Beitrags-Archiv für die Kategory 'Alltägliches'

Zensus 2011

Donnerstag, 12. Mai 2011 21:10

Wurde heute im Rahmen des Zensus 2011 befragt. Hat zwar nur 10 Minuten gedauert, lässt mich aber doch noch ein wenig nachdenklich zurück. Was gewinnt Deutschland jetzt durch meine paar Antworten bzw. durch die Angaben der vielen anderen Menschen?

Immerhin war ich so clever anzugeben, dass ich Student bin, zumindest ja auch noch für ein paar Monate. Wobei: Wenn jetzt durch den Zensus als Ergebnis feststellt, dass wir zukünftig oder auch jetzt schon zu wenig Studienplätze in Deutschland haben – vor allem auch für ausländische Studierende – ist das ja scheinbar ein großer Erfolg: Endlich mal etwas schwarz auf weiß, mit Statistik ermittelt.

Dann wissen wir alles also ganz genau. Na ja.

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2011: Und die Hälfte des Jahres ist noch nicht mal erreicht

Sonntag, 8. Mai 2011 18:47

Deutschland wird nichtständiges Mitglied im Sicherheitsrat der UN.
Dioxin-Skandal.
Attentat auf die US-Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords.
Messi wurde zum Weltfußballer des Jahres 2010 gewählt.
Australien wird überschwemmt.
Rückzug aus Afghanisaten spätestens 2014.
Ausnahmezustand in Tunesien.
Alternativlos.
Regierungskrise in Irland.
Russland und die USA einigen sich auf ein Abrüsten von Kernwaffen.
Japan gewinnt die Asienmeisterschaft im Fußball.
Weißrussland und Demokratie – never.
Mubarak kündigt seinen Rückzug an.
Monica Lierhaus zeigt sich wieder in der Öffentlichkeit.
Flüchtlinge wollen nach Europa.
Anklage gegen Silvio Berlusconi.
Deutsche Börse goes USA.
Die SPD erobert Hamburg.
Guttenberg. Immer nur und überall Guttenberg. Er tritt ab.
Nach Tunesien und Ägypten nun Libyen.
Martin Kaymer führt die Weltrangliste im Golfen an.
Illinios schafft die Todesstrafe ab.
Erdbeben und Tsunami in Japan.
Atomkatastrophe in Japan.
Menschenketten gegen Atomkraftwerke.
Proteste auch in Bahrain. Absage des Formel 1-Auftakts.
3-monatiges Moratorium.
Weiter große Koalition in Sachsen-Anhalt.
Regierungskrise in Portugal, das Land muss sparen.
Lena bekommt einen Echo. Ina Müller war auch schon mal besser.
Baden-Württemberg strahlt grün.
Rheinland-Pfalz weiter mit the Beck’s experience.
Vettel. Vettel. Vettel.
Energiekonzerne reichen Klage gegen Moratorium ein.
Westerwelle tritt als Parteichef zurück.
Portugal braucht Finanzhilfen der Europäischen Union.
In Frankreich tritt ein landesweites Burkaverbot in Kraft.
Gbagbo, der Präsident der Elfenbeinküste, wird festgenommen.
Tornados wüten. Nicht mehr Sweet Home Alabama.
Eisbären eiskalt Deutscher Meister im Eishockey.
Jetzt Ausnahmezustand in Syrien.
Sony gehen Daten verloren – und Ansehen.
Terror in Marokko.
William und Kate heiraten.
Arbeitnehmerfreizügigkeit. Schönes Wort.
Papst Johannes Paul II. wird selig gesprochen.
Osama bin Laden wird getötet. Jubel in den USA.

Und dann wird da im Atlantik so ein Flugschreiber gefunden von einem Flugzeugunglück. Und dann muss ich minutenlang überlegen und dann fällt mir die Nachricht langsam wieder ein. Ach ja, da war mal irgendwas.

Was für ein dichtgedrängtes Jahr 2011 bisher. Und wir haben gerade mal Mai. Und das ist nur eine Auswahl an Ereignissen. Ich habe es mittlerweile aufgegeben auch nur annährend den Überblick zu behalten. Medienkonsum runterfahren. Mittlerweile habe ich seit ein paar Wochen die Einsicht, dass man sowieso nicht mehr alles mitbekommen geschweige denn verstehen und einordnen kann. Aufmerksamkeit ist begrenzt – und man muss sie ja nicht ausreizen.

Kann ich nur empfehlen. Deutlich angenehmer abends in Ruhe den Feedreader zu lesen und zu schauen, was tagsüber passiert ist. Wenn das dann überhaupt noch aktuell und relevant ist.

