Beitrags-Archiv für die Kategory 'Düsseldorf'

U79 zur Uni (II): Stadt will prüfen…aber warum jetzt eigentlich?

Freitag, 27. August 2010 8:28

Es hat nicht lange gedauert, dass der umstrittene Takt für die verlängerte U79 zur Uni auch bei Bürgermeister Dirk Elbers (CDU) angekommen ist. Und man scheint sich jetzt auch im Rathaus bewusst zu sein, dass der 20-Minuten-Takt, zumindest in den Morgenstunden, nicht ausreicht.

So kann man es interpretieren. Die Rheinische Post berichtet, dass die Stadt beschlossen hat ab Montag zu beobachten, wieviele Fahrgäste die neue Strecke nutzen um dann zu entscheiden ob zum Beispiel ab Oktober zum Vorlesungsbeginn mehr Züge eingesetzt werden.

Hört sich auf dem ersten Blick als eine gute Neuigkeit an. Doch machen Stadt und Rheinbahn einen entscheidenden Fehler, wenn sie jetzt in den Semesterferien die Fahrgastzahlen messen wollen. Denn die werden deutlich kleiner ausfallen als während der Vorlesungszeiten. Man braucht sich derzeit doch nur an der Universität umsehen und stellt schnell fest, dass da überhaupt nichts los ist. Das Messen der Fahrgastzahlen ab Montag bringt also überhaupt kein Abbild des eigentlichen Fahrgastaufkommens während der Vorlesungszeiten auf den Strecken zur Uni. “Sollten wir feststellen, dass der Platz in der U 79 nicht reicht, werden dort mehr Züge eingesetzt. Parallel müssen wir auch gucken, ob das Angebot auf der Linie 707 dann zu groß ist, denn wir müssen auch an die Kosten denken”, hört man von der FDP. Was hat das Angebot der 707 mit der neuen Linie U79 zu tun? Das sind doch wieder zwei völlig verschiedene Schuhe. Die 707 verbindet vor allem das nördliche Stadtgebiet mit dem Zentrum und bindet die Stadtteile Bilk und Friedrichstadt an die Uni. Und da muss man gar nichts am Takt ändern, denn die Bahnen werden dort weiter voll genug sein, auch wenn ein Großteil der Studenten ab Hauptbahnhof die U79 nehmen sollten. Zudem kommen viele Studenten aus dem Umland beim Bilker S-Bahnhof an und benutzen dann die 707. Wenn man jetzt die U79 hat, kann man die 707 schlicht nicht kürzen oder gegeneinander ausspielen. Dafür sind die Streckenverläufe doch viel zu unterschiedlich. Man könnte höchstens überlegen, nicht alle Züge bis zur Uni fahren zu lassen. Aber die 707 ist zu jeder Tageszeit gut gefüllt.

Man merkt, dass viele Politiker selten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch Düsseldorf fahren. Und was muss es für eine befreiendes Gefühl sein, wenn Fahrgäste aus Friedrichstadt und Bilk ab Oktober morgens vielleicht auch mal die klitzekleine Chance haben einen Sitzplatz in der 707 zu finden und sich nicht weiter mühsam auf die unterste Trittstufe quetschen zu müssen?

Thema: Düsseldorf | Kommentare (0) | Autor: medispolis

U79 zur Uni: Verkehrsplanung à la Düsseldorf

Mittwoch, 25. August 2010 16:54

Am Sonntag findet bei den Düsseldorfer Verkehrsbetrieben, zum besseren Verständnis einfach nur Rheinbahn genannt, der kleine Fahrplanwechsel statt. Mit zahlreichen Änderungen und durchaus auch Verbesserungen, wie das Unternehmen auf seiner Website ausführlich dokumentiert hat. Die Rheinische Post war so freundlich das noch einmal abzuschreiben und einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen.

Wichtigste Änderung für alle Studenten der Heinrich-Heine-Universität. Es gibt es neue Verbindung zu Uni. Die U79, aus Duisburg oder Wittlaer kommend, fährt von montags bis freitags zwischen 06:30 Uhr und 19:30 Uhr weiter über den Hauptbahnhof, Philipshalle und Wersten bis zur Haltestelle Uni Ost, gemeinsamer Endpunkt dann mit der Straßenbahnlinie 707. Studenten, die von außerhalb Düsseldorfs oder in den Stadteilen im Nordosten der Stadt wohnen, können also vom Hauptbahnhof in knapp 15 Minuten zur Uni kommen und müssen nicht mehr die besonders morgens häufig völlig überfüllte 707 via Friedrichstadt und Bilk benutzen. Damit ist dann die Verlängerung der Linie U79 abgeschlossen, ein Projekt, das eigentlich schon letztes Jahr beendet werden sollte und vor über fünf Jahren zum ersten Mal angedacht wurde. Die Verbindung an sich stellt also eine erhebliche Verbesserung dar. Solange man nicht auf die Details schaut.

1. Es gibt vorerst nur einen 20-Minuten-Takt zwischen Hauptbahnhof und Uni Ost. Es fährt also nur jede zweite Bahn weiter über den Hbf und Westen zur Universität. Das sieht nicht gerade danach aus, als wolle die Stadt und die Rheinbahn diese Strecke wirklich nutzen. Wieso baut man für fast 10 Millionen Euro eine neue Anbindung und lässt dann in jede Richtung drei Straßenbahnen fahren? Das will ich nicht verstehen. Gerade während der Vorlesungszeiten und insbesondere demnächst in den Wintermonaten sind die Bahnen überfüllt. Da ist ein 20-Minuten-Takt zur Uni als schnellste, direkte Anbindung vom Hbf schon fast ein verkehrspolitisches Armutszeugnis. Die Rheinbahn muss man hier aus der Schusslinie ziehen. Die Stadt will vorerst nur die geringe Taktung, schreibt die Westdeutsche Zeitung. Aber das kommt natürlich auch der Rheinbahn entgegen. Weniger Fahrzeuge, weniger Fahrer im Einsatz. Da kann man ein paar Euro sparen.

2. Dass die Bahn zur Uni nicht am Wochenende fährt, kann ich verstehen. Für Studierende, die Samstag oder Sonntag auf den Campus müssen – was eine überschaubare Zahl ist – reicht weiterhin die längere Verbindung mit der 707. Aber die U79 in der Woche nur bis 18:30 Uhr fahren zu lassen, geht ein wenig an der Alltagsrealität von vielen Studierenden vorbei. Denn es gibt viele, die häufig noch bis 20:00 Uhr oder teilweise länger an die Uni, und sei es nur wegen Vorträgen oder Recherche in der Bibliothek. Da wäre es von der Rheinbahn und der Stadt schon ein großes Entgegenkommen gewesen, die U79 bis 20:30 Uhr bis zur Uni pendeln zu lassen. Und es würde ja sogar reichen, wenn die U79 dann auch am Hbf endet. Quasi eine Art Pendeldienst.

3. Für die Verlängerung der U79 werden zwei Straßenbahnlinien gestrichen. Die 711 und die 716. Die 711 verbindete im Berufsverkehr Derendorf und Pempelfort mit der Uni – also eine Linie, die auch ich häufig genutzt habe. Die 716 fuhr von Uni Ost über Oberblik und Flingern nach Grafenberg. Beide Linien fallen nun weg. Aus Pempelfort und Derendorf kann man jetzt ja auch die U79 zum Beispiel ab U Nordstraße zur Uni nutzen. Und Fahrgäste aus Flingern und Grafenberg können jetzt am Oberbilker Markt in die U79 zur Uni umsteigen. Zwei Linien fallen weg. Eine neue kommt hinzu. Sowohl die 711 als auch die 716 waren in den Morgen- und Nachmittagsstunden gut belegt und fuhren teilweise alle 10 Minuten. Und jetzt soll das alles durch die U79 im 20-Minuten-Takt ersetzt werden? Das passt für mich nicht zusammen.

Es wäre ein sehr positives Zeichen gewesen, wenn Stadt und Rheinbahn die neue Linie zur Uni, welche die Fahrzeit vom Hbf um 10 Minuten verkürzt, auch die Bedeutung geschenkt hätten, welche sie verdient, durch einen 10-Minuten-Takt und spätere Fahrten bis 20:30 Uhr. Aber so wirkt das völlig lieblos und unbedarft in das bisherige Verkehrsnetz integriert. So, als wolle man die Strecke gar nicht haben. Ich weiß nicht, was man da prüfen möchte. Man weiß ja ungefähr, wieviele Studenten täglich an die Uni reisen. Und wenn man 10 Minuten schneller vom Hbf an der Uni sein kann, dürfte klar sein, welche Verbindung Studierende dann nehmen. Und für die Anzahl der Menschen reicht ein 20-Minuten-Takt dann nicht.

Mal sehen, wie lange die Stadt prüft und ihre Haltung ändert.

Thema: Düsseldorf | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Honesty is the best policy

Donnerstag, 29. Juli 2010 16:43

Es sind Fälle, die eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben, die sich in ihrem Ausmaß, ihrer Tragweite und Konsequenzen vielleicht auch erheblich unterscheiden und deswegen gar nicht miteinander verglichen werden können, aber trotzdem stelle ich mir seit Tagen die Frage, warum es Wirtschaftsunternehmen, Veranstalter und Organisatoren von Großveran-staltungen oder Verursacher von Umweltkatastrophen so schwer fällt, auf eine angespannte Lage oder gar Krise so kleinhäutig zu reagieren, indem sie die Kunden oder Betroffenen schlicht die Wahrheit vorenthalten. Von bewusstem Lügen möchte ich an dieser Stelle gar nicht sprechen.

Erstes Beispiel: die Rheinbahn, die Düsseldorfer Verkehrsbetriebe. Die haben derzeit nämlich Fahrermangel, bedingt durch einen erhöhten Krankenstand, zahlreiche Zusatzschichten wegen Großveranstaltungen und der Düsseldorfer Kirmes und den Sommerferien mit vielen abwesenden Mitarbeitern. Und wenn man nicht genug Fahrer hat, hat man nicht genug Fahrzeuge, die gefahren werden können um den Fahrplan zu erfüllen. Ich bin die ganze Woche ins Büro mit der Bahn gefahren und konnte jeden Morgen von Ausfällen einzelner Verbindungen berichten, teilweise sogar zwei Bahnen am Stück. Das ist für die Fahrgäste eine ärgerliche Situation, wenn man darüber nicht informiert wird. Wenn ich von den widrigen Umständen weiß, stelle ich mich auf die Situation ein. Ich habe auch gar kein Problem damit, dann ist es halt so und man muss mit den Gegebenheiten so gut wie möglich umgehen, Rheinbahn wie Fahrgäste. Für was ich allerdings gar kein Verständnis habe, ist der Umgang der Rheinbahn mit dieser Situation. Die Rheinische Post hat ein paar exklusive Informationen und Statements veröffentlicht. Fahrer wie betroffene Fahrgäste bestätigen Ausfälle, die Rheinbahn nimmt als vorübergehende Ausrede Fahrzeugausfälle. In der Werkstatt ist davon aber nichts bekannt. Da geht die Unternehmenskommunikation voll auf. Wieso ist es so schwierig, den Fahrgästen mitzuteilen, dass sie sich auf Ausfälle einstellen müssen, weil es derzeit nicht genügend Fahrer gibt? Wenn ich das weiß und ehrlich vom Unternehmen kommuniziert wird, gibt es meinerseits dann Akzeptanz für die Situation. Doch bei dieser Strategie des Vertuschens und Lügens kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln. Zumal jeder, aber wirklich jeder in Düsseldorf von den Problemen berichten kann. Nur die Rheinbahn nicht. Unverständlich. Und den Ärger bekommen dann wieder die Fahrer ab, die sowieso schon durchweg einen intensiven anstrengenden Job haben.

