Beitrags-Archiv für die Kategory 'Zeitungen/Zeitschriften'

Halb geöffnete Bezahlschranken

Donnerstag, 19. August 2010 18:52

Ich habe die vergangenen Tage für eine kleine wissenschaftliche Untersuchung über Bezahlschranken (“Paywalls”) im Internet recherchiert. Nach Tagen der Recherche bleibt bei mir immer noch eine Frage offen. Aber dazu weiter unten mehr.

Mittlerweile ist die Einrichtung von Bezahlinhalten bei Zeitungen im Web immerhin in der öffentlichen Wahrnehmung, in der Umsetzung zwar immer noch ein Experiment und Testballon. Im Juni zog die Londoner Times inklusive ihrer Sonntagsausgabe die Vorhänge hoch und ließ Bezahlschranken einrichten. Mit bisher mäßigem Erfolg. Wie erwartet und prognostiziert bleiben die Leser weg. Um knapp zwei Drittel sind die Zugriffe zurückgegangen, andere Studien sprechen teilweise sogar von einem Rückgang um 90 Prozent. Das sieht in erster Linie sehr dramatisch aus, für eine abschließende Betrachtung sollte man aber vielleicht bis Ende des Jahres warten. Dass man keine großen Zuwächse durch die Schaffung von Bezahlinhalten erlangen würden, war innerhalb der Times sicherlich jedem klar. Wenn man sieht, dass das Wall Street Journal über mehrere Jahre hinweg die Abonnentenzahlen für Online-Inhalte stetig ein wenig steigern konnte, sind Urteile über den Sinn von Bezahlinhalten verfrüht. Eine andere Frage ist eben, wie lange Murdoch die Geduld hat seine Strategie durchzuziehen.

Aber scheinbar meint er Murdoch es ernst. Gerüchte entstanden gestern, dass im Laufe des Oktobers auch die News of the World hinter den Bezahlschranken verschwindet. Eine offizielle Bestätigung steht noch aus. Der Guardian spekuliert darüber, dass kurz danach auch Murdochs anderes Boulevardblatt, The Sun, nur noch per Bezahlung online Inhalte liefert. Das wäre trotz des breiten britischen Boulevardzeitungsmarktes dann schon ein Zeichen, wenn die NOW und The Sun diesen Schritt gehen würden. Ganz anders die Situation bei der Times. Da gibt es genug vernünftige Alternativen sich andernorts zu informieren, zum Beispiel beim Guardian oder dem Daily Telegraph.

Es gibt wohl tausend Meinungen und Ansichten zu diesem Thema, über den Sinn und Unsinn von Bezahlinhalten im Internet. Ich wäre bereit für guten Journalismus und besondere journalistische Produkte zu bezahlen. Womit wir wieder bei meiner Frage wären. Ich kann verstehen, dass sich die Expansion der Zeitungen in der Online-Welt irgendwie rentieren muss, dass man wirtschaftliche Gesichtspunkte berücksichtigen muss und sich unabhängiger vom Werbemarkt und Anzeigengeschäft machen möchte. Dass leuchtet mir ein, von daher verstehe ich es aber nicht, warum man nicht nur einige Inhalte, zum Beispiel besonders gute journalistische Leistungen oder eine tägliche Kolumne eines sehr guten Journalisten, mit einem kleinen Preis versieht, alle übrigen Inhalte, wie Agenturmeldungen oder sonstige Klickstrecken offen für alle Leser lässt. Würde man mit einem solchen Schritt nicht guten hochwertigen Journalismus belohnen, gleichzeitig aber verhindern, dass Leser in Scharen davon laufen und somit auch die Wahrscheinlichkeit für Werbe- und Anzeigenkunden sinkt?

Man lässt also 70% der Inhalte weiter frei verfügbar, für 30% müssten die Leser bezahlen. Das setzt auf der anderen Seite natürlich 30 Prozent guten, spannenden und lesenswerten Journalismus voraus. Aber der wird dann ja auch entsprechend bezahlt. Ich könnte mir zum Beispiel sehr gut vorstellen, für den Football Weekly Podcast des Guardian zu bezahlen, für die SPOX-Blogschau oder für einige Sportartikel der Süddeutschen Zeitung. Ich könnte mir auch vorstellen für einige politische Analysen bei der ZEIT oder dem SPIEGEL Geld zu bezahlen, aber eben nicht für simple Zusammenstellungen von Agenturmeldungen. Es muss schon etwas Besonderes sein. Vielleicht wäre das ja mal ein Experiment nur einen Teil als Bezahlschranke einzurichten- für ganz besondere Inhalte. Und solchen Content, den man ehe überall lesen kann, lässt man unbezahlt.

Warum Bezahlschranken immer gleich ganz oder gar nicht? Vielleicht wäre ein Mittelweg ja die Lösung.

Thema: Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Zitat des Tages: Dienstag, 25. Mai 2010 – It is time to stop giving our journalism away

Dienstag, 25. Mai 2010 21:45

“What’s at the heart of the Times and what’s at the heart of good journalism everywhere is reporting and making sure you can continue to send people to Afghanistan, to Iraq, to the Gulf of Mexico, into the business world, covering sport. That kind of thing is absolutely essential and you cannot give that away.”

James Harding, Editor of The Times, im Interview auf BBC Radio 4 über die neue Website der Times, für deren Inhalte man ab sofort bezahlen muss. Murdoch lässt grüßen.

Dazu eine erste Begutachtung des neuen Angebots durch Peter Robins/Guardian.

“Overall, the Times site makes a very accomplished effort at bringing the style and symbolism of the paper on to a screen without sacrificing the breadth and depth of information that readers expect from web pages, and the Sunday Times one is an interesting stab at displaying the vast wealth and diversity of all those supplements. Whether they’re beautiful enough to pay for is, of course, another issue.”