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Eigentlich zu schön um aufzuhören

Dienstag, 12. April 2011 15:32

Und dann sitze ich da heute Nachmittag um 16:00 Uhr im Büro, schaue auf meine To-Do-Liste und sehe, dass da im Vergleich zu den letzten Wochen fast gar nichts mehr steht. Das DFPK ist vorbei, die Forschergruppe hat begonnen und läuft vorübergehend erstmal von selbst und alles andere sind die üblichen Kleinigkeiten an Alltagsaufgaben, die hin und wieder viel Zeit fressen, gleichzeitig aber endlich mal wieder die gewünschte Flexibilität erlauben.

Und im Prinzip könnte ich jetzt damit das letzte große Projekt dieses Jahres anfangen, meine Masterarbeit. Nur so richtig Lust habe ich noch nicht es auf meine To-Do-Liste zu schreiben. Vielleicht ab nächster Woche. Überhaupt ist das ja so ein Phänomen mit dem Schreiben der finalen Abschlussarbeit an der Universität. Ich kenne die wenigsten, die das innerhalb des vorgeschriebenen Zeitrahmens (nennt sich Regelstudienzeit, bei einem Master in Deutschland vier Semester) erledigt haben. Viele haben ein oder zwei Semester drangehängt, andere ein Urlaubssemster eingelegt für Praktika und Arbeit um dann später die Masterarbeit zu schreiben. Es hat wohl viel weniger mit Faulheit zu tun, als die Vergewisserung, dass mit dem Schreiben dieser 80 Seiten die Studienzeit in ihre letzte Kurve einbiegt. Und damit für die meisten die bisher schönste Zeit des Lebens allmählich zuende geht. Ich habe die Studienzeit immer genossen und genieße sie noch immer, auch wenn ich die meiste Zeit nebenbei noch gearbeitet habe. Aber trotzdem lässt das Studentensein im Vergleich zur vollberuflichen Anstellung immer noch eine großzügige Flexibilität bei der Alltagsgestaltung zu, gibt die Möglichkeit zwei, drei Tage einzuschieben um mal nichts zu tun – ohne dann gleich Urlaub beantragen zu müssen – und man kann meist ohne schlechtes Gewissen auch in der Woche mal auf die ein oder andere Party gehen. Und zu guter Letzt gibt es Spielraum sein Wissen zu erweitern, inhaltlich über den Tellerrand zu schauen, mit Menschen aus anderen Berufsfeldern und Studiengängen in Kontakt zu kommen – all das wird nach dem Studium wieder schwieriger.

Und so habe ich mich gerade dabei erwischt, für einen Moment in ein wenig Sentimentalität zu versinken. Aber nur kurz. Bringt ja in diesem Fall nichts, weil man ewig diese Masterarbeit nicht aufhalten kann. Am Wochenende geht es dann los mit ersten Überlegungen. Es sei denn, der Sommer kommt zurück.

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War was?

Montag, 21. März 2011 14:58

Also außer, dass der FC Arsenal die ein oder andere Titelchance in den Sand gesetzt hat und wieder zahlreiche Schlüsselspieler verletzt fehlen?

So ziemlich einiges. Kommt noch jemand mit bei dem aktuellen Nachrichtentempo? Gaddafi wird Trainer auf Schalke, Magath löscht in Fukushima, Flugverbote über Wolfsburg, Westerwelle findet Libyen gut. Wer soll da noch mitkommen beziehungsweise wer macht sich noch die Mühe das alles zu verstehen und einzuordnen. Ich würde es normalerweise machen, doch momentan fehlte mir die Zeit. Was einerseits auch großartig war, weil ich mir selbst die Aufgabe verpasst habe mal ein bisschen Abstand von den ganzen Ereignissen zu bekommen. Man muss nicht alles wissen.

Also mal vier Wochen das Blog in die hinterste Ecke der Gedanken verlegt und so auch nicht in der Pflicht gewesen alles Wichtige zu verfolgen, sei es die Verletztenliste in der Premier League oder Aussagen unserer Politiker, bei denen einem der Mund offen stehenblieb. Die wenigsten werden es wohl gemerkt haben, aber ich hatte Ende Februar und Anfang März mal 10 Tage völlig auf Twitter und Facebook verzichtet. Länger wollte ich es nicht und war es auch nicht nötig. Ich musste mir da nichts beweisen. Es war mehr oder weniger ein Schritt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, sprich die ganzen Arbeitsprojekte und darauf zu achten sich nicht völlig zu überlasten. Das hat prima geklappt. Ich habe es genossen.