Und man könnte die Liste dieser Fälle fortsetzen, angefangen beim einen globalen Konzern wie BP bis hin zur Deutschen Bahn oder den Veranstaltern der Loveparade und der Stadt Duisburg. Ich kenne wenige Fälle aus dem Bereich der Krisenkommunikation, wo Verschleiern oder bewusstes Verschweigen von Tatsachen sich irgendwann ausgezahlt hat. Es kommt ehe irgendwann alles ans Licht, Medien und effektiven Ermittlungsbehördern muss hin und wieder auch mal gedankt werden. Wie fühlt man sich, wenn man ganz offensichtlich kein tragfähiges Sicherheitskonzept für eine Großveranstaltung hatte? Wer dafür letzlich zuständig ist und in wessen Verantwortungsbereich dieser Sachverhalt liegt, ist das Aufgabe der Staatsanwaltschaft herauszufinden. Für mich als Bürger oder direkt Betroffenen ist das in erster Linie völlig egal. Für mich wäre es ein Zeichen und angemessen, wenn man Fehler, die ganz offensichtlich begangen würde, zugibt. Sie passieren, es ist ärgerlich und sogar tödlich. Leider. Aber es ist keinem geholfen, wenn man als Person oder Führungskraft in der Öffentlichkeit ein desolates eigenes Bild abgibt und sich keiner Schuld bewusst sein will. Menschen lassen sich nicht für dumm verkaufen. Und als Chef eines Unternehmens, einer Institution oder Behörde hat man immer auch Verantwortung für seine Mitarbeiter und Angestellten. Denn die sind es meist, die in Kontakt kommen, mit Fahrgästen, normalen Bürgern, Freunden und Bekannten. Und die müssen sich dann erklären und rechtfertigen und werden von der Chefetage im Stich gelassen.

Ich hatte eigentlich den Eindruck, dass durch die Finanz- und Wirtschaftskrise das Bewusstsein für eine faire und ehrliche Unternehmenskommunikation auch zum Schutz der eigenen Mitarbeiter wieder erheblich gewachsen ist. Die letzten Tage und Wochen lassen mich daran wieder mehr zweifeln. Auch wenn es nur Einzelfälle sind, die gar nichts miteinander zu tun haben. Aber wie heißt es so schön: Honesty is the best policy.

Thema: Düsseldorf, Wirtschaft | Kommentare (2) | Autor: medispolis

Abgebrannt: Es wird dringend Hilfe benötigt

Mittwoch, 14. Juli 2010 7:39

In der letzten Woche war in vielen Düsseldorfer Zeitungen und Nachrichtenportalen von einem Großfeuer in Düsseldorf-Rath zu lesen, bei der eine Familie so ziemlich alles verloren hat, glücklicherweise nicht ihr Leben. Wenn man das so liest, tut einem das natürlich einfach unendlich Leid, zwei Tage später ist es dann normalerweise wieder aus dem Gedächtnis verschwunden.

Was schade ist. Erfreulicherweise nicht bei diesem tragischen Ereignis. Denn Carola,  die unter moving target bloggt, kann zusammen mit ihrem Mann, der bei dem Feuer durch Verbrennungen verletzt wurde, und ihrer Tochter geholfen werden.

Es gibt mittlerweile eine Spendenseite mit allen Infos und Hintergründen. Detaillierte Infos zu den Möglichkeiten zu spenden gibt es hier.

Jeder Euro bringt die Familie weiter. Danke.

Thema: Düsseldorf | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Erste Gastvorlesung von Joschka Fischer: “Kennen wir unsere eigenen Interessen nicht?”

Mittwoch, 28. April 2010 22:50

..oder was die Haltung der Bundesregierung in der Griechenland-Frage mit einem Feuerwehreinsatz gemeinsam hat.

An einem sonnigen und fast 25 Grad warmen Mittwochnachmittag bleibt man nicht unbedingt länger als nötig in der Heinrich-Heine-Universität und geht normalerweise eilig um kurz vor Vier nach dem letzten Seminar des Tages nach Hause – nur an diesem Mittwoch nicht, denn es hat sich hoher Besuch an der Hochschule angesagt. Joschka Fischer, ehemaliger Bundesaußenminister und Vize-Kanzler in der Rot-Grünen Koalition von 1998 bis 2005, hält als Gastprofessor seine erste von drei Vorlesungen zum Thema “Europas Rolle in der Welt” von fast 1000 Studenten. Und die sollten am Ende begeistert und beeindruckt den Hörsaal verlassen. Denn Joschka Fischer scheint immer noch perfekt zu wissen, wie man eine gute Rede aufbaut. Zu Beginn noch ein wenig vorsichtig und sehr stark orientiert am Manuskript wird er im Verlauf der fast einstündigen Ausführungen lockerer, souveräner und noch direkter in seinen Aussagen. Ein sehr guter, interessanter, sachlicher und unterhaltsamer Vortrag.

Nach einleitenden Worten von Rektor Pieper (“ein besonderer Tag, ein besonderes Geschenk für die Heinrich-Heine-Universität”) geht Fischer ans Redepult. Langsam, zunächst noch den Journalisten zugewandt, mit dem Fischer-Lächeln im Gesicht. Er ist ein wenig molliger geworden, gefühlt zumindest. Die Heinrich-Heine-Gastprofessur ist ein Geschenk des Landes Nordrhein-Westfalen an die Universität zu ihrer Namensgebung im Jahre 1988. Seitdem hatten neben Literaten wie Siegfried Lenz, Robert Gernhardt, Durs Grünbein oder Juli Zeh auch Politiker wie Richard von Weizsäcker, Helmut Schmidt, Avi Primor und Antje Vollmer das Amt inne. Fischer spricht zu Beginn ruhig, bedacht, länger überlegend, die Stimme immer wieder hebend, um wichtige Aussagen zu unterstreichen. Was er fast exzellent schafft, ist das Einstreuen von Pausen, sodass man über das Gesagte einfach auch mal einen Moment nachdenken kann. Zu Beginn beschäftigt sich Fischer einleitend mit wichtigen historischen Etappen und Ereignissen in der europäischen Geschichte, immer wieder deutlich machend, dass die Bedeutung über die Erfolge Europas – im Vergleich zu den kriegerischen Auseinandersetzungen bis vor knapp 60 Jahren – gerade bei der jungen Generation verloren gegangen sind. Dabei sei die Rolle Europas in der Welt eine der entscheidenen Zukunftsfragen. Also durchläuft Fischer innerhalb von gut 15 Minuten die Meilensteine europäischer Geschichte, spricht vom Staatensystem nach dem Westfälischen Frieden, geht auf die Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und Deutschland im 19. Jahrhundert ein und geht auch auf die “fast gelungene Selbstzerstörung Europas im Zweiten Weltkrieg” ein. Die Frage, wer Europa dominiere und den Anspruch auf Hegemonie erhebt, war die kennzeichnende Frage seit dem Westfälischen Frieden. Europa war auch in dieser Zeit keine homogene Kultur, keine Staatsnation, es gab kein eigenes Gemeinwesen und der Kontinent mit all seinen heutigen politischen Institutionen sei auch weiterhin “eine widersprüchliche Angelegenheit” – aber heute herrsche eben Frieden auf dem Kontinent. Das sei Europas Erfolg.

Und wenn sich diese Erfolgsgeschichte fortsetzen soll, sei, so Fischer, in den nächsten Wochen und Monaten eine enorm wichtige und große Herausforderung zu meistern, nämlich eine Lösung für den Staatsbankrott in Griechenland und eine gemeinsames Vorgehen und Überlegungen der EU für die überschuldeten Länder Spanien, Portugel und Italien. Fischer versprüht in seinen Ausführungen zur aktuellen wirtschaftlichen und politischen Lage der EU wenig Optimismus (“Ich neige zum Pessimismus”). Fischer sieht in der derzeitigen Phase die schwerste Krise der EU seit ihrem Bestehen und sieht Potential für eine “europäische Tragödie”. Die zweite Hälfte des Vortrages drehen sich fast ausschließlich um die Griechenland-Krise und deren wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen für die Europäische Union. Fischer wacht auf nach dem eher sachlichen Beginn, tritt als ein überzeugter Europäer auf und hält ein Plädoyer für eine Unterstützung der Griechen, weil es die richtige Entscheidung für die EU und für die Interessen Deutschlands sei. Dabei sollte aber nicht übersehen werden, dass Fischer das Verhalten der Griechen scharf kritisiert: “Es gibt keine Rechtfertigung für das Verhalten von Griechenland.” Nur müsse man jetzt das Beste aus der Situation machen. Das sagt Fischer zwar nicht, aber als Unterton klingt es immer wieder durch. Fischer bezeichnet die EU als Transferunion, nennt als Beispiel die Agrarsubventionen, und kann es deshalb auch überhaupt nicht verstehen, wieso dies monetäre Transfers zur Rettung eines Staates ausschließen sollte. 50 Prozent der deutschen Exporte gehen nach Europa, gar 70% davon in die EG, Deutschland sei der große Gewinner der Einführung des Euro und des Binnenmarktes. “Kennen wir unsere eigenen Interessen nicht mehr?”, fragt Fischer und will deutlich machen, dass er es überhaupt nicht versteht, dass die Bundesregierung bei Hilfen für Griechenland so lange zögert.

Deutschland würde in jetziger Situation mit der D-Mark sehr viel schlechter fahren, der Euro habe bisher glänzend funktioniert. Natürlich müsse man vorsichtig sein mit Transfers, aber sie seien zwigend notwendig, auch damit nicht länger Spekulanten an den Börsen Futter für Zockerei und Gewinnemachen bekommen. Ein Ignorieren der Hilfe hätte auch erhebliche Konsequenzen für die europäische Sicherheit. Griechenland sei ein “Stabilitätsanker” in Südosteuropa und dürfe deshalb nicht alleine gelassen werden. In der Griechenland-Frage stehen auch elementare Interessen europäischer Sicherheit auf der Tagesordnung. Dramatischer seien aber die Konsequenzen für den Euro. Fischer verstehe die Haltung der Bundesregierung nicht. Es gebe doch nur die Alternativen: Gibt die Regierung den Euro auf oder nicht? Und wenn sie es nicht macht, sei doch eigentlich die Feuerwehr da. Doch statt die Pumpen zu bedienen, krazt man sich am Kopf und aus einem Dachstuhlbrand sei jetzt ein Zimmer- und wird in eigenen Tagen der Hausbrand kommen. “Man ist nicht in der Regierung um eine schöne Zeit zu haben. Die Krise ist so schwer. Es muss jetzt sofort gehandelt werden”, so Joschka Fischer. Er fordere für die Zukunft eine verstärkte Koordinierung der Haushaltskontrolle und Budgetierung, unter dem Dach des Europäischen Rates des Staats- und Regierungschefs. Warum nun dort, hat er nicht gesagt. Wenn ich spekulieren würde, hält er die Kompetenzansiedlung bei der Europäischen Kommission für gescheitert. Wer in diesen Tagen in Europa still stehe, der fahre rückwärts. Fischer kritisierte die BILD-Berichterstattung über die möglichen Hilfen für Griechenland scharf, sprach von “Nachwuchsjournalisten beim großen deutschen Massenblatt”. Wenn er das täglich lese, vergehe ihm das Lachen.

