Eishockey in Hannover: Nur getrennt an der Leine ziehen

Wie geht es weiter mit Eishockey in Hannover? Wie sieht die Zukunft dieses großartigen Mannschaftssports in der niedersächsischen Landeshauptstadt aus? Eigentlich vergeht ja kein Sommer, wo nicht über Probleme und Perspektiven auf dem Eis gesprochen wird. 2010 wurden die Hannover Scorpions Meister, um dann im Sommer kurz vor der Insolvenz zu stehen, weil Besitzer Günter Papenburg keine Lust mehr hatte, den defizitären Klub mit der Tui-Arena zu finanzieren. Die Euphorie der Meisterschaft war sofort verschwunden. Vor einem Jahr überwarf sich die Mannschaft mit Trainer Toni Krinner, der bei Papenburg weiter ganz oben in der Beliebtheitsskala stand, es aber außerdem nicht mehr mit Geschäftsführer Marco Stichnoth aushielt. Ich hatte die Hannover Scorpions bereits zu Grabe getragen.

Frühjahr 2013: Die Hannover Scorpions verpassen ganz knapp die Qualifikation für die Playoffs, eine Mischung aus Pech und Unvermögen. Die Chance nach der letzten schlechten Saison wieder für positive Aufmerksamkeit zu sorgen, gelingt der sehr jungen Mannschaft nicht. Für die ganz negativen Schlagzeilen sorgt aber der Zweitligist vom Pferdeturm, die Hannover Indians. Immer im Schatten der Scorpions gewesen, aber mit sehr treuer Fanbasis, langer Tradition in der Stadt und durchaus guter Mannschaft für die zweite Liga mit Chancen auf die Playoffs, muss Ende Februar Insolvenz angemeldet werden. Der Verein ist pleite und stellt ein paar Wochen später den Spielbetrieb komplett ein. Die letzten Saisonspiele wurden noch absolviert. Für viele Fans kam diese Schock-Nachricht sicherlich überraschend, Gerüchte gingen aber schon eine Woche vorher durch die Presse in Hannover. Damals berichtete die Hannoversche Allgemeine, dass die Indians darüber nachdenken, eventuell zukünftig in der Tui-Arena bei den Skorpionen zu spielen. Ein Schritt, der immer wieder ausgeschlossen wurde. Mit der anderen Mannschaft aus der Stadt, die ja sowieso nur ein lästiges Importprodukt sei und nur mit den Geldscheinen von Papenburg überlebe, möchten die Fans der Indians nichts zu tun haben. Spätestens zu diesem Zeitpunkt waren die Alarmglocken geläutet. Dirk Wroblewsk, der Geschäftsführer der Indians, musste kleinlaut verkünden, dass rund 300.000 Euro in der Kasse fehlen würden. Nun hat der Pferdeturm in den letzten zehn Jahren schon einige Insolvenzen erlebt. Es ging immer weiter mit Profieishockey in der Nähe des Kantplatzes, direkt an der Eilenriede. Diesmal erteilten alle Beteiligten jeglichen Hoffnungen eine Absage. Es gebe nicht genug Sponsoren in der Stadt – Hannover 96 und teilweise auch die Scorpions sind starke Konkurrenz – und aufgrund des Pachtvertrags der Stadt mit der Stadionbetreiberin blieben den Indians zu wenig Einnahmen in der Kasse.

Dass dabei natürlich auch die fürchterlichen Strukturen im deutschen Eishockey mit dem fehlenden Aufstieg in die DEL eine kleine Rolle spielen, soll nicht verschwiegen werden. Aber das ist das kleinste Problem am Pferdeturm. Die Solidarität der Stadt mit dem Eishockey-Klub hält sich in Grenzen. Finanzielle Unterstützung der Politik wurde sofort ausgeschlossen. Die Fans der Indians machten durch Kundgebungen und Veranstaltungen in der Stadt auf die missliche Lage ihres Vereins aufmerksam. Aber so richtig interessiert das in Hannover die große Masse nicht. Da nützten auch die tausend Fans der Indians nicht. Die Fans der Scorpions haben das im Sommer 2010 auch einmal gemacht. Viel gebracht hat das nichts. Es war eine nette Aktion, welche die Probleme und Schwierigkeiten im hannoverschen Eishockey nicht lösen werden. Einzelgänge scheinen wenig zu bringen.

Wie geht es also weiter? Und diese Frage muss vor dem Hintergrund gestellt werden, dass vor allem die Fans der Hannover Indians einem Fan der Hannover Scorpions nicht bei Tageslicht begegnen würden. Die Fans der Indians wollen mit den Hannover Scorpions nichts zu tun haben. Teilweise in der Historie begründet: Der ECH, so hießen die Indians lange Zeit, spielten auch einmal Bundesliga. 1995/1996 zogen sie sich wegen Finanzierungsproblemen (sic!) aus der Bundesliga zurück. Den Platz nahm der Wedemarker ESC ein, allerdings völlig berechtigt durch den sportlichen Aufstieg, nicht weil der ECH gescheitert war. Der Stachel saß trotzem tief. Aus dem Wedemarker ESC wurden 1997 die Hannover Scorpions, 2001 ging es dann in die Tui-Arena.

Umgekehrt ist die Bereitschaft zu einer Kooperation ungleich größer, aber zumindest vorhanden. Das macht die Suche nach Lösungsvorschlägen nicht einfacher. Das Klima scheint vergiftet. Es sollte letztes Wochenende ein Solidaritätsspiel zwischen den Scorpions und den Indians in der Tui-Arena geben. Es sollte ein Tag des hannoverschen Eishockey werden, bei dem auf die schwierige Lage aufmerksam gemacht werden sollte. Zwei Tage vor dem Spiel sagten die Indians ab. Offizielle Begründung: Das Verletzungsrisiko sei zu hoch. Tage zuvor hatten die Fans der Indians in diversen Foren und im Eishockeyblog der HAZ zum Boykott des Spiels aufgerufen. Ob dieses Spiel finanziell irgendjemanden geholfen hätte, ist spekulativ. Es wäre aus meiner Sicht aber ein schönes Zeichen gewesen, wenn beide Teams gegeneinander gespielt hätten und damit für einen Tag Eishockey in Hannover prominent in Szene setzen. Es wäre ein wünschenswerter Startschuss gewesen. So ziehen alle Beteiligten weiter getrennt an der Rettungsleine. Wenn überhaupt. Wie es nun weitergeht? Ausgang offen. Eine Fusion wird es nicht geben. Das wollen die Indians nicht und Günter Papenburg will diesen Zusammenschluss nicht finanzieren.

Und so steht Eishockey weiter auf wackeligen Füßen. Dabei darf eben auch nicht vergessen werden, dass bei den Hannover Scorpions das jährliche Defizit von Papenburg ausgeglichen wird (was im deutschen Eishockey aber keine Seltenheit ist und in Berlin, Köln, Mannheim und Hamburg ebenso passiert). Gleichzeitig verstärken die Scorpions ihren Sparkurs jede Saison weiter. Mit Andy Reiss und Gerrit Fauser verlassen zwei Leistungsträger den Verein. Chris Herperger beendet seine Karriere und geht zurück nach Kanada. Außer mit Trainer Igor Pavlov ist noch kein Vertrag verlängert worden, Gespräche finden aber statt. Und es ist jeden Sommer dieselbe Frage: Wie lange macht das Papenburg noch?

Offensichtlich gehen zwei Profi-Eishockeyvereine (einmalig in Deutschland!) nicht zusammen, gerade nicht in Hannover. Es gibt naürlich viele Vorschläge beziehungsweise eher Schritte, die gemacht werden müssten: Es muss eine Kooperation zwischen beiden Klubs geben, eingerahmt von einem langfristigen Konzept. Wie das aussehen soll oder kann, hat noch keiner in Hannover beantwortet. Es müssten mehr Sponsoren für Eishockey in Hannover gewonnen werden. Wie das gelingen kann mit der Konkurrenz von Hannover 96 und den Handballern vom TSV Hannover-Burgdorf, ist mir völlig schleierhaft. Zumal Eishockey sich nicht wirklich den besten Ruf in den letzten Jahren erarbeitet hat.