Weil es plötzlich meinen Tagesablauf völlig verändert hat. Ich bin morgens eine halbe Stunde später aufgestanden, habe in Ruhe gefrühstückt, dabei die Nachrichten im Radio gehört und dann erst im Büro meine Mails gecheckt. Und dann tagsüber konzentriert gearbeitet und spät das Büro verlassen. Und dann abends die Arbeit einfach weggeschlossen. Keine Mails mehr gecheckt, den PC nicht mehr eingeschaltet, sondern ein Buch gelesen, so unterwegs gewesen oder einfach nur Musik gehört. Da dass so gut geklappt hat einfach mal den ganzen medialen Begleitkram abzuschalten und ich mich dabei prima gefühlt habe, mache ich das jetzt öfter, vielleicht zweimal im Jahr. Kann ich nur empfehlen. Jedenfalls ich konnte dann sehr viel entspannter arbeiten.

Und habe jetzt zum Glück auch den Großteil abgearbeitet. Die nächsten Tage werden nochmal anstrengend und dann hoffe ich ab Mitte nächster Woche zumindest mal sowas wie eine kleine Pause machen zu können von der Arbeit. Sprich mal ein Wochenende ausschließlich mit Freizeit. Wäre, glaube ich, das erste in diesem Jahr.

Anyway, hier geht es jetzt also wieder weiter. Gebt mir noch ein wenig Zeit, bis der alte Blog-Rhythmus zurückgekehrt.

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Was mal gesagt werden musste

Samstag, 19. März 2011 11:32

Endlich ist der Winter weg.
Kalter Nordost-Wind gehört verboten.
Der Rücktritt von Guttenberg war überfällig.
Fehler in der 90. Minute in einem Fußballspiel sind besonders bitter.
Ich halte Karneval weiter für überbewertet.
Knapp 50% für die SPD in Hamburg sollte man auch nicht überbewerten.
Karneval: Akzeptiertes kollektives Betrinken bereits ab 09:00 Uhr in der Frühe.
Niklas Bendtner ist ein Weltklassestürmer.
Zwei Wochen ohne Facebook und Twitter können ein echter Segen sein.
Medienschelte in Deutschland hat mittlerweile null Effekt.
Hart aber unfair.
Bevor die DEL sich reformiert, hat der Papst ungeschützten Sex.
Nur weil Guttenberg geht, muss die halbe Bundesliga nicht ihre Trainer entlassen.
“Zug wird von verbeamtetem Lokführer gefahren.” wäre ein nette Zusatzinfo.
Der Fußboden im ICE ist auf Dauer unbequem.
Nikas Bendtner ist kein Weltklassestürmer.
Es gibt die Post-Karnevals-Depression.
E10 zeigt das Versagen von Politikvermittlung. Von allen Akteuren.
Best of Seven statt Best of Five.
Wie großartig ist bitte Boardwalk Empire!
Büroklammern sind völlig unterschätzt.
Hannover hat sich insgesamt gemacht.
Mich nervt es, wenn jede Katastrophe sofort politisch instrumentalisiert wird.
Als wäre es eine Neuigkeit, dass Atomtechnologie Risiken bereithält.
Ich warte noch auf das Erdbeben mit 8,9 auf der Richterskala in Deutschland.
Frank Rost sollte ein Buch über seine Zeit beim HSV schreiben.
Viertelfinale ist schön.
Gaddafi, Gadhafi oder Gaddhafi?
Auch in der 8. Staffel wird Navy CIS nicht langweilig.
Ich freue mich auf den Osterurlaub auf Sylt.
Ich soll mich um meine Zukunft kümmern, sagen alle.
Selten so viel gearbeitet und das Gefühl gehabt, nicht vorangekommen zu sein.
Aber jetzt ist ein Ende endlich absehbar. Wurde auch Zeit.
Hannover 96 wird die Europa League erreichen.
Es war richtig Thomas Schaaf nicht zu entlassen.
Eins, zwei oder drei?
“Ihnen zu widersprechen ist wie Tauben nach Athen tragen.”
“Wir kommen auf keinen grünen Nenner.”
Jürgen Trittin wäre in einem Debattierclub gut aufgehoben.
Findet jemand Angela Merkel als Kanzlerin noch gut?
Information overflow.
Ob Gaddafi/Gadhafi/Gaddhafi auf unseren Guido hört?
n-tv und N24 waren in den letzten 10 Tagen Nachrichtensender.
Ich habe das Bloggen vermisst.