Essenz und deutsche Sicht auch bei Spiegel Online.

Thema: Zeitungen/Zeitschriften, Zitat des Tages | Kommentare (2) | Autor: medispolis

Zitat des Tages: Montag, 24. Mai 2010 – Reality of Dubai

Montag, 24. Mai 2010 12:25

“My initial feeling about Dubai was that here you have a place that’s an autocracy by definition, but it’s socially wide-open,” he said. “I bought into the hype of Dubai, that you have economic and social freedoms that no one will impinge upon. The reality is if you don’t do anything to offend anyone, you’ll never know the reality.”

Interessante und sehr lesenswerte Story im San Francisco Chronicle über Arbeitsmethoden und Untersuchungen der Sicherheitsbehörden in Dubai. Wirtschaftliche und soziale Freiheit sind scheinbar schwieriger denn je zu erreichen. Auch für die Arbeit von Journalisten.

Thema: Zeitungen/Zeitschriften, Zitat des Tages | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Darf die Daily Mail das?

Montag, 17. Mai 2010 15:07

Fangen wir vorne an: Am Sonntag veröffentlicht die Wochenendausgabe der Daily Mail einen Artikel über Lord Triesman, noch gar nicht so lange Präsident des englischen Fußballverbandes FA, Labour-Politiker und Vorsitzender des Organisationskomittees für Englands Bewerbung zur Fußballweltmeisterschaft 2018. Für den englischen Fußball also keine ganz unwichtige Person, erhoffen sich doch viele Fußballfans einen Zuschlag von der FIFA für das Turnier auf der Insel und hatten durchaus guten Grund zu hoffen, dass die skandalgebeutete FA wieder ein wenig Anerkennung und Glaubwürdigkeit erhält.

Am Sonntag steht im Sportteil der Daily Mail ein großer Artikel vom Sportkorrespondenten Ian Gallagher mit einem äußerst brisanten Vorwurf. Demnach soll in in mehreren Treffen, unter anderem mit seiner Ex-Gebliebten Melissa Jacobs, Triesman unter vielen weiteren unfassbaren Gesprächsfetzen folgendes gesagt haben: Er besitze Informationen, wonach Spanien seine Bewerbung für die Weltmeisterschaft 2018 zurückziehen würde, wenn Russland – ebenfalls Bewerber für die WM in acht Jahren – Spanien dabei helfe, Schiedsrichter bei der in knapp drei Wochen beginnenden WM in Südafrika zu bestechen. Im Gegenzug würde Spanien seine Bewerbung zu Gunsten von Russland zurückziehen. Ein hochrangiger Sportsfunktionär, eine ehemalige Geliebte und ein handfester Skandal, der ganz England bewegt – vor allem, nachdem das Organisationskomittee zwei Tage vorher die offizielle Bewerbung für die WM auf der Insel vorgelegt hat. Eine Geschichte wie gemalt für den englischen Boulevard, wie gemalt für die Daily Mail.

An einem frühen Sonntagmorgen bringt die Geschichte die Medienwelt in Aufruhr. Die BBC und Sky News fahren Sondersendung, die Telefone in den Call-In-Sendungen laufen heiß. Und innerhalb von ein paar Stunden war Lord Triesman seinen Job als FA-Präsident und Vorsitzender der Bewerbungskommission los. Sportminister Hugh Robertson sprach von der “absolut richtigen Entscheidung“. Es sei nichts verloren, so Robertson, bezüglich Englands Bewerbung um die Austragung der Weltmeisterschaft 2018. Und jetzt wird landauf landab über die Konsequenzen für Englands Chancen zur Austragung der WM gestritten, also um die Konsequenzen der unfassbaren Entgleisungen von Lord Triesman trotz des schnellen Rücktritts. Den Scherbenhaufen, den Triesman hinterlassen hat, ist groß. Wieder für Vertrauen bei der FIFA werben, sich bei den Spaniern und Russen entschuldigen und von den Äußerungen zu distanzieren, verhindern, dass es jetzt und zukünftig eine Allianz gegen die englische Bewerbung gibt – und vor allem wieder für Stabilität und Glaubwürdigkeit in der FA sorgen, nach innen, und nach außen, gegenüber der eigenen Bevölkerung und der FIFA. Keine leichte Aufgabe – und sicherlich eine Aktion, die man sich bei der FA trotz der Unbeliebtheit von Triesman bei einigen – auch bei der FIFA Exekutive – sicherlich lieber gespart hätte.

Ob die Vorwürfe nicht völlig aus der Luft gegriffen sind, interessiert derzeit keinen. Inwieweit die Anschuldigungen verfolgt werden, steht auch noch nicht fest. Und ob die FA auch einen positiven Schub aus der Affäre mitnehmen kann, lässt sich noch nicht abzeichnen. Spätestens aber am 2. Dezember, wenn die Gastgeber für die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 bekanntgegeben werden.