Wobei wir wieder bei den Strukturen im deutschen Eishockey insgesamt wären. Vielleicht ist die Lage in Hannover ja nur ein Mikrokosmos der derzeitigen Situation deutschlandweit. Mit dem Schritt ins Free-TV scheint die DEL den richtigen Weg gegangen zu sein. Aber ob in Krefeld, Düsseldorf, Hannover, Iserlohn oder Wolfsburg. Viele Strukturen stehen auf wackeligen finanziellen Füßen. Und dafür ist die DEL und alle anderen Beteiligten im deutschen Eishockey verantwortlich. Auf- und Abstieg, Verkürzung der Hauptrunde. Das sind die Stichworte. Die Gelegenheitszuschauer werden durch die lange Saison und den fehlenden sportlichen Reiz nicht langfristig gewonnen. Es wäre jetzt müßig darüber zu diskutieren, ob eine Lösung der Situation in Hannover nur gelingen könne, wenn auch die Strukturen im deutschen Eishockey insgesamt verändert werden. Das lässt sich auch nicht seriös beantworten. Aber die Situation würde sicherlich erleichtert werden. Doch darauf können Indians und Scorpions eigentlich nicht warten.

Oder man hält es so wie 96-Präsident Martin Kind, der sagt: “Eishockey ist in Hannover nicht finanzierbar.” Man möchte Martin Kind fragen, wo Eishockey sich von alleine finanzieren lässt. Mit dem Satz wäre eigentlich alles gesagt und auf den Punkt gebracht. Aber nichts gelöst. To be continued.

Die DEL im TV: Hannover, der tote Fleck auf der Eishockey-Landkarte

Seit dieser Spielzeit hat die Deutsche Eishockey Liga (DEL) neue TV-Partner. Nach vielen Jahren der ausschließlichen Präsenz im Pay-TV bei Premiere und später Sky, geht die Liga seit September einen neuen Weg. Mit ServusTV und laola1.tv gibt es erstmals wieder die DEL im Free-TV für alle zu schauen – ohne Extrakosten für ein Abo. Die Verantwortlichen der Liga versprechen sich dadurch eine höhere Reichweite und mehr Zuschauer für die Übertragungen. Freitags gibt es die DEL nur als Internet-Stream, sonntags überträgt ServusTV in der ServusTV Hockey Night das Spiel der Woche live und in HD. Qualitativ, das hatte ich ja an dieser Stelle schon einmal gesagt, ist das sehr ordentlich, was ServusTV journalistisch anbietet. Wird den wenigen bekannten Einschaltquoten Glauben geschenkt, ist bei der Zuschauerresonanz noch viel Luft nach oben, die selbst gesteckten Ziele von 250.000 Zuschauern im Schnitt müssen erst noch erreicht und dann bestätigt werden.

Da ich weiterhin kein großer Freund von Internet-Streams bin und ich beim gelegentlichen Schauen von laola1.tv nie wirklich zufrieden mit der Qualität des Streams war, halte ich den TV-Vertrag für nicht den großen Quantensprung, den die DEL immer darstellt. Für die Sehgewohnheiten wäre es sicherlich besser gewesen, nur einen TV-Partner zu haben. So gibt es lediglich ein Spiel pro Woche im Fernsehen. Und da ich den natürlich völlig subjektiven Eindruck hatte, dass mein Lieblingsteam, die Hannover Scorpions, nie bei ServusTV laufen und gefühlt bei ServusTV immer dieseleben Teams spielen, habe ich mich einmal an eine Übersicht über die mediale Präsez aller DEL-Vereine in den letzten zwei Spielzeiten gesetzt. Das lässt sich natürlich noch viel detaillierter, zum Beispiel nach Monaten gestalten und in Korrelation zu Tabellenständen setzen, aber zunächst einfach nur einmal die nackten Zahlen. Und ich war überrascht, dass ich mit meinem subjektiven Eindruck doch nicht so richtig lag – zumindest nicht in allen Punkten.

Blicken wir zunächst auf die Saison 2011/2012. Ich berücksichtige immer nur die Übertragungen der Hauptrunde (zur Methodik am Ende des Beitrags mehr). Sky zeigte freitags und sonntags ein Spiel, zudem gab es einige Übertragungen im Free-TV bei Eurosport.

TV-Übertragungen in der Hauptrunde 2011/2012

Der Branchenprimus, die Eisbären Berlin, bekamen in der Hauptrunde der Saison 2011/2012 die meisten TV-Spiele, gefolgt von den Kölner Haien und dem ERC Ingolstadt, der die meisten Spiele bei Sky bekam. Es folgte die Düsseldorfer EG, die vor allem in der Schlussphase der Saison dank des engen Kampfes um die Playoff- und Pre-Playoff-Plätze TV-Präsenz bekam. Ansonsten bekam jede Mannschaft mindestens fünf Spiele bei Sky im Programm. Leidglich die Hannover Scorpions schnitten schlechter ab, was aber ganz klar der sportlichen Situation geschuldet war. Denn die Skorpione waren bereits zum Jahreswechsel sportlich in der Tabelle abgeschlagen und spielten häufig um die goldene Ananas. Wieso dann unwichtige Partien zeigen? Insgesamt fällt noch auf, dass mit Hamburg und Wolfsburg zwei Nordklubs mehr Spiele bekamen als Krefeld und Iserlohn, zwei Eishockeystädte im Westen mit jeder Menge Derby-Potential. Mannheim bekam nur ein TV-Spiel mehr bei Sky als Straubing oder Wolfsburg. Auffällig die hohe Zahl an Übertragungen von Ingolstadt, die unter anderem auch damit zusammenhängen könnte, dass Sky aus München recht schnell in Ingolstadt ist und entsprechend durchaus attraktive Begegnungen zeigen kann. Wenn man so will: Die TV-Übertraungen versuchen die sportliche Relevanz so gut es geht bei den Planungen zu berücksichtigen.

Das ist für die aktuelle Saison schon etwas schwieriger festzustellen. Mein Eindruck hat also nicht völlig getäuscht, fällt aber nicht so dramatisch aus, wie ich gedacht hatte. Die Übersicht der TV-Übertragungen in der Hauptrunde der Saison 2012/2013 offenbart aus meiner Sicht drei interessante Aspekte:

TV-Übertragungen in der Hauptrunde 2012/2013

1. Hannover bleibt der tote Fleck auf der Eishockey-Landkarte. Nur gibt es im Vergleich zur Saison 2011/2012 einen großen Unterschied. Die Scorpions sind nicht abgeschlagen Tabellenletzter, sondern sind als derzeit Tabellenachter im Herz des Kampfes um die Playoffplätze, um die Ränge 6-10. Da ist quasi jedes Spiel ein Endspiel. Und trotzdem schaffen es die Scorpions in dieser Saison nur auf eine Übertragung bei ServusTV. Bei Hannover spielt mit Ivan Ciernik einer der besten Stürmer der Liga, Pätzold ist Nationaltorhüter, es gebe mit Duellen gegen Hamburg und Wolfsburg auch genug interessante Spiele mit Derbycharakter. Hannover ist bei den Übertragungen nicht adäquat berücksichtigt worden und mich würde sehr interessieren, warum das so ist. Sicherlich sind alle restlichen Spiele im Februar und März relevant und spannend von den Ansetzungen im Kampf um die Playoff-Plätze. Aber da spielt eben auch Hannover mit.

2. Die Spiele bei ServusTV, also diejenigen, die ich für die halte, die halbwegs medialen Anklang und Reichweite finden, auch bei Zuschauern, die nicht so häufig DEL schauen, sind sehr ungleich verteilt. Hannover, München und Iserlohn haben die wenigsten Übertragungen, sind aber tabellarisch gesehen in der interessantesten Tabellenkonstellation. Köln und Berlin, die Teams mit den meisten Spielen bei laola1.tv und ServusTV, sind die meiste Zeit in der Saison aber in der sportlichen Lage, das nicht jedes Spiel das sportliche Überleben bedeutet. Rein gefühlt könnte also die Relevanz für das Tabellenbild insgesamt etwas stärker berücksichtigt werden als die die Beliebtheit und die Zuschauerquote.