Was gibt es Neues?

Und, ach ja, ich bin wieder hier. Good to be back. Ganz langsam geht es wieder los. Später mehr.

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“Wie in der Drogenszene”. Beobachtungen aus dem politischen Berlin-Mitte

Donnerstag, 17. Februar 2011 17:02

Ich war vergangene Woche drei Tage mit dem Masterstudiengang Politische Kommunikation in Berlin, um mit Praktikern und Theoretikern über politische Kommunikation in Berlin und insbesondere das Verhältnis von Politik und Medien zueinander in der Hauptstadt zu sprechen. Nachfolgend einige Eindrücke und Beobachtungen von den Gesprächen, die wir geführt haben, und ein paar persönliche Anmerkungen. Nur zum Teil wirklich neue Dinge erfahren, aber insgesamt war es doch ein interessanter und aufschlussreicher Besuch. Und Berlin ist ja sowieso immer eine Reise wert. Großartige Stadt.

Montag, 07.02.2011
Mit dem ICE nach Berlin. Unspektakuläre Zugfahrt. Die Strecke kenne ich ja fast auswendig, den Sportteil der Süddeutschen Zeitung kann man auch nicht vier Stunden lesen. Also beteiligte ich mich mit Bemerkungen zur neuen Kollektion von H&M. Muss man ja auch mal machen. Mit nur 10 Minuten Verspätung am frühen Nachmittag in Berlin angekommen, die Sonne schaut zwischen den Wolken hervor, aber gefühlt eine Ecke kälter als in Düsseldorf. Am Nachmittag hatten wir nur einen Termin. Wir waren zu Gast bei Ergo Kommunikation, einer Agentur, die sich auf drei Bereiche – Politische Kommunikation, Unternehmenskommunikation und Finanzkommunikation – spezialisiert hat und neben dem Standort in München noch Büros in Frankfurt, Köln und München hat. Seit 2007 verweilt man nun auch in Berlin und hat sich hier ganz auf den Bereich Politische Kommunikation konzentriert. Insgesamt arbeiten 80 Mitarbeiter für 70 Kunden. Die Gründung von Büros in Berlin hatte einen einfachen Grund. Man wollte “präsent sein” in der Hauptstadt. Mittlerweile hat sich die Agentur ein ganz gute Standing erarbeitet und unterstützt im Bereich Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik Kampagnen des Bundesfamilienministeriums (“Erfolgsfaktor Familie“) und “Vielfalt als Chance” vom Bundesintegrationsbeauftragten. Die Büros von Ergo Kommunikation liegen zentral in der Nähe der Französischen Straße. Betritt man das Gebäude, indem noch gefühlt zigtausend andere Branchen untergebracht sind, fühlt man sich schon ein wenig in einer kleinen anderen Welt. Gäserne Fahrstühle bringen einen ins oberste Stockwerk. Beim Betreten der Agentur dachte ich erst, ich würde eine Arztpraxis besuchen, zumindest vom Aufbau des Empfangsbereichs. Hätte gerne gesehen, wie groß die Agentur wirklich ist. Das Gespräch und die Ausführungen waren insgesamt sehr interessant. Die vielfältigen Aufgaben bei der Betreuung einer Kampagne, wie Newsletter und Pressemitteilungen schreiben, Reden anfertigen und Pressekonferenzen organisieren, zeigen, dass es gerade für politische Ministerien nicht mehr ohne externe Expertise geht. Die benötigt auch die Agentur, greift sie für die Planung und Umsetzung von Kampagnen auf einen Expertenpool zurück. Tobias Mündemann, Geschäftsführer von Ergo, hat einen eigenen Blog “Äpfel mit Birnen“, der aber nur unregelmäßig geschrieben wird. Ohne Kommunikationsagenturen scheint es im politischen Berlin nicht mehr zu gehen. Die Politik braucht sie, die Agenturen brauchen Aufträge von der Politik. Die Konkurrenz ist groß.

Freier Abend. Lecker essen gewesen. Und die Kneipen von Friedrichshain erkundet.

