Montag, 29. März 2010 21:22
Morgen beginnt sie wieder – die für Eishockeyfans wohl spannendeste Zeit des Jahres. Die Playoffs in der DEL starten in ihre heiße Phase. Nachdem sich in den letzten Tagen noch zwei Teams qualifizieren mussten, ist seit Sonntag das Viertelfinale komplett und geht heute in den ersten Spieltag. Gespielt wird sowohl im Viertelfinale als auch in der Runde der letzten Vier und im Finale im Modus Best-of-Five, es sind also drei Siege fürs Weiterkommen nötig. Das Viertelfinale wird im 2-Tages-Rhythmus gespielt. Im Halbfinale werden die Spiele dann nur noch am ersten Spieltag parallel ausgetragen, am 2. Spieltag zeitversetzt und dann immer ein Spiel pro Wochentag. Die Finalserie startet am Mittwoch, den 21. April. Im Viertelfinale treffen jetzt die besten sechs Teams der Hauptrunde plus die beiden Qualifikanten aufeinander. Die Top Vier aus der regulären Spielzeit haben Heimrecht. Im Halbfinale spielt dann die aus der Vorrunde am besten platzierte Mannschaft gegen die am schlechtesten platzierte und so weiter und so fort. Sky überträgt im Viertelfinale pro Spieltag eine Partie, ab dem Halbfinale werden alle Spiele live gezeigt. Dieses Jahr nur eingeschränkt in HD, weil die meisten Ansetzungen mit Fußballspielen kollidieren. Die Übertragungen beginnen am Dienstag mit der Partie Wolfsburg gegen Düsseldorf, Donnerstag ist man bei Nürnberg gegen Hannover in der Arena. Übertragungsbeginn ist jeweils 19:15 Uhr.
#1 Eisbären Berlin – #8 Augsburger Panther
Die Augsburger Panther sollen jetzt also das erste Opfer der Eisbären sein. Für die Berliner ist das Viertelfinale nach einer tollen Vorrunde nur Durchgangsstation für das große Ziel: Den Titel-Hattrick in die Hauptstadt holen. Und die Eisbären sind die Topfavoriten. Außer Hans Zach haben alles Trainer der Playoff-Teams die Berliner als Meistertipp abgegeben. Und das Team ist auf allen Positionen exzellent besetzt. Torhüter Rob Zepp steht hinter der drittbesten Abwehr der Liga und hat schon fünf Mal zu null gespielt. Richie Regehr ist einer der besten Abwehrspieler der Liga, und im Sturm hat man mit André Rankel hat man einen Berliner Jungen, der noch nie so treffsicher war wie in dieser Saison. Und wenn schon nicht alles für die Eisbären auf dem Platz spricht, dann immerhin durch das Umfeld. Stets eine ausverkaufte Arena, begeisterte Fans. Da ist es für jedes Team verdammt schwer zu bestehen. Und zu allem Überfluss aus Sicht der Panther wird Denis Pederson, der nach dieser Saison seine sportliche Karriere beendet, noch mal alles versuchen, mit den Eisbären seinen fünften Meistertitel zu feiern. Aber Vorsicht vor Augsburg! Die Panther sollte man nicht unterschätzen. Sie gewannen die letzten sechs Spiele in der Vorrunde und besiegten dann mal eben im Vorbeigehen Rekordmeister Adler Mannheim. Die Bilanz zwischen Berlin und Augsburg aus der Hauptrunde ist ausgeglichen. Beide gewannen ihre zwei Heimspiele. Spätestens dort sollte zu erkennen sein, dass das kein Spaziergang für Berlin wird. Was macht Augsburg so stark? Einsatz bis zur letzten Sekunde, ein unglaubliche Moral im Team und eine sehr homogene und geschlossene Mannschaftsperformance. Bei den Panther wird Uli Maurer nach seinem Jochbeinbruch noch zusehen müssen, dank der Beschränkung für Ausländer im Aufgebot werden wohl auch Matt Ryan und Junior Lessard nicht spielen.