3. Wie von der SportsmanGroup, die den TV-Vertrag mit der DEL abgeschlossen hatte, angekündigt, berücksichtigt ServusTV, am finanziellen Reichtum von RedBull hängend, den EHC Red Bull München nicht bei den TV-Übertragungen. Nur fünf Spiele insgesamt, genauso so viele wie die Düsseldorfer EG, die aber moantelang abgeschlagen im Tabellenkeller hing. Lediglich im Vergleich zu den der Hannover Scorpions findet eine Benachteiligung statt.

Wie gesagt: Die Unterschiede sind längst nicht so groß, wie ich dachte, und vielleicht nur durch meine Hannover Scorpions Brille gesehen. Aber trotzdem ist eine Tendenz ja erkennbar in den letzten zwei Jahren, die es zu diskutieren gilt und welche die DEL hinterfragen sollte bzw. nach möglichen Alternativen suchen sollte. Hier die Übersicht über alle TV-Übertragungen der letzten zwei Hauptrunden.

TV-Übertragungen Hauptrunde 2011/2012 und 2012/2013 gesamt

Eine der zentralen Herausforderungen für die Deutsche Eishockey Liga wird in den nächsten Jahren sein, neue Fans an die Sportart zu binden, mehr Menschen für Arenenbesuche zu mobilisieren und nicht nur die Fangruppen schon zu bedienen, die sich sowieso für die DEL interessieren und regelmäßig zu den Spielen gehen. Eine Möglichkeit, sich neue Fans zu erschließen, ist sicherlich über die TV-Übertragungen, gerade wenn die Spiele für alle jetzt frei verfügbar sind. Nur wie können neue Fans in bestimtmen Städten gewonnen werden, wenn die Teams fast nie oder zu selten im TV laufen? Wie sollen die Anhänger angefixt werden? Was bei den Statistiken auffällt: Es bekommen überproportional die Mannschaften TV-Präsenz, welche ehe schon einen hohen Zuschauerzuspruch haben, wie Berlin, Köln, Mannheim und Hamburg. Natürlich müssen diese Mannschaften eine umfangreiche Berücksichtigung finden, weil die Stimmung in den Arenen hervorragend ist und Werbung für den Sport gemacht wird. Mannheim gegen Berlin interessiert nun einmal mehr Menschen als Iserlohn gegen Hannover. Nur angesichts der großen finanziellen Probleme bei den kleineren Teams, kann doch vor allem über die TV-Präsenz etwas mehr Gleichheit bei der Spielberücksichtigung gefunden werden. Einige Teams sind medial bei Live-Spielen kaum wahrnehmbar. Ich weiß nicht, ob die Verteilung der Spiele der Liga auf Dauer nicht schaden wird. Die Mobilisierung neuer Fans brauche ich nicht mehr in Berlin, Köln oder Mannheim zu unternehmen, aber vielleicht in Iserlohn, Krefeld, Hannover und München.

Die Zukunft der DEL wird doch nur besser, wenn medial das Gesamtbild der Liga abgebildet wird. Um die mediale Präsenz der DEL ist es ja im Vergleich zu BBL und HBL nicht so gut geschehen, von daher ist noch Luft nach oben, alls Vereine besser bei den TV-Spielen zu berücksichtigen. Vielleicht wäre ein erster Schritt festzulegen, dass jedem Team mindestens sechs Live-Übertragungen pro Hauptrunde garantiert werden.

Wie gesagt, das soll keine Kritik an ServusTV und laola1.tv sein. Wie ja in den Übersichten erkennbar ist, sind die TV-Sender kein Erklärungsfaktor. Sky hat den Schwerpunkt ebenfalls auf die zuschauerstarken Teams gelegt. Da hatte ich mit deutlich größeren Unterschieden gerechnet.

ServusTV wollte in der Ära nach Sky ja vieles aanders und besser machen. Dann wäre das doch mal ein erster Schritt, etwas mehr Gleichheit und Annährung bei den TV-Übertragungen zu schaffen. Das als kleine Forderung und Fazit dieses Beitrages. Ansonsten ist es vielelicht ja mal ganz anschaulich für alle DEL-Fans zu sehen, wie oft ihr Team in den letzten zwei Spielzeiten in der Hauptrunde im TV zu sehen war.

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Methodik: Die TV-Übertragungen für die Saison 2012/2013 sind auf der DEL-Website einzusehen und archiviert. Darauf konnte ich direkt zurückgreifen. Diese Daten fehlten mir für die Spielzeit 2011/2012, als Sky und Eurosport übertrugen. Mit Hilfe eines kleinen Programms habe ich die Inhalte der Facebookseite der DEL archiviert und mit den Schlagworten “TV”, “TV-Übertraungen” und “Sky” durchsucht. So bin ich sehr schnell auf die Links gekommen und konnte die Spiele übertragen. Bei kurzfristigen Spielansetzungen und Änderungen im Programm habe ich mich in entsprechenden Foren der DEL-Klubs informiert und die Infos mit den vielfältigen Screensport-Ausgaben von allesaussersport abgeglichen.

Wie Eishockey im ZDF-Sportstudio lächerlich gemacht wurde

Eishockey-Fans in Deutschland haben es nicht wirklich leicht. Dieser großartige Sport, den sie Woche für Woche verfolgen und nebenbei sicherlich noch ein wenig NHL – wenn die Liga denn spielt – wird in den deutschen Medien nur zimperlich beachtet. Es sei denn, die Liga oder irgendein Verein ist mal wieder in einer großen Krise, sportlich oder finanziell. Dann sind die Seiten im Sportressort schnell gefüllt. Schlechte Nachrichten verkaufen sich bekanntlich besser. Es ist auch völlig okay und die Pflicht der Sportjournalisten darüber zu berichten. Und es entsteht dann immer ein fader Beigeschmack, wenn die sportlichen Aspekte der Liga weniger Beachtung und Relevanz geschenkt bekommen. Dass da, wie ich an dieser Stelle schon häufiger ausgeführt habe, zu großen Teilen die Liga selbst dran schuld ist, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Nun hat die Deutsche Eishockey Liga dank des Lockouts in der NHL wieder eine etwas größere Chance medial angemessen in Szene gerückt zu werden. Denn viele Profis aus der NHL halten sich während des unterbrochenen Spielbetriebs in Übersee bei Vereinen in der DEL fit und spielen natürlich auch auf dem Eis. Für die Liga kann das insgesamt nur positiv sein. Wenn da wahrscheinlich gestern Abend nicht das ZDF gewesen wäre.

23 Uhr ZDF-Sportstudio. Ich schaue das vielleicht nur noch drei bis vier Mal im Jahr, wenn wirklich Gäste da sind, die mich interessieren. Und wann hat man schon mal drei Stars aus der NHL im deutschen Fernsehen? Dennis Seidenberg, Marcel Goc und Christian Ehrhoff gaben sich trotz zwei Spielen am Wochenende die große Ehre. Ich hatte mich also sehr darauf gefreut, dass ein wenig über den Sport und die DEL im Besonderen gesprochen wird. Und ich wurde bitter enttäuscht.

Zuschauer, die nicht so sehr im Eishockey-Sport involviert sind, könnten jetzt mit folgendem Eindruck die Sendung verlassen haben: Eishockey-Spieler tragen lustige Uniformen, prügeln sich die meiste Zeit auf dem Eis und verdienen in der NHL einen Haufen Kohle, der – ich unterstelle das mal der ZDF-Sportredaktion – als zu hoch rüberkommen sollte.

Natürlich wurde gestern auch kurz über die DEL und den Lockout in der NHL gesprochen, vielleicht ein Viertel der Gesprächszeit. Damit tut das ZDF seine nötige Pflicht, mehr aber auch nicht. Stattdessen versuchte Moderator Sven Voss irgendwelche Belanglosigkeiten in Erfahrung zu bringen, die mit dem Sport nichts zu tun haben. Die Spieler musste ihre Ausrüstung anziehen und wurden dabei durch blöde Fragen wie “Macht das denn auch Spaß?” fast der Lächerlichkeit preisgegeben. Dann wurden krampfhaft versucht herauszufinden, wieviel Geld die Spieler in der NHL verdienen. Die “Dagobert Ducks” des Sports waren im Sportstudio. Das kann eigentlich nicht der Ernst einer Sportredaktion der ÖR sein. Spielbericht aus der DEL war übrigens 40 Sekunden lang. Und das tut mir in der Seele weh.