Dienstag, 08.02.2011
Der erste Termin führte uns ins Willy-Brandt-Haus zur SPD. Großes Gelächter unter Studierenden und Professoren, als wir vor dem Willy-Brandt-Haus einen großes gelbes Schild “Baustelle. Betreten verboten” sahen. Sehr viel besser kann man die Lage der Sozialdemokraten nicht zusammenfassen. Immer noch nicht so ganz mit den Nachwirkungen der Agenda 2010 abgeschlossen und jetzt einen Kompass suchend, wie man die guten Programmpunkte aus der Agenda mitnimmt, die weniger guten umformuliert ohne als Umfaller zu gelten – und gleichzeitig muss man sich und die Parteimitglieder auch noch strategisch in eine gute Position für die Bundestagswahl 2013 bringen. Inklusive einer neuen Vorgehensweise für die Mobilisierung der Parteimitglieder. Denn mit 23% Wählerstimmen wird man zukünftig keinen Blumentopf gewinnen. Und Opposition ist ja bekanntlich Mist. Dass diese Herausforderungen für die SPD nicht einfach sind und die Partei da selbst sich noch finden muss, hat uns auch Dr. Carsten Brosda, der Abteilungsleiter Kommunikation, offebart. “Wenn ich eine Kampagne organisiere, muss ich innerparteilich für Überzeugung sorgen.” Ein keineswegs revolutionärer Satz, aber von der SPD 2005 und 2009 nur unzureichend befolgt. Man müsse eine Geschichte erzählen, einen roten Faden entwickeln, der den Parteimitgliedern deutlich macht, um welche Programmatik es geht und warum dies für die SPD richtig und wichtig sei diese Programmatik zu besetzen. Und wenn dann noch Glabwürdigkeit und Vertrauen hinzukommen, sei man schon einen Schritt weiter. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Anschließend hörten wir noch ein paar Ausführungen zur Konkurrenzbeobachtung, die ich aber insgesamt nicht für berichtenswert halte.

Umso spannender und interessanter war der nächste Termin. Im Redaktionsgebäude des Tagesspiegel (manchen Zeitungen kann es nicht schlecht gehen) am alten Anhalter Bahnhof trafen wir Tissy Bruns, politische Chefkorrespondentin des Tagesspiegel. Tissy Bruns kann ihre Zuhörer nahezu perfekt zu einem Thema hinführen und begann ihren kleinen Einstiegsvortrag mit drei Thesen zum grotesken Widerspruch zwischen Turbojournalismus und den Themen in der Gesellschaft, zur Entweder-Oder-Falle (Fall Thilo Sarrazin: Auf welche Seite schlägt sich der Journalismus? Es gibt nur noch Schwarz-Weiß) und zu einem Anwachsen des politischen Zynismus in Deutschland (“Hartz IV ist kein Gewinnerthema”). Alle diese Entwicklungen verändern den politischen Journalismus (in Berlin) nachhaltig. Tissy Bruns gehört zu den sehr kritischen Vertreterinnen ihrer Branche. 2007 veröffentlichte sie ein Buch mit dem prägnanten Titel “Republik der Wichtigtuer”, in dem sie mit den politischen und medialen Eliten des Landes (also auch mit sich selbst) offen abrechnete. Journalisten sind dank des politischen Betriebs nicht mehr “Gestalter, sondern Getriebene”, es gebe einen Konformismus bei den Themen, es bliebe wenig Zeit für gute Recherchen und reflektierte Analysen und überhaupt nehmen sich Politiker und Journalisten viel zu wichtig und hätten den Kontakt zu den einfachen Bürgern verloren und nicht mehr nötig. Nun ist diese Diagnose nicht völlig neu. Aber das überzeugend von jemanden zu hören, der direkt in diesem Spannungsfeld lebt und arbeitet und selbst kein Patentrezept für die Lösung dieses Dilemma parat hat (“der echte Optimist macht sich nichts vor”), war beeindruckend zu hören.

Am späten Nachmittag waren wir dann bei der CDU im Konrad-Adenauer-Haus und haben von Harald Walter, stellvertretender Bereichsleiter Marketing und interne Kommunikation, einiges zum föderalen Aufbau der CDU gehört. Ich fand es uninteressant und schlecht vorgetragen und habe deshalb einfach mal nicht zugehört, sondern stattdessen Blogbeiträge vorgeschrieben. Auf Papier. Es war der einzige Termin, der mir nicht gefallen hat. Zum Abendessen ganz klassisch Currywurst und Pommes an der Currywurstbude am S-Bahnhof Friedrichstraße. Hach Berlin.