Nun ist der englische Boulevard alles andere als zimperlich, wenn es um solche Skandale geht. Da nimmt man kein Blatt vor dem Mund, ist gnadenlos und bereut nichts. So eine Story bringt nur eines – eine höhere Auflage. Und das sollten die Engländer eigentlich gewohnt sein. Umso erstaunlicher ist die Diskussion, die sich dieser Tage auf der Insel abspielt. Immer häufiger wird sich die Frage gestellt: Darf die Daily Mail das? Hätte man nicht einmal aus Rücksicht auf Englands Chancen eine exklusive Story zurückhalten können um der Gesellschaft und dem Bewerbungskomittee diese Peinlichkeit zu ersparen? Hätte die Daily Mail auf eine Veröffentlichung verzichten sollen? Bei BBC Five Live gingen die Meldungen da heute Vormittag weit auseinander. Für mich ist die Sache klar: Rein normativ betrachtet kann man der Daily Mail überhaupt keinen Vorwurf machen. Zur Aufgabe der Medien gehört die Kontrolle der Eliten in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Und wenn sich diese Infos, die der Daily Mail vorlagen als einwandfrei glaubwürdig und wahrhaftig erwiesen haben, spricht nichts gegen eine Veröffentlichung. Was eben viel fragwürdiger ist als das eigentliche Veröffentlichen der Informationen ist die Unternehmung an diese Infos heranzukommen. Muss man Gespräche mitschneiden und belauschen, muss man Journalisten teilweise gezielt auf einzelne Personen ansetzen um irgendwann schon den ein oder anderen Skandal zu finden. Zumal bei der Vergangenheit von Triesman: Labour Politiker, man munkelt er sei nur auf den großen Stuhl Football Association gekommen, weil er in der Politik genug Verbündete gehabt hat. Da freut sich die Daily Mail, eher konservativ ausgerichtet, natürlich besonders, wenn sie einen Funktionär aus dem gegnerischen politischen Lager absägen kann. Und die andere Frage: Muss die Daily Mal wirklich jede Information erkaufen und bekommen? Es ist noch unklar, wie teuer die brisanten News von der ehemaligen Geliebten von Triesman waren, aber sie dürften gekostet haben.

Bleibt am Ende nur die Konsequenz zu sagen, dass die Daily Mail nicht falsch gehandelt hat – oder anders formuliert – nicht unüblich. Klar ist das mögliche Erkaufen und das Ansetzen von Journalisten auf bestimmte Personen kein Gütesiegel. Nur gerade in England sollte man das gewohnt sein. Heißt auch: Man muss vorsichtig sein, was man in der Öffentlichkeit äußert und zu wem man es tut. Dass die Daily Mail die Infos dann auch veröffentlicht hat, überrascht nicht und ist auch nicht verwerflich. Wenn man etwas kritisieren möchte, dann lediglich die zum Teil eher fragwürdigen Methoden zur Erlangung der Infos. Kann man an diesem Fall eigentlich von Schuld sprechen? Triesman wusste ja sicherlich nicht, dass seine Gespräche irgendwann mal in der Zeitung stehen. Und die Daily Mail hat ihre Pflichten als journalistisches Kontrollorgan erfüllt. Es wurden Fehler gemacht – und die Fehlerkette begann bei Triesman.

Nachfolger von Triesman im Bewerbungskomittee soll nach Recherchen des Guardian Geoff Thompson werden, ehemaliger Chairman der FA und mit scheinbar sehr guten Kontakten zur FIFA. Das ist auch better nötig. Sonst könnte es im Dezember doch heißen: Die Daily Mail hat dafür gesorgt, dass England die Weltmeisterschaft 2018 nicht austragen wird.

Thema: WM 2010, Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Ich verstehe die BILD-Zeitung nicht

Montag, 3. Mai 2010 18:43

Ich habe mich die letzten Tage bedingt durch einen kleinen Vortrag für ein Uni-Seminar genauer und ausführlicher mit der Griechenland-Krise beschäftigt, mit den Ereignissen, die zu der hohen Verschuldung des Mittelmeerstaates geführt haben, wie die Märkte Gerüchte und Spekulationen angeheizt haben und wie die Politik seit Monaten verkündet hat, dass man Griechenland helfe, aber lange wenig Konkretes ausgearbeitet wurde. Empfehle jedem Mal sich dort genauer einzulesen, unglaublich interessant. Empfehle die aktuellen Ausgaben vom SPIEGEL und Economist und einfach mal im ZEIT-Archiv stöbern. Klassisches Beispiel dafür, wenn Politik die Märkte unterschätzt, sagen immer viele. Ich weiß gar nicht, ob das Verhalten der Politik ein Unterschätzen war, was ja impliziert, dass man sich der Gefahr und der Dynamik der Märkte nicht bewusst war. Für mich ist das viel mehr – gerade auch auf deutscher Seite – ein Ausreizen gewesen, einfach testen, wieweit man gehen kann. Leider hat man dann den Bogen etwas überspannt. Was mehr als bedauerlich ist, aber eben auch zeigt, dass für die Regulierung der Finanzmärkte noch einiges getan werden muss.

Ich habe mir natürlich auch ein wenig die Medienberichterstattung europaweit und in den USA über die dramatische Lage in Griechenland angeschaut und konnte den überwiegenden Tenor durchaus nachvollziehen. Die USA haben insbesondere die Rolle und Position der Gesamtzone begutachtet (“Wo ist Europa?” hat die New York Times gefragt) und auch der Medientenor in der Euro-Zone leuchtete mir ein. Frankreich hat sehr schnell gesagt, dass man für Griechenland-Hilfen zur Verfügung steht, entsprechend ruhig verlief die Medienberichterstattung. Die britische Presse machte sich – wen wundert es – vor allem mit berechtigter Kritik über Angela Merkel lustig. Zitat aus dem aktuellen Economist, Seite 67: “Angela Merkel’s political credibility has not yet been downgraded to junk status”, wobei im Heft die Dynamik und die verschiedenen Dimensionen der Krise – und damit die Rechtfertigung für die Kritik an Merkel – exzellent aufgezeigt werden.

Nur die deutsche Medienberichterstattung gibt mir Rätsel auf, allen voran die BILD. Warum gerade jetzt diese Kampagne gegen finanzielle Unterstützung für Griechenland? Da werden von BILD-Redakteuren auf Marktplätzen Drachmen verteilt, die vorher gegen Euro ausgegeben wurden. Da sind Bilderserien in der Zeitung, die Menschen in Athen an Restauranttischen beim Abendessen zeigen (Sollen die Griechen etwa auch noch verhungern, frage ich mich. Das Essen darf man ihnen ja wohl nicht verbieten) und auf einer Doppelseite Menschen aus Deutschland, die das Geld viel dringender nötig hätten als die Griechen, zum Beispiel für den Neubau des lokalen Feuerwehrhauses.

Aber warum fährt die BILD diese massive Kampagne, wie ich sie seit Jahren eigentlich nicht mehr gesehen habe? Ist es das Zögern der Politik gewesen, die sich nicht schnell genug auf eine klare Linie einigen konnte und der BILD das Agenda-Setting ermöglichte? Will die BILD mal wieder Sprachrohr der Bevölkerungsmeinung sein (dabei war doch zu Beginn der Kampagne noch gar nicht klar, wie die Deutschen zu Zahlungen stehen)? Will die BILD beweisen und demonstrieren, welche Stärke und Macht sie hat, die Meinung in der Bevölkerung zu beeinflussen? Oder möchte der Boulevard sich wieder als Anwalt des kleinen Mannes, der sich öffentlichkeitswirksam nicht artikulieren kann, verstehen?

Und dann denke ich die ganze Zeit darüber nach, was die BILD mit der Kampagne eigentlich bewirken wollte. Merkel die Krise verschärfen, ein Blatt aus dem Hause des Axel-Springer-Verlages! Und ich denke, dass auch der BILD von Beginn an offensichtlich war, dass sie nicht verhindern kann, dass Deutschland Kredite gewährt und dass Griechenland gerettet wird. Warum also die Kampagne?

Wahrscheinlich ist es einfach das Ausleben eines journalistischen Triebes des Boulevardjournalismus mal richtig auf die Pauke zu hauen. Wieviel Schuld daran auch die Politik hat, steht auf der anderen Seite der Medaille.

Thema: Politik National, Wirtschaft, Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Zitat des Tages: Dienstag, 16. März 2010 – Wie in keiner anderen Zeitung

Dienstag, 16. März 2010 8:41

“Dass ich morgens in der U-Bahn, wenn ich zur Arbeit gehe, eine Zeitung kaufen kann und alles, was mich am Sport interessiert, sofort in einer Zeitung lesen kann. Und zwar aktueller als in jeder anderen Zeitung, weil wir einen extrem späten Redaktionsschluss haben, der bei wichtigen Ereignissen und Entwicklungen sogar noch einmal nach hinten verlegt werden kann.”

Verleger Michael Hahn, Herausgeber vom Sport-Tag, spricht im Tagesspiegel über das Projekt eine tägliche Sportzeitung in Deutschland ins Leben zu rufen: “Ich habe keine Zweifel.”

Wenn man so weitermacht, dann habe ich meine Zweifel, ob das ein erfolgreiches Produkt werden kann.

Thema: Zeitungen/Zeitschriften, Zitat des Tages | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Wie die Tageszeitung aus meinem Leben verschwand

Montag, 4. Januar 2010 12:44

Ich war einmal ein leidenschaftlicher Tageszeitungsleser. Jeden Morgen vor der Schule bin ich extra eher aufgestanden als notwendig um genug Zeit für die ausführliche Zeitungslektüre zu haben, während und nach dem Frühstück. Meine Eltern hatten zwei Tageszeitungen abonniert und die beide auch morgens spätestens pünktlich um 06:00 Uhr im Briefkasten waren. Zuerst immer der Sportteil der Neuen Presse, dann meist der Politikteil der HAZ, wenn dann noch Zeit blieb ein kurzer Blick in den Lokalteil. Das Lesen der Tageszeitung war mein Start in den Tag, ich fühlte mich gut informiert und sah die Tageszeitung als festen Bestandteil in meinem Leben. Standen längere Zugfahrten auf dem Programm, kaufte ich mir ein, zwei verschiedene Ausgaben, im Urlaub war ich morgens der erste, der sich entweder Süddeutsche, FAZ oder die Welt holte, je nachdem, was es gerade im europäischen Ausland gab.

Doch so ganz allmählich verschwand die Tageszeitung immer mehr aus meiner Alltagsroutine. Ich zog von zuhause aus, und mittlerweile habe ich seit fünf Jahren keine Tageszeitung mehr abonniert. Hin und wieder lese ich zum Zeitvertreib mal eine im Zug oder im Urlaub, aber nie mehr wirklich ein bewusster und geplanter Kauf, wenn überhaupt spontan und ich keinen anderen Lesestoff mehr habe. Das Internet hat die Tageszeitung als Informationsmedium bei mir vollständig abgelöst, nicht von einen Tag auf den anderen, sondern allmählich in einem schleichenden Prozess. Nun musste ich vorgestern für ein Uni-Projekt einiges recherchieren und war fast ein wenig gezwungen, mir diverse Zeitungen zu kaufen. Also habe ich acht Tageszeitungen geholt, drei regionale und fünf überregionale und war dann damit bei der Lektüre am Wochenende damit konkfrontiert, warum es für mich überhaupt keinen Sinn mehr macht, Tageszeitungen zu lesen geschweige denn zu abonnieren.

Damit das hier nicht falsch verstanden wird. Ich möchte gar nicht die Diskussion um die toten Printmedien zu sehr neu aufleben lassen, weil ich glaube, dass es immer noch hervorragende journalistische Leistungen bei diversen Zeitungen in Deutschland gibt. Aber für mich reicht das eben längst nicht mehr als Argument zum Kauf aus, eben weil mein Mediennutzungsverhalten sich rapide verändert hat und Tageszeitungen mir kaum noch einen Mehrwert an Informationen und Hintergründen geben. Dabei lese ich liebend gerne das Streiflicht in der Süddeutschen. Die Seite 3 der SZ hielt ich mal für das Beste, was im deutschen Printjournalismus gibt und für Artikel von Raphael Honigstein über den englischen Fußball in der SZ würde ich sogar seperat bezahlen. Wirklich gut geschrieben sind immer wieder auch die Artikel des Medienjournalisten Imre Grimm in der HAZ.  Aber das alles reicht eben nicht mehr aus mich zum Kauf einer Tageszeitung zu bewegen.

