Freitag, 23. März 2012 14:26
Endlich mal wieder ein kompletter Spieltag mit zehn Begegnungen, acht davon am Samstag, außerdem gibt es mal wieder ein Monday Night Game, einschließlich dieser Partie sind das insgesamt noch fünf Begegnungen zu Beginn der Woche. Neun Spieltage vor Ende der Saison kristallisieren sich immer mehr die drei Schwerpunkte heraus, die bis zum Saisonende spannend bleiben könnten. Zum einen ist dies der Kampf um die Meisterschaft und die Vorherrschaft in Manchester. Außerdem im Fokus steht der Kampf um die Plätze 3-5. Gary Cahill vom FC Chelsea hat die Mind Games eröffnet und verkündet, dass die Blues die Spurs noch in der Tabelle überholen werden. Das hat vorerst Arsenal geschafft. Und Newcastle redet auch noch ein Wörtchen mit. Im Abstiegskampf lautet die Formel wohl “3 aus 5″. Die Wolves, Wigan, Bolton, QPR und Blackburn kämpfen um den Klassenerhalt.
Sky mit drei Live-Spielen an diesem Wochenende. An den nächsten drei Spieltagen gibt es dann jeweils vier Übertragungen pro Runde. Freuen wir uns drauf.
DER KAMPF UM DIE EUROPAPOKAL-PLÄTZE
FC Chelsea – Tottenham Hotspur
Samstag 13:40 Uhr, Sky Sport 1 live, Kommentar: Sven Schröter
Niederlagen gegen Arsenal, Man Utd und Everton, nur Remis gegen Stoke. Die Tottenham Hotspur sind auf der Suche nach Erklärungen für die schlechte Performance in den letzten Wochen. Es läuft einfach nicht mehr. Trainer Harry Redknapp: “Es scheint so, als wären wir ein wenig vom Weg abgekommen. Wir spielen nicht mehr mit derselben Dynamik und Genauigkeit. Es macht jetzt keinen Sinn, den Finger auf irgendjemanden zu zeigen.” Klare Worte von dem Trainer, der im Januar und Februar noch großspurig angekündigt hat, um die Meisterschaft mitspielen zu wollen. Doch seit der Diskussion um Redknapp als möglichen neuen Nationaltrainer Englands haben die Spurs die Erfolgsspur verlassen. Das wird im Punkteschnitt deutlich. Vor der Entlassung von Fabio Capello haben die Spurs im Schnitt 2,1 Punkte pro Spiel erzielt, seitdem nur noch 0,8 Punkte. Eine ausführliche Analyse bei der BBC.
Nun folgt das Spitzenspiel an der Stamford Bridge gegen den FC Chelsea, der Tabellenvierte zu Gast beim Fünften, getrennt durch fünf Punkte. Geht die Negativserie der Spurs weiter oder kann Chelsea den Abstand verkürzen? Die Blues haben sich unter Interimstrainer Roberto di Matteo stabilisiert, zeigten im FA-Cup gegen Leicester guten Fußball und auch am Mittwoch bei Man City war das eine sehr ordentliche Leistung. Die Spurs wollen zum ersten Mal in der Premier League Geschichte an der Stamford Bridge gewinnen. Bei Chelsea ist John Terry wieder fit, Gary Cahill könnte deswegen wieder auf der Bank Platz nehmen. Bei den Spurs kehrt Emmanuel Adebayor nach Verletzung ins Team zurück.
FC Arsenal – Aston Villa
Samstag 16:00 Uhr
Viele Arsenal-Fans haben wohl nicht mehr daran geglaubt, dass sie noch einen möglichen Termin für den St Totteringham’s Day in ihren Kalender eintragen müssen. Doch nachdem die Gunners Ende Januar noch 13 Punkte hinter den Spurs lagen, geht man jetzt mit einem Punkt Vorsprung auf Platz vier in die letzten neun Spieltage. Nun ist es die Aufgabe von Arsenal den dritten Platz zu verteidigen. Arsenal gewann die letzten sechs Ligaspiele, am Mittwoch ein in der ersten Halbzeit souveränes, in der zweiten Halbzeit wackeliges 1:0 beim FC Everton. Nun soll der siebte Streich folgen. Erstaunlicherweise hat Arsenal derzeit eine sehr entspannte Personalsituation mit recht vielen Alternativen im Mittelfeld. Wenger kann also rotieren. Das ging am Mittwoch los, als Rosicky im linken Mittelfeld spielte, Ramsey und Song die Doppelsechs bildeten und Arteta den kreativen Spielmacher gab. Gegen Villa dürfte Alex Oxlade-Chamberlain und Gervinho ihre Chancen bekommen, Walcott und Rosicky dürften zunächst pausieren. Mal sehen, wie sich Wenger entscheidet. Der Trainer hat einen Schlüsselfaktor für den Rest der Saison ausgemacht: Beständigkeit und Konstanz. Er tue derzeit alles in der täglichen Trainingsarbeit, um das Momentum des Erfolgs zu verlängern. Das sei der Schlüssel für den Erfolg. Aston Villa könnte ein dankbarer Gegner sein. Aus den letzten sieben Pflichtspielen gab es nur einen Sieg, zuletzt aber immerhin drei Unentschieden. Der letzte Auswärtssieg der Villens datiert vom 21. Januar. In den letzten sechs Aufeinandertreffen gewann Villa nur ein Spiel. Bei Villa fehlen weiterhin die Langzeitverletzten Darren Bent, Richard Dunne und Ciaran Clarke.