Es war eine große Chance, Eishockey als Sport den Menschen, die sich vielleicht nicht so sehr dafür interessieren und begeistern, näher zu bringen. Stattdessen wurde Eishockey-Uniform mit Frauenunterwäsche verglichen, wurde so getan, als würden die Spieler in der NHL einen Haufen Kohle für nichts verdienen (mal abgesehen davon, dass die Strukturen von DEL und NHL überhaupt nicht zu vergleichen sind) und sich zwei Drittel lang auf dem Feld nur prügeln.

Das macht mich als Eishockey-Fan einfach nur sehr traurig, denn dadurch, dass der Sport (un-)beabsichtigt lächerlich gemacht wird, kommt die DEL auch nicht wieder auf die Füße. Es wäre schön gewesen, wenn sich das ZDF wirklich auf den Sport, auf das, was auf dem Eis passiert, konzentriert hätte. Denn Eishockey ist ein so spannender, dynamischer, abwechselungsreicher, schneller Mannschaftssport, der einen ganz anderen Blickwinkel und Framing verdient, als ihn das ZDF gestern vorgenommen hat.

Das ZDF hat auf Twitter eher schmallippig auf die Kritik, die nicht nur von mir hervorgebracht wurde, reagiert. Man könne es verstehen, wenn zu wenig Stoff für die Insider präsentiert wurde. Tja, da hat das ZDF zumindest meine Kritik nicht verstanden. Mir ging es nicht um die Inhalte. Ich kann nicht verlangen, dass das ZDF davon ausgeht, dass nur Eishockey-Fans vor dem Bildschirmen sitzen. Was ich aber erwarten kann – und das sollte auch der Anspruch vom ZDF sein – dass ich einen Sport so darstelle und deute, wie ihn die vielen Eishockey-Fans Woche für Woche wahrnehmen. Und uns interessiert was auf dem Eis passiert. Und das war scheinbar nicht das Hauptanliegen des ZDF gestern Abend.

Und das macht mich sehr traurig. Denn das hat das deutsche Eishockey bei allen Problemen (die hätte man ja auch mal sachlich ansprechen können) nun wirklich nicht verdient. Zum Glück wissen es viele Fans in Deutschland sehr viel besser als das ZDF.

[Wer sich selbst ein Bild machen will von der Sendung, dann bitte hier entlang]

Angeschaut: DEL 2012/2013 Saisonauftakt in der ServusTV Hockey Night

Neue Saison, neues Glück aus sportlicher Sicht. Und auch sehr viel Neues in Sachen TV-Vertrag für die Deutsche Eishockey Liga (DEL). Nach über einem Jahrzehnt im Pay-TV wollte die Liga den Weg ins Free-TV gehen und fand in ServusTV einen Fernsehpartner und bei laola1.tv einen Abnehmer für Übertragungen im Internet. Fortan wird ServusTV das Spiel der Woche immer am frühen Sonntagabend übertragen, laola1.tv ein Spiel am Freitagabend. Für die Liga mag der neue TV-Vertrag eine Verbesserung darstellen. Für mich als Fan sehe ich das noch nicht so. Nur noch ein Spiel pro Woche im TV. Eishockey per Stream überzeugt mich wirklich nicht. ServusTV bietet auf seiner Seite stets auch einen Livestream an. Der funktionierte bei mir einwandfrei. So werde ich wohl trotzdem nur noch gelegentlich und deutlich seltener die DEL verfolgen.

Zum Saisonauftakt am Freitag durfte ServusTV ausnahmsweise übertragen. Man entschied sich für das brisante Derby zwischen den Kölner Haien und den Krefeld Pinguinen. Grund genug für mich die Übertragung ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Sendung begann um 19:10 Uhr mit einem durchaus ansprechenden Opener, unterlegt von alten Sky-Kommentaren von Thomas Wagner und Marc Hindelang. Und auch sonst erinnerte einiges an vergangene Übertragungskonzepte. Aber auch nicht alles. ServusTV widmet dem Spiel 20 Minuten Vorberichte. Es meldeten sich Gerd Leinauer, vielen von den wenigen DEL-Übertragungen bei Eurosport bekannt. An seiner Seite war Experte Rick Goldmann, seinerzeit Co-Kommentator von Marc Hindelang bei der Eishockey-WM bei Sport1. Beide sahen in ihren Winterjacken ein wenig wie Michelin-Männchen aus. Das sind also Leute vom Fach und sehr gute Verpflichtungen von ServusTV. Entsprechend lässig absolvierten beide den Vorlauf, kamen kurz auf die Teams zu sprechen. Etwas überflüssig war ein Filmbeitrag über die Geschichte der Kölner Haie. Die Historie in den 80er und 90er Jahren ist doch überhaupt nicht relevant für das Spiel heute. Da hätte ich mir einen stärkeren Zuschnitt und Fokus auf die aktuelle Lage beim KEC gewünscht. Es wurden außerdem kurz die Cable Guys, also die Eishockeyspieler, die mit einem Mikrofon ausgestattet wurden, vorgestellt. Nach 10 Minuten Vorlauf ging es in einen knapp 3-minütigen Werbeblock. Anschließend meldeten sich Kommentator Sebastian Schwele, der als Co-Kommentator Tobias Abstreiter, ehemaliger Eishockeyprofi unter anderem bei den Kölner Haien, aber auch in München und Straubing, an seiner Seite begrüßte. Die Zeit bis zum Bully wurde mir wieder ein wenig verschenkt. Diese ganze Historie der Haie fand ich uninteressant – trotz des Vereinsjubiläums. Stattdessen hätte ich mir einen längeren Blick auf die Mannschaften und die Starting Six gewünscht. Auf welche Spieler gilt es zu achten? Wo sind die Stärken der Teams? Das hat mir ebenso gefehlt wie Interviews vor dem Spiel. Ich hoffe, das war keine Absicht, die Trainer vor dem Spiel zu ignorieren. Viele gute Ansätze in den Vorberichten, aber auch noch sehr viel Luft nach oben. Einen Tick mehr Dynamik und stärkerer Fokus auf Mannschaft wie Trainer wären angemessen. Alles Aspekte, die sich schnell umsetzen lassen und auch keine Revolution wären. Vielleicht wollte ServusTV sich ein wenig von Sky absetzen. Nur gerade bei den Interviews vor dem Spiel lohnt sich der Kurswechsel nicht.

Schwele und Abstreiter haben die Partie sehr ordentlich begleitet (ServusTV, zeigt ruhig eure Kommentatoren. Gebt euren Sendungen ein Gesicht!). Dass das noch nicht hundertprozentig harmoniert, ist klar. Abstreiter musste zu Beginn zu eigenen Kommentaren immer wieder ermutigt werden. Das war inhaltlich jetzt auch nicht die größte Glanzleistung als Experte, wenn er wenig beisteuert, was der Zuschauer nicht sieht. Die Latte bei der Kommentierung der DEL ist durch Sky dank der perfekten Experten auch sehr hoch gelegt worden. Ich hätte mir mehr Einschätzungen von Abstreiter gewünscht, mehr Schauen über den Tellerrand. Aber Abstreiter hat hin und wieder sein Potential aufblitzen lassen. Und Sebastian Schwele ist fachlich wie stimmlich sowieso einer der besten Kommentatoren für Eishockey, hat jede Menge Erfahrung und Expertise, weiß war, wann er etwas lauter werden muss und Emotionen zu zeigen hat. Aber er weiß auch, wann er mal ruhig sein muss. Das tut ServusTV sicherlich gut. Während der Drittel gab es einen Werbespot (Eigenwerbung für die Spieltagszusammenfassung! – da wurde wohl kein Werbepartner gefunden), das sogenannte Power-Break, das ServusTV meist einsetzte, als eine Zeitstrafe verhängt wurde oder sonstige Unterbrechungen gab. Großartig war, dass direkt danach Interviews mit den Spielern auf der Bank geführt wurden. Die Spieler gaben meist eine kurze Einschätzung zum Spielverlauf ab. Eine Neuerung, die sicherlich den Sport und die Spieler ein wenig näher bringen kann. Die Cable Guys haben mich noch nicht so überzeugt. John Tripp war nicht wirklich gut zu verstehen, aber vielleicht lag es auch daran, dass es genuscheltes Englisch war. Bei Torerfolgen und strittigen Szenen sind die Cable Guys aber ein echter Mehrwert.

