Notizen aus Düsseldorf (I)
Samstag, 23. Januar 2010 21:21
Seit über drei Monaten wohne ich jetzt schon in Düsseldorf. Ich war früher ein paar Mal in der Stadt auf Durchreise und letztes Jahr zwecks Bewerbung für den Studiengang dann wieder häufiger. Ich fand Düsseldorf damals stets eine sehr lebenswerte und pulsierende Stadt. Das würde ich auch nach drei Monaten noch weiter so unterschreiben, allerdings ist es wirklich so, dass, wenn man einmal länger in einer Stadt wohnt und nicht nur als Tourist zu Besuch ist, die Sicht auf und die Meinung über die Stadt ein wenig negativer wird. Ist bei mir auch so. Ich verspüre jetzt nicht mehr die große Euphorie, wenn ich nach Düsseldorf fahre oder mit anderen Leuten über Düsseldorf spreche, trotzdem bleibt es weiterhin eine Stadt, in der ich sehr gerne lebe und mich ausgesprochen wohl fühle.
Warum meine Meinung jetzt im Vergleich zu meinen ersten Tagen hier negativer geworden ist, kann ich gar nicht so genau sagen. Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich Düsseldorf vorher vielleicht ein wenig zu positiv gesehen habe und ich die Stadt – und eben auch die nicht so schönen Ecken oder die Gebiete, die mal dringend eine Auffrischung gebräuchten könnten – kenne. Und wenn ich dann am Sommer auf meiner Lieblingspark im Rheinpark in der Sonne sitze, ist mir das sowieso egal. Überhaupt: So ein großer Fluss hat für eine Stadt schon ein unglaublich schönes Flair. Und dass ich in drei Minuten am Rhein mit dem Rad bin – das damals bei der Zusage für die Wohnung aber gar nicht gewusst habe – lässt mich über das ein oder andere negative Element im Düsseldorfer Stadtbild doch schnell hinwegsehen. Was ich allen Gästen von Düsseldorf mal empfehlen kann. Abends oder nachts (glaube bis 22:00 Uhr) auf den Rheinturm fahren. Tolle Aussicht auf die Rheinebene und die beleuchtete Stadt.
Auch wenn der Stadtteil Pempelfort, in dem ich wohne, von vielen völlig zu Unrecht unterschätzt wird und scheinbar bei den meisten nur ein kleines Zur-Kenntnis-Nehmen auslöst, wenn man sagt, man wohne in Pempelfort, sei an dieser Stelle doch angemerkt, dass man sehr viel zentraler und schöner nicht wohnen kann. 10 Minuten in die Altstadt, fünf Minuten in die City, ebenso kurzer Weg zum Rhein und in den Hofgarten. Dazu alle Geschäfte des täglichen Bedarfs fast vor der Nase und mit der Nordstraße fast schon eine kleine Shopping-Meile in der Nähe. Den Starbucks werde ich im Sommer mit meinem Frappucino Strawberry häufiger belagern. Natürlich ist auch Pempelfort ein typischer Stadtteil einer deutschen Großstadt im Stadtzentrum. Viel Verkehr, hin und wieder auf den Hauptstraßen ganz schön laut. Aber dafür ist es eben umso schöner, wenn man dann in den Parks oder am Rhein von der Hektik abschalten kann.
Was aus meiner Sicht gar nicht geht, ist die Rheinbahn. Ich merke durchaus, dass man sich in diesem Unternehmen bemüht, sowas wie Service großzuschreiben und sehe das auch an der ein oder anderen Stelle. Es gibt auch supermoderne Bahnen, in denen es wirklich Spaß macht mitzufahren. Aber das ist eher die Ausnahme: Häufig hat die Rheinbahn gerade in der Hauptverkehrszeit auf der Strecke zur Uni viel Verspätung und sammelt auf dem Weg dorthin noch einmal dieselbe Zahl Minuten drauf, die sie in Pempelfort hat. Und alte, fast schon nostalgische Bahnen schön und gut: Aber irgendwann wäre es wirklich mal an der Zeit, neue Fahrzeuge anzuschaffen. Studenten machen die Bahnen schon nicht kaputt. Da muss man deswegen nicht die 70er Jahre-Bahnen fahren lassen. Also die Rheinbahn und ich sind noch keine Freunde geworden. Natürlich kann ich auch mit dem Fahrrad zur Uni fahren, was ich mit Ausnahme des Winters und bei schlechtem Wetter auch tun werde. Nur gerade jetzt, wenn es abends früh dunkel wird und ich bei Dunkelheit durch Düsseldorf mit dem Fahrrad fahre, kann mich auch gleich irgendwo aufhängen. Gut ausgebaute Radwege in der City bleiben eine Seltenheit. Und mit Autofahrern die Straße teilen – no way. Dann im Winter lieber mit der verspäteten Straßenbahn. Mir fällt gerade auf, dass ich seitdem ich hier bin noch nicht U-Bahn gefahren bin.
Auch in Düsseldorf wird überall fleißig gebaut – zur Verschönerung des Stadtbildes. Ist auch an manchen Stellen dringend nötig. U-Bahn durch die City, Neugestaltung des Jan-Wellem-Platzes und zahlreiche Neubauten an der Eisenbahnstrecke zwischen Düsseldorf Wehrhahn und Zoo stehen die nächsten Jahre an. Ich finde das gut, dass so umfangreich in den Städteneubau investiert wird. Wenn man etwas schöner machen kann und die Bausünden früherer Jahre überwinden kann, ist das umso besser. Und vielleicht schaffen wir das ja auch nochmal bei den Bahnsteigen und dem Bahnhofsdach des Düsseldorfer Hauptbahnhofs. Über die Bahnhofseinfahrt will ich gar nicht nachdenken. Man macht sich dann also seine Gedanken über das Aussehen von Düsseldorf, wenn man ein wenig länger hier wohnt.
Habe es zumindest versucht, hier eine regionale Tageszeitung zu abonnieren. Aber ich kann es einfach nicht, wenngleich der Lokalteil der Rheinischen Post noch akzeptabel ist – im Gegensatz zum Internetauftritt. Die perfekte Informationsquelle über lokale Politik und Düsseldorf generell habe ich noch nicht gefunden.
Apropos Kommunalpolitik: Kommt das mir nur so vor oder ist es im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten hier extrem ruhig in der Kommunalpolitik? Ich bekomme hier immer noch kaum was mit. Anmerkung meinerseits: Könnte auch an meiner noch mangelnden Bereitschaft liegen mich ausführlicher damit zu beschäftigen. Eine Sache noch: Ich habe den Einruck, das man mit dem nicht vorhandenen Schuldenstand Düsseldorfs in der Fremde durchaus angeben kann.
Und wenn die Rheinbahn und ich Freunde werden, sage ich hier als erstes Bescheid. Die Rheinbahn macht jetzt aber erstmal Sparprogramm, wie ich gehört habe. Vielleicht kann man sich ja auch mal die ein oder andere Verspätung sparen.
Thema: Düsseldorf | Kommentare (0) | Autor: medispolis