Weiter erfolgreich sein, das Momentum behalten. Das heißt auch volle Konzentration auf die eigene Aufgabe. Mit dem direkten Aufeinandertreffen von Chelsea und Tottenham könnte Arsenal der große Gewinner des Spieltages sein. Wenger dazu: “Wir werden uns damit nicht zwanghaft beschäftigen. Es ist nicht der letzte Spieltag der Saison.”
West Bromwich Albion – Newcastle United
Sonntag 17:00 Uhr
Beim Kampf um die Plätze 3-5 läuft Newcastle United immer ein wenig unter dem Radar der meisten Experten. Ein wenig unverständlich, denn auf Platz vier sind es nur sieben Punkte Rückstand und die nächsten Gegner der Magpies heißen nach der Reise zu West Bromwich dann unter anderem Liverpool und Chelsea (direkte Konkurrenten, um Punkte zu holen) sowie Bolton, Stoke und Wigan. Es gibt schwierigere Restprogramme. Wenn solche Patzer wie beim 0:5 in Tottenham ausbleiben, ist Newcastle vorerst ein team to watch. Gegen Norwich gab es vor einer Woche zwar ein mühsames 1:0, doch das 1:2 bei Arsenal hat gezeigt, dass Newcastle zumindest über 50-60 Minuten mit den Top-Teams der Liga auf Augenhöhe mitspielen kann. Mit etwas mehr Konstanz könnte Newcastle zum ersten Mal seit der Saison 2006/2007 wieder im Europapokal spielen. Voraussetzung dafür ist ein Sieg bei West Bromwich, die sich unter Roy Hodgson endgültig von den Abstiegsplätzen entfernt haben. Die Baggies mit zehn Punkten aus den letzten fünf Spielen.
DER ABSTIEGSKAMPF
Bolton Wanderers – Blackburn Rovers
Samstag 16:00 Uhr
So ganz allmählich kehrt Alltag bei den Bolton Wanderers ein. Nach den tragischen Vorfällen mit Fabrice Muamba bestreiten die Wanderers ihr erstes Pflichtspiel. Die Blackburn Rovers hatten angeboten, das Spiel zu verlegen, wenn Bolton dies wünsche. Fabrice Muamba ist mittlerweile ganz langsam auf dem Weg der Besserung – vielleicht auch ein Faktor, warum das Spiel stattfindet. Und es ist ein verdammt wichtiges. Bolton liegt auf dem ersten Abstiegsplatz, fünf Punkte hinter den Rovers. Und Blackburn hat einen Lauf. Die Mannschaft von Steve Kean hat die letzten beiden Spiele gewonnen. Bolton konnte nur eines der letzten fünf Ligaspiele erfolgreich gestalten. Ganz interessant: Es trifft die schlechteste Heimdefensive auf die schwächste Auswärtsdefensive. Blackburn besitzt von allen Teams im Tabellenkeller die stärkste Offensive. Vielleicht bekommen wir ja ein Torfestival zu sehen. Bei den Rovers keine großen Personalprobleme. Steve Kean setzt auf das erfolgreiche Team der vergangenen Wochen, also mit Yakubu als einzige Spitze, unterstützt von Junior Hoilett, der immer noch keinen neuen Vertrag unterschrieben hat. Trainer Kean hat auf der Pressekonferenz am Donnerstag nochmal seine Befürchtung geäußert, dass Hoilett den Verein verlassen könnte. Angeblich haben die Tottenham Hotspur großes Interesse an dem 22-jährigen Kanadier. Großes Rätselraten noch um die Aufstellung der Bolton Wanderers. Trainer Owen Coyle hat jedem seiner Spieler freigestellt, ob sie spielen oder nicht. 11 Männer sollte er dann aber doch zusammen bekommen. Chris Eagles ist nach seiner Oberschenkelverletzung wieder fit, dafür müssten Martin Petrov oder Ryo Miyaichi wieder auf der Bank Platz nehmen.