Mit einem Werbeblock, meist so zwei bis drei Minuten lang (unter anderem für das Fernsehprogramm von Sky), geht es jeweils in die Drittelpause und wieder zum Spiel. Der Werbeanteil ist also deutlich höher als bei Sky. Das ist eben der kleine Nachteil am Free-TV. Die Drittelpause hat sich nicht wenig von den früheren Übertragungen bei Sky unterschieden. Die wichtigsten Szenen werden analysiert, es gibt Studiogäste und Interviews (in der zweiten Drittelpause ein schönes Porträt von Uwe Krupp). Alles wenig überraschend in Ablauf und Organisation. Aber warum das gute Rad auch völlig neu erfinden, zumal sich Rick Goldmann als exzellenter Kenner und Analytiker erwies. Bitte mehr davon. Aber das war bei Sky auch immer richtig gut. Ein neues Element ist der Blick in die Kabinen. So konnte beispielsweise Uwe Krupp bei der Analyse zugesehen werden. Der Mehrwert war aber eher gering. Die grafische Aufbereitung wirkt etwas dynamischer und farbiger als bei Sky, aber mir gefällt sie. Aktuelle Zwischenstände der anderen Spiele werden immer wieder kurz eingeblendet, ebenso – und das ist neu – einige statistische Werte, wie gewonnene Bullys. Was ich noch vermisst habe, sind die Zwischenergebnisse aus den anderen Stadien. Da wurde in den Drittelpausen nicht drauf geblickt.

Köln gewann nach Penaltyschießen mit 3:2. Das war durchaus ein ansehnliches Spiel für den Auftakt in die neue Spielzeit. Nach einem kurzen prägnanten Fazit von Schwele und Abstreiter ging es für die Nachberichterstattung direkt zu einem Spielerinterview auf dem Eis, anschließend direkt ins Studio zu einem längeren Interview mit Uwe Krupp. Alles sehr rund, die richtigen Fragen an Krupp. Ich wiederhole mich: Rick Goldmann macht das exzellent. Zum Schluss wurde noch der Man of the Day gekürt, inklusive Übergabe einer kleinen Medaille. Gut, muss nicht unbedingt sein, aber wenn das mit einem Spielerinterview verbunden wird, ist es okay. Dann gab es auch endlich mal einen Blick auf die Endergebnisse und eine kurze Vorschau auf das Spiel am Sonntag.

Als Fazit wenn man so will: Wenig Neues, ein paar Stellschrauben. Und das ist ein Kompliment für ServusTV. In einigen Punkten gibt es sicherlich noch minimalen Verbesserungsbedarf, insbesondere bei den Vorberichten, hin und wieder in der Abstimmung zwischen den Kommentatoren und bei der Einbindung von Social Media. Letzteres war praktisch nicht existent. Da kann man noch viel herausholen. Aber trotzdem war das für den Beginn sehr sehr vielversprechend und fachlich auf sehr hohem Niveau. Würde man so ein Übertragungskonzept doch bloß zweimal die Woche im TV sehen können.

Hör- und Lesetipp: Wirtschaft und Olympische Spiele

Im aktuellen Economist ein sehr langer und detaillierter Artikel über die wirtschaftliche Bedeutung der Olympischen Spiele, nicht nur für das Austragungsland, sondern auch für die Sponsoren und das IOC.

Eleven global sponsors (known as top Olympic partners, or TOPs) pay fat sums to the IOC for the right to use the Olympic brand. Only one TOP sponsor is allowed in each commercial category: Coca-Cola for soft drinks, Panasonic for televisions and so on. This business model dates back to the 1980s. Before then, the Olympics were a commercial mess, with lots of sponsors paying small sums to borrow the Olympic brand in a few cherry-picked markets. Now, the IOC sells much bigger contracts to fewer sponsors. Top-tier deals are long-term (at least eight years) and global. The size of each deal is secret, but the total for all 11 for 2009-12 is $957m.

The Economist: Business and the Olympics. Victors and spoils

Außerdem sendet der Deutschlandfunk ab kommenden Montag bis Freitag eine fünfteilige Serie zum Wirtschaftsfaktor Olympia, immer ab 17:05 Uhr. Die Themen:

Montag: Olympia 2012 und die Auswirkungen auf den Mittelstand
Dienstag: Die Übertragungsrechte der Olympischen Spiele
Mittwoch: Kostenfaktor Sicherheit bei Olympischen Spielen
Donnerstag: Der Bauboom
Freitag: Die Sponsoren der Olympischen Spiele

Mehr Informationen auf der Website des Deutschlandfunks.

Die Deutsche Eishockey Liga setzt alles auf die Karte Free-TV

Viel wurde in den vergangenen Wochen über die Zukunft der Deutschen Eishockey Liga (DEL) im deutschen TV gesprochen. Nun scheint es zum ersten Mal konkrete Hinweise auf den Stand der Verhandlungen geben. Wie die Rhein-Neckar-Zeitung in ihrer Dienstagsausgabe berichtet, gibt es – und das war schon länger bekannt – ein Angebot von Sky und eine gemeinsame Offerte von drei Free-TV-Sendern, nämlich Sport1, Eurosport und Servus TV. Zwischen diesen beiden Modellen muss sich die DEL nun entscheiden. Eine Entscheidung, so hört man, soll noch im Mai getroffen werden.

Ist das Free-TV nun das Allheilmittel für die Deutsche Eishockey Liga? Es scheint natürlich verlockend, kann es mir aber nicht vorstellen. Was nicht am Potential des Free-TV in Deutschland liegt, sondern eher an der DEL selbst. Grundsätzlich ist die Reichweite mit Übertragungen im Free-TV natürlich sehr viel größer als bei Sky, keine Frage. Blöderweise aus Sicht der DEL sind Handball und Basketball diesen Weg schon sehr viel früher gegangen und haben sich im deutschen Free-TV erstmal breit gemacht. Wo das noch Platz für die DEL sein soll, bleibt mir zweifelhaft. Und damit wären wir dann schon wieder bei den Problemen der DEL. Im Vergleich zur HBL und BBL ist die Außendarstellung der DEL und deren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit eine mittlere Katastrophe. Ganz ehrlich: Für mich ist die DEL derzeit schlicht kein attraktives Produkt für irgendeinen TV-Sender. Und man kann ja nicht an jedem Spieltag Berlin gegen Mannheim oder Düsseldorf gegen Köln zeigen. Da die DEL sich scheinbar weigert, die strukturellen Probleme zu lösen, mag der Weg ins Free-TV reizvoll sein. Doch scheint der Effekt der größeren Reichweite schnell zu verpuffen, wenn die Zuschauer merken, dass das Produkt DEL nicht attraktiv ist.

Eishockey in Deutschland ist in den letzten Jahren fast nur durch Negativschlagzeilen aufgefallen. Das zeigt sich jetzt auch schon bei der Berichterstattung über die WM in Skandinavien. Ein 2:1 gegen Dänemark ist eine kleine Randnotiz in den Sportmedien, ein 4:12 gegen Norwegen bekommt leider viel mehr Aufmerksamkeit. Das ist fatal. Dazu die Probleme der DEL: Der EHC München wird nicht überleben, ein weiterer DEL-Verein ist pleite. Die DEG Metro Stars kämpfen ums Überleben mit einem drastischen Sparkurs. Das lässt die sportliche Qualität weiter sinken. Bei den Hannover Scorpions wird der Rotstift angesetzt. Der Kampf um die letzten Tabellenplätze könnte in den nächsten Jahren viel spannender werden als die Meisterschaft. Doch ohne Auf- und Abstieg interessiert der Fight um Platz 13 und 14 keinen. Dazu weiter die aufgeblähte Saison mit viel zu vielen Spielen in der regulären Saison und im Vergleich dazu kurzen Playoffs. Ich frag mich, wie ein Free-TV-Sender im Oktober ein Spiel wie Iserlohn gegen Augsburg übertragen will und das ganze dann auch finanziert bekommt. Und damit überhaupt gute Quoten holt. Denn im Vergleich zur HBL und BBL ist die Übertragung eines Eishockeyspiels deutlich aufwändiger und kostspieliger. Und die Qualität bei Sky war hoch: Zwei Kommentatoren, alles in feinstem HD. Eurosport würde für HD schon mal wegfallen. Sport1 HD kann auch kaum einer empfangen, und Servus TV kennt in Deutschland kaum einer.