Dabei scheine ich als Student, Mitte 20, mit erstem akademischen Abschluss eigentlich wie gemacht für den Tageszeitungsleser, vor allem mit meinen Studienfächern Politik, Medien und Kommunikation. Ich bin auch einer der wenigen, der bei uns im Studiengang keine Tageszeitung liest oder abonniert hat, morgens in der Bahn Richtung Uni ist die Zeitungsleserdichte extrem hoch. Doch die Lektüre am Wochenende hat mir mal wieder gezeigt, dass Zeitungen mir überhaupt keinen Mehrwert bieten.

Kurzer Einschub zu meinem Medienverhalten, wie ich Informationen und Nachrichten aufnehme. Ich schmeiße morgens meinen Feedreader an, lese mich durch die abonnierten Feeds von 20 Nachrichtenportalen, und schaue dann bei der BBC, dem Guardian und der New York Time vorbei. Wenn ich tagsüber zuhause bin, lasse ich meistens Twitter laufen, wo die wichtigsten Nachrichten sowieso recht schnell aufschlagen. Abends schaue ich meistens Nachrichten im TV, entweder Tagesschau, BBC World, CNN oder Sky News und bevor ich ins Bett gehe, gehe ich einmal über die Internetseiten der HAZ, des Weser-Kurier und der Rheinischen Post und schaue noch kurz bei den Medienseiten der großen überregioalen Tageszeitungen vorbei. Damit habe ich mein Informationsbedürfnis abgedeckt, merken kann ich mir da sowieso alles nicht, aber meine Interessen sind damit bedient und alles Wichtige bekomme ich auch schnell, unkompliziert und direkt mit (ja, und bisher ist auch noch alles kostenlos). Und ich bekomme eben einigermaßen auch noch das mit, was vor meiner Haustür in Düsseldorf stattfindet und in meinen Heimatstädten Hannover und Bremen.

Wenn es also überhaupt noch einen Grund gibt eine Zeitung zu abonnieren, dann aus meiner Sicht nur für die lokale Berichterstattung, ansonsten musste ich bei der Lektüre der Zeitungen am Wochenende feststellen, dass ich kaum Informationen bekam, die ich am Vortag nicht schon im Feedreader hatte oder irgendwo anders gelesen hatte. Ich war erstaunt, wie viel Agenturmaterial gerade in den regionalen, aber auch in den überregionalen Zeitungen übernommen wird. dpa- und ap-Meldungen im Überfluss sind natürlich das Kaufargument für eine Zeitung, dann kann ich doch gleich den Newsticker laufen lassen, um mal ein Beispiel zu nennen. Sportberichte bekomme ich heute in zahlreichen Blogs viel ausführlicher und besser als in der regionalen Tageszeitung. Ergebnisse und Tabellen bekomme ich aktuell im Internet schon am Vortrag. Zeitungen müssen mir etwas bieten, dass mir noch nicht bekannt ist oder dass von solch guter journalistischer Qualität ist, dass ich am Kauf gar nicht vorbeikomme. Streiflicht, Seite 3 und die umfassenden Artikel im Sportteil wären ein Argument für die SZ. Nur wird dadurch die Zeitungskrise, wenn es sie denn gibt, nicht gerade kleiner, weil die Süddeutsche sowieso schon viele Menschen lesen. Aber es muss wohl ein Wunder passieren, dass ich nochmal eine regionale Tageszeitung kaufe oder abonniere.

Nun liegt das ganz offensichtlich vollkommen an mir, dass ich kein leidenschaftlicher Tageszeitungsleser mehr bin wie vor Jahren noch, weil sich mein Mediennutzungsverhalten so verändert hat, dass ich Informationen schneller und einfach anderswo wahrnehmen kann. Die Theoretiker der “Print ist tot”-Diskussion würden jetzt sagen, dass sich die traditonellen Medien, wie Tageszeitungen, viel zu lange dieses neue Mediennutzungsverhalten ignoriert haben und jetzt nur schwer die Kurve bekommen, gerade jüngere Abonnenten zu gewinnen. Natürlich ist für mein halbwegs umfassendes Meinugsbild nicht nur Information, sondern auch Hintergrund notwendig. Und da sind Printprodukte immer noch hervorragend geeignet, zum Beispiel durch die Wochenzeitung die ZEIT, die ich seit Jahren abonniert habe, und ja immer auch noch stark nachgefragt, trotz jährlicher Preiserhöhung und auch hier einem verstärkten Drang zur Boulevardisierung, wie beim SPIEGEL.

Wie sollten die Tageszeitungen also mit dem neuen Mediennutzungsverhalten, für das ich ja nur exemplarisch stehe, das aber einen Großteil der Gesellschaft erfasst hat, umgehen? Es wird sicherlich schwierig, solche Leute überhaupt als Abonnenten einer Zeitung zurückzugewinnen, vielmehr würde ich mir wünschen, dass die Verlage es endlich schaffen, mehr in Qualität und und Hintergrundberichterstattung investieren – und dafür dann eben auch Geld verlagen. Ich habe keine Probleme damit, für gute journalistische Leistungen Geld zu bezahlen, zum Beispiel das Streiflicht oder einen Hintergrundartikel zur NBA oder Premier League in der FAZ. Nur das ganze müsste einfach und schnell gehen, sonst schaue ich eben da, wo es immer noch kostenlos ist. Für die Internetseite des Guardian würde ich sogar ein Jahresabo abschließen. Und vielleicht schaffen die Verlage gerade durch solche Bezahlangebote eben auch den Kontakt und das Bewusstsein für das Zeitungslesen, gerade jetzt auch bei den 14-19-Jährigen, wieder herzustellen.

Es muss langfristig einiges geschehen, dass ich morgens wieder mit Freude zum Briefkasten renne. Aber ausgeschlossen ist das nicht. Mein Mediennutzungsverhalten ist scheinbar flexibler als die strategischen Überlegungen vieler Verlage.