Norwich City – Wolverhampton Wanderers
Samstag 16:00 Uhr
Der Tabellenletzte aus Wolverhampton reist zum soliden Aufsteiger an die Ostküste Englands. Es sind zwar nur drei Punkte bis zum rettenden Ufer für die Wolves. Aber die Leistungen der letzten Wochen machen wenig Hoffnung. Es wäre nicht übertrieben zu äußern, dass Wolverhampton wie ein Absteiger spielt. Aus den letzten fünf Ligaspielen wurde nur ein Punkt geholt, dabei kassierte man 19 Gegentore. Der positive Effekt des Trainerwechsels von Mick McCarthy zu seinem Co-Trainer Terry Connor ist ausgeblieben. Connor wirkt auch in der Außendarstellung, insbesondere bei seinem Interview nach dem 0:5 gegen Man Utd, ein wenig rat- und hilflos. Ich habe die ersten 45 Minuten gegen die Red Devils gesehen. Da waren im Offensivspiel durchaus gute Ansätze von den Wolves dabei, doch defensiv und in der Rückwärtsbewegung ist das momentan nicht tauglich für die Premier League. Die Wolves müssen aufpassen, nicht in einen Negativstrudel zu geraten. Die Therapie soll die Reise nach Norwich sein. The Canaries auch nur mit einem Punkt aus den letzten vier Spielen.
FC Liverpool – Wigan Athletic
Samstag 16:00 Uhr
Auch an der Anfield Road ist Abstiegskampf ein Thema am Samstagnachmittag. Der Tabellenvorletzte aus Wigan ist zu Gast bei den Reds. Interessanteste Frage beim FC Liverpool ist, wie konzentriert sie die Saison noch zu Ende spielen. Die Qualifikation zur Champions League können die Reds nicht mehr erreichen – zuletzt gab es nur ein Sieg aus fünf Spielen, inklusive der peinlichen 2:3-Niederlage nach 2:0-Führung bei den Queens Park Rangers -, für die Europa League ist man durch den Gewinn des Carling Cup bereits qualifiziert. Geht also um nicht mehr wirklich viel. Vielleicht ist das ja eine kleine Chance für Wigan. Die Latics spielten einen recht erfolgreichen Februar, zuletzt gab es aber nur Remis gegen West Bromwich und Norwich. Und solche Spiele musst du eigentlich gewinnen, um den Klassenerhalt zu schaffen. Trainer Roberto Martinez gibt sich nach außen trotzdem weiter sehr optimistisch, dass der Klassenerhalt geschafft wird. Was soll er aber auch anderes sagen?
AFC Sunderland – Queens Park Rangers
Samstag 16:00 Uhr
In der Fußballsprache hört man häufig den Begriff des Wendepunkts in einer Saison, die Engländer würden wohl turning point rufen. Vielleicht war der Mittwochabend einer für die Queens Park Rangers. Nach zuletzt sechs sieglosen Spielen in der Premier League, sah der siebte Versuch genauso erfolglos wie immer aus. Liverpool führte verdient 2:0, auch dank eines Traumtores von Sebastian Coates, doch dann drehte QPR die Partie innerhalb von 13 Minuten und gewann 3:2, gleichbedeutend mit dem Verlassen der Abstiegsplätze. Ob das nun ein turning point war, wissen wir spätestens am Samstag um 17:55 Uhr. Die Black Cats verloren am Dienstag nach zuletzt fünf Punkten aus drei Spielen sang- und klanglos mit 2:0 in Blackburn. Die Queens Park Rangers sind eigentlich schon zum Siegen verdammt. Denn in den letzten neun Saisonspielen geht es unter anderem noch gegen Arsenal, Man Utd, Tottenham, Chelsea und Man City.