Nur aufs Free-TV zu setzen, wird der DEL nicht weiterhelfen. Dann wäre Sky only die kleinere Kröte, die es zu schlucken gilt. Am besten wäre natürlich eine Kombi aus Free-TV und Sky mit einer Art First-Pick für Sky. Darunter würde zwar die Exklusivität leiden, aber das wäre vielleicht die beste Lösung eines TV-Vertrags. Wobei so wie die DEL sich jetzt präsentiert, wäre für Sky ein Rechteverlust nicht mal ein großes Drama. Da lassen sich die eingesparten Kosten wunderbar andersweitig in Sport investieren, zum Beispiel Tennis, die NBA oder die Primera Division.

Erst jetzt fällt auf, wie sehr die DEL in den letzten Jahren geschlafen hat, ins Free-TV zu expandieren. Jetzt dürfte es schon zu spät sein, zumal die Probleme im deutschen Eishockey immer noch nicht gelöst wurden. Aber dann kann man ja wenigstens vor theoretisch ganz großem Publikum beerdigt werden.

Ein paar Gedankenspiele zur TV-Zukunft der Deutschen Eishockey Liga

“Wir können Ihnen leider keinen Programmhinweis auf die neue Saison geben. Aber es war uns eine große Ehre, für Sie Eishockey zu übertragen.” Das waren gestern nach der fast einstündigen Nachberichterstattung die Abschiedsworte von Sky-Moderator Marc Hindelang aus der O2-World in Berlin, wo die Eisbären im fünften Spiel die deutsche Meisterschaft feierten. Es gab noch ein “Ciao” von Michael Leopold und Harald Birk, die das Spiel wie immer großartig kommentiert haben. Der derzeitige TV-Vertrag der DEL mit Sky ist nach dieser Saison ausgelaufen. Momentan steht die Deutsche Eishockey Liga ohne Fernsehpräsenz ab der nächsten Saison dort. Wie ich in einem anderen Blogeintrag schon mal deutlich gemacht habe, haben Sky und die DEL eine Vereinbarung ageschlossen, dass die ersten Verhandlungen über einen neuen TV-Vertrag zwischen beiden Parteien stattfinden.

Man kann nun viel in die Abschiedsworte von Sky hineininterpretieren. Für mich war gestern der erste spontane subjektive Eindruck: Das klang sehr nach Abschied. Von dieser Saison und auch für die nächsten Jahre. Aber das ist nur eine Vermutung von mir, die ich mit knallharten Fakten nicht unterstützen kann. Es war irgendwie das Gesamtbild der drei Experten hinter dem Sky-Tisch. Da schwang in den Worten und auch den Gesichtsausdrücken ein wenig Wehmut mit. Doch Gefühle und Vermutungen bringen uns nicht wirklich weiter. Schauen wir also mal kurz gemeinsam auf die Optionen, die der Deutschen Eishockey Liga für einen neuen Vertrag mit den verschiedensten Medienpartnern zur Verfügung stehen.

1. Die erste Wahl: Sky, ja oder nein?
Es gibt also das Erstverhandlungsrecht von der DEL mit Sky. Also sind trotz aller Worte gestern Abend die Chancen für eine Fortsetzung der langjährigen Partnerschaft immer noch am höchsten. Allerdings spielen ein paar Faktoren in dieses Gedankenspiel, die gegen diese Entwicklung sprechen. Und da sind beide Partner gleichermaßen dran schuld. Die Übertragungen der DEL bei Sky veranschlagen relativ hohe Kosten, in erster Linie dank der HD-Übertragung. Und überhaupt ist die eigene Übertragung von Eishockeyspielen kostspieliger als sich einen Worldfeed irgendeines Fußballspiels abzugreifen. Es benötigt einen Moderator – und die seit dieser Saison standardmäßige Doppel-Kommentierung ist sicherlich auch nicht billig. Für diesen Aufwand, den Sky und der Übertragungspartner betreiben, sind die Einschaltquoten bei regulären Saisonspielen am Freitag- oder Sonntababend einfach nicht hoch genug. Und da kommt dann die DEL ins Spiel, die in der vergangenen Jahren ihr Produkt marketingtechnisch so ziemlich gegen die Wand gefahren hat. Es dominierten Negativschlagzeilen, Vereine kämpften ums wirtschaftliche Überleben, mit dem Deutschen Eishockey Bund ist die Beziehung immer noch eingefroren. Warum sollte Sky also ein Produkt, das in den letzten Jahren deutlich an Attraktivität verloren hat, weiter übertragen? Gleichzeitig könnte Sky aus dem Produkt DEL vielleicht als einziger Sender in Deutschland mehr rausholen. Neben den zwei Live-Spielen pro Woche, könnte es ein wöchentliches Magazin geben oder eine Talksendung in Zusammenarbeit mit der DEL. Es müssen eben nur beide Parteien wollen. Die DEL ist – und das könnte der große Vorteil für Sky sein – auf regelmäßige Geldzahlungen der TV-Anbieter angewiesen. Und die kann eigentlich nur Sky leisten – verbunden mit den recht hohen Übertragungskosten. Prinzipiell gibt es also recht viele Baustellen, die gegen eine Fortsetzung der Partnerschaft sprechen. Aus dem Blickwinkel braucht die DEL Sky vielleicht mehr als umgekehrt. Aber der Verlust eines attraktiven Sportrechts kann sich Sky auf Dauer auch nicht leisten. In einem Jahr ohne Formel 1 und DEL dazustehen und nur auf Fußball zu setzen, wäre sicherlich auch der falsche Weg.

2. Live-Spiele weiter nur im Pay-TV?
Sollte sich die DEL mit Sky auf keinen neuen Vertrag mit der DEL einigen können, wäre die Anzahl an Pay-TV-Anbietern, die sich die Kosten für Rechte und Übertragung leisten könnten in Deutschland sehr begrenzt. Sport1+, der Pay-TV-Ableger von Sport1, wäre noch die wahrscheinlichste Variante, vielleicht in Kombination mit einer größeren Anzahl von Live-Spielen auch im Free-TV auf Sport1. Mit der HBL und der BBL hat Sport1 bereits zwei große Ligen im Programm. Der finanzielle Spielraum dürfte also begrenzt sein. Für die DEL wäre Sport1 insofern attraktiv, weil man zeitgleich Spiele im Free-TV und Pay-TV hätte. In vielen Eishockeyforen kursiert immer wieder das Gerücht, dass ServusTV, die derzeit die österreichische Eishockeyliga übertragen, zum Zug kommen könnte. ServusTV ist in Deutschland in den meisten Kabelnetzen verfügbar und kann via Satellit unverschlüsselt empfangen werden, ebenso über das Entertain-Paket der Deutschen Telekom. Die HD-Verbreitung ist mit den entsprechenden Empfangsgeräten gesichert. Angeblich soll ServusTV vier Spiele pro Woche live zeigen. Wie das allerdings zu finanzieren sei, bleibt mir ein Rätsel. Ich habe nur ein paar Spiele der österreichischen Liga mal auf ServusTV gesehen, aber das ist ein himmelweiter Unterschied im Vergleich zu Sky, was den technischen Standard angeht. ServusTV mit Sitz in Österreich bräuchte dann eine Redaktion, die bereit wäre, unter der Woche nach Iserlohn, Krefeld oder Hamburg zu fahren. Das kostet. Ich halte das Gerücht für durchaus plausibel, kann es mir aber nicht vorstellen, wie ServusTV die Kosten dafür finanzieren will. Aber ich kann mir bei der gelegentlich weltfremden DEL-Geschäftsführung alles vorstellen, auch dass man deutschen Sport einen österreichischen Sender verkauft. Im Vergleich zu Sky oder Sport1 kennt wahrscheinlich nur ein Bruchteil ServusTV. Ob sich damit eine hohe Reichweite erzielen lässt?

