Die Leistung bei Man City war im Vergleich zum Heimspiel gegen den FC Arsenal schon einmal ein Fortschritt. Aber Swansea konnte sich nach zwei Niederlagen mit dem 1:1 gegen Man United wieder etwas Selbstvertrauen holen. Reading fehlen Jason Roberts, Sean Morrison und Alex McCarthy. Pablo Hernandez könnte nach Hüftproblemen erstmals seit fünf Spielen wieder zum Einsatz kommen. Das wäre ein großer Vorteil für die Swans.
Um 18:30 Uhr empfängt Aston Villa die Tottenham Hotspur (Sky Sport 1/HD 1 live, Kommentar: Markus Gaupp). Villa hat am Sonntag gegen den FC Chelsea soviele Geschenke verteilt, dass eigentlich für die Spurs nichts mehr im Sack sein sollte. Überraschend, wie die Villens ihr Selbstvertrauen nach dem Sieg bei Liverpool durch das Debakel an der Stamford Bridge so wegwerfen können. Auch Tottenham blieb mit dem 0:0 gegen Stoke City hinter den eigenen Erwartungen zurück. Ron Vlaar, Gabriel Agbonlahor und Charles Nzogbia haben Fitnesstests direkt vor dem Spiel. Darran Bent fehlt weiterhin, für Tore muss also Benteke sorgen. Bei den Spurs ist Clint Dempsey fraglich. Scott Parker könnte nach zuletzt zwei Einwechselungen wieder in der Startelf stehen. Benoit Assou-Ekotto könnte nach Knieverletzung ebenfalls zurückkehren. Die Spurs haben nur zwei ihrer letzten 18 Spiele im Monat Dezember verloren.
Das Abendspiel steigt um 20:45 im Britannia Stadium zwischen Stoke City und dem FC Liverpool (Sky Sport 1/HD 1 live, Kommentar: Sascha Roos). Beide Mannschaften sind gut in die Feiertage gestartet. Stoke holte sich ein verdientes Remis an der White Hart Lane, Liverpool überzeugte mit einem 4:0 gegen Aston Villa. Überragender Akteur an der Anfield Road war Stewart Downing, der mit seinem Tor und einer Torvorberitung (weltklasse Pass für Steven Gerrard) für große Augen bei den Fans der Reds sorgte. Liverpool könnte mit einem Sieg Anschluss an den Europa League Platz bekommen, aber auch Stoke, die ebenfalls 25 Punkte auf dem Konto haben. Bei den Potters fehlen Charlie Adam Adam, Rory Delap und Steve Wilson. Tony Pulis stellt also wieder ein 4-4-1-1 auf mit Kenwyne Jones als Stürmer und Walters als hängender Spitze. Michael Owen ist fraglich, dürfte aber gegen seinen ehemaligen Verein auf der Bank sitzen. Brendan Rodgers hat keine großen Personalsorgen und dürfte die Erfolgself vom Samstag im 4-2-3-1 spielen lassen. Sterling dürfte nach einer kleinen Pause am letzten Wochenende wieder in der Startelf stehen. Stoke ist in den letzten 15 Heimspielen ungeschlagen, die beste Bilanz in der Vereingeschichte seit 38 Jahren.
Happy Boxing Day und schöne Weihnachten noch!