Die derzeitige Krise in Europa sei natürlich kein Musterbeispiel für die Erfolge Europas. Europa sei zerbrechlich und nicht auf Dauer gestellt. Die junge Generation sei Europa gewöhnt, aber die Nachwuchsgeneration unter den Politikern sei – im Gegensatz zum ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl – nicht mehr zu investieren. Europa bedarf der europäischen Investition, nur konsumieren ginge nicht. Er wünsche sich ein neues Europabewusstsein aus der Krise. “Wir hängen von Europa ab, ihr jungen Leute müsst Europa in eure Hände nehmen.

Auch wenn es noch nicht genug gäbe um sich in Europa zuhause zu fühlen, hatte Fischer in seinen Ausführungen auch ein paar positive, optimistisch stimmende Aspekte zu erwähnen. Er war aufgrund des Vulkans auf Island in Kiew gestrandet und ist dann per Auto nach Deutschland zurückgefahren (“eine tolle Erfahrung”). Und dann habe er auf diese Reise wieder gesehen, wie richtig Europa ist und welche Erfolge die Osterweiterung insbesondere für Polen gehabt habe. Er könne eine solche Reise nur empfehlen.

Also, liebe Europa-Skeptiker, Kiew wartet auf euch.

Viel Applaus und Beifall für die erste Vorlesung von Joschka Fischer. Weitere Gelegenheit zuzuhören und Fragen zu stellen, gibt es am Dienstag, 01. Juni, und dann drei Wochen später am 22.06. Beginn ist jeweils um exakt 16:00 Uhr. Rechtzeitiges Erscheinen ist dringend empfohlen.

Thema: Düsseldorf, Politik International | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Notizen aus Düsseldorf (I)

Samstag, 23. Januar 2010 21:21

Seit über drei Monaten wohne ich jetzt schon in Düsseldorf. Ich war früher ein paar Mal in der Stadt auf Durchreise und letztes Jahr zwecks Bewerbung für den Studiengang dann wieder häufiger. Ich fand Düsseldorf damals stets eine sehr lebenswerte und pulsierende Stadt. Das würde ich auch nach drei Monaten noch weiter so unterschreiben, allerdings ist es wirklich so, dass, wenn man einmal länger in einer Stadt wohnt und nicht nur als Tourist zu Besuch ist, die Sicht auf und die Meinung über die Stadt ein wenig negativer wird. Ist bei mir auch so. Ich verspüre jetzt nicht mehr die große Euphorie, wenn ich nach Düsseldorf fahre oder mit anderen Leuten über Düsseldorf spreche, trotzdem bleibt es weiterhin eine Stadt, in der ich sehr gerne lebe und mich ausgesprochen wohl fühle.

Warum meine Meinung jetzt im Vergleich zu meinen ersten Tagen hier negativer geworden ist, kann ich gar nicht so genau sagen. Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich Düsseldorf vorher vielleicht ein wenig zu positiv gesehen habe und ich die Stadt – und eben auch die nicht so schönen Ecken oder die Gebiete, die mal dringend eine Auffrischung gebräuchten könnten – kenne. Und wenn ich dann am Sommer auf meiner Lieblingspark im Rheinpark in der Sonne sitze, ist mir das sowieso egal. Überhaupt: So ein großer Fluss hat für eine Stadt schon ein unglaublich schönes Flair. Und dass ich in drei Minuten am Rhein mit dem Rad bin – das damals bei der Zusage für die Wohnung aber gar nicht gewusst habe – lässt mich über das ein oder andere negative Element im Düsseldorfer Stadtbild doch schnell hinwegsehen. Was ich allen Gästen von Düsseldorf mal empfehlen kann. Abends oder nachts (glaube bis 22:00 Uhr) auf den Rheinturm fahren. Tolle Aussicht auf die Rheinebene und die beleuchtete Stadt.

Auch wenn der Stadtteil Pempelfort, in dem ich wohne, von vielen völlig zu Unrecht unterschätzt wird und scheinbar bei den meisten nur ein kleines Zur-Kenntnis-Nehmen auslöst, wenn man sagt, man wohne in Pempelfort, sei an dieser Stelle doch angemerkt, dass man sehr viel zentraler und schöner nicht wohnen kann. 10 Minuten in die Altstadt, fünf Minuten in die City, ebenso kurzer Weg zum Rhein und in den Hofgarten. Dazu alle Geschäfte des täglichen Bedarfs fast vor der Nase und mit der Nordstraße fast schon eine kleine Shopping-Meile in der Nähe. Den Starbucks werde ich im Sommer mit meinem Frappucino Strawberry häufiger belagern. Natürlich ist auch Pempelfort ein typischer Stadtteil einer deutschen Großstadt im Stadtzentrum. Viel Verkehr, hin und wieder auf den Hauptstraßen ganz schön laut. Aber dafür ist es eben umso schöner, wenn man dann in den Parks oder am Rhein von der Hektik abschalten kann.