Am Abend ein weiteres Highlight. Thomas Steg, ehemaliger stellvertretender Regierungssprecher unter Schröder und Merkel, stand uns für ein “Kamingespräch” Rede und Antwort und hat sehr offen über den Arbeitsalltag eines Regierungssprechers, das Verhältnis von Politik und Medien in Berlin und Probleme der politischen Elite in Deutschland gesprochen. Scheinbar bekommt man – das habe ich nicht nur bei Thomas Steg festgestellt – einen anderen offeneren Blick auf das politische Berlin-Mitte. Von ihm stand auch das Zitat aus dem Titel. Er hat das Verhältnis in Berlin-Mitte mit der Drogenszene verglichen. Man weiß, wo man sich trifft und jeder weiß, wo er an seinen Stoff – also exklusive Informationen oder Publizität – bekommt. Wer Thomas Steg jetzt gar kein Begriff ist, kann dieses Video ja mal anschauen.

Spätabends Oranienburger Straße.

Mittwoch, 09.02.2011
Letzter Tag, die Zeit rennt. Wieder sonnig und kalt. Nach dem vollgepackten Programm am Dienstag haben wir es heute ruhiger angehen lassen. Bundestag stand heute auf dem Programm. Wir haben um 13:00 Uhr die aktuelle Stunde des Bundestags zu den Unruhen in Ägypten mitgenommen, vorher waren wir bei den Linken zu Gast. Kathrin Werner aus Trier hat uns erzählt, wie schwierig – vor allem auf lokaler Ebene – es mittlerweile für die Linkspartei ist Medienpräsenz zu bekommen. Die Sonne auf der Reichstagskuppel genossen. Anschließend Mittagessen im Paul-Löbe-Haus, das architektonisch von der Inneneinrichtung schon imposant aussieht. Zu guter letzt haben wir noch mit Thomas Jarzombek, MdB und Mitglied in der Enquete-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft” gesprochen. Ich fand seine Ausführungen zur medialen Präsent eines Abgeordneten ganz interessant. Er müsse nicht in jeder Zeitung vorkommen oder auf alle Interviewanfragen antworten. Und er sei ein Freund von allen Web2.0-Anwendungen. Call it niederschwellige Kommunikation.

Politik, Medien und PR-Agenturen, dicht an dicht in Berlin-Mitte. Alle verfolgen ihre Logik, ihre Eigeninteressen, alle sind irgendwie voneinander abhängig. Brauchen einander. Zum teil wirklich wie in der Drogenszene. Ich finde den Vergleich ganz passend. Dass alle Akteure vor immensen Herausforderungen stehen, ist ebenso klar. Politik und Medien müssen wieder Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, müssen Sprachrohr für die Bevölkerung sein und wieder Kontakt zu den einfachten Leuten aufnehmen. Wie das geschehen soll, wissen die wenigsten. Probleme sind erkannt worden, Lösungen haben die wenigsten. Und so schwimmt man weiter in der Blase im politischen Berlin-Mitte.

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Ein paar Sätze vor dem Wochenende

Freitag, 11. Februar 2011 15:00

Nach drei tollen Tagen in Berlin (ausführlicher Bericht folgt nächste Woche) und zwei vollgepackten Arbeitstagen ist die Woche schon wieder vorbei. Da für mich gleich das Wochenende startet, ich aber die meiste Zeit nicht zuhause sein werde, habe ich es schlicht nicht geschafft ausführlich den kommenden Premier League Spieltag zu beleuchten. Was schade ist, aber nicht zu ändern ist. Berufliche Verpflichtungen vor Freizeitaktivitäten.

Es gibt ja diesen schönen Satz “Weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es schön war.” Mach ich dann auch mal. War keine schlechte Woche, auch wenn sie sehr anstrengend war.

Können in diesem Fall auch die Tottenham Hotspur machen, die heute im Rennen um das neue Olympiastadion im Osten Londons an West Ham United scheiterten. Die Hammers werden aller Voraussicht nach den Zuschlag bekommen, inklusive Leichtathletikbahn, die erhalten bleiben soll. Also kein reines Fußballstadion.

Lächeln, weil es schön war, konnte Roy Hodgson über seine Zeit beim FC Liverpool nicht. Jetzt hat heute einen Vertrag bis Sommer 2012 bei West Bromwich Albion unterschrieben, die morgen Nachmittag West Ham zu einem echten Kellerduell empfangen. Außerdem im Fokus morgen das Manchester Derby (Sky live ab 13:30 Uhr). Mehr zum 27. Premier League Spieltag bei EPL Talk und Sky Sports.

Ich hoffe, ich komme am Sonntag dazu, wenn ich wieder in Düsseldorf bin, noch ein paar Ergänzungen zur Premier League vorzunehmen. Nächste Woche geht es dann im gewohnten Blog-Rhythmus weiter.

In diesem Sinne ein tolles Wochenende euch allen. Der Song zum Wochenende. Heute morgen seit langer Zeit mal wieder im Radio gehört – und wieder gemerkt, wie gut The Verve waren.

