Herbst-Atmosphäre
Dienstag, 16. November 2010 22:12
Ich bin kein Freund der jetzigen Jahreszeit. Ich liebe Sommer, wenn es früh morgens schon richtig warm ist, wenn es tagsüber heiß und schwül wird und abends die Gewitter über die Stadt ziehen. Und ich finde Winter großartig, wenn es draußen richtig kalt ist, Schnee fällt oder die Sonne scheint. Aber mit dem Herbst konnte ich mich noch nie so richtig anfreunden, immer dieses Novembergrau, der tagelang anhaltende Hochnebel, der nervige Sprühregen, dazu Temperaturen irgendwo zwischen fünf und elf Grad. Nichts halbes, nichts ganzes, irgendwie so ein Übergang, der viel zu lange dauert.
Doch seit heute Morgen habe ich meinen Meinung über den Herbst ein wenig positiv verändern müssen. Ich bin gegen kurz vor acht mit dem Fahrrad von Pempelfort aus Richtung Universität aufgebrochen. Heute mal wieder Rad, weil kein Regen vorausgesagt war. Mittlerweile dauert die Fahrt mit der Rheinbahn im Berufsverkehr sowieso länger. Es war ein kalter Morgen, in der City ein wenig neblig, doch je näher ich Richtung Rhein fuhr, nahm der Nebel zu, bis ich bei der Fahrt durch den Hofgarten schon manchmal richtig Probleme hatte 50 weit nach vorne zu schauen. Ich fahr schon seit meinem ersten Tag immer einen Umweg zur Uni. Ich könnte den direkten Weg über die Königsallee und Bilk nehmen und dann durch das Uniklinikumgelände auf den Campus gelangen. Doch ich habe keine Lust mich durch den Berufsverkehr zu quälen, auch weil Düsseldorf Radwege nur bedingt kennt. Was schade ist und längst schon hätte verbessert werden können. Also fahr ich von Pempelfort aus durch den Hofgarten und die Ratinger Straße an den Rhein, auf der Prommenade lang, am Landtag vorbei, lasse den Medienhafen rechts liegen, durch Unterbilk und Flehe und komme dann von Südwesten aufs Unigelände. Dauert 10 Minuten länger als der Weg durch die Innenstadt, ist aber auch weniger stressig. Wenngleich so interessant keiner der beiden Wege ist.
Doch das galt nicht für den heutigen Morgen. Als ich durch die Ratinger Straße fuhr, nährte ich mich den großen Nebelbänken, die sich über die ganze Flussebene ausgebreitet haben. Vom Ufer konnte man kaum das Wasser erkennen, irgendwo tuckerten die Schiffe, doch man sah sie nicht. Die Oberkasseler Brücke und die Rheinkniebrücke waren vollständig in Nebel eingehaucht. Beim Blick gen Himmel sah man ein paar blaue Wolkenlücken. Am Landtag vorbei, wieder vom Fluss weg, nahm der Nebel ab. Die Sonne versuchte sich zu zeigen, Sonnenstrahlen leuchteten durch die Häuserschluchten. Durch das schnuckelige Flehe gefahren, komme ich dann wieder an den Rhein in Höhe Fleher Brücke um ein paar hundert Meter auf dem Deich zu fahren und dann Richtung Universität abzubiegen.

Und an der Fleher Brücke habe ich dann angehalten, weil ich sowas von fasziniert von der Kulisse war, dass das iPhone dann herhalten musste um die Atmosphäre wenigstens einigermaßen festzuhalten. Auf dem Rhein die dichten Nebelbänke, wie Dämpfe, die durch die Luft wirbelten, man konnte wieder kein Wassser sehen. Und aus dem Nebel schaute der Brückenpfeiler hervor, markiert von der aufgehenden Sonne, die es mittlerweile teilweise geschafft hatte den Nebel ein wenig aufzulösen. Auf dem Rhein fuhren die Schiffe, hin und wieder erklangen sekundenlange Schiffstuten. Scheint wohl trotz Radar und modernster Technik nicht so einfach bei diesem Wetter auf dem Rhein zu fahren (wobei das für Autos noch gefährlicher scheint). Jedenfalls war das eine traumhafte Kulisse, die ich selten gesehen habe. Vielleicht kann ich mich ja doch noch mit dem Herbst anfreunden, jedenfalls, wenn er so bleibt wie heute Morgen.
Thema: Alltägliches | Kommentare (2) | Autor: medispolis