Was aus meiner Sicht gar nicht geht, ist die Rheinbahn. Ich merke durchaus, dass man sich in diesem Unternehmen bemüht, sowas wie Service großzuschreiben und sehe das auch an der ein oder anderen Stelle. Es gibt auch supermoderne Bahnen, in denen es wirklich Spaß macht mitzufahren. Aber das ist eher die Ausnahme: Häufig hat die Rheinbahn gerade in der Hauptverkehrszeit auf der Strecke zur Uni viel Verspätung und sammelt auf dem Weg dorthin noch einmal dieselbe Zahl Minuten drauf, die sie in Pempelfort hat. Und alte, fast schon nostalgische Bahnen schön und gut: Aber irgendwann wäre es wirklich mal an der Zeit, neue Fahrzeuge anzuschaffen. Studenten machen die Bahnen schon nicht kaputt. Da muss man deswegen nicht die 70er Jahre-Bahnen fahren lassen. Also die Rheinbahn und ich sind noch keine Freunde geworden. Natürlich kann ich auch mit dem Fahrrad zur Uni fahren, was ich mit Ausnahme des Winters und bei schlechtem Wetter auch tun werde. Nur gerade jetzt, wenn es abends früh dunkel wird und ich bei Dunkelheit durch Düsseldorf mit dem Fahrrad fahre, kann mich auch gleich irgendwo aufhängen. Gut ausgebaute Radwege in der City bleiben eine Seltenheit. Und mit Autofahrern die Straße teilen – no way. Dann im Winter lieber mit der verspäteten Straßenbahn. Mir fällt gerade auf, dass ich seitdem ich hier bin noch nicht U-Bahn gefahren bin.

Auch in Düsseldorf wird überall fleißig gebaut – zur Verschönerung des Stadtbildes. Ist auch an manchen Stellen dringend nötig. U-Bahn durch die City, Neugestaltung des Jan-Wellem-Platzes und zahlreiche Neubauten an der Eisenbahnstrecke zwischen Düsseldorf Wehrhahn und Zoo stehen die nächsten Jahre an. Ich finde das gut, dass so umfangreich in den Städteneubau investiert wird. Wenn man etwas schöner machen kann und die Bausünden früherer Jahre überwinden kann, ist das umso besser. Und vielleicht schaffen wir das ja auch nochmal bei den Bahnsteigen und dem Bahnhofsdach des Düsseldorfer Hauptbahnhofs. Über die Bahnhofseinfahrt will ich gar nicht nachdenken. Man macht sich dann also seine Gedanken über das Aussehen von Düsseldorf, wenn man ein wenig länger hier wohnt.

Habe es zumindest versucht, hier eine regionale Tageszeitung zu abonnieren. Aber ich kann es einfach nicht, wenngleich der Lokalteil der Rheinischen Post noch akzeptabel ist – im Gegensatz zum Internetauftritt. Die perfekte Informationsquelle über lokale Politik und Düsseldorf generell habe ich noch nicht gefunden.

Apropos Kommunalpolitik: Kommt das mir nur so vor oder ist es im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten hier extrem ruhig in der Kommunalpolitik? Ich bekomme hier immer noch kaum was mit. Anmerkung meinerseits: Könnte auch an meiner noch mangelnden Bereitschaft liegen mich ausführlicher damit zu beschäftigen. Eine Sache noch: Ich habe den Einruck, das man mit dem nicht vorhandenen Schuldenstand Düsseldorfs in der Fremde durchaus angeben kann.

    Und wenn die Rheinbahn und ich Freunde werden, sage ich hier als erstes Bescheid. Die Rheinbahn macht jetzt aber erstmal Sparprogramm, wie ich gehört habe. Vielleicht kann man sich ja auch mal die ein oder andere Verspätung sparen.

    Thema: Düsseldorf | Kommentare (0) | Autor: medispolis

    Nah- und Fernverkehrserlebnisse

    Mittwoch, 23. Dezember 2009 9:51

    Die letzten Tage mit dem teils rasanten Wintereinbrüchen waren für die Menschen, welche auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, sicherlich kein schöner Abschnitt in der ohnehin schon stressigen Vorweihnachtszeit. Auch ich durfte es erleben, wie es ist Opfer von Schnee, Eis und Kälte zu werden – wie so viele andere auch.

    Sonntagabend bin ich mit dem IC von Bremen nach Düsseldorf gefahren. Insgesamt meine derzeitige Heimat mit gut 45 Minuten Verspätung erreicht, wovon allein 25 Minuten Halten auf offener Strecke zwischen Essen und Duisburg eingerechnet sind. Das viel größere Problem bestand dann im Nachhauseweg vom Düsseldorfer Hbf, weil Bahnen nur noch sehr unregelmäßig oder gar nicht fuhren. Gleiches Schauspiel dann auch am Montag, wo ich fast zwei Stunden zur Uni gebraucht habe, weil diverse Bahnen gar nicht fuhren – und wenn, dann nur sehr unregelmäßig und nicht bis zum eigentlichen Endpunkt. Dafür klappte die Nachhausefahrt von der Uni am Montagabend zumindest einigermaßen problemlos, um dann dafür gestern Nachmittag wieder fast eine Stunde länger von Düsseldorf nach Hannover zu brauchen, weil Züge ausgefielen sind und damit Anschlüsse verpasst wurden. Irgendwann verliert man dann die Lust und die Haltung, alles ein wenig locker und entspannt zu sehen.

    Nun bin ich weit davon entfernt zu sagen, dass bei solchen Witterungsverhältnissen alles perfekt laufen muss und man sich doch eigentlich viel früher auf den Wintereinbruch hätte einstellen müssen. Als ich Sonntagabend in Düsseldorf ankam, war ich sowas von perplex, weil ich solche Schneemassen in einer deutschen Großstadt selten gesehen habe. Dass dann nicht mehr alles nach Plan läuft, dürfte klar sein – und findet bei mir auch Verständnis. Was ich allerdings gar nicht begreifen kann, ist die mangelnde Bereitschaft, die Bevölkerung und damit die Kunden über den aktuellen Betriebsablauf zu informieren. Da gibt es in Zeiten der Internetdienste und zusätzlich über Radio und TV so viele Möglichkeiten, die aber einfach nicht wahrgenommen werden. Und überhaupt war die Informationslage an den Tagen eher dürftig.