Mein Tipp: Es werden knappe Spiele, aber Berlin wird nach drei Spielen weiterkommen.
#2 Frankfurt Lions – #7 ERC Ingolstadt
Die heimstarken Lions empfangen die heimstarken Panther aus Ingolstadt. Könnte also eine Serie werden, die sich dadurch entscheidet, ob ein Team auch auswärts mal gewinnen kann. Frankfurt sicherte sich erst am letzten Spieltag mit einem Sieg gegen Wolfsburg den zweiten Tabellenplatz, Ingolstadt musste in den Pre-Playoffs über die volle Distanz gegen die Kölner Haie gehen, nachdem man auch in Spiel 1 den leichten Abwärtstrend vor allem vor heimischem Publikum (man verlor drei der letzten vier Heimspiele) fortsetzte, sich dann aber rechzeitig fing und Köln problemlos ausschaltete. Mit Frankfurt kommt nun ein anderes Kaliber auf den ERC zu. Beflügelt durch den tollen Saisonabschluss und mit der Vertragsverlängerung vom Top-Scorer der DEL, Jeff Ulmer, immerhin 74 Scorerpunkte, empfängt man im ersten Spiel den Gast aus Ingolstadt. Lions-Trainer Rich Chernomaz kann dabei auch wieder auf Verteidiger John Slaney zurückgreifen. Wenn es einen Schwachpunkt bei den Lions gibt, dann ist es das Überzahlspiel, mit dem sie nur im hinteren Drittel der Liga sind. Ein ganz besonderes Spiel dürfte es für Christoph Gawlik in Trikot der Lions werden, spielt er doch ab nächster Saison in Ingolstadt und kann sich nochmal wärmstens empfehlen. Die Ingolstädter wollen es hingegen der DEL insgesamt zeigen. Deren Geschäftsführer Tripcke hätte sehr gerne die Kölner Haie im Viertelfinale gesehen, quasi als einleitenden Prozess der Genesung. Jetzt darf der ERC beweisen, dass es die sportlich bessere Mannschaft in die Runde der letzten Acht geschaffen hat. Augenmerk bei den Gästen vor allem auf zwei Spieler. Thomas Greilinger ist nach Jeff Ulmer zweitbester Scorer der Liga. Und Jakub Ficenec hat mit drei Toren in den Pre-Playoffs zur richtigen Zeit die passende Form gefunden.
Mein Tipp: Wird eine enge Serie, am Ende sollten sich die Lions dank ihrer Heimstärke und mit den zahlreichen zurückgekehrten gesunden Spielern durchsetzen. Also Frankfurt macht es in vier Spielen.
#3 Grizzly Adams Wolfsburg – #6 DEG Metro Stars
Es ist die Abschiedsrunde für Wolfsburg-Trainer Toni Krinner, der ab dem Sommer an der Bande der Hannover Scorpions steht. Und wie könnte man sich besser verabschieden als mit erfolgreichen Playoffs? Wolfsburg hat über die gesamte Saison sehr gutes Eishockey gespielt, war immer vorne dabei und hat sich heimlich still und leise bis auf den zweiten Tabellenplatz nach oben bewegt. Und dass die Grizzlys Playoff-Eishockey spielen können, haben sie schon letzte Saison eindrucksvoll gezeigt. Die Niedersachsen spielen nicht unbedingt das spektakuläre Eishockey, aber sehr effektiv und zielstrebig nach vorne. Dafür haben sie eine der besten Sturmreihen der Liga mit John Laliberte, Norm Milley, Jason Ulmer, Ken Magowan, Kai Hospelt und Sebastian Furchner. Und insbesondere auf Laliberte sollte man ein Auge haben. Vor der Saison kannte in Eishockey-Deutschland noch niemand der feilschnellen US-Amerikaner, der damals in Dänemark spielte. Jetzt gehört er zu Neuentdeckung der Saison und ist einer der Leistungsträger bei den Niedersachsen. Interessant dürfte vor allem sein, ob die Wolfsburger ihre Arena mal voll bekommen. Die Grizzlys haben den schlechtesten Zuschauerschnitt mit noch unter 3.000 Fans pro Partie. Und ein paar Zahlen verdeutlichen, dass Wolfsburg eine ganz harte Nuss zum Knacken sein wird. Das Team hat den viertbesten Angriff der Liga, stellt die zweitbeste Defensive, hat in 22 seiner 28 Heimspiele gepunktet (davon 18 Siege) und ist das fairste Team der Liga. Das dürfte insbesondere für die DEG, die das drittbeste Power-Play der Liga haben, schwer zu bearbeiten sein. Augenmerk bei Wolfsburg auf das 22-jährige Talent Christopher Fischer.