‘Lucky Man’ – The Verve from Andy Baybutt on Vimeo.

Man liest sich.

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Impressionen aus Düsseldorf (II)

Montag, 10. Januar 2011 18:33

Netter Wochenanfang gewesen, nicht nur weil ich einiges an Arbeit geschafft habe und gleich nach dem Abendessen noch schaffen werde. Es war auch vom Wetter endlich mal wieder ein wunderschöner Tag. Ein kühler und sonniger Morgen mit ein wenig Nebel über dem Rhein. Dazu trockene Luft, welche die Sonne über den Tag zwar nur zögerlich erwärmen konnte, aber die Sonnenstrahlen waren schon gern gesehen auf vielen Gesichtern, die zum Rhein “pilgerten” um sich das Hochwasser anzuschauen. Da für morgen schon der nächste Regen vorhergesagt ist, war der Kaffee vorhin in der Nachmittagssonne am Rheinufer eine willkommene Gelegenheit die Sonne wenigstens ein bisschen zu genießen.

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Guten Rutsch ins Jahr 2011

Freitag, 31. Dezember 2010 10:24

Video erstellt vom britischen Street Artist Banksy

Ich wünsche euch allen ein gesundes, spannendes, unterhaltsames und erfolgreiches Jahr 2011 – beruflich wie privat. Man liest sich.

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2010

Dienstag, 28. Dezember 2010 11:14

Wie immer zum Abschluss des Jahres der persönliche Jahresrückblick.

1. Zugenommen oder abgenommen?
Ganz leicht zugenommen, im Vergleich zu Ende 2009 knapp zwei Kilogramm. Nichts Dramatisches also, aber irgendwie unschön. Also Schnee, verschwinde, ich will wieder meine 10-15 Kilometer laufen.

2. Haare länger oder kürzer?
Eigentlich gleichgeblieben, meist kurz, im Winter etwas länger (oder besser formuliert: weniger kurz).

3. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Weiterhin kurzsichtig, hat sich jetzt nicht groß verschlechtert. Da freut sich der Geldbeutel, Brillengläser sind nicht ganz so günstig.

4. Mehr Kohle oder weniger?
Mehr Kohle

5. Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr ausgegeben. Wenn man schon mehr Geld hat.

6. Mehr bewegt oder weniger?
Trotz der Faulheit im November und Dezember – auch arbeitsmäßig bedingt – definitiv mehr bewegt, nachdem ich endlich die perfekten Laufstrecken am Rhein gefunden habe.

7. Der “hinrissigste” Plan?
Gedacht haben und überzeugt gewesen sein, man könnte Fernbeziehungen perfekt und zur vollsten Zufriedenheit beider Seiten führen, trotzdem wenn beide beruflich schwer beschäftigt sind und sich höchstens an Wochenenden für ein paar Stunden sehen, wenn überhaupt. Also haben wir uns beide für Lebenslauf und gegen Liebe entschieden. In der aktuellen ZEIT Campus-Ausgabe ist diese schwierige Entscheidung Titelthema, in welcher der Konflikt zwischen Liebe und Lebenslauf an Fallbeispielen dokumentiert wird. Fand ich sehr beeindruckend zu lesen. Da fühlt man sich dann doch ein wenig schlecht, wenn Paare in den Niederlanden und China für eine Zeit leben. Aber uns ist die Entscheidung nicht leicht gefallen, viele Gespräche und Diskussionen. Aber im Nachhinein hat sich gezeigt, dass wir beide sehr gut damit umgegangen sind und es uns insgesamt besser damit geht, da weniger Last und Druck sich nebenbei noch um einen tollen Menschen zu kümmern, keine hektischen Zugreisen mehr am Wochenende etc. Ende gut, alles gut wäre übertrieben zu sagen und der schönen Zeit niemals angemessen, aber eine gewisse Erleichterung gepaart mit eine wenig Trauer begleitet mich schon fast das ganze Jahr.

8. Die gefährlichste Unternehmung?
Mit T-Shirt, Sandalen und kurzer Hose nachts in einen Musikklub gehen ist ja nicht gefährlich, von daher fällt mir da dieses Jahr gar nichts ein. Mehr Risiko 2011 also bitte.

9. Der beste Sex?
Blöde Frage irgendwie jetzt…

10. Die teuerste Anschaffung?
Habe mir einen neuen Monitor gegönnt, dazu diverse Konzertkarten und Tickets für Fußball und Eishockey. Und meine neue Winterjacke war auch nicht ganz billig.