Thema: Alltägliches, Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (4) | Autor: medispolis

Auftrag für uns alle nachzudenken und zu reflektieren

Sonntag, 15. November 2009 13:27

Heute Vormittag wurde in der AWD-Arena in Hannover in einer bewegenden Trauerfeier Robert Enke gedacht. Es war eine Zeremonie, die in ihren emotionalen Momenten, die in ihrer andächtigen Stille und ihren mahnenden Worte dem großartigen Sportler und fantastischen Menschen absolut gerecht wurde. Ich habe mich Donnerstag entschlossen, kurzfristig über das Wochenende nach Hannover zu fahren, um wenigstens ein bisschen an der Trauer und der Anteilnahme in Hannover teilzunehmen, habe eine Kerze für Enke vor dem Stadion angezündet und mich trotz langer Wartezeit in eines der Kondolenzbücher eingetragen. Ich habe selten ein so bedrückende Stimmung und Atmosphäre in Hannover mitbekommen. Als ich Freitagmittag am Hauptbahnhof angekommen war und mit der U-Bahn zum Aegidientorplatz gefahren bin, schossen viele Menschen Tränen in die Augen, als sie im Fahrgastfernsehen die Meldung über die bewegende Todesanzeige von Enkes Frau Teresa gelesen haben.

Die Ausmaße der Trauer, nicht nur in Hannover, sondern ja auch bundesweit und in der gesamten Fußballwelt, haben mich tief beeindruckt. Und natürlich war Hannover als Heimatstadt von Enke das Zentrum der Trauer und Anteilnahme. Als ich mit Komilitonen in Düsseldorf über den Tod von Enke gesprochen habe, konnten das viele gar nicht so richtig verstehen, warum es diese überwältigende Teilnahme am Trauermarsch, beim Gedenkgottesdienst in der Marktkirche oder eben heute bei der Trauerfeier im Stadion gegeben hat. Ohne es natürlich empirisch belegen zu können, ist Robert Enke den meisten Hannoveranern irgendwie schon einmal persönlich begegnet, sei es beim Fußballspiel im Stadion, in der Innenstadt, in der S-Bahn nach Hannover oder Neustadt, beim Training der Mannschaft oder auf einer der zahlreichen Veranstaltungen, die nur bedingt etwas mit Leistungssport zu tun hatten. Und jeder, der Enke schon einmal begegnet war – und dann vielleicht auch noch das Vergnügen hatte mit ihm ein paar Worte zu wechseln, erkannte sehr schnell, was für einem sympathischen Menschen man gegenüberstand. Das ist zumindest mein Eindruck.

Nicht nur auf den Fußball bezogen, war Hannover Enke für vieles dankbar und Enke gab diese Dankbarkeit mit tollen Leistungen auf dem Platz und im gesellschaftlichen Leben zurück. Enke hätte längst dank seiner tollen Leistungen Hannover verlassen können, aber nein, er blieb Hannover, seiner Heimat und seinen Fans immer treu. Überliefert sind viele Geschichten vom Menschen Robert Enke. Eine habe ich gestern Nachmittag beim NDR aufgeschnappt. Nach einem Training waren mal wieder mehrere Kinder nach Autogrammen von Enke hinterher. Dabei fiel ein Kind aus der Rolle, macht laut auf sich aufmerksam, dass es dringend und sofort ein Autogramm haben wollte. Enke ignorierte den Schreihals und gab zuerst den anderen Kids seine Unterschrift. Als dann zuletzt das unfreundliche Kind dran war und auch noch ein “Na endlich, das wurde aber auch Zeit” davorschickte, gab Enke natürlich bereitwillig das Autogramm, gleichzeitig aber darauf hinzuweisen: “Wenn du freundlich ‘Guten Tag Herr Enke, ich hätte gerne ein Autogramm’ gesagt hättest, wärest du der erste gewesen.”

Die Trauerfeier aus Hannover wurde heute von etlichen TV-Sendern übertragen, unter anderem die ARD, der NDR und unsere Nachrichtensender n-v und N24. Über Twitter kamen dann die ersten Hinweise, ob das nicht alles zu viel sei. Zum Beispiel das Internetportal der WAZ-Gruppe, der Westen, ließ darüber diskutieren. Komischerweise waren das genau die, welche am Dienstagabend ihre Online-Berichterstattung mit langen Klickstrecken ergänzten und aufbereiteten. Darauf hätte ich gerne verzichten können, aber dass man Menschen, die aus bestimmten Gründen nicht ins Stadion gehen konnten, die Möglichkeit gibt, eine große Trauerfeier trotzdem live  verfolgen zu können, fand ich absolut angemessen. Und dass dann neben den öffentlich-rechtlichen Sendern auch die privaten TV-Stationen übertragen, ist schlicht auch ein wenig unserem Rundfunksystem geschuldet. Wenn sich n-tv und N24 von ihrer Übertragung vielleicht eine höhere Quote versprechen und deswegen auf Live-Bilder setzen, dann ist das zwar bedauerlich, aber für mich irgendwie auch nachvollziehbar. Viel mehr müssen sich n-tv und N24 fragen, wieso sie jetzt noch so einen Hype um den Tod von Robert Enke machen und es die Tage davor nur selten geschafft haben, sachlich angemessen und vor allem aktuell zu berichten. Dass jetzt die Trauerfeier im Fernsehen gezeigt wird, ist absolut richtig, vielmehr sollten sich die Medien hinterfragen, ob es notwendig ist, mit Kränen in der hannoverschen Innenstadt vor der Markthalle zu stehen, um den Trauermarsch zu filmen, ob man in den Online-Medien Klickstrecken en Masse anbieten musste und ob es sinnvoll ist, immer weiter zu senden, obwohl es eigentlich gar nichts mehr zu senden gibt. Dann braucht man sich auch nicht wundern, wenn Leute wie Peter Neururer oder Christoph Daum ihren Senf dazugeben. Und das finde ich eigentlich das Bedauerliche.