Die DEG muss sich also überlegen, wie sie die Wolfsburger mal auf die Strafbank bekommt. Aber das ist derzeit das geringste Problem bei den Metro Stars. In den Köpfen dürfte die Enttäuschung über das Verspielen einer Top-Ausgangslage für die Playoffs immer noch groß sein. Im März verspielte eines der heimstärksten Teams der Liga das Heimrecht. Anfang März schlug man die Eisbären Berlin in Overtime und lag auf dem zweiten Tabellenplatz. Anschließend verlor man fünf der letzten sechs Saisonspiele. Nebebei wurde bekannt, dass Trainer Harold Kreis für die neue Saison bereits bei den Adler Mannheim unterschrieben hatte. Dass das übrigens kein Grund für sportlichen Misserfolg sein muss, sieht man derzeit in Wolfsburg. Trotzdem flog Kreis zwei Spieltage vor Schluss raus. Dann gab es Flaschmeldungen im Düsseldorfer Express über einen möglichen Nachfolger von Kreis. Es war alles andere als ruhig in der entscheidenen Saisonphase. Interimstrainer ist vorerst Manager Lance Nethery, der die Ziele auch erstmal nach unten korrigierte. Am Rhein spreche man jetzt nicht mehr von der Meisterschaft, sondern erstmal nur vom Erreichen des Viertelfinals. Immerhin scheint man sich jetzt voll auf das Sportliche zu konzentrieren. Mit Patrick Reimer, Rob Collins, Adam Courchaine, Daniel Kreutzer und Brandon Reid hat man immer noch zahlreiche schlagkräftige Stürmer in den eigenen Reihen. Die Serie gegen Wolfsburg könnte also zu einem Offensivspektakel werden. Nachteil für Düsseldorf, dass man weiterhin nur drei komplette Reihen aufbieten kann. Immerhin ist Adam Courchaine nach seiner Verletzung rechtzeitig zu den Playoffs fit.
Mein Tipp: Für die DEG spricht die Erfahrung, für Wolfsburg die aktuelle Form sowie die glänzende Offensivreihe. Die Grizzlys sind ausgeglichener besetzt, haben weniger Druck im Umfeld. Wolfsburg steht nach fünf Spielen im Halbfinale.
#4 Hannover Scorpions – #5 Thomas Sabo Ice Tigers
Es wird ein emotionaler Dienstagabend in der Tui-Arena, wenn man nochmal die letzten Monate im Leben der Hannover Scorpions Revue passieren lässt. Vor der Saison war der Spielbetrieb gefährdet, die Spieler nahmen erhebliche Gehaltskürzungen in Kauf, im November standen die Skorpione am Tabellenkeller, Hans Zach drohte mit Rücktritt. Doch der Transfer von Torhüter Travis Scott, der in Hannover zu einem der besten Torhüter dieser DEL-Saison wurde, leitete die Wende ein. Im Dezember startete Hannover eine unglaubliche Siegesserie, gewann sieben Spiele in Folge mit voller Punktzahl und hat sich dann bis zum Saisonende in der Tabelle oben festgesetzt. Eine Schwächephase im Februar folgte ein toller Saisonendspurt mit Siegen gegen Düsseldorf, Mannheim und Ingolstadt. Am Ende einer emotionalen Vorrunde steht Platz 4 und das Heimrecht in den Playoffs. Wer hätte das im November gedacht. Wobei das Heimrecht den Scorpions gar nicht so gelegen kommt, sind sie doch eine der auswärtsstärksten Mannschaften der Liga. Wenn die Scorpions das Spiel aber vor eigener Kulisse selbst gestalten müssen, tun sie sich gelegentlich schwer. Nicht immer, aber im Playoffs gibt es wenig Raum für Ausreden.
