Donnerstag, 9. Juni 2011 21:44
06:38 Uhr: Kann ja nicht wahr sein. Die ganz Woche wache ich vor dem Klingeln des Weckers auf, nur heute nicht. Fühle mich aus dem tiefsten Schlaf gerissen. Versuche aufzustehen, aber es geht nicht. Also nochmal umdrehen. So wichtig ist der Tag heute nicht.
06:54 Uhr: Zweiter Versuch, scheitert genauso wie der erste. Mache im Halbschlaf den Fernseher an und suche nach den Radiosendern. Lande bei NDR 2, lasse die Fernbedienung hinters Bett fallen und bin zu faul nach unten zu kriechen. Also der Norddeutsche Rundfunk zum Wachwerden. Moin nach Hamburg.
07:36 Uhr: Hat ja richtig großartig geklappt. Was ist nur aus NDR 2 geworden? Spielen Lieder mittlerweile gar nicht mehr aus, Einheitsbrei, keine flotte Musik zum Wachwerden oder Mitsingen. Nun ja, also Aufstehen jetzt. Vielleicht hilft eine heiße Dusche ja.
07:53 Uhr: Bingo, geht doch. Angezogen, die ZEIT aus dem Briefkasten geholt, zum Bäcker geeilt, dabei die Titelseite überflogen. Mist, gibt heute nicht mein Lieblingskörnerbrötchen. Also klassisch ein normales Brötchen, ein Rosinen und ein Schokocrossaint. Vor der Bäckerei wird ein Fußgänger fast vom Auto überfahren. Fußgänger hatte rotes Ampellicht, wohl auch jemand noch nicht richtig wach.
08:22 Uhr: Jetzt ist es auch egal. Mittlerweile habe ich es aufgegeben früh im Büro zu sein, also ausgiebiges Frühstück mit Müsli, Obstsalat und einem Blick in die ZEIT. Im Radio auf WDR 2 quatschen sie schon wieder alle von EHEC, NATO und den ganzen Abkürzungen, die das Leben scheinbar erleichtern und verkürzen.
08:57 Uhr: Schwinge mich aufs Rad zur Uni, meist brauche ich dafür von Pempelfort gute 25-30 Minuten, je nach Windrichtung. Heute mal wieder Südwest, also Gegenwind, vor allem am Rhein. Denke gar nicht daran mich groß abzustrampeln. Easy going heute. Auf dem Burgplatz ist das Reinigungspersonal schon fertig und genießt den Kaffee in der Morgensonne, Jogger säumen das Flussufer, die Restaurants holen ihre Stühle nach draußen.
09:30 Uhr: Hätte mich ein Anruf nicht zwischendurch ereilt, wären es exakt 30 Minuten geworden. Stapfe ins Büro hoch, Bürotür auf, Sonnenschein reinlassen, Mails überfliegen, kurzer Blick in die Tageszeitungen (Sportteil mit Nowitzki, versteht sich ja von selbst). Und dann verplempere ich 10 Minuten auf Facebook um mich über Daniel Bahr und Ilse Aigner lustig zu machen und netten Menschen zum Geburtstag zu gratulieren.
09:51 Uhr: Erste Aufgabe für heute. Ich muss noch zwei Konzeptpapiere gegenlesen, Mails beantworten, mit der Uni-Verwaltung telefonieren und eine Gliederung für eine Präsentation entwerfen. Klappt alles fix und schnell. Zeit einigermaßen aufgeholt.
10:47 Uhr: Hole mir einen Kaffee, eile in die Bibliothek um mir zwei Bücher auszuleihen und komme ausnahmsweise zu spät in die Besprechung beim Professor. Vier Minuten. Ist nicht mein Tag heute so far.
12:29 Uhr: Mit dem Glockenschlag zum gemeinsamen Mittagessen ist die Besprechung durch. Kopf raucht und in der Mensa gibt es eine durchschnittliche Geflügelfrikadelle und völlig zerkochte Nudeln. Aber gut, am Mittwoch gab es exzellenten grünen Spargel und Schweinemedaillons. Da schaue ich über die Nudeln gerade mal so weg. Anschließend Kaffee trinken in der Sonne und dann wieder flugs in Büro.