Dass umfassend und ausführlich auf vielen Kanälen über den Freitod von Robert Enke berichtet wurde, ist doch selbstverständlich. Und Medienkritik mag zwar immer ganz passend und anspruchsvoll klingen, aber zu einer Berichterstattung der Medien gehören immer zwei Seiten. Die Medien und wie als Rezipienten. Wir wollten doch auch alle mit neuen Informationen, Gründen und Hintergründen überschüttet werden. Wer hat denn nicht seit Mittwoch jeden Morgen auf die Titel-Schlagzeile der BILD geschaut, wer hat sich nicht die Pressekonferenz von Teresa Enke bei Youtube oder in irgendeiner Mediathek noch einmal angeschaut, wer hat sich nicht im Internet auch die Klickstrecken angeschaut, obwohl fast alle gegen die Art und Weise der Aufbereitung protestiert haben, und wer wird sich morgen ausnahmsweise mal den SPIEGEL holen, weil Robert Enke auf dem Titelbild ist? Das werden schon viele Menschen sein. Man kann den Medien in diesem Land vieles vorwerfen – und ich mache das ja auch manchmal gerne – aber die Medien haben im Fall des Freitodes von Robert Enke doch hauptsächlich nur auf unseren Informationsdurst reagiert. Über die Art und Weise, wie einige Medien berichtet haben, lässt sich immer aufregen. Das sollte aber unabhängig vom Todesfall Enke die Regel sein. Es gibt auch positive Beispiele. Zum Beispiel hat mich die sehr sachliche, emotionale und informative Berichterstattung der HAZ beeindruckt. Vielleicht sollten sich viele Zeitungen daran mal ein Beispiel nehmen.

Der Tod von Robert Enke macht mich auch heute noch unendlich traurig. Er hat eben auch gezeigt, wie Menschen, Medien und Gesellschaft in einer solchen Extremsituation reagieren. Das war nicht immer vorbildhaft, keine Frage. Und vielleicht denken einige Medien im Speziellen vielleich auch einmal darüber nach, genauso wie wir Konsumenten, ob es nämich sinnvoll ist, stets immer der Sensation, dem Extrem, dem Besonderen und Reißerischen den Vorzug vor einer etwas seriöseren Berichterstattung zu geben.

Eigentlich verbietet es sich, erinnernde Worte an Robert Enke mit einer leichten Kritik an den Medien und unserem Verhalten als Rezipienten der medialen Berichterstattung zu vereinen. Ich habe das aber ganz bewusst gemacht, eben, weil ein Großteil der Bevölkerung und der Medien es in diesen Tagen nicht geschafft haben oder schaffen wollten. Durch den Tod von Robert Enke wird sich im Leistungssport und Profifußball hoffentlich einiges verändern. Die Worte vom DFB-Präsidenten Zwanziger machen mehr als nur Mut und Zuversicht. Aber gleichzeitig sollten wir Medienkonsumenten und die Medien vielleicht auch einmal ihr Verhalten und ihre Berichterstattung der letzten Tage positiv wie negativ reflektieren.

Dass wir aus bestimmten Medien keine anderen Medien machen können, steht außer Frage. Aber wir als Konsumenten haben die Entscheidung, welcher Art und Weise von Berichterstattung wir besser finden. Nämlich durch unseren Kauf der Zeitungen oder dem Einschalten eines bestimmten Fernsehsenders.

Zurückhaltend, sachlich, wohl überlegt, nie im Mittelpunkt stehen zu wollen – das waren einige der großen Charaktereigenschaften von Robert Enke. Es wäre schön, wenn wir als Gesellschaft, Medien und Öffentlichkeit diese Werte und Verhaltensweisen ein bisschen mehr in unsere Köpfe und unser Handeln einbringen könnten. Theo Zwanziger hat mit seiner beeindruckenden Rede die richtigen Worte heute gefunden. Es wäre schön, wenn alle Medien morgen in ihrer Zeitung, auf ihren Internetseiten oder im TV-Programm diese Worte einfach mal eins zu eins abdrucken, veröffentlichen oder senden. Ohne Klickstrecke.

Thema: Fußball, TV und Radio, Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (2) | Autor: medispolis

Sunday Times wird für Qualität und Kreativität belohnt

Freitag, 10. Juli 2009 21:07

Als ich im April London besuchte, war ich einmal mehr wieder überrascht, wie viele Zeitungen, sowohl Qualitätsblätter als auch Boulevardzeitungen, es in Großbritannien gibt. Und gerade in London ist der Zeitungsmarkt so umkämpft wie in keiner anderen europäischen Großstadt. Wie steht es im Juli 2009 also um die englischen Zeitungen?

Fangen wir mal mit den interessantesten Zahlen an, die heute durch das Audit Bureau of Circulations (ABC) veröffentlicht wurden. Und das betrifft vor allem die Sonntagszeitungen. Hier konnten vor allem die Sunday Times und der Observer, die Sonntagsausgabe des Guardian, ihre Auflage steigern. Die Sunday Times verkaufte 1.210.352 Ausgaben, das waren 5,4 Prozent als im Juni 2008. Auch der Observer konnte Leser hinzugewinnen. Man verkaufte 409.970 Ausgaben, das waren 1,1 Prozent mehr als im Vormonat, aber über sechs Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Sonntagsausgaben des Independent und des Daily Telegraph verloren an Auflage. Als Ursache für den starken Verkaufsanstieg bei der Sunday Times wird vor allem der kostenlose Lieferservice genannt, der seit fast einem Jahr angeboten wird. Ich hatte mir bei meinem Aufenthalt in London auch die Sunday Times geholt. Und wenn ich aus der Ferne noch einen weiteren Grund nennen könnte, dann ist es schlicht die journalistische Qualität der Artikel und der Umfang der Zeitungen. Viele interessante Magazine, ein Heft, das ausschließlich auf die Ereignisse der vergangenen Woche zurückblickt und zudem ein sehr ausführlicher Sportteil, der auch unterklassige Teams in der Berichterstattung berücksichtigt. Im Prinzip halten sich Gewinne und Verluste an Auflage der Qualitätsblätter ungefähr die Waage.