Und so emotional die Vorrunde war, umso stimmungsvoller wird der Dienstagabend in Hannover. Hans Zach feiert seinen 61. Geburtstag und würde sich natürlich gerne einen Heimsieg wünschen, in seiner letzten Saison als Trainer in der DEL. Beide Trainer schieben die Favoritenrolle partout dem Gegner zu. Hans Zach meinte vor dieser Partie, dass seine Mannschaft in der regulären Saison nur zwei von 12 Punkten gegen die Ice Tigers holten. Da kann man aus Sicht von Hannover nicht von einem Favoritenstatus sprechen. Nürnberg-Coach Andreas Brockmann will davon gar nichts wissen und sucht eine Begründung in den Schwächen seines Teams. Die Ice Tigers sind offensiv eines der ungefährlichsten Teams und haben das schlechteste Powerplay der Liga. Blöd nur, dass man mit den Scorpions auf das zweitbeste Überzahlspiel der Liga trifft. Weiterer Vorteil für Hannover: Man hat keine Verletzten und vier komplette ausgeglichene Sturmreihen. Insbesondere die vierte Reihe war maßgeblich für die Siege gegen Mannheim und in Düsseldorf verantwortlich. Wenn Hannover defensiv gut steht, ist das die halbe Miete. Schwächen bei Hannover zuletzt vor allem im Spiel nach vorne, die Offensive ist gut besetzt, die Scorpions brauchen aber häufig zu viele Chancen für den Torerfolg. Beim überragenden Nürnberger Torhüter Patrick Ehelechner wird die Chancenverwertung umso entscheidener sein. Beide Teams gehen optimistisch in diese Serie. Ganz besonders motiviert dürften auch Petr Fical und Florian Ondruschka in ihrer Abschiedssaison bei den Ice Tigers sein.
Hannover also mit vollem Kader, aber auch Nürnberg wird mit vier Sturmreihen auflaufen können. Allerdings müssen sie schon länger unter anderem auf Morten Ask und Florian Keller verzichten, zudem fehlt Simon Fischhaber mit einer Knieverletzung. Die Scorpions haben derweil noch eine Rechnung mit Nürnberg offen. Vor drei Jahren bestritten beide Teams die Viertelfinalserie. Die Scorpions gingen 2:0 in Führung, verloren dann aber die nächsten drei Spiele. Spiel 5 und 6 jeweils mit 2:3 nach Verlängerung. Ich weiß noch, dass ich damals Tränen in den Augen hatte. Also Scorpions, Revanche bitte. Dafür ist es nie zu spät.
Mein Tipp: Ich wünsche mir sportlich gesehen dieser Tage nichts sehnlicher als den Halbfinaleinzug der Scorpions. Wird sehr schwierig. Das wird sicherlich eine Serie über fünf Spiele. Und wer dann noch mehr Power und Hunger hat, kommt ins Halbfinale. Ich hoffe auf die Scorpions.
In den Playoffs zählen Kleinigkeiten, alles eine Kopfsache. Es geht alles und für alle wieder bei null los. Und wer weniger Fehler macht, der wird weiterkommen. Wenn solche Phrasen von Spielern und Trainern bemüht werden, dann wissen wir: It’s Playoff-Time. Lasset sie beginnen!