3. Eishockey endlich im Free-TV
Es ist ja kein Geheimnis mehr, dass die DEL gerne eine höhere Free-TV-Präsenz hätte, inklusive mehr Livespielen. Der Rettungsanker Eurosport in den letzten Jahren mit ungefähr sieben, teils eher unattraktiven Begegnungen, scheint nicht wirklich für ein verstärktes Interesse an der DEL gesorgt zu haben. Da wären mir dann wieder beim Marketing eines Produkts, das schlicht keinen guten Ruf mehr hat. Es scheint also unwahrscheinlich, dass das mit dem Free-TV klappt. Vielleicht ein paar Live-Spiele bei Eurosport oder Sport1, aber ich sehr wenig Hoffnung, dass sich die ARD oder die dritten Programme an Live-Spiele aus der DEL wagen. Da hat die DEL den Anschluss einfach verpasst. Fußball, Formel 1, Handball, Basketball, Wintersport und Olympia. Im Free-TV in Deutschland ist für die DEL schlicht kein Platz mehr.

4. Ausweitung der Online-Übertragung
Die DEL tut sich mit diesem Internet recht schwer. Es gibt eine lieblos gepflegte Homepage, eine Facebook-Fanseite, eine App, die regelmäßig in der Schlussphase der Spiele abstürzt, und das DEL.TV, wo recht lieblos die Zusammenfassungen aller DEL-Spiele in – vorsichtig formuliert – bescheidener Qualität zu finden sind. Von einem NHL-Gamecenter, wo alle Saisonspiele online verfolgt werden können, sind wir in Deutschland also weit entfernt. Ich bin daher skeptisch, ob die DEL den Weg geht, verstärkt Übertragungen im Netz anzubieten, verknüpft mit entsprechenden Anwendungen auf iPhone und iPad. Etwas das Sky via SkyGo ganz gut geschafft hat. Sozusagen die DEL für unterwegs. Dafür müsste die DEL entsprechend neue technische wie finanzielle Ressourcen in die Hand nehmen. Bei den derzeitgen Online-Aktivitäten der DEL käme das einer Revolution nahe.

Die Möglichkeiten für die DEL sind also begrenzt, teilweise selbst verschuldet. Mehr oder weniger ist man von Sky abhängig. Aber damit sind beide Parteien stets ganz gut gefahren. Dass man aus dieser Partnerschaft aber bei weitem das Optimum nicht herausgeholt hat, dürfte auch klar sein. Wie geht es also weiter? In den nächsten zwei bis drei Monaten will die DEL den Fans einen neuen Medienvertrag vorstellen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es in der DEL Personen gibt, die eine Variante mit ServusTV als sehr attraktiv sehen. Ich sehe derzeit da eher die Gefahr mit auf die Klappe zu fallen. Mein Wunsch wäre, die DEL und Sky verlängern ihre Partnerschaft und holen mehr aus dieser, sprich ein paar mehr Live-Spiele, mehr Übertragungen aus den VF-Playoffs und ein wöchentliches Magazin mit Zusammenfassungen und Interviews.

Und wenn es die DEL dann noch schafft, ihr durchaus großartiges Produkt – denn das hat die Finalserie wieder gezeigt: Eishockey ist einfach ein geiler Sport – besser zu vermarkten, gibt es vielleicht auch größeres Interesse am Sport. Aber an dieser Stelle ist ganz allein die DEL gefordert – und scheitert seit Jahren kläglich.

Straubing mit der Überraschung in bisher langweiligen DEL-Playoffs

Für mich ist es schon jetzt eine der Sportsensationen des Jahres 2011. Die Straubing Tigers setzen sich in vier Spielen gegen die Grizzly Adams Wolfsburg durch. Heute Abend gab es den vierten Sieg vor eigenem Publikum. Während der Großteil der sportinteressierten TV-Zuschauer Champions League schaute, habe ich mir 40 Minuten Eishockey angeschaut. Und ich war begeistert von den Tigers. Das war pure Hingabe und Leidenschaft, gepaart mit toller Leistung in der Offensive. 7:3 gewann Straubing (14 Tore in den letzten beiden Heimspielen gegen Wolfsburg).

Neben den Adler Mannheim und den Eisbären Berlin wurde Wolfsburg noch die größten Chancen auf das Erreichen des Finales eingeräumt. Und jetzt fliegen sie gegen das Team mit 0:4 in der Serie raus, das sich erst am letzten Spieltag der regulären Saison direkt für das Playoff-Viertelfinale qualifizierte. Das Team, das zum ersten in seiner DEL-Zugehörigkeit seit 2006 überhaupt die Playoffs erreicht hat. Wolfsburg spielte eine, mal eine kleine Schwächephase Anfang des Jahres ausgenommen, eine überzeugende Vorrunde, gewann vier der letzten fünf Vorrundenspiele und schoss dabei über 20 Tore. Nur das letzte bedeutungslose Saisonspiel wurde 0:5 bei den Hannover Scorpions verloren. Und seitdem geht nichts mehr zusammen.

Die DEL hat es ja mal wieder nicht geschafft, sich medial für die Playoffs in Szene zu setzen. Und auch Sky fährt den exakt selben Aufwand wie für ein simples Vorrundenspiel zwischen Iserlohn und Augsburg. Vor dem TV und auch in den Sportmedien der deutschen Zeitungen kommt so gut wie keine Playoff-Stimmung auf. Der DEL-Internetauftritt begleitet die Fans genauso langweilig und eintönig durch die Playoffs wie zur Vorrunde. Diese Liga ist einfach tot. Was so unglaublich schade ist, weil Eishockey ein so geiler Sport ist, Sky so viel gute Experten für die DEL hat und einfach nur vor sich hin spart, und die DEL Online-Redaktion doch vielleicht in der Lage zu sein scheint, viel mehr aus sich rauszuholen. Online-Diskussionsrunden, Podcasts, Blogs, whatever. Es ist einfach nur trostlos.

Und wenn das Drumherum schon nicht stimmt, hätte ja vielleicht wenigstens der Sport für öffentlichkeitswirksame Schlagzeilen sorgen können. Aber die bisherigen Partien waren häufig einseitig und wenig spannend. Ausgerechnet in der einzigen Best-of-seven-Serie der Playoffs sind bereit zwei Duelle nach vier Spielen entschieden. Neben Straubing folgen die Eisbären Berlin ins Viertelfinale nach einem 3:0 in Köln bei den Haien. In den anderen beiden Serien führt Ingolstadt gegen die DEG Metro Stars (heute ein 6:1 im ISS-Dome) ebenso wie die Adler Mannheim gegen die Hamburg Freezers mit 3:1 (souveränes 3:1 heute Abend in der O2 World). Freitag könnten diese beiden Serien ebenfalls vorbei sein, allenfalls der DEG traue ich in Ingolstadt nochmal ein Comeback zu. Wenn überhaupt.

Im Vergleich zu der völlig überdimensionierten und langen Vorrunde wirken die Playoffs wie ein ganz schlechter Quickie. Ohne große Höhepunkt. Kann im Halbfinale noch kommen. Ich hoffe es und wünsche es mir. Die Liga wird es auch nicht mehr retten. Für die DEL und Sky sind Playoffs scheinbar kein besonderer Zeitraum während der Saison. Anders ist das schwache Engagement nicht zu erklären. Immerhin gibt es ab dem Halbfinale alle Spiele im TV und die Fans können sich mal intensiver in eine Serie hineinschauen. Und wenn Straubing so weiterspielt, gibt es noch tolle Eishockey-Unterhaltung.