    Ein paar konkrete Beispiele: Zumindest für den Sonntag muss ich die Deutsche Bahn wirklich loben, die uns wirklich sobald es verkündbare Informationen gab, informiert hat. Man hat uns auch alles erklärt, warum wir jetzt warten – aufgrund von Weichenstörungen ist nur eingleisiger Fahrbetrieb möglich – und hat bereits in Dortmund darüber informiert, dass es im Laufe der Fahrt zu massiven Verspätungen kommen kann. Das klappte wunderbar, von daher richtet sich mein Ärger auch eher gegen die Düsseldorfer Rheinbahn. Ehrlich gesagt weiß ich noch nicht mal, ob die wissen, was gute und brauchbare Informationen sind. Als ich Sonntagabend in Düsseldorf ankam, lief über den Abfahrtszeitenbildschirm der Hinweis, dass es aufgrund der extremen Witterung auf allen Linien zu Verspätungen kommen kann. Ach, guck an, hätte ich jetzt nicht gedacht. Nach 30 Minuten war aber noch immer keine Bahn da. Dann muss die Rheinbahn meiner Meinung nach ganz einfach mal den Arsch in der Hose haben und sagen, dass bestimmte Stadtbahnlinien nicht mehr fahren. Und man nicht erst eine halbe Stunde in der Kälte steht, sondern sich andersweitig um Ersatz kümmert, zum Beispiel durch Fahrt mit der S-Bahn und eines etwas längeren Fußweges oder alternativ Taxi. Aber hinzuschreiben, dass es zu Verspätungen kommen kann – und man dann Ewigkeiten auf Bus und Bahn wartet, ist ungefähr so, als würde man sagen, man solle bei Dauerregen doch bitte eine regenfeste Jacke anziehen und nicht im T-Shirt durch die Stadt laufen.

    Ärger über die Rheinbahn bei mir auch am Montagvormittag. Um mich zu informieren, wie ich aus Pempelfort zu Uni komme, schaue ich auf die Internetseite der Rheinbahn und lese diesen grandios präzisen, völlig überwältigenden Satz, dass es aufgrund der extremen Witterung auf allen Linien zu Verspätungen kommt, lediglich für einige U-Bahn Linien standen konkrete Hinweise, dass einzelne Streckenabschnitte nicht bedient werden. Also früh genug zur Haltestelle gegangen, als dann aber nach 30 Minuten weder die 706 noch die 707 vorbeischauten, zu Fuß in die Stadt gegangen. Auf dem Weg immerhin festgestellt, dass die 701 fährt, allerdings nur alle 20 Minuten und mit verkürzten Wagen. Zudem konnte ich sehr schnell feststellen, dass die 715 relativ regelmäßig fährt und die Bahnen durch die Altstadt nur bis Graf-Adolf-Platz fuhren und nicht weiter über Kirchplatz bis nach Bilk. Und dann frage ich mich doch ganz ehrlich, warum das nicht so und nur so auch detailliert im Netz als Info zu finden ist. Warum nicht? Wieso nicht der Hinweis, dass die 706 und 707 nur sehr unregelmäßig fährt und es empfohlen wird, andere Alternativen für die Fahrt Richtung Uni zu suchen? Zum Beispiel mit der 701, auf der ein Fahrplan im Takt von 20 Minuten versucht wird aufrechtzuerhalten. Aber nur hinzuschreiben, dass es zu Verzögerungen kommt, ist faul, dreist und alles andere als kundenfreundlich.

    Und warum man nicht auch mal die Gelegenheit nutzt, im Radio über die aktuelle Verkehrslage zu informieren, weiß ich bis heute nicht. Das Lokalradio Antenne Düsseldorf würde sich da ja sicherlich anbieten. Ich will ja gar nicht so weit gehen und fordern, dass aktuelle Verkehrsmeldungen der Rheinbahn getwittert werden, aber eine detaillierte Übersicht im Internet darf ich ja wohl als Kunde erwarten. Man sollte es seinen Fahrgästen so leicht wie möglich machen. Und eigentlich finde ich es selbstverständlich bei Schneehöhen von 20 Zentimetern nachts die Hauptlinien zumindest einigermaßen frei zu räumen und Weichen und Verkehrskreuzungen nicht erst um 11:00 Uhr mit Salz zu bestreuen. Hoffentlich lernt man für den nächsten Wintereinbruch.

    Und die Deutsche Bahn sollte mal überlegen, dass bei schlechtem Wetter und Ferienbeginn mehr Leute fahren als sonst ehe schon üblich und es damit sicherlich im Berufsverkehr zu noch überfüllteren Zügen kommt. Aber ein Zusatzzug grenzt da ja schon fast an ein Weltwunder.

    Thema: Alltägliches, Düsseldorf | Kommentare (2) | Autor: medispolis

    Langlauf am Rhein – der schmale Grat zwischen Event und Klimaschutz

    Donnerstag, 3. Dezember 2009 9:37

    Die ZEIT beschreitet heute einen bisher einmaligen Weg und widmet fast die Hälfte ihrer gesamten Ausgabe dem Kampf gegen den Klimawandel. Am Montag beginnt für 10 Tage die Klimakonferenz in Kopenhagen. Seit Jahren diskutieren die Regierungschefs dieser Welt über fast nichts anderes mehr als die Begrenzung der Erderwärmung. Wir alle scheinen dazu aufgefordert zu sein, aktiver und verantwortungsbewusster mit unseren natürlichen Ressourcen umzugehen. Blöd nur, dass sich die Staatschefs bis heute nicht auf einen mehrheitsfähigen umgesetzten Kompromiss geeinigt haben. Einer muss anfangen und vorweg gehen – so denkt aber bis jetzt keiner.