DER KAMPF UM DIE MEISTERSCHAFT
Stoke City – Manchester City
Samstag 18:25 Uhr, Sky Sport 1/HD Extra live, Kommentar: Markus Jestaedt
Roberto Mancini hatte die Wichtigkeit des Spiels gegen den FC Chelsea vor der Partie damit unterstrichen, dass nur bei einem Sieg seine Mannschaft noch die Chance hat die Meisterschaft zu gewinnen. Nicht nur, weil dann der Punkteabstand nicht weiter anwächst, sondern auch weil die Citizens dann die Qualität gezeigt haben, solch wichtigen Spiele zu gewinnen. Auch wenn die Leistung nicht unbedingt die beste in den letzten Wochen war, reichte es für einen knappen 2:1-Erfolg. Was Mancini voller Euphorie zu der Aussage hinreißen ließ: Wir werden auf alle Fälle Meister. Damit dem Italiener diese Aussage nicht im Mai um die Ohren fliegt, ist ein weiterer Sieg im Britannia Stadium notwendig. City reist mit der Empfehlung von fünf Siegen in den letzten sechs Spielen zu den Potters. Stoke steht im gesicherten Mittelfeld, hat zwei der letzten vier Spiele gewonnen. Problem beim Team von Tony Pulis ist diese Saison ein wenig die Offensive. Nur sechs Tore in den letzten neun Spielen haben die Potters erzielt. Man City hat mit seinen 27 Auswärtstoren nur ein Tor weniger als Stoke insgesamt erzielt. Die Vorzeichen sind also klar: Geballte Offensivpower gegen ein Abwehrbollwerk. Bei Stoke fehlt Salif Diao verletzt, Ricardo Fuller ist noch gesperrt. Bei Man City ist nur Joleon Lescott fraglich.
Manchester United – FC Fulham
Montag 20:55 Uhr, Sky Sport 1/HD 2 live, Kommentar: Markus Gaupp
Sir Alex Ferguson kann ganz in Ruhe bei einem Glas Rotwein beobachten, was der Titelkonkurrent vorlegt. Denn Manchester United schließt am Montag gegen den FC Fulham den Spieltag ab. Sportlich sind die Vorzeichen klarer denn je. Mit nur noch einem Wettbewerb vor der Brust, kann sich United ganz auf die Liga konzentrieren. Das 5:0 bei den Wolves war ein erstes Ausrufezeichen. Die Red Devils haben die letzten neun Ligaspiele nicht verloren, darunter nur zwei Unentschieden. Mit dem FC Fulham kommt eines der schlechtesten Auswärtsteams der Liga ins Old Trafford. Die Cottagers konnten nur eines der letzten neun Auswärtsspiele gewinnen, Ende Februar bei den Queens Park Rangers. Kein Team erzielt weniger Tore auf gegnerischem Platz als der FC Fulham. Nur acht mickrige Törchen waren es in 14 Spielen. Manchester United stellt die zweitbeste Heimoffensive der Liga. Man Utd weiterhin ohne Nani, dafür aber wieder mit Tom Cleverley und Phil Jones, die gestern für die zweite Mannschaft im Einsatz waren.
Neun Spieltage vor Schluss spitzt sich der Meisterschaftskampf zu, City oder United? Es ist die Zeit für die berühmte Mind Games von Sir Alex Ferguson. Nachdem Mancini nach dem Sieg gegen Chelsea gesagt hatte, dass sein Team den Titel gewinnen wird, hat Ferguson heute zurückgeschlagen. Sir Alex: “Ich habe genug Munition für Mind Games gegen Man City.” Beiläufig bekam dann Roberto Mancini noch eine ab. Es sei die pure Verzweifelung, so Ferguson, dass Mancini Tevez, den er nie mehr aufstellen wollte und der dann Urlaub in Argentinen machte, eingewechselt hatte. Es werde weitere Episoden folgen.
BEST OF THE REST
Swansea City – FC Everton
Samstag 16:00 Uhr
Es bleibt bei der Tradition, dass es an einem Spieltag mindestens ein Spiel gibt, in dem die Tabellenkonstellation nicht unbedingt danach schreit, der Partie mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Was aus der Sicht vom Aufsteiger Swansea City eine fantastische Nachricht ist, haben die Swans doch nichts zu tun mit dem Abstiegskampf. Gleiches gilt für Everton, die mit einem Sieg Swansea in der Tabelle überholen würden und auf Platz acht klettern könnten. Everton bleibt eine solide Mannschaft in der Premier League, mehr aber auch nicht. Vor der Saison und auch während der Winterpause gab es ja immer wieder Fanproteste gegen den Klubbesitzer Bill Kenwright, der den Verein gerne verkaufen möchte, aber keine finanzstarken Interessenten findet. Everton fehlt das Geld, das Stadion ist gemütlich, fast schon provinziell, aber eben nicht sehr groß. Wenn man die Entwicklung der Toffees positiv betrachtet, ist die Leistung des Teams trotz der eingeschränkten finanziellen Mittel immer noch toll. Negativ formuliert dürfte klar sein, dass Everton aus dem Status der grauen Maus in der Liga, dem soliden Mittelfeldteam, auf Dauer nur herauskommt, wenn mehr Geld zur Verfügung steht. Everton zuletzt mit einem Sieg aus vier Ligaspielen, Swansea weist die Bilanz von vier Siegen in den letzten sechs Spielen auf.
Schönes Wochenende!