Donnerstag, 9. Oktober 2008 20:11
Kann eine Stadt eine Identität haben? Das ist eine schwierige Frage. Zumindest kann man mit einem Ort Erinnerungen verbinden, positive wie negative, man kann einer Stadt ein gewisses Flair zuschreiben, man kann mit einer Stadt besondere Momente verbringen und sich an spezielle Ereignisse erinnern, die man erlebt hat. Und man kann in einer Stadt wohnen. Und vielleicht dann auch eine Identität zu seiner Heimat aufbauen. Ob das für auswärtige Gäste machbar ist, scheint mir fraglich.
Aber genau das versucht dieser Tage wieder meine Heimatstadt Hannover, und das nicht zum ersten Male. Hannover soll einmal wieder ein neues oder verändertes Gesicht bekommen, nach innen für ihre Einwohner, aber auch nach Außen für Gäste und Touristen. Wenn man ehrlich ist, dann möchte die Landeshauptstadt ihr angebliches schlechtes Image der hässlichen, provinziellen und langweiligen Stadt und ihre schnöde Innenstadtarchitektur loswerden. Klar gibt es auch in Hannover ein paar fürchterliche Ecken in der Innenstadt. Aber es wird ein Bild von Hannover gezeichnet, das ich so nicht nachvollziehen kann. Und das Schlimme ist, dass dies von den Einwohnern selbst ausgeht. Nur 44% der Einwohner Hannovers sehen nach einer Studie der Universität Hohenheim und der Allianz optimistisch in die Zukunft, das ist einer der schlechtesten Werte unter Deutschlands Großstädten. Und das passt dann vielleicht doch wieder ins Bild der provinziellen und gelangweilten Stadt.
Aber ist Hannover so? Größtes Messegelände der Welt, Expo 2000 gehabt, FIFA-WM Stadt, Königliche Gärten von Herrenhausen, ehemalige Kanzlerstadt, eine der größten Grünanteile unter Europas Großstädten, Fußball und Eishockey in der Bundesliga, Maschsee, Eilenriede, eine sehr attraktive und landschaftliche reizvolle Umgebung der Stadt und bis heute stellten wir die Nummer 1 im Tor der deutschen Nationalmannschaft. Das kann sicherlich nicht jede deutsche Großstadt von sich behaupten, aber für Hannover scheinbar nicht gut genug.
Deshalb wurde (trotzdem) ein neues Konzept ins Leben gerufen. Hannover City 2020. Klingt so ein bisschen wie Agenda 2010. Hannover soll innerhalb der nächsten 12 Jahre zu einer der schönsten und attaktivsten deutschen Großstädte werden. Schwerpunkt sind dabei die Erneuerung und Verbesserung der Innenstadtarchitektur, die Verschönerung zahlreicher zentraler Plätze in der Stadt und ein Aufpolieren des Images, sprich Werben für Veranstaltungen, Ereignisse und Schönheiten der Stadt. Das ganze wird zurzeit auf vier öffentlichen Veranstaltungen in Hannover diskutiert. Ich war selbst noch auf keiner dabei, bin aber für ein Auditorium im November eingeladen. Bürger sollen in die Überlegungen und Vorstellungen miteinbezogen werden. Das ist ansich keine schlechte Sache, die Frage ist eben nur, was Interessierte dabei zusteuern können. Dass gewisse Plätze in der Innenstadt Hannovers aussehen wie heruntergekommene Gefängniszellen, ist leider richtig. Aber dafür brauch ich nicht die Meldung der Bürger. Das ganze ist also vielmehr eine Informationsveranstaltung. Ab 2009 soll dann ein Wettbewerb gestartet werden und derjenige, der dann den schönsten und finanzierbarsten Vorschlag zur Verschönerung der Stadt macht, darf dann über einen Zeitraum von 10 Jahren beobachten, wie seine Gedanken langsam umgesetzt werden.
Ich habe gewisse Probleme mit dieser erneuten Initiative. Großer Name, langer Zeitraum, aber bis jetzt wenig Konkretes, geschweige denn einen Ansatz, einen Handlungsrahmen und der Fokus auf ganz konkrete Projekte. Denn völlig umändern kann man Hannovers Innenstadt wohl nicht. Ich habe bis jetzt noch die Befürchtung, dass man sich wieder übernimmt. Visionen, große Ziele, vielleicht werden die Methode Step-by-Step die bessere. Man tut so, als sei Hannover ein Schandfleck. Klar gibt es immer Verbesserungen auch im Innenstadtbild zu tätigen. Aber brauche ich dafür so eine Initiative? Wie gesagt, ich vermisse in der Diskussion klare Projekte. Wenn man schon eine solche Kampgane startet, sollte sie ein klars Ziel haben mit klar definierten Projekten. Aus der Internetseite der Stadt Hannover ist schlicht zu lesen:
“Das Projekt ‘Hannover City 2020′ soll den durch EXPO und Neubau der Ernst-August-Galerie eingeleiteten Entwicklungsimpuls in der hannoverschen City verstetigen. Deshalb plant die Stadt zu diesem Thema im Jahr 2010 einen internationalen Planungswettbewerb. Die Ergebnisse sollen ab 2011 schrittweise bis zum Jahr 2020 umgesetzt werden.”
In einer Woche eröffnet die Ernst-August-Galerie, ein großes Einkaufzentrum direkt am Bahnhof, hineingequetscht in die Innenstadt. Zwar modern mit toller Glasfassade, passt aber überhaupt nicht ins Stadtbild. Soviel dazu. Ganz oben auf der To-Do-Liste steht auch der Umbau des Kröpcke-Center, sowie die Erneuerung des Steintor-Viertels, vor allem der Platz zwischen Georgstraße und Anzeiger-Hochhaus. Das sind alles notwendige Projekte, aber keine Strategien, die einen Namen wie “Hannover City 2020″ erfordern. Da steht noch viel in den Sternen. Es gibt keine Internetpräsenz über die Initiative, eigentlich war eine geplant und sollte längst gestartet sein. Von einem einprägenden Logo mal ganz abgesehen.
Ein Projekt, was eigentlich zwingend und sofort für diese Initiative prädestiniert sein müsste, ist der Abriss des ehemaligen Hauptgüterbahnhofs in Hannover-Hainholz. Jedem Besucher oder Gast, der per ICE aus dem Westen kommt, offenbart sich ein Haufen Schrott bei der Bahnhofseinfahrt nach Hannover. Dabei liegt dieses Gelände relativ zentral, nah am Studentenviertel und gut per Auto erreichbar. Da bin ich ja mal gespannt, wie die Bahnhofseinfahrt nach Hannover im Jahre 2020 aussieht. Der Abriss des alten Banhofs und eine Verschönerung des Viertels war übrigens für 1998 geplant. Tja, so ist das, wenn man immer viele Ideen hat, und gar nicht weiß, was man zuerst umsetzen soll. Hoffentlich wird es diesmal besser.
Weitere Informationen: