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Und er fährt seine Runden

Samstag, 31. Juli 2010 21:43

Samstagnachmittag. Ich liege auf dem Sofa und schaue das Qualifying zum Großen Preis von Ungarn in Budapest. Das erste Segment der Qualifikation läuft noch ein paar Minuten, da ist Michael Schumacher mit seinem Auto zum ersten Mal im Bild. Die Stimme von Sky-Kommentator Jaques Schulz hebt sich, denn Schumacher kämpft ums Weiterkommen für die zweite Runde. Er schafft es knapp, scheitert dann aber kurze Zeit später im zweiten Durchgang auf Platz 14. Sein Teamkollege startet morgen fast 10 Plätze weiter vorne. Und Schumacher fährt morgen wieder seine Runden.

Warum ich den Blog-Eintrag schreibe, sind meine Gedanken seit heute Nachmittag, als mir zum ersten Mal richtig bewusst wurde, dass da zwar noch ein Rekordweltmeister mitfährt, aber ich ihn überhaupt nicht vermisst habe. Ich habe nicht geschaut, wo der Kerpener fährt und war fast schon überrascht, als er für ein paar Augenblicke im Bild war. Zumal 30 Minuten lang vorher auf Sky nicht einmal sein Name fiel. Ferrari gegen Red Bull, dazu ein starker Niko Hülkenberg, die beiden heute schnellen Renault, dazu ein Lewis Hamilton, der seine Runden mit einem starken ersten Sektor begann, dann die gute Performance aber nicht vollständig ins Ziel bringen konnte. Es gab genug spannende Duelle und Blickwinkel auf diese Qualifikation, Michael Schumacher war nicht dabei – und er hat mir auch nicht gefehlt.

Was wurde nicht für ein Theater, eine Begeisterung um sein Comeback gemacht. Im März stand die ganze Formel 1 Welt Kopf, auch ich hatte mich sehr gefreut, weil die in den letzten Saison ehe schon spannende und dramatische Formel 1 noch eine weitere Bereicherung bekommt. Die TV-Anstalten hofften auf neue Rekorde bei den Einschaltquoten, Sky gründete einen eigenen Silberpfeilkanal, den ich beim Saisonauftakt in Bahrain zweimal benutzt habe, danach aber nie wieder angesteuert habe. Große Hoffnungen und Erwartungen wurden in das Comeback von Michael Schumacher gesteckt, zur Halbzeit der aktuellen Saison wäre es wohl angemessen zu sagen, dass die nicht erfüllt wurden. Vielmehr ist es mir zumindest heute zum ersten Mal wirklich bewusst aufgefallen, dass ich ihn gar nicht mehr richtig wahrnehme oder gar explizit auf ihn schaue. Diese Aufmerksamkeit gehört jetzt Sebastian Vettel und dem spannenden Kampf um die ersten 10 Plätze, von denen Schumacher eben weiter denn je entfernt ist. Und auch Sky schenkte Schumacher heute explizit nicht eine Sendeminute. Da platzt gerade eine Blase. Schumacher ist – wenn überhaupt – einer von vielen, vielleicht will er das ja auch nur noch sein. Doch das reicht momentan scheinbar nicht mehr aus, um im Rampenlicht der deutschen Medien und in meiner Aufmerksamkeit zu stehen.

Ich will gar nicht bewerten, ob es richtig war von ihm noch einmal in die Formel 1 zurückzukehren. Das steht mir nicht zu , das kann ich auch gar nicht, und es wäre ein Leichtes ihm jetzt zu belehren, dass er nicht mehr mit der heutigen Anforderungen der Formel 1 Autos zurechtkommt und mit den anderen Spitzenfahrern mithalten kann. Es mag offensichtlich sein, dass Schumacher auch im Vergleich zu seinem Teamkollegen Rossberg deutlich langsamer sein, er mag die Reifen nicht so auf Temperaturen zu bringen, wie für einige schnelle Runden im Qualifying nötig, er macht insgesamt zu viele kleine Fehler, hat immer mal wieder einen kleinen Aussetzer drin. Perfekte Runden, wo man aufhorchen würde, wo man mal wieder sagen könnte, das war annährend der uns vertraute Schumi, kommen äußerst selten vor. Das konnte ja auch keiner erwarten, dass Schumi um den Weltmeistertitel mitfährt, aber ich und er wahrscheinlich auch hätte ihn schon weiter vorne gesehen. Und das Auto hat ja ganz offensichtlich das Potential um die zweite oder dritte Startreihe mitzufahren.

Als man im März lesen konnte, dass Schumacher durchaus länger bei Mercedes GP noch fahren könnte, teilweise war ja sogar die Rede von bis zu drei Jahren, hielt ich das noch für ein realistisches Szenario. Heute würde ich Schumacher großen Respekt für die Entscheidung am Ende der Saison wieder aufzuhören entgegenbringen. Vermissen würde ich ihn in der jetzigen Form nicht.

Thema: Sport | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Zitat des Tages: Mittwoch, 28. Juli 2010 – Kleinere Autos

Mittwoch, 28. Juli 2010 9:01

“Notfalls fahren wir noch kleinere Autos – wenn das noch geht.”

Scorpions-Kapitän Tino Boos zu möglichen Hilfsmaßnahmen der Scorpions-Spieler für die Rettung des finanziell angeschlagenen Vereins. Momentan fährt das Team mit VW Golf und Polo.

Vielleicht kann man sich ja Smart als neuen Premium-Sponsor holen.

Thema: Sport, Zitat des Tages | Kommentare (0) | Autor: medispolis

Ein paar Gedanken zur angespannten Lage bei den Hannover Scorpions

Sonntag, 25. Juli 2010 12:04

Die Nachricht über das Aus der Hannover Scorpions vom vergangenen Donnerstag hat mich extremst getroffen, vielleicht weil sie auch einfach so unvorbereitet kam. Drei Tage später realisiert ein Fan die Situation so langsam. Von daher habe ich mir mal ein paar Gedanken gemacht zur aktuellen Situation der Hannover Scorpions, formuliert in einigen Thesen, welche ich nach und nach ausführen möchte. Derweil gibt es – ich bin seit gestern früher Nachmittag in Hannover – noch keine Neuigkeiten aus dem Umfeld der Scorpions. Ob es Lösungen, Verhandlungen oder sonstige Anstrengungen gibt, weiß derzeit wohl nur ein kleiner Zirkel an Beteiligten. Für die Öffentlichkeit sollten sich dann mehr konkrete Nachrichten in den nächsten Tagen ergeben.

1. Es geht gar nicht um die Hannover Scorpions, das Team ist nur Drohpotential.
Wie sehr ist der Konflikt um die Betreibung der Tui-Arena eigentlich auch eine Krise der Hannover Scorpions? Direkt ist sie erstmal keine, denn die Mannschaft von Trainer Toni Krinner hat die Lizenz für die kommende Spielzeit erhalten und damit alle finanziellen und strukturellen Anforderungen der DEL-Geschäftsführung erfüllt. Indirekt ist sie dann aber eben doch eine Krise, weil der Eigentümer der Scorpions, Günter Papenburg, gleichzeitig Betreiber der Tui-Arena ist, also aus seiner Sicht eine exzellente Drohkulisse aufbauen kann. Jetzt sagen die eine, es wäre ein strukturelles Defizit, dass Papenburg beide Funktionen gegeneinander ausspielen kann. Das mag schon sein, nur vergessen die meisten Beobachter in diesem Fall, dass es die Hannover Scorpions und die Tui-Arena ohne Günter Papenburg vielleicht gar nicht mehr geben würde. Und eines ist ja auch klar: Die Arbeit, welche die Hanover Scorpions in den letzten Jahren unter Hans Zach, mit Geschäftsführer Marco Stichnoth und eben Eigentümer Papenburg geleistet haben, verdient größten Respekt und Anerkennung. Von daher wäre es vorschnell zu behaupten, es wäre jetzt eine Krise der Hannover Scorpions. Dem Verein ging es in den letzten Jahren schon viel schlechter als dieser Tage. Natürlich hatte die unerwartete Meisterschaft auch finanzielle Belastungen dank Prämien und des neuen Vertrages für Torhüter Travis Scott. Aber Günter Papenburg war eben auch bereit weiter in die Hannover Scorpions zu investieren. Trotz zurückgehender Zuschauerzahlen, die aber immer noch über dem Niveau der Krisensaison 2007/2008 liegen. Dass gespart werden musste, dürfte jedem klar gewesen sein, deshalb gab es mit Paul Manning von den Hamburg Freezers nur einen Neuzugang. Aber es bestand ja auch kein Grund für Neuverpflichtungen, weil das Team der Meistersaison komplett in die neue Spielzeit ging. Also keine Krise der Hannover Scorpions, aber – auch im Hinblick auf die Meisterschaft – eine schöne Drohkulisse für Herrn Papenburg. Und welcher Unternehmer würde diese Chance verstreichen lassen…

2. Die Tui-Arena als Sinnbild für Hannovers Umgang mit dem Expo-Gelände
Die Stadt Hannover feiert diesen Sommer gerade das 10-jährige Jubiläum der Weltausstellung Expo 2000, von der die Stadt damals in Zuge eines neuen Nahverkehrssystems extrem profitiert hat. Gleichzeitig erweiterte man das große Messegelände und baute auf dem Weltausstellungsgelände die Tui-Arena, den gläsernen deutschen Pavillon und schuf Platz für die anderen Nationenbauten. Zehn Jahre später hat man immer noch kein durchdachtes Konzept entworfen, wie man eigentlich mit diesem großen Gelände umgeht, es gestaltet und in das Stadtbild integriert. Zehn Jahre danach. IKEA baute eine Niederlassung, BMW bekam Grundstücksfläche für ein Autohaus, die Fachhochschule hat sich in einigen Bauten niedergelassen. Aber ansonsten liegt das Gelände brach. Da hat die Stadt eine riesengroße Chance vertan lassen. Ich kenne das Weltausstellungsgelände in Lissabon sehr gut , wo man es zum Beispiel exzellent geschafft hat, die weiträumigen Anlagen auch nach der Expo sinnvoll zu nutzen, durch Ansiedlung von Wirtschaftsunternehmen, Parkanlagen und Wohnräume. Heute ist in der portugiesischen Stadt der Park der Nationen entstanden. In Hannover hat man sich nie wirklich Gedanken gemacht, wie man das Gelände nutzen kann und der Stadt dadurch einen Mehrwert zu schaffen. Das Gelände ist jetzt einfach da. Und auf diesem Areal steht auch die Tui-Arena, die vor zehn Jahren alle in Hannover wollten, Stadt, die Messe AG. Und jetzt will keiner mehr etwas von ihr wissen. Zehn Jahre danach.

3. Wenn es gut läuft, jubelt Hannover. Wenn es schlecht läuft, interessiert es einfach keinen.
Lena, der Bundespräsident, der Klassenerhalt von Hannover 96. Wenn es Hannover gut geht für ein paar Tage, haben sich alle ganz schnell lieb und die Politik sonnt sich im Scheinwerferlicht. Treten Probleme auf, zieht man immer ganz schnell den Schwanz ein und geht allen Schwierigkeiten aus dem Weg. Und das über viele Jahre hinweg. Das fängt bei so grundlegenden Entscheidungen wie die architektonische Umgestaltung der Innenstadt an und hört auf bei ellenlangen Diskussionen um ein Feuerwerk beim Maschseefest, dem größten Fest der Stadt, das fortan ohne Feuerwerk auskommen muss, weil die Bewohner am Maschsee es zu laut finden. In dieser Stadt gönnt man sich nicht den gemeinsamen Erfolg, es sei denn Lena oder 96 machen von sich reden. In Hannover dauert eben alles viel zu lange. Das lähmt die Stadt, macht sie unsicher in ihren politischen Entscheidungen. Bloß nichts verändern, bloß nichts anpacken. Es könnte ja schief gehen. Und wo sich andere Städte im letzten Jahrzehnt verändert haben, ist Hannover stehen geblieben. Das mag seine Langweiligkeit erklären, die viele Außenstehende der Stadt zu schreiben. Für die Einwohner hat das Charme. Die Stadt könnte noch so viel mehr aus sich herausholen, wenn alle mal mit anpacken und nicht ständig im Weg stehen. Die Politik genauso wie die vielen Bewohner, die sich über Hannover scheinbar immer nur freuen, wenn es was zu feiern gibt.

4. Hannover Scorpions vs. Hannover Indians
Dazu gehört auch das Verhältnis von Fans der beiden Eishockeymannschaften, der Scorpions und Hannover Indians. Rivalität finde ich gut, macht das doch auch sehr reizvoll, zumal ich zu beiden Vereinen sehr gerne hingehe, weil das Stadion am Pferdeturm schon einen besonderen Charme hat. Ich finde es klasse, dass Hanover zwei Eishockeyprofimannschaften hat. Von daher geht es mir auch immer noch nicht in den Kopf, wie es nahezu alle Indians-Fans schaffen mit Häme, Galgenhumor und Fundamentalkritik gegen die Hannover Scorpions zu stänkern. Wie kann man so eindimensional denken? Ist es vielleicht einfach nur Freude am Leiden anderer Fans, weil es selbst einem nicht mehr so gut geht, weil die Fanzahlen zurückgehen, weil die Harmonie zwischen den unterschiedlichen Fangruppen auch schon mal größer war? Ich weiß aus gut unterrichteter Quelle, dass auch die Indians finanziell nicht auf Rosen gebettet sind und bei einigen Sponsoren um vorzeitige Überweisung von Geld gebeten haben. Das ist mir aber auch erstmal egal, ich hätte mir gewünscht, wenn von den Indians ein großes Zeichen der Unterstützung gekommen wäre, für den Eishockeysport in der Stadt. Aber so kocht jeder wieder sein eigenes Süppchen. Made in Hannover.

5. Ticketpreise in der Tui-Arena zu senken, ist keine Lösung
Eine Forderung, die ich in den letzten Tagen immer wieder gehört und gelesen habe, ist die Forderung nach Senken der Ticketpreise für Spiele der Hannover Scorpions. Das mag zwar populär klingen, aber irgendwie muss sich ein Verein ja auch refinanzieren. 10-15 Euro für eine ermäßigte Karte sind völlig angebracht, vielleicht gebe es aber ein wenig Spielraum bei den regulären Preisen, gerade in der regulären Saison. Ein dauerhaftes Senken der Ticketpreise wäre aber keine Lösung, zumal es von Firmen schon zahlreiche Freikarten gibt. Und ob dann die Arena dann sukzessive mehr Zuschauer anlockt, ist auch fraglich. Dazu kommt diese unfassbare Story, dass sich die hannoverschen Verkehrsbetriebe und die Hannover Scorpions nicht auf die Kombiticket-Regelung einigen konnten, also Eintrittskarte gleich Fahrkarte. Die Arena erreicht sich aber fast nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn man bequem anreisen möchte. Das passt eben ins Gesamtbild für diese Stadt.

6. Die DEL-Rahmenbedingungen verschärfen die Situation bei den Klubs, auch bei den Hannover Scorpions
“Das ist eine unschöne Situation”, meint DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. “Wir basteln derzeit am Spielplan für die nächste Saison. Dabei gehen wir wie bisher von 15 Teams aus. Die müssen erst einmal in Hannover ihre Angelegenheiten klären”, hört man aus dem Ligabüro in Köln. Es ist wie ein Zu-Kenntnis-Nehmen der Situation, beunruhigt scheint es die DEL nicht zu haben. Natürlich sind die Probleme bei den Frankfurt Lions, den Hannover Scorpions, den Kassel Huskies, den Krefeld Pinguinen und auch die Krise bei den Kölner Haien im Frühjahr immer vereinsspezifisch, auch in der Interaktion mit den jeweiligen Städten. Doch die DEL scheint immer noch nicht erkannt zu haben, dass sie zwar nicht Auslöser der Probleme sind, aber zu einem großen Teil auch Ursache. Das fängt bei der unermesslich großen Anzahl unbedeutender Spiele an und geht über mangelnde Free-TV-Präsenz und dem Wille zur Veränderung an. Alle weiteren Probleme sind bekannt.

7. Was weiß der neue Trainer Toni Krinner?
Ich habe das Gefühl und den Eindruck, dass Toni Krinner als neuer Trainer und Nachfolger von Hans Zach vielleicht noch eine kleine Schlüsselrolle bekommt. Jedenfalls werte ich so seine Aussage, dass er sich erst in den nächsten Tagen äußern und die Vorgänge kommentieren möchte. Es dürfte vielleicht noch interessant werden, mit welchen Aussagen, Forderungen und Hintergründe Krinner nach Hannover geholt wurde.

8. Wie geht es weiter mit den Hannover Scorpions?
Es dringt wenig nach außen. Donnerstag wurde die Öffentlichkeit über die Schwierigkeiten informiert. Freitagmittag soll sich Geschäftsführer Marco Stichnoth mit einigen Spielern getroffen haben um das weitere Vorgehen zu beraten und zu erklären. Über das Wochenende soll verhandelt werden. Bisher dringen keine Informationen in die Öffentlichkeit. Zu Beginn der Woche soll es erste konkrete Infos geben. Es bleibt spannend und interessant. Vorerst. Denn es könnte auch ganz schnell vorbei sein.

Thema: Sport | Kommentare (2) | Autor: medispolis

Ich könnte mich freuen…wenn die Hannover Scorpions nicht wären

Freitag, 23. Juli 2010 17:49

So, es geht dann hier nach kurzer Pause wieder weiter im gewohnten Rhythmus. Hatte die letzten Tage viel Arbeit um die Ohren und musste mich nebenbei auch noch auf meine mündliche Prüfung vorbereiten. Das ist soweit ganz ordentlich gelaufen und über die anstehende Arbeit habe ich jetzt auch wieder den Überblick, sodass jetzt wieder Zeit zum Bloggen bleibt.

Ich hatte gestern Nachmittag nochmal intensiv für die mündliche Prüfung gelernt – und dann mach ich das meistens so, dass ich alle Geräte ausschalte, sodass ich mich komplett auf meine Notizen und Buchtexte konzentrieren kann. Frei nach dem Motto: Zwei Stunden konzentriert wiederholen anstatt ständig abgelenkt zu sein. Wenn man dann nach knapp drei Stunden wieder Anschluss an die Öffentlichkeit bekommt, Mails liest, bei Facebook vorbeischaut, habe ich eigentlich mit allem gerechnet – nur nicht mit der Meldung, dass das Aus der Hannover Scorpions kurz bevorsteht. Erst dachte ich wirklich, es wäre ein Fake, aber relativ schnell entpuppte sich die Meldung dann als ganz traurige Gewissheit. Einen Bekannten angesimst, der gute Kontakte zu den Scorpions hat. Antwort ein paar Minuten später: “Ich war auf der Pressekonferenz, ich bin nicht fähig zu kommunizieren gerade. Schock.” Und plötzlich bricht eine kleine Welt zusammen. Traurig, nach Erklärungen suchen.

Ich dachte, ich schaue dann mal, was die lokalen Medien so schreiben, aber habe es gleich sein gelassen, weil die Indianer wieder mit Häme und Galgenhumor wirklich alles zumüllten, was nach Textfeld aussah. Nicht mal in einer so großen Krise ist die Eishockey-Fan-Gemeinschaft in Hannover vereint. Ich habe diese Auseinandersetzungen zwischen Skorpionen und Indianern nie verstanden. Und Ausnahmen bestätigen die Regel. Dass ein Ende der Hannover Scorpions für den gesamten Eishockey-Standort Hannover dramatische Folgen hätte, scheint den meisten Indians-Fans egal zu sein, die immer noch von alten Zeiten schwärmen. Doch es ist kein Geheimnis, dass auch bei den Indians das Finanzielle nicht auf Rosen gebettet ist und schon mal mehr Einigkeit zwischen den Fangruppen bestand. Aber egal, das ist nicht das Thema.

Ich könnte jetzt noch einmal alles erklären, wie es zu den Problemen Hannover Scorpions gekommen ist – genau genommen ist der Eishockeyverein ja gar nicht die Schwierigkeit, sondern die Betreibung der Tui-Arena (nebenbei ein Projekt, das vor 10 Jahren von Stadt, Land und Messe AG vehement unterstützt wurde) – die Scorpions sind nur die Drohkulisse von Günter Papenburg. Im Moment fehlt mir dazu aber die Lust und Motivation. Immer noch geschockt. Dass die Situation der Scorpions nie einfach war, dürfte jedem Fan klar gewesen sein. Dass aber so plötzlich der Stecker gezogen wird, hat mich völlig unvorbereitet getroffen. Habe ich noch Hoffnung? Nicht wirklich. Und ich hatte mich schon so auf die neue Saison gefreut.

Nun ja, immerhin noch einmal Meister geworden. Wie bitter es klingt. Abwarten, was die nächsten Tage bringen. Vielleicht sehe ich mir dann in der Lage für eine ausführliche und detaillierte Analyse. Bis dahin vergesse ich einfach die Scorpions und freue mich über alle anderen schönen Dinge.

Thema: Alltägliches, Sport | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Quo vadis, Deutsche Eishockey Liga?

Donnerstag, 1. Juli 2010 22:17

Erinnert sich noch jemand an den Samstagabend, 22. Mai 2010? Nein, Champions League Finale zwischen Bayern München und Inter Mailand meine ich nicht. Vielmehr das Halbfinale in der Eishockey-Weltmeisterschaft zwischen Deutschland-Russland. Sonnenschein und Wärme im ganzen Land, die Kneipen und Restaurants sind bereits am Nachmittag gefüllt. Man hat das Gefühl, dass der Zuspruch und die Begeisterung für deutsches Eishockey mit dieser Weltmeisterschaft rapide gestiegen ist. Die Medien sprechen schon von einem kleinen Sommermärchen. Zwei Tage zuvor besiegte die deutsche Eishockeynationalmannschaft im Viertelfinale die Schweiz durch ein Tor von Philip Gogulla mit 1:0, am besagten Samstagabend absolvieren sie das nächste ganz große Spiel und verlieren ein wenig unglücklich mit 1:2 gegen die Russen. Am Ende wird es ein 4. Platz, so gut wie seit 30 Jahren nicht mehr. Und alle deutschen Eishockey-Fans hatten sich durch die WM erhofft, das Eishockey mehr in den Fokus der Öffentlichkeit und Gesellschaft rücken würde und viele noch eher uninteressierte Menschen einen Zugang finden zu dieser so tollen Sportart.

Fünf Wochen später dürften sich alle Träume, Sehnsüchte und Hoffnungen der deutschen Eishockey-Fans in Luft aufgelöst haben. Das ging schneller, als ich befürchtet hatte. Und es lässt mich fassungs- und ratlos zurück. Gestern am späten Abend tauchten erste Meldungen auf, wonach die Frankfurt Lions keine Lizenz für die kommende Spielzeit in der DEL erhalten werden. Kurze Zeit später bestätigte der Verein auf seiner Internetseite entsprechende Meldungen. Und das würde das Ende für die Lions bedeuten. An einen Neuanfang in einer unteren Liga wird derzeit nicht gedacht. Und es ist nicht irgendein Verein, der demnächst wohl zu Grabe getragen wird. Publikumsmagnet für die Region Rhein-Main, spielstarke Mannschaft mit vielen sehr guten Spielern, Playoff-Viertelfinalist der vergangenen Saison, Platz zwei nach der Vorrunde. In der Saison 2003/2004 deutscher Meister, in der darauffolgenden Saison schließen sie die reguläre Saison als Tabellenerster ab, scheiden dann aber unglücklich im Halbfinale aus. Da geht der DEL also ein Aushängeschild verloren. Die Probleme in Frankfurt waren bekannt. Bereits vor einigen Wochen gab es erste Gerüchte über einen möglichen Lizenzentzug, seit April wird händeringend versucht die Finanzierungslücke zu schließen, doch die Lions fanden keinen Investor, Zuschüsse von der Stadt Frankfurt gab es keine. Bis man sich vor knapp einer Woche mit der Stadt Frankfurt doch noch auf nicht näher definierte und ausgeführte Rahmenrichtlinien für eine finanzielle Unterstützung einigen konnte. Bei der DEL-Geschäftsführung hat das wohl keinen Eindruck hinterlassen. Die DEL ist nicht davon überzeugt, dass die Lions wirtschaftlich leistungsfähig sind und in der DEL eine Saison überleben können. Von daher dürften sie eben nicht mitspielen. Damit hatte man dann doch nicht gerechnet, schien die Vorzeichen doch positiver als noch im April und Mai.

Und damit ja auch alle schlechten Nachrichten auf einmal kommen, haben die Kassel Huskies gleich nachgelegt und ebenfalls mitteilen lassen, dass ihnen die Lizenz verweigert wurde. Damit will sich der Klub aber nicht abfinden und behält sich vor das DEL-Schiedsgericht anzurufen. Die Huskies berufen sich dabei auf ein Urteil des Landgerichts Köln, das eine einstweilige Verfügung gegen einen Aussschluss der Kassel Huskies aus der DEL erlassen hat. Die DEL-Geschäftsführung lässt sich davon nicht beeindrucken. Und in Kassel erkennt man wohl auch bald ein, dass sie nicht am längeren Hebel sitzen. Es dürfte also sehr wahrscheinlich sein, dass die DEL kommende Saison ohne die Frankfurt Lions und Kassel Huskies spielen wird. Wie man das den Eishockey-Fans in Deutschland vermitteln will, interessiert mich sehr. Erste Gelegenheit dazu gibt es schon morgen, wenn die DEL auf der Gesellschafter-Versammlung in Köln Details zum Lizenzverfahren und deren Ergebnisse vorstellt. Dann werden auch die Hannover Scorpions, die Eisbären Berlin und die Kölner Haie erfahren, ob sie die Auflagen der DEL erfüllen können. Irgendjemand hat vergangene Woche in Hannover das Gerücht in die Welt gesetzt, dass die Scorpions vor der Pleite stehen und die Lizenz nicht bekommen würde. Der Verein könne wegen hohen Prämienzahlungen durch die Meisterschaft für die kommende Saison sein finanzielles Überleben nicht garantieren. Der Verein war blitzschnell mit einem Presse-Statement und hat jegliche Meldungen über Pleite und fehlende Lizenz zurückgewiesen. Und alles, was ich aus Hannover die letzten Tage gehört habe, bekommen die Scorpions die Lizenz. Wann dann die nächsten finanziellen Schwierigkeiten bei den Scorpions und der DEL auftreten, steht ja auf einem ganz anderen Blatt.

Die Probleme der DEL sind ja längst deutschlandweit bekannt. Nur habe ich mittlerweile jegliche Hoffnung auf Reformfähigkeit und Mut zur Veränderung bei der DEL-Geschäftsführung verloren. Ich sehe einfach nicht, wie die DEL in den nächsten Jahren aus ihrer Krise herauskommen soll, wenn seitens der DEL-Chefs nicht endlich ein Reformplan erarbeitet wird. Sonst werden irgendwann nach und nach die kleinen Vereine an den Rand der Exsistenz getrieben. Und dass ein Verein wie die Frankfurt Lions Insolvenz anmelden müssen, sollte mehr als ein Warnzeichen für die DEL sein. Natürlich argumentiert die DEL durchaus richtig, dass die Vereine schlecht wirtschaften und ihre Ausgaben zum Teil völlig aus dem Ruder haben laufen lassen. Nur sollte doch spätestens jetzt auch der DEL aufgefallen sein, dass diese Krise nicht mehr vereinsspezifisch abläuft, sondern die ganze Liga betrifft. Das ist ein Treffen von 16 Sorgenkindern. Noch. Wenn es so weitergeht, werden es immer weniger. Zwei haben sich ja schon verabschiedet. Und wer jetzt frohlockt, dass die Liga dadurch endlich kleiner wird, öffnet auch zwei Flaschen Sekt und steht bereits an einem Dienstagabend im Oktober drei Stunden vor Einlass vor der Arena, wenn Iserlohn und Krefeld gegeneinander spielen. Nichts gegen die beiden sympathischen Vereine, aber das ganze Konzept DEL muss völlig auf den Prüfstein. Dass Teams mit Spielen in großen Mehrzweckarenen im Oktober, wo Eishockey ein paar tausend Fans interessiert, nicht gewinnbringend arbeiten können, müsste doch mittlerweile auch Gernot Tripcke, Chef dieser Zirkusveranstaltung, aufgefallen sein. Scheinbar nicht.

Ist die DEL noch zu retten? Ja, wenn man endlich die nötigen Reformen einleitet. Nicht den großen Kahlschlag zu Beginn, sondern erst müssen die Teams gesund werden, Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, dass überhaupt nicht jede Saison die halbe Liga ums finanzielle Überleben kämpft. Und mit 10 Teams finde ich die DEL dann schon wieder unattraktiv. Ein paar Stellschrauben sind durchaus einfach zu verändern. Weniger Spiele in der regulären Saison, längere Playoff-Serien, Sky entgegenkommen bei der Anzahl der TV-Übertragungen, auf das Free-TV zugehen bezüglich Magazine und Zusammenfassungen. Denn noch einmal sei betont, dass Sky mitnichten das Übel an der schlechten TV-Präsenz von Eishockey in Deutschland schuld ist. Mittlerweile kann man ja schon froh sein, dass die sich überhaupt noch erbarmen die DEL zu zeigen. Die Free-TV-Rechte liegen auf dem Markt. Zwei Parteien, die DEL und ARD/ZDF/Sport 1 stehen sich gegenüber. Jetzt ist es an der Zeit, dass sich die DEL bewegt und den Sendern entgegenkommt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Sport 1 an Magazinen und Spielberichten interessiert ist. Alles weitere dazu hat Marc Hindelang vor einigen Wochen mal bei Starting6 ausgeführt.

Wie gesagt, das sind nur kleine Stellschrauben. Einen Vorschlag für eine große Lösung habe ich derzeit auch nicht, wie die Finanzen der Vereine wieder in die richtige Bahn kommen können. Doch es ist dringend nötig, sollte sich die DEL und Eishocky in Deutschland insgesamt etablieren. Dafür ist es noch nicht zu spät, die Weltmeisterschaft hat es ja gezeigt. Wer Vorschläge für den großen Wurf hat, bitte in den Kommentaren melden. Was übrigens die größte Stellschraube in den nächsten Monaten sein dürfte, ist das ehe schon durchgerüttelte Verhältnis der DEL-Geschäftsführung mit den Fans wieder zu verbessern. Exemplarisch die Situation bei der Meisterfeier in Hannover. Beide Fangruppen feiern ausgelassen ihre Mannschaften. Als DEL-Geschäftsführer Tripcke vorgestellt wird, gibt es von über 10.000 Fans ein gellendes Pfeifkonzert. Zu Recht. Und es sollte Tripcke zu denken geben. Und das Bedauerliche: Er hat bis heute noch nichts getan, um den Fans entgegenzukommen. Ein weiter so kann es nicht geben.

Keine einfachen Wochen für Eishockey in Deutschland. Es macht traurig, nachdenklich, auch ein bisschen wütend. Man redet sich ein, dass es noch nicht zu spät ist für eine umfassende Reform, für Veränderung und Konsolidierung. Fürs Heilen des Patienten. Nur hat der Arzt scheinbar daran kein Interesse. Vielleicht gibt es ja das erste Rezept morgen auf der Versammlung in Köln. Es wäre ganz Eishockey-Deutschland zu wünschen, nur habe ich den Glauben daran verloren. Saisonstart übrigens am 9. September in der Tui-Arena in Hannover. Wir sollten uns auch bis dahin auf weitere Hiobsbotschaften einstellen. Gute Nachrichten gab es für die DEL in letzter Zeit einfach viel zu selten.

Thema: Sport | Kommentare (1) | Autor: medispolis

Vorschau DEL-Finale 2010: Hannover Scorpions vs Augsburg Panther

Montag, 19. April 2010 19:45

Ganz Eishockey-Deutschland, mit Ausnahme der Region Hannover, steht scheinbar geschlossen hinter den Augsburger Panthern, die morgen zum ersten Finalspiel in die Tui-Arena zu den Hannover Scorpions reisen. Es ist ja auch das Sportmärchen in diesem Frühjahr. Der AEV, häufig als “Armenhaus der DEL” beschrieben – wobei man da gar nicht weiß, ob der Terminus sowas wie Bedauern oder eher Bewunderung ausdrücken soll – träumt nach einem achten Tabellenplatz in der Hauptrunde 2009/2010 ( nach Siegen in den letzten sechs Vorrundenspielen) vom ganz großen Coup: dem ersten Meistertitel. Und der neutrale Fan kann gar nicht anders mehr als seine Sympathien dem AEV zuzuwerfen, jener Mannschaft, die als Underdog durch die Playoffs zog und mit Mannheim und Berlin die reichen Vereine aus dem Wettbewerb kegelte. Und schließlich mussten im Halbfinale auch die Grizzlys Adams Wolfsburg dran glauben, gerade mal mit etwas mehr Geld ausgestattet als die Augsburger, trotz potentiellem Großsponsor im Hintergrund. Augsburg lebt seinen Traum, die Stadt versinkt in einer Welle der Euphorie, und der AEV mausert sich zum Favoritenschreck. Doch nachdem man Mannheim, Berlin und Wolfsburg in den vorzeitigen Urlaub geschickt hat, muss man eigentlich bei weitem nicht mehr von einem Außenseiter sprechen, auch nicht vor dem Finale gegen die Hannover Scorpions. Ein Kapitel fehlt den Augsburg Panthern noch im Frühjahrsmärchen – jetzt aber in anderer Ausgangslage. Denn Außenseiter ist der AEV jetzt vielleicht noch auf dem Papier und wenn man sich den ein oder anderen spielerischen Aspekt näher begutachtet – letztendlich spürt der AEV jetzt auch den Druck und vielleicht die Last den finalen Schritt zu gehen, mit der großen deutschen Eishockey-Fangemeinde als stille Unterstützer. Die Augsburg Panther als Underdog – das lasse ich nicht mehr gelten.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Story der  Hannover Scorpions in dieser Saison genauso spektakulär verlaufen ist wie beim Gegner aus Bayern. Im November noch Tabellenletzter, der Trainer droht mit Rücktritt, steht man sechs Monate später jetzt zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte im DEL-Finale. Wie eine kleine Maschine an Effizienz und Effektivität zog man durch die Playoffs, vor allem die ersten beiden Spiele in der Halbfinalserie gegen Ingolstadt waren beeindruckendes Eishockey. Wenig Chancen, aber viele Tore und defensive Disziplin. Mittlerweile hat sich dann auch in der gesamten Stadt rumgesprochen, dass die Scorpions schon jetzt ihren größten Vereinserfolg geschafft haben. In der Abschiedssaison von Hans Zach soll jetzt das i-Tüpfelchen folgen. Scorpions-Verteidiger Thomas Dolak formuliert es so: “Wir wollen Hans Zach noch einmal einen ganz großen Abgang verschaffen.” Doch der Trainer aus Bad Tölz, seit vier Jahren an der Bande der Hannover Scorpions, will von all dem Trubel nichts wissen, zumindest gibt er sich so nach außen: “Krönung interessiert mich nicht.” Wobei selbst ein sonst so ruhiger Hans Zach einen Meisterschaftstitel zum Abschluss seiner Karriere sicherlich gerne mitnehmen würde. Die Euphorie in Hannover mag ein wenig kleiner sein als in Augsburg, aber trotzdem ist man sich auch an der Leine bewusst, was die Scorpions diese Saison erreicht haben und ja vielleicht noch erreichen. Und das wird von vielen endlich auch honoriert.

Schaut man sich beide Teams genauer an, dann fällt auf, dass beide Mannschaften in diesen Playoffs ihre Stärken vollends ausgespielt haben. Vor allem deswegen stehen sie im Finale. Blickt man auf die Hannover Scorpions, dann ist das an erster Stelle vor allem die Ausgeglichenheit im Team. Hans Zach lässt konsequent mit vier Reihen spielen, alle diese können Tore schießen. Erinnert sei an die Treffer von Blank und David Wolf in der Serie gegen Nürnberg. Zweites großen Plus der Hannoveraner: das Powerplay, zweitbestes in der Hauptrunde und in den Playoffs nochmal zu neuer Stärke erwachsen. Was daran liegt, dass auch die Reihe um Adam Mitchell, Matt Dzieduszycki und Chris Herperger – also die Formation, die das Überzahlspiel grundsätzlich hinter dem Tor spielen lässt – endlich wieder trifft. Das entlastet natürlich auch die Reihe um Dolak, Kathan und Vikingstad, die mit Sascha Goc den torgefährlichsten Verteidiger der DEL an ihrer Seite haben. Und auch Youngstar Ben Cottreau mit seinem gefährlichen Schlagschuss hat in den Playoffs das ein oder andere Mal getroffen. Wenn es nach der Hauptrunde so etwas wie ein Sorgenkind in Hannover gab, dann die Offensive. Das hat sich vorerst erledigt. Zudem hat Hannover eine Menge Erfahrung im Team, auf dem Eis wie neben dem Eis. Hans Zach weiß, wie man ein Team einstellen muss, dass um den Titel spielt. Drei Meisterschaften mit der Düsseldorfer EG sowie zwei weitere Finaleinzüge – einmal mit den Düsseldorfern und 2003 mit den Kölner Haien – sprechen für ganz viel Erfahrung, zudem hat Kapitän Tino Boos 2002 mit den Kölnern den Titel geholt. Vikingstad und Torhüter Travis Scott wissen ebenfalls, was es heißt eine Finalserie zu gewinnen. Größtes Manko der Hannover Scorpions sind die vielen Nachlässigkeiten und Formschwankungen während der Spiele, in der Serie gegen Nürnberg noch sichtbarer als bei den drei Partien gegen den ERC Ingolstadt. Die Scorpions schaffen es selten konstant über 60 Minuten konzentriert und engagiert zu spielen. Große Vorsprünge wurden häufig beinahe verspielt, dafür ist die Moral bei Rückständen umso größer. Herzstück eines jeden Zach-Teams ist die Defensive. Doch auch die ist zu knacken. Hannover hat Probleme, wenn man zu weit aufgerückt ist und dem Gegner die neutrale Zone als Start zum Kontern überlässt. Insbesondere in der Nürnberg-Serie ist aufgefallen, dass die Scorpions Schwierigkeiten haben, wenn die Gegner schnell hinter dem Tor spielen und dann den präzisen Pass in den Slot vor das Tor von Scott spielt. Das könnte eine Möglichkeit sein die Scorpions zu knacken. In den Playoffs haben es die Scorpions bisher nahezu gut verstanden, von der Strafbank fernzubleiben. Disziplin und die Geduld stimmen, war aber diese Saison auch schon mal anders.

Der große Rückhalt der Augsburg Panther steht im Tor. Nationaltorhüter Dennis Endras spielt überragende Playoffs und seine Fangquote von über 94 Prozent ist nur ein Merkmal dieser Stärke. Endras hält das Team defensiv zusammen, feuert sein Team an und scheint auch ein ganz wichtiger Faktor in der Verbindung Mannschaft und Fans zu sein, eben weil Endras seinen Vertrag im Gegensatz zu vielen anderen Leistungsträgern in Augsburg verlängern wird. Ich hatte ja nun häufiger die Gelegenheit einige Spiele der Panther in diesen Playoffs zu schauen. Was mich am meisten beeindruckt hat, ist, wie das Team insgesamt seine Struktur auch bei Rückstand beibehält, fast schon Zach-ähnlich. Es wird nichts überstürzt, alles wirkt durchdacht, jeder hält seine Position und erfüllt seine Aufgabe. Und das sieht dann häufig mit der offensiven Ausrichtung auch attraktiv aus. Überhaupt ist die Offensive exzellent besetzt. Der deutsch-kanadier Darin Olver bekommt in den Playoffs durch Chris Collins (sieben Treffer in 11 Partien) fantastische Unterstützung, Brett Engelhardt hat gezeigt, dass er die wichtigen spielentscheidenen Tore erzielen kann und auch Tyler Beechey und Connor James sind brandgefährlich. Weiterer Pluspunkt für die Panther ist der Zusammehalt im Team, viele Leistungsträger verlassen den Verein nach Saisonende. Was bietet sich da besser als mit einem Meisterschaftstitel zu gehen? Und so tritt die Mannschaft auch nach außen auf. Sie wirkt extrem gefestigt. Und damit sind dann eben Schwächen gegenüber dem Gegner auch auszugleichen. Und wenn man die Stärke nicht schon in der eigenen Mannschaft findet, dann wenigstens im Umfeld, genauer gesagt beim altehrwürdigen Curt-Frenzel-Stadion, eine Spielstätte, die für viele Gegner, die an geschlossene Mehrzweckarenen gewöhnt sind schwierig zu spielen sind. Zum Glück ist es im April nicht mehr so kalt, ist das Stadion doch nach drei Seiten offen, hat steile Stehplatztribünen, bei Sonnenschein reflektiert das Abendrot im Eis. Ein Hexenkessel und mit Sicherheit ein Faktor in dieser Finalserie. Schwächen muss man beim AEV schon etwas genauer suchen. Die Defensive könnte es sein. Zumindest in der Hauptrunde dieser Saison kassierte man die meisten Gegentreffer der Playoff-Teams, wenngleich die Defensive in der Serie gegen Wolfsburg überwiegend sattelfest verstand. Zumindest was die Gegentore angeht, aber insgesamt lässt Augsburg viel zu viele Torschüsse zu. Wenn Endras dann mal nicht seinen besten Tag erwischt hat, endet das wie in Spiel 3 in Wolfsburg. Ziel für die Hannover Scorpions muss es sein, möglichst viele Scheiben auf das Tor zu bringen, schnell und variabel zu spielen. Dann dürften die jungen Verteidiger der Panther ins Schwimmen kommen. Vom Gefühl her hatte Augsburg insbesondere in der Serie gegen Wolfsburg ein paar zu viele Strafen kassiert. Das wäre gegen das Powerplay der Scorpions von Nachteil, gleichzeitig haben die Panther die meisten Torschüsse in Unterzahl zugelassen. Augsburg sollte es also vermeiden, unnötig Strafen zu kassieren.

Das Finale – das Highlight der DEL-Saison und die Krönung einer einzigartigen Saison für beide Mannschaften und Fangruppen. Mit Tipps halte ich mich zurück, ich halte die Serie wie alles zuvor für völlig offen. Würde mir aber natürlich einen Titel für die Scorpions wünschen. Ansonsten ist es einfach nur toll eine Finalserie als Fan mitzuerleben. Ich bin am Sonntag in der Tui-Arena und freue mich jetzt schon unabhängig von den ersten beiden Spielen riesig darauf.

Die Finalspiele finden am 20., 23., 25., 28. und 30 April statt. Sky übeträgt alle Partien live.

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Hannover rückt zusammen

Freitag, 16. April 2010 12:33

Ich bin ja immer vorsichtig, wenn es darum geht, Euphorie und Begeisterung überzubewerten, aber ich glaube, dass in den letzten Tagen der Finaleinzug der Hannover Scorpions durchaus auch bei denjenigen, welche die Mannschaft gerade mal vom Hörensagen kennen, eine gewisse Aufmerksamkeit bekommen hat. Die Zeitungen sind jetzt täglich mit halbseitigen Berichten voll. Und dann könnte es ja fast noch klappen, dass ganz Hannover hinter den Scorpions steht. Oder zumindest die Eishockey-Fans beider Vereine in der Stadt. Was insgesamt ein Image-Gewinn für die gesamte Region wäre – jenseits der Eisfläche.


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Und wer der Finalgegner wird, entscheidet sich dann hoffentlich heute Abend.

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Finale ist schön!

Dienstag, 13. April 2010 22:18

Und das haben die Scorpions dann auch geschafft

[via Alexander Spangenberg]

22. November 2009: Die Hannover Scorpions verlieren das Punktspiel gegen den ERC Ingolstadt daheim mit 2:3 nach Verlängerung. Das Ende des Novembers verbringen die Scorpions im Tabellenkeller, sind zwischenzeitlich sogar Schlusslicht. Hans Zach droht mit Rücktritt.

13. April 2010: Die Hannover Scorpions liegen im Spiel 3 der Halbfinalserie zwischenzeitlich mit 1:4 zurück, schaffen durch ein spätes Tor von Chris Herperger nach leidenschaftlichem Kampf noch den Ausgleich in der regulären Spielzeit, um dann im gewohnt gefährlichen Powerplay den Sieg perfekt zu machen. Sascha Goc sorgte mit seinem Schlagschuss für das 5:4.

Auch wenn das jetzt nur ein paar Zahlen sind. Für einen Scorpion-Fan keine leichte Spielzeit. Und dass am Ende der Finaleinzug steht, hätte ich mir in den kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Einfach nur großartig.

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Der Traum von der Meisterschaft: Vorschau DEL-Playoffs 2010

Montag, 29. März 2010 21:22

Morgen beginnt sie wieder – die für Eishockeyfans wohl spannendeste Zeit des Jahres. Die Playoffs in der DEL starten in ihre heiße Phase. Nachdem sich in den letzten Tagen noch zwei Teams qualifizieren mussten, ist seit Sonntag das Viertelfinale komplett und geht heute in den ersten Spieltag. Gespielt wird sowohl im Viertelfinale als auch in der Runde der letzten Vier und im Finale im Modus Best-of-Five, es sind also drei Siege fürs Weiterkommen nötig. Das Viertelfinale wird im 2-Tages-Rhythmus gespielt. Im Halbfinale werden die Spiele dann nur noch am ersten Spieltag parallel ausgetragen, am 2. Spieltag zeitversetzt und dann immer ein Spiel pro Wochentag. Die Finalserie startet am Mittwoch, den 21. April. Im Viertelfinale treffen jetzt die besten sechs Teams der Hauptrunde plus die beiden Qualifikanten aufeinander. Die Top Vier aus der regulären Spielzeit haben Heimrecht. Im Halbfinale spielt dann die aus der Vorrunde am besten platzierte Mannschaft gegen die am schlechtesten platzierte und so weiter und so fort. Sky überträgt im Viertelfinale pro Spieltag eine Partie, ab dem Halbfinale werden alle Spiele live gezeigt. Dieses Jahr nur eingeschränkt in HD, weil die meisten Ansetzungen mit Fußballspielen kollidieren. Die Übertragungen beginnen am Dienstag mit der Partie Wolfsburg gegen Düsseldorf, Donnerstag ist man bei Nürnberg gegen Hannover in der Arena. Übertragungsbeginn ist jeweils 19:15 Uhr.

#1 Eisbären Berlin – #8 Augsburger Panther

Die Augsburger Panther sollen jetzt also das erste Opfer der Eisbären sein. Für die Berliner ist das Viertelfinale nach einer tollen Vorrunde nur Durchgangsstation für das große Ziel: Den Titel-Hattrick in die Hauptstadt holen. Und die Eisbären sind die Topfavoriten. Außer Hans Zach haben alles Trainer der Playoff-Teams die Berliner als Meistertipp abgegeben. Und das Team ist auf allen Positionen exzellent besetzt. Torhüter Rob Zepp steht hinter der drittbesten Abwehr der Liga und hat schon fünf Mal zu null gespielt. Richie Regehr ist einer der besten Abwehrspieler der Liga, und im Sturm hat man mit André Rankel hat man einen Berliner Jungen, der noch nie so treffsicher war wie in dieser Saison. Und wenn schon nicht alles für die Eisbären auf dem Platz spricht, dann immerhin durch das Umfeld. Stets eine ausverkaufte Arena, begeisterte Fans. Da ist es für jedes Team verdammt schwer zu bestehen. Und zu allem Überfluss aus Sicht der Panther wird Denis Pederson, der nach dieser Saison seine sportliche Karriere beendet, noch mal alles versuchen, mit den Eisbären seinen fünften Meistertitel zu feiern. Aber Vorsicht vor Augsburg! Die Panther sollte man nicht unterschätzen. Sie gewannen die letzten sechs Spiele in der Vorrunde und besiegten dann mal eben im Vorbeigehen Rekordmeister Adler Mannheim. Die Bilanz zwischen Berlin und Augsburg aus der Hauptrunde ist ausgeglichen. Beide gewannen ihre zwei Heimspiele. Spätestens dort sollte zu erkennen sein, dass das kein Spaziergang für Berlin wird. Was macht Augsburg so stark? Einsatz bis zur letzten Sekunde, ein unglaubliche Moral im Team und eine sehr homogene und geschlossene Mannschaftsperformance. Bei den Panther wird Uli Maurer nach seinem Jochbeinbruch noch zusehen müssen, dank der Beschränkung für Ausländer im Aufgebot werden wohl auch Matt Ryan und Junior Lessard nicht spielen.

Mein Tipp: Es werden knappe Spiele, aber Berlin wird nach drei Spielen weiterkommen.

#2 Frankfurt Lions – #7 ERC Ingolstadt

Die heimstarken Lions empfangen die heimstarken Panther aus Ingolstadt. Könnte also eine Serie werden, die sich dadurch entscheidet, ob ein Team auch auswärts mal gewinnen kann. Frankfurt sicherte sich erst am letzten Spieltag mit einem Sieg gegen Wolfsburg den zweiten Tabellenplatz, Ingolstadt musste in den Pre-Playoffs über die volle Distanz gegen die Kölner Haie gehen, nachdem man auch in Spiel 1 den leichten Abwärtstrend vor allem vor heimischem Publikum (man verlor drei der letzten vier Heimspiele) fortsetzte, sich dann aber rechzeitig fing und Köln problemlos ausschaltete. Mit Frankfurt kommt nun ein anderes Kaliber auf den ERC zu. Beflügelt durch den tollen Saisonabschluss und mit der Vertragsverlängerung vom Top-Scorer der DEL, Jeff Ulmer, immerhin 74 Scorerpunkte, empfängt man im ersten Spiel den Gast aus Ingolstadt. Lions-Trainer Rich Chernomaz kann dabei auch wieder auf Verteidiger John Slaney zurückgreifen. Wenn es einen Schwachpunkt bei den Lions gibt, dann ist es das Überzahlspiel, mit dem sie nur im hinteren Drittel der Liga sind. Ein ganz besonderes Spiel dürfte es für Christoph Gawlik in Trikot der Lions werden, spielt er doch ab nächster Saison in Ingolstadt und kann sich nochmal wärmstens empfehlen. Die Ingolstädter wollen es hingegen der DEL insgesamt zeigen. Deren Geschäftsführer Tripcke hätte sehr gerne die Kölner Haie im Viertelfinale gesehen, quasi als einleitenden Prozess der Genesung. Jetzt darf der ERC beweisen, dass es die sportlich bessere Mannschaft in die Runde der letzten Acht geschaffen hat. Augenmerk bei den Gästen vor allem auf zwei Spieler. Thomas Greilinger ist nach Jeff Ulmer zweitbester Scorer der Liga. Und Jakub Ficenec hat mit drei Toren in den Pre-Playoffs zur richtigen Zeit die passende Form gefunden.

Mein Tipp: Wird eine enge Serie, am Ende sollten sich die Lions dank ihrer Heimstärke und mit den zahlreichen zurückgekehrten gesunden Spielern durchsetzen. Also Frankfurt macht es in vier Spielen.

#3 Grizzly Adams Wolfsburg – #6 DEG Metro Stars

Es ist die Abschiedsrunde für Wolfsburg-Trainer Toni Krinner, der ab dem Sommer an der Bande der Hannover Scorpions steht. Und wie könnte man sich besser verabschieden als mit erfolgreichen Playoffs? Wolfsburg hat über die gesamte Saison sehr gutes Eishockey gespielt, war immer vorne dabei und hat sich heimlich still und leise bis auf den zweiten Tabellenplatz nach oben bewegt. Und dass die Grizzlys Playoff-Eishockey spielen können, haben sie schon letzte Saison eindrucksvoll gezeigt. Die Niedersachsen spielen nicht unbedingt das spektakuläre Eishockey, aber sehr effektiv und zielstrebig nach vorne. Dafür haben sie eine der besten Sturmreihen der Liga mit John Laliberte, Norm Milley, Jason Ulmer, Ken Magowan, Kai Hospelt und Sebastian Furchner.  Und insbesondere auf Laliberte sollte man ein Auge haben. Vor der Saison kannte in Eishockey-Deutschland noch niemand der feilschnellen US-Amerikaner, der damals in Dänemark spielte. Jetzt gehört er zu Neuentdeckung der Saison und ist einer der Leistungsträger bei den Niedersachsen. Interessant dürfte vor allem sein, ob die Wolfsburger ihre Arena mal voll bekommen. Die Grizzlys haben den schlechtesten Zuschauerschnitt mit noch unter 3.000 Fans pro Partie. Und ein paar Zahlen verdeutlichen, dass Wolfsburg eine ganz harte Nuss zum Knacken sein wird. Das Team hat den viertbesten Angriff der Liga, stellt die zweitbeste Defensive, hat in 22 seiner 28 Heimspiele gepunktet (davon 18 Siege) und ist das fairste Team der Liga. Das dürfte insbesondere für die DEG, die das drittbeste Power-Play der Liga haben, schwer zu bearbeiten sein. Augenmerk bei Wolfsburg auf das 22-jährige Talent Christopher Fischer.

Die DEG muss sich also überlegen, wie sie die Wolfsburger mal auf die Strafbank bekommt. Aber das ist derzeit das geringste Problem bei den Metro Stars. In den Köpfen dürfte die Enttäuschung über das Verspielen einer Top-Ausgangslage für die Playoffs immer noch groß sein. Im März verspielte eines der heimstärksten Teams der Liga das Heimrecht. Anfang März schlug man die Eisbären Berlin in Overtime und lag auf dem zweiten Tabellenplatz. Anschließend verlor man fünf der letzten sechs Saisonspiele. Nebebei wurde bekannt, dass Trainer Harold Kreis für die neue Saison bereits bei den Adler Mannheim unterschrieben hatte. Dass das übrigens kein Grund für sportlichen Misserfolg sein muss, sieht man derzeit in Wolfsburg. Trotzdem flog Kreis zwei Spieltage vor Schluss raus. Dann gab es Flaschmeldungen im Düsseldorfer Express über einen möglichen Nachfolger von Kreis. Es war alles andere als ruhig in der entscheidenen Saisonphase. Interimstrainer ist vorerst Manager Lance Nethery, der die Ziele auch erstmal nach unten korrigierte. Am Rhein spreche man jetzt nicht mehr von der Meisterschaft, sondern erstmal nur vom Erreichen des Viertelfinals. Immerhin scheint man sich jetzt voll auf das Sportliche zu konzentrieren. Mit Patrick Reimer, Rob Collins, Adam Courchaine, Daniel Kreutzer und Brandon Reid hat man immer noch zahlreiche schlagkräftige Stürmer in den eigenen Reihen. Die Serie gegen Wolfsburg könnte also zu einem Offensivspektakel werden. Nachteil für Düsseldorf, dass man weiterhin nur drei komplette Reihen aufbieten kann. Immerhin ist Adam Courchaine nach seiner Verletzung rechtzeitig zu den Playoffs fit.

Mein Tipp: Für die DEG spricht die Erfahrung, für Wolfsburg die aktuelle Form sowie die glänzende Offensivreihe. Die Grizzlys sind ausgeglichener besetzt, haben weniger Druck im Umfeld. Wolfsburg steht nach fünf Spielen im Halbfinale.

#4 Hannover Scorpions – #5 Thomas Sabo Ice Tigers

Es wird ein emotionaler Dienstagabend in der Tui-Arena, wenn man nochmal die letzten Monate im Leben der Hannover Scorpions Revue passieren lässt. Vor der Saison war der Spielbetrieb gefährdet, die Spieler nahmen erhebliche Gehaltskürzungen in Kauf, im November standen die Skorpione am Tabellenkeller, Hans Zach drohte mit Rücktritt. Doch der Transfer von Torhüter Travis Scott, der in Hannover zu einem der besten Torhüter dieser DEL-Saison wurde, leitete die Wende ein. Im Dezember startete Hannover eine unglaubliche Siegesserie, gewann sieben Spiele in Folge mit voller Punktzahl und hat sich dann bis zum Saisonende in der Tabelle oben festgesetzt. Eine Schwächephase im Februar folgte ein toller Saisonendspurt mit Siegen gegen Düsseldorf, Mannheim und Ingolstadt. Am Ende einer emotionalen Vorrunde steht Platz 4 und das Heimrecht in den Playoffs. Wer hätte das im November gedacht. Wobei das Heimrecht den Scorpions gar nicht so gelegen kommt, sind sie doch eine der auswärtsstärksten Mannschaften der Liga. Wenn die Scorpions das Spiel aber vor eigener Kulisse selbst gestalten müssen, tun sie sich gelegentlich schwer. Nicht immer, aber im Playoffs gibt es wenig Raum für Ausreden.

Und so emotional die Vorrunde war, umso stimmungsvoller wird der Dienstagabend in Hannover. Hans Zach feiert seinen 61. Geburtstag und würde sich natürlich gerne einen Heimsieg wünschen, in seiner letzten Saison als Trainer in der DEL. Beide Trainer schieben die Favoritenrolle partout dem Gegner zu. Hans Zach meinte vor dieser Partie, dass seine Mannschaft in der regulären Saison nur zwei von 12 Punkten gegen die Ice Tigers holten. Da kann man aus Sicht von Hannover nicht von einem Favoritenstatus sprechen. Nürnberg-Coach Andreas Brockmann will davon gar nichts wissen und sucht eine Begründung in den Schwächen seines Teams. Die Ice Tigers sind offensiv eines der ungefährlichsten Teams und haben das schlechteste Powerplay der Liga. Blöd nur, dass man mit den Scorpions auf das zweitbeste Überzahlspiel der Liga trifft. Weiterer Vorteil für Hannover: Man hat keine Verletzten und vier komplette ausgeglichene Sturmreihen. Insbesondere die vierte Reihe war maßgeblich für die Siege gegen Mannheim und in Düsseldorf verantwortlich. Wenn Hannover defensiv gut steht, ist das die halbe Miete. Schwächen bei Hannover zuletzt vor allem im Spiel nach vorne, die Offensive ist gut besetzt, die Scorpions brauchen aber häufig zu viele Chancen für den Torerfolg. Beim überragenden Nürnberger Torhüter Patrick Ehelechner wird die Chancenverwertung umso entscheidener sein. Beide Teams gehen optimistisch in diese Serie. Ganz besonders motiviert dürften auch Petr Fical und Florian Ondruschka in ihrer Abschiedssaison bei den Ice Tigers sein.

Hannover also mit vollem Kader, aber auch Nürnberg wird mit vier Sturmreihen auflaufen können. Allerdings müssen sie schon länger unter anderem auf Morten Ask und Florian Keller verzichten, zudem fehlt Simon Fischhaber mit einer Knieverletzung. Die Scorpions haben derweil noch eine Rechnung mit Nürnberg offen. Vor drei Jahren bestritten beide Teams die Viertelfinalserie. Die Scorpions gingen 2:0 in Führung, verloren dann aber die nächsten drei Spiele. Spiel 5 und 6 jeweils mit 2:3 nach Verlängerung. Ich weiß noch, dass ich damals Tränen in den Augen hatte. Also Scorpions, Revanche bitte. Dafür ist es nie zu spät.

Mein Tipp: Ich wünsche mir sportlich gesehen dieser Tage nichts sehnlicher als den Halbfinaleinzug der Scorpions. Wird sehr schwierig. Das wird sicherlich eine Serie über fünf Spiele. Und wer dann noch mehr Power und Hunger hat, kommt ins Halbfinale. Ich hoffe auf die Scorpions.

In den Playoffs zählen Kleinigkeiten, alles eine Kopfsache. Es geht alles und für alle wieder bei null los. Und wer weniger Fehler macht, der wird weiterkommen. Wenn solche Phrasen von Spielern und Trainern bemüht werden, dann wissen wir: It’s Playoff-Time. Lasset sie beginnen!

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Zitat des Tages: Mittwoch, 17. März 2010 – Es geht doch, Herr Stichnoth!

Mittwoch, 17. März 2010 15:02

Gerade eben in meinem Mail-Postfach aufgeschlagen. Infos der Hannover Scorpions zu den beginnenden Playoffs. Pre-Playoffs werden ja auf alle Fälle gespielt, ob es für die direkte Qualifikation reicht, entscheidet sich frühstens Freitag nach dem Heimspiel gegen die Grizzly Adams Wolfsburg.

Hier ein Auszug aus der Mitteilung:

Es ist fast wieder soweit: die beste Zeit des Jahres steht vor der Tür. Die Play-offs 2010 beginnen für unsere Scorpions entweder in der kommenden Woche mit der 1. Play-off-Runde oder aber mit der direkten Qualifikation für das Viertelfinale – dann starten wir Ende März/Anfang April in die Meisterrunde.
Das Team gibt grade im Endspurt noch einmal alles und unsere Fans haben sich während der gesamten Spielzeit von einer Seite präsentiert, die uns als Hannover Scorpions mit großem Stolz erfüllt. Alle Preise und auch die Ermäßigungen bleiben deshalb analog zur Vorrunde, einen moderaten Aufschlag gibt es frühestens ab dem Halbfinale. „Die Mannschaft braucht die Unterstützung unserer Fans gerade in den Play-offs und es wäre schön, wenn möglichst viele Freunde wieder den Weg in die TUI Arena zu den Spielen um die Deutsche Meisterschaft finden würden“, sagt Geschäftsführer Marco Stichnoth.

Da hat man aus dem Fehler der Vergangenheit und das Ticket-Chaos in den letzten Jahren gelernt. Gut so. Das freut mich sehr. Dann fehlt eigentlich nur eine tolle Leistung des Teams in den letzten drei Saisonspielen und dann in den Playoffs.

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