11. Das leckerste Essen?
Beim Lieblingsitaliener Zerogradi in Düsseldorf-Bilk, köstliches Schnitzel im Gasthof Küpper und den besten Fisch im Juni auf Sylt gegessen.

12. Das beeindruckenste Buch?
Ich weiß ja, dass Fachliteratur nicht zählt, aber zu wirklich viel mehr bin ich nicht gekommen. Zwei Bücher habe ich trotzdem gerne gelesen: Matt McGinn – Roadie. My life on the road with Coldplay. Und jetzt endlich über die Feiertage durchgelesen und für großartig befunden, Jonathan Frantzen – Freiheit.

13. Der ergreifendste Film?
Meine Güte, mir fällt gerade auf, dass ich dieses Jahr nicht einmal im Kino war. Aber so richtig der Filmfreund und Kinogänger war ich noch nie, dafür wieder jede Menge Serien geschaut. Ganz klarer Geheimtipp für dieses Jahr: Weeds – Kleine Deals unter Nachbarn, großartige Dramaserie. Schaue gerade die dritte Staffel.

14. Die beste CD?
Arcade Fire – The Suburbs
The National – High Violet
Carpark North – Lost
Hurts – Happiness
Donots – The Long Way Home
Scouting for Girls – Everybody Wants To Be on TV

15. Das schönste Konzert?
1. 30 seconds to Mars (Oberhausen, Köpi-Arena, 06.12.2010)
2. Scouting for Girls (Köln, Luxor, 08.06.2010)
3. Stars (Köln, Luxor, 09.09.2010)
4. The National (Hamburg, Stadtpark, 08.07.2010)
5. Vampire Weekend (Hamburg, Docks, 21.02.2010)

16. Die meiste Zeit verbracht mit?
Wie immer nachdenken, arbeiten, aber auch ganz viel Lachen, Spaß haben und freuen über all die schönen Kleinigkeiten in meinem Alltag.

17. Die schönste Zeit verbracht mit?
Ganz vielen netten Leuten in Düsseldorf

18. Vorherrschendes Gefühl 2010?
Es könnte alles auch viel schlimmer sein.

19. 2010 zum ersten Mal getan?
Meisterschaft der Hannover Scorpions gefeiert, bei einem Bundesligaspiel auf Schalke gewesen, eine 1,0 in einer Hausarbeit geschrieben, am Rhein gegrillt, mich nach einem Kneipenabend nicht mehr erinnern können, wie ich nach Hause gekommen bin, ein richtiges wissenschaftliches Forschungsprojekt geschrieben, im ICE auf dem Boden gesessen, bewusst gelogen, Freunde um Rat gefragt, in einer mündlichen Prüfung bei 25 Grad so richtig geschwitzt, mich über Facebook aufgeregt, mit einem Hund über schneebedeckte Felder gelaufen. Party in der Schweiz. Darüber nachgedacht, was ich nach dem Studium mache.

20. 2010 nach langer Zeit wieder getan?
Verliebt gewesen, Stress vermieden (manche Dinge kann man eben nicht beeinflussen), Public Viewing im Hochsommer, Baden im Rhein, To-Do-Listen geschrieben, Steuererklärung ausgefüllt.

21. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Entscheidung zwischen Liebe und Lebenslauf, Zugreisen im Winter, die ein oder andere Überstunde am Wochenende

22. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Innenraum ist bei Konzerten grundsätzlich besser als Sitzplätze. Düsseldorf ist eine schöne Stadt, die es sich lohnt mal zu besuchen. Nach jedem Tief kommt gleich wieder ein Hoch im Leben.

23. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Aufmerksamkeit

24. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Zuhören und Lachen

25. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
“Mit dem Flemming holst du zwar keine Punkte, aber dafür immer einen Platz in der Straßenbahn.” (Schalke-Fan in der frühen Saisonphase)
“Manchmal gibt es gibt kein richtig oder falsch.”

26. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
“Es tut mir sowas von Leid, dass ich deinen Geburtstag verpasst habe, aber ich hatte das Wochenende so viel um die Ohren und erstickte in der Arbeit. Und du hast blöderweise deinen Geburtstag auch nicht bei Facebook reingeschrieben, da wäre es mir dann spätestens aufgefallen.”

27. 2010 war mit einem Wort …?
Kannmichnichtbeklagen

2011 kann also kommen. Wieder viele Veränderungen und Entscheidungen. Hoffnungen und Wünsche, die ich gerne erfüllt hätte. Ich freu mich drauf.

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