13:31 Uhr: Nehme mir jetzt mal konzentriertes Arbeiten vor. Gelingt ganz gut. Habe bis 16 Uhr alles soweit erledigt, was ich heute machen wollte. Noch ein paar Mails schreiben. Zwischendurch den Bürokollegen mit einem Twix glücklich gemacht. Und mal wieder interessant, was man alles schafft, wenn man dieses Internet nicht am Laufen hat.
15:37 Uhr: Werde mit Entsetzen angeschaut, als ich im Kopierraum der Bibliothek die lange Schlange umgehe und an den angeblich defekten Kopierer trete. Alle kichern schon. Ah, mal wieder Fehlercode BC 253 oder so ähnlich. Das hatte ich schon mal. Zwei Handgriffe – und die Kiste lief wieder. Persönlicher Beckerfaust-Moment des Tages.
16:03 Uhr: Ich widme mich meiner Masterarbeit. Bin da noch in der konzeptionellen Phase, wie es so schön heißt. Klingt gut, heißt aber so viel, dass ich ein grobes Thema habe, Theorie und Methode sind soweit auch klar, fehlt nur noch die genaue Fragestellung und der empirische Zugang. Also weiter daran arbeiten, überlegen, was man machen könnte, was wissenschaftlich relevant ist. Literatur sichten, recherchieren, Markieren, Ideen haben, Ideen verwerfen. Still a long way to go. Falls es jemand interessiert. Ich gebe dieses Jahr noch ab.
17:34 Uhr: Als Habermas wieder irgendein ein Blödsinn von sich gibt, beschließe ich für heute Schluss zu machen. Morgen geht es weiter. Also mit dem Fahrrad nach Hause. Mittlerweile keine Sonne mehr, sondern viele Quellwolken, ein paar dunkler als andere. Die Sonne müht sich den Feierabend ein wenig zu erhellen. In der Stadt sind die Menschen auf dem Weg nach Hause, am Rhein sitzen ein paar Menschen auf den Rheinwiesen, auf der Prommenade riecht es wieder nach Fisch. Gosch hat alle Pfannen an. Mache einen kleinen Umweg zum Obst- und Gemüsehändler. Karotten, Zucchini, Paprika und eine Schale Erdbeeren.
18:15 Uhr: Zuhause, Sachen ausgepackt. Laufklamotten an, iPod lautgeschaltet. Laufrunde am Rhein, heute die kurze Variante durch den Rheinpark. War auch schon mal schneller. Scheiß Gegenwind. Also ich denke, es war der Gegenwind.
19:00 Uhr: So, mal ein paar Minuten hinsetzen und nichts tun. Dann Dusche, Abendessen zubereiten (Gemüsepfanne mit selbstgemachtem Kräuterquark und Baguette), bei Sky News den Sportblock mitgenommen. Wird interessant zu sehen sein, ob Wigan Martinez halten kann. Meine Güte ist Stuart Pearce alt geworden. Essen war lecker. Tagesschau im Vorbeigehen geschaut.
20:23 Uhr: Wenn ich zwei Aufgaben im Haushalt hasse, dann sind es Abwaschen und Bügeln. Mache einen fairen Kompromiss. Abwaschen jetzt gleich, Bügeln dafür morgen.
20:45 Uhr: Den Rest Obstsalat von heute Morgen essen. Blogeintrag schreiben, Feeds lesen, Coldplay-Liveblog aus Venedig verfolgen, Mails beatworten, kurz mit den Eltern telefoniert (“Ja, ich wasche mein Gemüse ab.”). Eine Folge The Daily Show geschaut.
21:31 Uhr: Suche für eine gute Freundin nach einem Lied, das sie für eine Vorführung braucht. Gefunden und nebenbei in der wirklich hintersten Ecke eine etwas ältere CD von Embrace gefunden. Ja, ich weiß, ich höre zu viel Brit-Pop. Aber Embrace waren wirklich gut früher, leider hört man von denen gar nichts mehr. CD angemacht und meinen damaligen Lieblingstrack “Nature’s Law” gehört. Währendessen machen die Nachbarn im Hinterhof das ZDF mal wieder viel zu laut.
21:34 Uhr: Aufstehen heute Nacht für Dirk oder nicht? Kopf sagt nein, Herz sagt ja. Höre auf den Kopf. Morgen dann Aufzeichnung und bis dahin tagsüber von allen Nachrichten abkapseln, wenn das einigermaßen geht. Wird ja richtig produktiv dann morgen. Wenn ich rechtzeitig aufstehe. Lasse den Wecker mal einfach aus.