Hannover Scorpions († 23.02.2012)

Es ist der pure Masochismus am Tabellenende der Deutschen Eishockey Liga. Die Hannover Scorpions, Meister 2010, haben sich in den letzten Wochen schon in alle Einzelteile zerfleischt. Heute kam dann der Höhepunkt, der Todesstoß vom Besitzer Günter Papenburg persönlich. Er hält trotz der sportlichen Misere an Trainer Toni Krinner fest und stellt sich damit gegen Geschäftsführer Marco Stichnoth, die komplette Mannschaft und die Fans. Die Hannover Scorpions sind endgültig am Ende. Aus. Vorbei. Aufgrund der Entscheidung von Papenburg haben nach Informationen hannoverscher Medien alle Spieler, deren Vertrag am Saisonende ausläuft, bereits mitteilen lassen, dass sie den Verein verlassen werden. Alle anderen Spieler, deren Kontrakt über die aktuelle Spielzeit hinausgeht, wollen versuchen ihren Vertrag aufzulösen. Schneller ist ein sportlicher Erfolg wie die Meisterschaft 2010 nie vergessen worden. Die Saison ist eine einzige sportliche Krise – doch stattdessen diese zu lösen, sind alle Beteiligten mit sich selbst beschäftigt. Die Leidtragenden sind die treuen Fans, die trotz 14 Heimspielniederlagen in Serie immer noch ihren Weg in die Tui-Arena finden. Doch auch das dürfte bald vorbei sein – dank eines Beziehungsgeflechts, das einzigartig im deutschen Profisport scheint und schon nicht mehr tragisch ist. Fünf Parteien stehen sich gegenüber. Alle haben ihre Ansichten, und keiner weicht davon ab, geschweige sucht den Ausgleich zwischen den Gruppen. Ein Gesprächsangebot von Besitzer Papenburg an die Spieler hat der Baununternehmer kurzfristig wieder ausgeschlagen. Er hat im Alleingang beschlossen, dass Toni Krinner auch in der neuen Saison Trainer bleibt. Wem das nicht gefällt, könne gehen oder einfach wegbleiben. Ich wette, Papenburg ist sich den Folgen dieser Aussage überhaupt nicht bewusst. Oder er leidet unter Realitätsverlust. Wie so viele bei den Hannover Scorpions.

Der Besitzer
Ohne Günter Papenburg würde es die Scorpions nicht geben. Der Bauunternehmer hat den Verein jahrelang mit einem niedrigen einstelligen Millionenbetrag unterstützt und stets das Defizit am Saisonende ausgeglichen. Papenburg, gleichzeitig Besitzer und Betreiber der Tui-Arena auf dem Messegelände in Hannover, brauchte natürlich auch ein Zugpferd für die Mehrzweckhalle. Die Scorpions waren aber nicht nur Mittel zum Zweck. Dann hätte Papenburg die Scorpions schon eher fallen lassen können. Insbesondere unter der Ägide von Hans Zach, mit dem sich Papenburg exzellent verstand, sind die Scorpions Papenburg, auch aufgrund der großen sportlichen Erfolgs, sehr ans Herz gewachsen. Aus den sportlichen Planungen hatte sich Papenburg immer rausgehalten. Das war der alleinige Aufgabenbereich von Geschäftsführer Marco Stichnoth. Doch in Folge der sportlichen Krise in dieser Saison hat Papenburg sich häufiger zu Wort gemeldet. Er hat stets zu Trainer Krinner gehalten – auch nach der 14. Heimniederlage in Folge. Papenburg schwimmt damit alleine gegen den Strom.

Der Geschäftsführer
Der Erfolg der Scorpions hat eine Handschrift: Geschäftsführer Marco Stichnoth. Er hat das Team zusammengestellt, er hatte Hans Zach 2006 an die Leine geholt. Er war es aber auch, der es nie geschafft hat, sich am vom Besitzer zur Verfügung gestellten Etat zu orientieren. Die Scorpions haben in den letzten Jahren nicht gut gewirtschaftet. Die Meistersaison ließ aufgrund hoher Prämien ein großes finanzielles Loch zurück, das Papenburg dann ausgeglichen hat. Die Beziehung zwischen Stichnoth und Krinner war zu Beginn positiv, doch mit zunehmender Unzufriedenheit innnerhalb der Mannschaft mit Krinner, spielte sich Stichnoth in den Mittelpunkt. Er stellte sich während der Spiele auf die Trainerbank, war eine Art Co-Trainer, dessen Posten aufgrund des Sparkurses eingestellt wurde. Stichnoth ist der Ansprechpartner für das Team geworden, Krinner wird immer mehr umgangen. Und nicht zuletzt genießt Stichnoth großes Ansehen bei den Fans.

Das Team
Nahezu alle Spieler der Hannover Scorpions haben sich mit Trainer Krinner überworfen. Bereits zum Ende der letzten Saison gab es einen Bruch zwischen Trainer und Mannschaft, der sich nahtlos in der laufenden Saison fortgesetzt hat. Die Spieler haben schlicht keinen Bock mehr unter Krinner zu trainieren – und so spielen sie auch. Lustlos. Interna aus der Kabine drangen in die Öffentlichkeit. Die Mannschaft versuchte Krinner zum Rücktritt zu drängen. Der gab nicht nach – und hat jetzt die Unterstützung des Mäzen. Das Team ist der Verlierer – wie so häufig in dieser Saison.

Der Trainer
Toni Krinner trat in keine kleinen Fußstapfen. Hans Zach verließ als Meister die Scorpions. Im Sommer danach gab es das erste Theater um einen möglichen Rückzug und die Rückgabe der DEL-Lizenz. Ein rigoroser Sparkurs und der nahezu komplette Umbau des Teams war die Folge. Zu Beginn seines ersten Amtsjahres schien die Symbiose Team und Trainer noch zu klappen. Jetzt ist sie am Ende. Der Hauptvorwurf: Krinner lässt nur ein Spielsystem spielen und weicht auch nicht davon ab – bloß ist diese Taktik des frühen Attackierens nicht gemacht für die Mannschaft und die Spieler der Scorpions. Sie kommen damit nicht zurecht. Und das sollte jeder mit dem Blick auf die Tabelle sehen. Doch Krinner weigert sich vehement sein Konzept zu ändern. Das verärgert die Spieler. In den Phase vor den Playoffs der letzten Saison haben sich Stichnoth und das Team noch gegen Krinner durchgesetzt und auf die alte Zach-Taktik gewechselt. Mit Erfolg. Es war das letzte Mal. Krinner wird sich nicht ändern. Er bleibt stur. Nie hat er auch nur ansatzweise daran gedacht, von sich aus zurückzutreten.

Die Fans
Die Hannover Scorpions sind wahrlich nicht mit einem hohen Zuschauerschnitt gesegnet, aber die treusten Fans der Liga haben auch in den letzten Wochen zu ihrem Team gehalten, es immer wieder unterstützt. Die Sympathien bei den Fans sind klar verteilt. Sie sind pro Team und Geschäftsführer Stichnoth und klar gegen Trainer Toni Krinner gerichtet. Mehrfach wurde während Spielen der Rücktritt des Trainers gefordert. Und mit Günter Papenburg, der sich jetzt klar zu Krinner bekannt hat, haben die Fans eine weitere Zielscheibe für ihren Protest gefunden. Los geht es beim Heimspiel am kommenden Sonntag gegen die DEG Metro Stars.

Es ist eine nahezu aussichtlose Lage. Es ist Endzeitstimmung. Sollte Krinner Trainer bleiben, wird Stichnoth und ein Großteil des Teams gehen und viele Fans dem Verein den Rücken kehren. Die Entscheidung liegt nun beim Besitzer Papenburg, jener Papenburg, der die Scorpions geschaffen hat, sie zu einer festen Größe in der DEL machte – und der jetzt, ohne wahrscheinlich auch nur ansatzweise über die Konsequenzen nachzudenken, mit seiner Entscheidung pro Krinner den Stecker ziehen wird. Papenburg scheint Schluss machen zu wollen. Zur Not gebe er die DEL-Lizenz gerne an Landshut weiter.

Es ist vorbei. Ein weiterer DEL-Klub wird langsam, aber stetig zu Grabe getragen. Zwei Jahre nach dem Gewinn der Meisterschaft.