    Immerhin scheint sich – um etwas Positives von den Diskussionen der letzten Jahre abzuleiten – ein neues Bewusstsein abgeleitet haben, dass mehr auf den Klimaschutz geachtet werden muss. Jeder muss das tun – am besten gleich vor der Haustür. Und Düsseldorf, die Stadt, in der ich seit zwei Monaten lebe und die mir so wunderbar gefällt, leistet dieses Wochenende einen ganz besonderen Beitrag zum Klimaschutz.

    Dort, wo es vergangenen Monat noch fast 20 Grad waren und dieser Tage immerhin etwas knapp über 10 Grad, liegt am Wochenende Schnee – für den Weltcup der Langläufer am Rheinufer. Ich weiß gar nicht, ob es ein sinnlosere Aktion als die Durchführung einer Wintersportart auf 39 Meter über Normal Null gibt. Ich gebe zu, dass ich vor zwei Jahren auch ganz interessiert am Fernseher den Weltcup verfolgt habe, fand die Veranstaltung in Düsseldorf als etwas Außergewöhnliches, als ein kleines Event, das man ganz wunderbar mit der Kulisse des Rheins und der Stadt im Hintergrund anschauen konnte.

    Vielleicht war vor zwei Jahren mein Gespür für Klimaschutz noch nicht so ausgeprägt wie in diesem Jahr. Aber ich halte die Veranstaltung mittlerweile für völligen Schwachsinn. Um mich richtig zu verstehen: Nicht die Sportart an sich, und ich wünsche vor allen den deutschen Sportlern und Trainerteam viel mehr Aufmerksamkeit für ihre in den letzten Jahren großartige Arbeit. Aber dieses Langlauf-Wochenende am Rhein, mittlerweile sowieso nur noch ein einziger Event-Charakter – muss in Zeiten der Diskussion über Klimawandel nun wirklich nicht mehr sein. Über 100 LKW-Fahrten (!) braucht es um rund 3000 Kubikmeter Kuntschnee (!!) an den Rhein zu bringen. Manchmal wünschte ich mir, das fließe alles gleich in den Rhein. Der Schnee kommt übrigens aus der Skihalle in Neuss (sic!).

    350.000 Besucher werden erwartet, mehr Event-Charakter geht nicht. Und mehr als die Hälfte der Zuschauer wird wahrscheinlich Langlauf noch nie im TV gesehen haben oder sehen wollen. Aber Hauptsache im Schweizer Dorf gibt es dann den Alkohol. Die FH Düsseldorf hat nach einer Studie herausgefunden, dass Dreiviertel der Zuschauer aus Düsseldorf oder der nahen Region kommt. So what also? Kein großer Anziehungspunkt überregional. Keinem würde es weh tun, wenn der Weltcup nicht mehr stattfinden würde. Außer vielleicht den Sportlern, die das Licht der Aufmerksamkeit nicht mehr bekommen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Und wenn dafür die einzige Lösung solche Veranstaltungen wie am Wochenende sind, darf man den Wintersport in Deutschland dann auch bitte gerne zur Grabe tragen. Und ich kann beim besten Willen auch nicht erkennen, dass der Langlaufsport in Deutschland von diesen zwei Tagen nachhaltig und dauerhaft profitieren würde. Es ist eine Veranstaltung, die lediglich dem Event-Charakter einiger in unserer Gesellschaft gerecht wird. Scheinbar kann man darauf aber nicht verzichten.

    Ich muss mir noch überlegen, ob ich am Sonntag mal bei der Veranstaltung vorbeischaue. Eigentlich würde ich es aus Unterstützung und Verbundenheit für die deutschen Sportler gerne tun, aber ich komme mit dem Umfeld einfach nicht klar. Und was mich darüberhinaus noch ein bisschen ärgert. Dadurch, dass Anfang Dezember der Langlauf-Weltcup am Rheinufer stattfindet, wird bereits zwei Wochen vorher mit dem Aufbau begonnen. Die wunderschöne Rheinprommenade ist praktisch von den Weihnachtsmärkten und der weihnachtlichen Stimmung in der Altstadt komplett ausgeschlossen. Stattdessen tümmeln sich die Menschen irgendwo zwischen Jan-Wellem-Platz und Rathaus. Aber wie schön und gemütlich wäre es denn von den Atmosphäre, wenn auch die Rheinprommenade im weihnachtlichen Glanz erstrahlt und ein paar Glühweinstände bereit halten würde? Stattdessen ist sie seit zwei Wochen mit irgendwelchen Absperrgittern und Metallzäunen geschmückt.

    Auch wenn der Schnee nicht gekühlt werden muss, auch wenn es von Neuss nach Düsseldorf nur 20 Kilometer LKW-Fahrt sind, und fast alle Besucher mit der U-Bahn anreisen (hey, welche Stadt kann schon behaupten, dass man mit der U-Bahn zum Wintersport fährt) und der Energieverbrauch vielleicht gar nicht so viel höher liegt als bei anderen Großveranstaltungen (wobei das nur die PR der Stadt Düsseldorf sagt), ich habe irgendwie Bedenken und Probleme damit, dass eine solche Veranstaltung durchgeführt wird. Natürlich ist es für Düsseldorf eine wunderbare Gelegenheit Werbung zu machen, aber wie war das gleich nochmal: Einer muss anfangen und vorweg gehen.

    Thema: Düsseldorf | Kommentare (4) | Autor: medispolis

    Impressionen aus Düsseldorf (I)

    Samstag, 28. November 2009 20:39

    Blick von der Oberkasseler Brücke auf den Rhein, im Hintergrund die Rheinkniebrücke und der Rheinturm.

    Thema: Düsseldorf | Kommentare (0) | Autor: medispolis