Sehr viel spannender und härter ist der Konkurrenzkampf der Sonntagsboulevardblätter. Die News Of The World verkaufte über 3 Millionen Zeitungen, wobei diese Zahl nach den Ereignissen von heute in den nächsten Monaten sicherlich sinken wird. Ebenso wie die News Of The World konnte die Sonntagsausgabe des Mirror und des Daily Star zulegen. Interessant, dass gerade vor allem bei den Boulevardblättern sich die Zeitungen untereinander nicht die Abonnenten wegnehmen, sondern in den vergangenen Monaten eher noch neue Leser hinzugewonnen haben.

So durchaus positiv das Geschäft mit den Sonntagsblättern läuft, ist das tägliche Erstellen der Zeitungen auch in Großbritannien nicht immer mehr ein Gewinn für die Verlagshäuser. Einzig und allein die Boulevardblätter The Sun und Daily Star konnte seine tägliche Auflage steigern, alle anderen Zeitungen, vor allem die Qualitätsblätter, mussten leichte Auflagenrückgänge hinnehmen. Eine Zahl ist vielleicht noch ganz interessant. Der London Evening Standard, eine Lokalzeitung in London, die schon am frühen Abend erscheint, hat nach einem aufwändigen Relaunch im Mai ihre Auflage im Juni 12% steigern können. Hier muss man dann mal abwarten, ob daraus wirklich neue Leser entstehen, oder ob das nur die Neugierde und Testkäufe nach dem Neustart waren.

Drei wichtige Fakten können aus den neuen Zahlen vielleicht mitgenommen werden. Auch in Großbritannien wird sich die Krise und die Konkurrenz auf dem Zeitungsmarkt verschärfen, wenngleich auch deutlich langsamer und später als in Kontinentaleuropa. Insbesondere das Anzeigengeschäft ist deutlich ausgeprägter bei den englischen Zeitungen als in Deutschland. Die Sunday Times zeigt sehr eindrucksvoll, dass man mit einer qualitativ hochwertigen Zeitung auch am Sonntag neue Leser gewinnen kann. Und drittens: Die täglichen Ausgaben der Qualitätsblätter werden es auch zukünftig schwerer haben gegen die massiven Auflagen der Boulevardblätter. Momentan sind dies die einzigen Zeitungen, die auch im täglichen Geschäft neue Leser hinzugewinnen können und sich untereinander kaum Leser wegnehmen. Und das trotz zahlreicher Gratiszeitungen, die in den U-Bahn Stationen ausliegen.

Der Guardian hat alle Zahlen zusammengefasst: Tageszeitungen und Sonntagszeitungen.

Thema: Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Der Weser-Kurier scheint so ganz langsam das Internet zu entdecken

Freitag, 3. Juli 2009 19:57

Vor fast einem Jahr habe ich mit einem Verantwortlichen des Weser-Kuriers gesprochen und ihn an dieser Stelle auch auf den – man muss es so deutlich ausdrücken – grottenschlechten Internetauftritt des Zeitungs-Verlages hingewiesen, verbunden mit der Frage, ob man gewillt sei, dies zukünftig zu ändern. Damals gab es ein klares Bekenntnis zu einem neuen, überarbeiteten Internetauftritt. Unklar war noch der Zeitpunkt. Wahrscheinlich war man sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal einig, ob man dieses Projekt überhaupt angehen sollte.

Ich halte den Weser-Kurier für keine besonders gute Zeitung. Mir gibt sie keinerlei Mehrwert. Die Werder-News kann man über die Homepage des Vereins abrufen – und der restliche Sportteil ist schlicht eine bunte Sammlung von Agenturmeldungen. Dafür muss ich keine 20 Euro im Monat ausgeben. Einziger Grund – wenn überhaupt – für ein Abo wäre ein Überblick über die regionalen Medien und die lokalpolitischen Themen. Für genau diesen Grund hatte ich auf einen neuen Internetauftritt gehofft.

Der derzeitige Internetauftritt des Weser-Kurier ist mit der schlechteste, den ich in Deutschland kenne. Kaum Ordnung, keine Struktur, keine RSS-Feeds. Einige Artikel aus der Printausgabe werden auf den Bildschirm geknallt, der Rest mit Agenturmeldungen zugemüllt. Ohne große thematische Einteilung. Was da ist, wird rausgehauen. Bilder, Audios und Videos sucht man vergeblich, kaum Tabellen, Grafiken und Diagramme. Ein vernünftiger Auftritt im Netz also praktisch nicht vorhanden. Da hat man den Anschluss verloren – aber deutlich.

Aber nun soll ja alles besser werden. Der Weser-Kurier hat sogar schon einen Twitter-Account eingerichtet, auf dem man jetzt seit einem Monat ankündigt, dass man twittern werde (was man derzeit noch nicht tut) und dass es einen “stark überarbeiteten” Internetauftritt geben werde. Datum weiter unbekannt. Es heißt bis jetzt nur in den nächsten Wochen.

Immerhin positiv, dass jetzt auch der Weser-Kurier erkannt hat, dass man junge Leute zumindest an den Internetauftritt einer Zeitung binden kann. Schauen wir mal, was uns in den nächsten Wochen so präsentiert wird.

Thema: Zeitungen/Zeitschriften | Kommentare (1) | Autor: medispolis